Chronik.Ereignis1045 Selkethaler Pferderennen zu Ehren der schönen Göttin 1045 BF 03

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Unterfels, Boron 1045 BF

Autor: Erlan


Im Palazzo Arindello gab es ein Fest - die junge Elissa Sirensteen feierte ihren Tsatag und da es der 12. Tsatag war, waren mehr Gäste zugegen als sonst üblich. Auch und gerade aus dem Hause Sirensteen waren einige entferntere Verwandte zugegen. Am späten Abend, das Tsatagskind war schon lange am Schlummern, verabschiedeten sich die meisten (erwachsenen) Gäste zur Nachtruhe. Einen Gast, der sich auch verabschieden wollte, bat Erlan Sirensteen jedoch noch auf ein kurzes Wort in die Bibliothek.

Erlan bot ihm einen Platz an einem kleinen Tisch am Rande des Raumes bzw. genauer gesagt auf einen der beiden bequemen Sessel dort an. Neben den Spezereien auf dem Tisch wurden kurz darauf noch eine Karaffe Wein und entsprechende Pokale gebracht. Hätte jemand fremdes die beiden beobachtet, es wäre sofort aufgefallen, dass die beiden verwandt waren. Beide hatten die selbe helle weißblonde Haarfarbe, doch während Erlan seine Haare schulterlang trug sein Gegenüber doch deutlich kürzer. Erst im direkten Zwiegespräch hätte man doch noch einen weiteren Unterschied gesehen - während der Baron des Yaquirbruchs für seine grünen Augen bekannt ist, waren die vom Gegenüber von einem klaren Blau.

Obwohl beide fast gleich alt waren, hielt man Gareno Sirensteen oft für deutlich jünger als Erlan. Ein Umstand, der oft dazu führte, dass Gareno in Unterfels und dem Yaquirbruchs oft als der jüngere Bruder Erlans bezeichnet wurde - was natürlich nicht stimmte, aber immer wieder für Verwirrung sorgte. Insbesondere, da sich die Vornamen Gareno und Geron ja auch sehr ähnlich waren.

„Nun, Erlan, ich bin mir sicher, dass meine neueste Forschungsarbeit, die ich demnächst im Hesinde-Spiegel zu veröffentlichen gedenke, nicht der Grund ist, warum Du mit mir jetzt hier noch sprechen möchtest, oder sollte ich mich da irren?“

„Wenn ich mit Dir darüber sprechen würde, dann würde ich Dich erst bitten mir die zwei einleitenden Sätze, die Du gerade in der großen Runde dazu geäußert hast, so zu übersetzen, dass man auch ohne fließend Bosparano zu sprechen oder aber in der arkanen Welt zuhause ist, das Thema überhaupt erst einmal versteht.“

Gareno lächelte, etwas was man nicht oft an ihm sieht, denn insbesondere in fremder Umgebung wirkt er immer etwas verschlossen und bei manchen sogar als kalt. Hier war das anders, es zeichnete sich sogar fast ein Lächeln auf seinen Lippen ab. Doch da er ja nicht zum Gespräch gebeten hatte, wartete er ab, was ihm sein Verwandter und sein Familienoberhaupt sagen würde.

„Du fragst Dich jetzt sicherlich, warum ich Dich zu diesem Gespräch geladen habe. Diese Frage will ich Dir jetzt auch gerne beantworten. Aber erst habe ich eine Frage an Dich: Habt ihr für den Rahjamond schon irgendwelche Pläne bzw. vor allem Verpflichtungen?“

Die Antwort kam wie aus der Arbalone geschossen: „Nein, bisher nicht. Ich vermute jetzt aber schon, oder?“ Erlan lächelte ob dieser Antwort und nickte, bevor er fortfuhr: „Dann wirst Du uns nach Almada, genauer gesagt in die Waldwacht begleiten. Zum Selkethaler Pferderennen.“

Mit vielem hatte Gareno Sirensteen gerechnet, aber nicht mit einem Pferderennen und er fragte sein Familienoberhaupt schlicht und ergreifend nur: „Warum?“

„Das ist eine gute Frage, die ich Dir auch gerne beantworten will. Wir waren im letzten Jahr auch da. Und was ich dort feststellen musste - manche Wunden zwischen den beiden Yaquirien sind immer noch nicht verheilt. Nicht in Punin, aber je weniger städtisch, je gebirgiger es wird… und wir reden von der Waldwacht. In Irendor wird auch manches noch anders gesehen als in Unterfels oder gar in Vinsalt. Daher kam uns, Shahane und mir, die Idee für den Schutz und Trutz auch auf arkane Unterstützung zu setzen.“

Gareno ließ die Worte auf sich wirken und schmunzelte leicht: „Es geht also quasi um eine Art ‚arkane Garde‘, die versucht arkane Missetaten dort aufzuklären?“

Erlan lachte auf und entgegnete seinem Gesprächspartner: „Nein, nein! Wir reden hier von einem Pferderennen in Selkethal. Die, die ich dort kennengelernt habe, sind alles ehrbare Leute, da wird niemand irgendwie mit magischen Mitteln etwas manipulieren! Es geht mir eher darum, dass die Anwesenheit eines Magiers wie Du es bist, einer der in Greifenfurt für das Raulsche Reich stritt, der - wie ich mir immer wieder bei einem Besuch in Bethana bei Eurer Akademie erklären lassen darf - ein formidabler Künstler der Ignifaxen …“ - da unterbrach Gareno ihn und korrigierte ihn mit dem Wort „Ignifaxi“ - „… dann halt Ignifaxi, ist. Also Deine Anwesenheit wird sicherlich nicht schaden.“

Gareno kippte ein wenig den Kopf zur Seite und schien nachzudenken, bevor er antwortete: „Ich gehe nicht davon aus, dass auch nur eine Feuerlanze dort nötig sein wird. Aber ich weiß natürlich, was Du meinst und vielleicht ist es bei dem einen oder anderen Leichtgläubigen auch nicht verkehrt, wenn da jemand dabei ist, der Kräfte hat, die nicht jeder versteht.“ Und bei diesen Worten spreizte er seine Hände vor sich, drehte sie dann so, dass die Handflächen nach oben gerichtet waren und plötzlich tauchte eine Flamme auf der einen Handfläche auf, die dann von Handfläche zu Handfläche wanderte. Erlan kannte natürlich die eine oder andere magische Fähigkeit Garenos, diese gehörte dazu.

Und während die Flamme noch auf einer Handfläche waberte, antwortete Gareno: „Nun gut. Ich bitte Dich jedoch um eine Art Procura in allen arkanen Angelegenheiten. Und dahingehend werde ich, auch wenn ihr nichts schlimmes vermutet, natürlich schauen, ob und wie gegebenenfalls Maßnahmen zum Schutz zu ergreifen sind. Insbesondere von Ludovigo und Nedima.“ Erlan nickte seinem Gesprächspartner zu, der dann mit Bosparano antwortete: „Magia evigilabit. … und jetzt würde ich mich gerne ein wenig ausruhen, die Anreise war lang und anstrengend. Wir haben ja noch genügend Zeit, um die Einzelheiten zu besprechen.“