Chronik.Ereignis1045 Selkethaler Pferderennen zu Ehren der schönen Göttin 1045 BF 24
Bei Wilsemund, Ingerimm/Rahja 1045 BF
“Nach unser caldaischen Schwester Domna Caldaña gehörte auch diese vergessene Perle am Yaquir einst zu unserer blühenden Caldaia”, plusterte der großspurige Jordi d'Ouvici den recht schlichten Ort auf.
“Meine Mutter würde Domna Caldaña hier heftig widersprechen, es gibt eigentlich keine Belege dafür, die echte Caldaia endet südlich von Jurios, Molay und Yasamir. Obgleich mir die Mär der Domna Caldaña wohl gefällt.” Matea d'Eltzek setzte ihrem caldistischen Bruder etwas entgegen.
“Domna Caldaña behauptet etwas anderes, sie spricht von Dokumenten die die Landgrafschaft auch weiter südlich verorten und vorallem spricht sie von der Logik, sollte Jurios als glorreiche Hauptstadt wirklich so weit im Süden und nicht näher am Herzen unseres geliebten Caldaias gelegen haben? Noch dazu wären Molay und gar Tolshidur dann seltsame Auswüchse der Landmasse gewesen. Ich will ihr glauben, da es unser Caldaia nur noch glänzender erscheinen lässt”, der Eltzeker ließ nicht locker.
Wütend wie immer, schnaufte Rahjmon (di) Cavandrago-Valcur dazwischen: “Das ist alles zweitrangig. Wichtig ist, dass wir uns bestimmte Dinge nicht länger gefallen lassen und uns zurückholen was unser ist.”
“Aber, aber, guter Rahjmon, so sehr ich Euren Enthusiasmus auch gut heisse, ein solches Gerede bringt unsere Bewegung nur in Verruf, weil es nach Aufstand und Aufrührerei klingt. Vielmehr müssen wir dem Adel Almadas, Garetiens und des Reiches nur vermitteln wie sehr die Caldaier die Trennung immer noch dauert und ihnen unseren Traum schmackhaft machen von der geeinten Caldaia. So dass Ragather und Eslamsgrunder Grafen unter Druck geraten. Mit Beharrlichkeit kommen wir ans Ziel, denn der Traum ist größer als das Jetzt. Deswegen reisen wir ja auch gemeinsam zu diesem Rennen fern unserer gebeutelten und doch so stolzen Heimat, damit Almada unseren Stolz sehen kann”, Albadona di Merón badete wie so häufig in Euphorie.
Luciana Al'Morsqueta, mütterlicherseits eine d’Ouvici, hatte sich wie meistens eher zurückgehalten. Auch wenn sie für die Idee einer wiedererstandenen Grafschaft Caldaia brannte, natürlich als Teil eines starken Königreichs Almada, was sie aber meist für sich behielt, so lange ihre gute Freundin Geldana wie jetzt dabei war. Und auch sonst war sie keine der lautstarken Verfechter der Idee. Schließlich war es viel zu früh, um unnötig die Aufmerksamkeit möglicher Gegner auf sich zu ziehen. Sie machte sich wenig Illusionen darüber, dass dieses Ziel kaum zu ihren Lebzeiten erreicht werden würde. Ihr Blick wanderte zu ihrer Knappin Rondralia d'Ouvici, der Tochter Jordis. Die jüngere Generation würde es vielleicht erleben. Wenn man es klug anstellte, nicht voreilig handelte, sich nicht zerstritt. Ja, das Mädchen war die Zukunft. Und ihr im letzten Jahr sehr ans Herz gewachsen.
„Domna Albadona hat recht. Wir müssen klug handeln. Können nicht riskieren, dass wir die Aufmerksamkeit von Feinden eine Caldaia vor der Zeit unnötig auf uns ziehen. Unsere Wurzeln mögen alt sein, tief reichen, Quell derer Stärke sein. Doch das Grün ist frisch, die jungen Triebe sind noch zu verletzbar. Das wird sich ändern, aber dafür brauchen wir Zeit. Zeit, in der wir ungestört unsere alte Stärke zurückgewinnen können.“ Die angesprochene Albadona verzog nur amüsiert das Gesicht und parlierte einfach weiter.
So wog das Gespräch zwischen den Fünfen, die mit einer sehr kleinen Bedeckung reisten, noch ein wenig hin und her, ihre Kleidung, Waffen und Pferde hatten sie mit den caldaischen Farben geschmückt. Ihr Weg würde sie dabei über das ‘unterdrückerische’ Ragath bis schließlich ins Selkethal führen, wo man vorhatte für die Caldaia ein Rennen zu gewinnen oder zumindest eine große Aufmerksamkeit zu erzeugen.
Schweigend und beobachtend dazwischen ritt ihre ‘nord-caldaische’ Gästin Geldana von Caldach, Lucianas Freundin, die hierher gekommen war um die Bande zwischen Nord- und Süd-Caldaia wieder enger zu knüpfen, eine Praxis die in jüngerer Zeit wieder zugenommen hatte und der Sache eben so dienen sollte wie allgemeine Aufmerksamkeit und ein gewonnenes Rennen.
Domna Luciana ließ sich neben ihre Freundin zurückfallen, während die anderen weiter hitzig debattierten, sie hatten wohl eine andere Meinung als Luciana. „Willkommen im almadanisch-heißblütigen Teil unserer Heimat, Geldana. Begleitet Ihr mich nach dem Selkethaler Rennen noch nach Quríabor? Das Schlachtross, von dem ich schrieb, ist die Reise wert.“ Die Aussicht auf Besuch war angenehm. „Zudem wolltet Ihr mir von dem geplanten Turnier zu Auenwacht berichten.“
Rasch waren die beiden Frauen in ein angeregtes Gespräch über vergangene und zukünftige Turniere versunken, eine Leidenschaft, die sie teilten und denen sie ihre Bekanntschaft verdankten. Es war Domna Lucianas verstorbener Gatte gewesen, der seiner frisch Angetrauten damals die Turnierteilnahme als Hochzeitsreise geschenkt hatte, bei der sich die beiden jungen Frauen kennengelernt hatten.
Und während sie in feinen Erinnerungen schwelgten, ‘zankten’ sich vor ihnen die anderen, während sich die Sonne langsam zu senken begann.