Chronik.Ereignis1045 Selkethaler Pferderennen zu Ehren der schönen Göttin 1045 BF 02
Oberfels, Travia 1045 BF
Autor: Erlan
Ein Gespräch im Palazzo Yaquirbruch – Travia 1045 BF
Ort: Ein eleganter Salon im Palazzo Yaquirbruch, mit weitem Blick auf den mächtigen Yaquir, der in der Nachmittagssonne golden glitzert. In der Ferne mischen sich die gedämpften Geräusche aus Oberfels mit dem Rufen von Booten auf dem Fluss. Die Luft ist erfüllt vom Duft reifer Früchte, die in einer kunstvoll verzierten Schale auf einem niedrigen Tisch stehen. In bequemen Sesseln sitzen sich Erlan Sirensteen und sein Sohn Ludovigo von Scheffelstein gegenüber, jeder mit einem Kelch Rotwein in der Hand.
Erlan: „Du reitest in diesem Jahr das Selkethaler Rennen.“
Ludovigo (der gerade einen Schluck nehmen wollte, hält inne und hebt die Brauen) „Ah? Ich wusste nicht, dass du nun für meine Turnierplanung zuständig bist, Vater.“
Erlan (schmunzelnd, lehnt sich entspannt zurück und betrachtet den dunklen Wein in seinem Kelch) „Ich sehe es eher als eine… wohlwollende Empfehlung. Immerhin ist es eine hervorragende Gelegenheit, dein Talent zu zeigen.“
Ludovigo (lehnt sich vor, spielt mit einer Frucht aus der Schale, ohne sie zu essen) „Ich habe darüber nicht wirklich nachgedacht. Beim letzten Mal, wenn ich mich recht erinnere, war es für die hiesigen Teilnehmer nicht gerade ein glanzvoller Auftritt.“
Erlan (verzieht den Mund leicht) „Nun, Dschinni war damals… sagen wir, nicht mehr in der Blüte ihrer Jahre. Aber ich habe meinen Beitrag geleistet – auch wenn das Ergebnis zu wünschen übrig ließ.“
Ludovigo (grinst kurz) „Das kann man so sagen.“
Erlan (mit einem kurzen Lachen, dann ernster) „Nach dem Rennen haben Dareius Amarinto und ich uns darauf verständigt, dass es diesmal besser laufen muss. Unsere Reiterinnen und Reiter sollten nicht nur dabei sein – sie sollten das Rennen mitprägen.“
Ludovigo (nachdenklich) „Und du willst nicht selbst reiten?“
Erlan (schüttelt den Kopf, nimmt einen Schluck Wein) „Glaub mir, wenn es ginge, wäre ich der Erste, der sich aufs Pferd schwingen würde. Aber nach den Geschehnissen in den Goldfelsen und den Monden der Rekonvaleszenz wäre das… nun, sagen wir, eine zu große Herausforderung.“
Ludovigo (nickt langsam, überlegt sichtlich) „Und deswegen kommst du zu mir.“
Erlan (mit einem leichten Lächeln, das aber festen Nachdruck in sich trägt) „Ich habe Berichte aus deiner Knappschaft beim Reichserzkanzler gelesen. Deine Reitfähigkeiten wurden dort ausdrücklich hervorgehoben.“
Ludovigo (schnaubt leise, legt die Frucht zurück in die Schale) „Sie übertreiben.“
Erlan (schüttelt den Kopf, bestimmt) „Ich glaube nicht. Und was noch wichtiger ist: Du hast mit Nedima eine Partnerin unter dem Sattel, die dir blind vertraut. Ein Pferd aus der Khôm – wendig, ausdauernd, klug und vor allem: schnell. Und ihr beide seid ein eingespieltes Team.“
Ludovigo (leise, fast zu sich selbst) „Ja… das sind wir.“
Erlan (lehnt sich etwas vor, seine Stimme sanfter, aber mit Nachdruck) „Dann gibt es keinen Grund zu zögern. Ich werde dort sein, deine Mutter wird dort sein. Und es wird nicht nur ein Rennen sein – es ist eine Gelegenheit, Ehre für unser Haus und für das Horasreich zu gewinnen.“
Ludovigo (scharf, hebt den Blick) „Und was ist mit der Ehre für Almada?“
Erlan (lächelt knapp, hebt seinen Kelch leicht an) „Deswegen wirst du ja auch als Ludovigo von Scheffelstein antreten.“
Ludovigo sagt nichts, doch in seinen Augen liegt ein Ausdruck, der erkennen lässt, dass er über die Worte nachdenkt.
Erlan (mit leisem Schmunzeln, fast beiläufig) „Du gibst es nicht gern zu, aber du spürst es schon – die Herausforderung reizt dich.“
Ludovigo (seufzt, dann ein kleines Lächeln, das er nicht ganz unterdrücken kann) „Ich hasse es, wenn du das tust.“
Erlan (neigt leicht den Kopf, grinst wissend) „Aber ich habe recht.“
Ludovigo (schüttelt den Kopf, dann hebt er seinen Kelch ein wenig an) „Also gut. Ich reite das Rennen.“
Bevor Erlan antworten kann, öffnet sich die Tür des Salons. Ein Mann mit kurzgeschnittenem schwarzen Haar, scharfen Zügen und einem prüfenden Blick tritt ein – Rafim Eorcaidos von Aimar-Gor. Sein Wams sitzt tadellos, und als er sich leicht verbeugt, verrät nur die Spur eines Lächelns, dass er sich in der Gegenwart seines Herrn wohlfühlt.
Rafim: „Mein Herr, eine Botschaft aus Vinsalt ist für Euch eingetroffen.“ (Er überreicht Erlan ein sorgfältig versiegeltes Schreiben.) „Zudem ließ Domna Shahane ausrichten, dass zur Boronstunde der Grangorer Kranz serviert wird, den sie in Oberfels geordert hat. Sie bittet darum, dass niemand warten muss.“
Erlan (nimmt das Schreiben entgegen, während ein zufriedenes Lächeln über sein Gesicht huscht) „Dann sollten wir uns sputen. Ein guter Grangorer Kranz ist eine Sünde wert.“
Ludovigo (schmunzelnd, steht auf) „Wenn Mutter das wünscht, wäre es töricht, das nicht zu machen.“
Mit einem Nicken verlässt Rafim den Salon, während Erlan noch einen Moment auf das Siegel der Botschaft blickt - ein Fallgitter - bevor er Ludovigo einen Blick zuwirft.
Erlan: „Also gut. Auf nach Selkethal. Aber erst zur Buttercreme.“