Chronik.Ereignis1045 Selkethaler Pferderennen zu Ehren der schönen Göttin 1045 BF 25

Aus Almada Wiki
Zur Navigation springen Zur Suche springen

==Gräflich Taladur, im Edlengut Selkethal, Ende Ingerimm 1045 BF

Autoren: BBB, Eliane

Zwei Herzen schlugen, ach, in seiner Brust. Und eines von beiden musste damit aufhören, und das schnell, wollte der Edle des Selkethals die kommenden Tage schadlos überstehen. Das war ihm nur allzu schmerzlich bewusst. Aber was sollte er tun?

Als man ihn informiert hatte, dass die nächsten Gäste zu den Rennen im Begriff waren einzutreffen – eine nicht ganz kleine Gruppe leidenschaftlicher Reiter, wie es den Anschein hatte – hatte er wie jedes Mal unterbrochen, was er gerade tat, und war zum nächstgelegenen Ort gegangen, von dem aus er die Ankunft der Gäste beobachten konnte. Da die Siedlung Selkethal tief im gleichnamigen Tal gelegen war, sah man Reisende auf dem hügeligen und kurvigen Pfad bisweilen erst sehr spät… und so hatte er die Neuankommenden erst erkannt, als sie, hoch zu Ross, in die Ortschaft einritten. Allen voran ihre Soberana, gekleidet, wie so oft, in den Farben ihrer Familia.

Selea Al'Morsqueta.

Allein ihr Anblick genügte, um sein Herz schneller schlagen zu lassen. Es lagen sicherlich dreißig, vierzig Schritt zwischen seinem Arbeitszimmer, an dessen Fenster er getreten war, und seiner… Freundin. Fabiola. Und doch schien ihm, als stünde er direkt neben ihr. Ihr dunkles Haar, das im Wind wehte. Ihr strahlendes Lächeln, dem zu widerstehen so schwer war. Der Schalk in ihren Augen. Diesen wunderschönen Augen, in denen er jedes Mal Gefahr lief, sich zu verlieren.

Es war die reinste Freude ihr dabei zuzusehen, wie sie in vollkommener Harmonie mit ihrem Pferd angeritten kam, der Rhythmus des Tieres unter ihr perfekt mit dem ihrem abgestimmt. Einen Moment lang beobachtete er sie einfach nur, ihre Bewegungen, ihre Handlungen, ihre wohlgeformte Erscheinung. Und ließ ohne sich zu wehren zu, dass seine Gefühle sich entfalteten. Es war unmöglich es zu leugnen.

Zum ersten Mal in seinem Leben, zumindest des Teils, dessen er sich erinnern konnte, musste sich Algerio da Selaque von Culming eingestehen, dass die Frau, die er dort vor sich sah, für ihn mehr war, als nur eine Bekannte, eine Freundin, eine Verbündete. Er war verliebt. Er begehrte sie.

Aber sie war nicht allein.

Hinter ihr ritten ihre engsten Vertrauten, ihre Geschwister. Sein zukünftiger Schwager, Sanzas Verlobter, ebenfalls ein Al’Morsqueta. Doch das, was seine Aufmerksamkeit auf sich zog, war keiner von ihnen.

Es war das kleine Kind, kein Götterlauf alt, dass sie vor sich in einem Tragetuch fest umschlungen hielt. Ein süßes, zartes Ding, das mit großen Augen in die Welt blickte. Voller Neugier und Wunder. Seine Existenz war der Beweis, dass der Yaquirblick ausnahmsweise mal gut informiert gewesen war. Der Beweis, dass sie Mutter war.

Der Beweis, dass alle Hoffnung verloren war.

Algerio schloss die Augen, lehnte sich mit der Stirn gegen das Fenster, atmete einmal tief durch. Dieses Herz der Leidenschaft, der Hoffnung… es musste aufhören zu schlagen. Diese Frau war vergeben. In ihrem Leben war kein Platz für ihn.

Er atmete langgezogen aus. Entspannte die Hand, mit der er unwillkürlich den Fensterrahmen umklammert hatte. Schließlich löste er sich vom Fenster, um seine Gäste zu begrüßen.

Fabiola hatte die Reise genossen. Dieses Mal hatten sie die Wagen mit Zelten und Ausrüstung vorausgeschickt, waren mit leichtem Gepäck gereist. Da Sarkyoza aus Blumenau anreiste, war das kein Problem gewesen. Luciana würde mit der Familia ihrer Knappin und ihren caldaischen Freunden anreisen, so dass die Stimmung zwanglos gewesen war. Die Zwillinge hatten sich als genügsam erwiesen, solange sie jemand vor sich im Sattel hielt. Was jeder der Reisegruppe gerne getan hatte, allen voran Fabiola selbst. So hatte sie Phessa im Arm, während sie in Selkethal einritten. Silharis hielt sich abwechselnd neben Nuianna und Solanocheo, stets in der Nähe der Kinder.

Als sie vor der Hacienda hielten, reichte sie ihre Tochter der herbeieilenden Amme, bevor sie sich aus dem Sattel schwang, das Tragetuch ablegte, mit einem raschen Blick versicherte, dass kein Malheur passiert war. Sie strich über Weste und Hose, wandte sich dem herrschaftlichen Anwesen zu.

Da trat der Gastgeber auf die Veranda der Hacienda. Mit warmen Lächeln und ausgebreiteten Armen trat sie rasch auf ihn zu. „Dom Algerio! Welch Freude, Euch zu sehen. Welch Ehre, dass Ihr Euch die Zeit nehmt, uns selbst zu begrüßen. Bei den aufregenden Tagen, die vor uns liegen.“ Sie hauchte ihm links und rechts einen Kuss auf die Wange. „Sei gegrüßt, Obsidian. Es ist zu lange her.“ Das Flüstern war selbst für ihn kaum zu verstehen.

“Herzlich willkommen zurück”, antwortete er freundlich, der Cortezza folgend die Küsse erwidernd. Nichts war vom Schmerz in seinem Innersten zu sehen.