Chronik.Ereignis1047 Frühling in Alina 01

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Gut Rigoroso, Ende Phex 1047

Autor: Amrit

Peraine ließ anderswo ihre Kraft in die Baumtriebe strömen, schmückte die Obsthaine mit leuchtenden Blüten. Doch statt des satten Grüns aufkeimender Saat überzogen hier nur bleiche Salzkrusten die Ackererde. Der Frühling schien diesen Teil von Alina noch nicht erreicht zu haben. Nur das klingende Hämmern der Mamormetze aus dem nahen Dorf zeugte von Leben.

Nächstes Jahr. Emilio Lampérez di Rueda murmelte es leise, fast wie eine Versicherung, nicht nur an sich selbst, sondern auch an die umgebenden Flure. Dann setzte er den Weg fort, der ihn heute in Begleitung einiger älterer Unfreier auf das Gebiet des ehemaligen Gutshofes “Rigoroso” führte.

Vor ihm erhoben sich die Ruinen des Herrenhauses und der Mühle, deren rußgeschwärzte Mauern sich wie dunkle Dolmen über der öden Ebene erhoben. Den Boden bedeckten dort verkohlte Bruchstücke. Nachdem die früheren Junker geflohen waren und das Land nichts mehr trug, standen die umliegenden Gebäude seit Jahren verlassen, Ihnen galt die Besichtigung. Was sich erhalten ließ, sollte erhalten werden; was endgültig verloren war, würde neuen Gebäuden weichen.

Emilio spürte die bedrückende Präsenz des Ortes. Gerade deshalb widmete er sich ganz seinen Aufzeichnungen.

Getreideschober – Dach verrottet, westliche Mauer instabil
Brunnen – führt noch Wasser, intakt
Stallungen – wirken gut erhalten, prüfen lassen

Bei den Ställen fiel sein Blick auf einen dahinterliegenden Hügel, in dem ein gemauerter Eingang auszumachen war, worin schief eine halb überwachsene Holztüre hing. "Was ist damit?" erkundigte er sich bei seinen Begleitern.

“Lasst den besser ruhen, Herr!” antwortete einer der älteren Fellachen rasch und bestimmt: “Der ist…einsturzgefährdet.”

Der Junker nickte, doch während sein Blick auf dem greisen Feldarbeiter, dann auf der dunklen Öffnung verweilte, regte sich ein leiser Zweifel.

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Als die Sonne sich bereits hinter den Wipfeln des fernen Seeufers senkte, kehrte Emilio zurück, diesmal begleitete ihn nur seine Waffenmagd Cora. Im schwach rötlichen Licht des sterbenden Tages wirkte das verlassenen Gut noch fremdartiger als zuvor. Die Ruinen warfen lange Schatten, während ihre höchsten Mauerkämme noch glühend schienen wie im Nachwirken der zerstörenden Feuersbrunst.

Emilio schob am Fuße der Hügelkuppe die Holztüre auf, welche überraschend leicht nachgab und vor ihm aufschwang. Vorsichtig trat er ein, entzündete die mitgebrachte Fackel und musterte das in den Sandstein getriebene Kellergewölbe. Der Gang verlor sich schon wenige Schritt weiter in tiefer Schwärze. Wände und Decke wirkten etwas feucht, aber tragfähig. Andererseits, wie Emilio sich eingestand, war er beileibe kein Experte für Tunnelbegutachtungen. Der di Rueda tauschte einen Blick mit seiner Begleiterin und bewegte sich dann langsam tiefer in das Gewölbe hinein.

Der Keller führte überraschend weit in den Hügel. Mehrfach zweigten schmale Seitennischen ab, die in toten Enden mündeten, manche leer, manche vollgestellt mit halb verrotteten Körben oder geborstenen Holzfässern.

Schließlich weitete sich der Gang zu einer niedrigen Kammer.

Das Licht der Fackel tanzte gelb über die rauen Wänden und offenbarte ein in den Sandstein gemeißeltes Bildnis am rückwärtigen Ende des Raumes. Fasziniert trat der Junker näher. Es zeigte den Körper eines mächtigen Stieres, dessen geschwungene, spitz zulaufende Hörner sich wie eine Mondsichel rundeten. Alter und die Berührungen vieler Hände hatten die Kanten verwischt, und doch hatte das Tier etwas eigenartig Lebendiges im flackernden Pechlicht. Außer dem Knistern der Fackeln war nichts zu hören.

Vor dem Altar lagen einige welke gelbe Äpfel, ein Laib Brot und ein noch grüner Laubkranz.

Emilio verharrte, ging davor in die Hocke und strich mit den Fingern über das Laub. Dann sah er hoch zu seiner Waffenmagd: "Das sind keine fünfzehn Jahre alten Opfergaben." "Wohl nicht." meinte Cora. Nach kurzem Schweigen setzte sie nach: "Wollen wir gehen?"

"Noch nicht." ersuchte Emilio. Seine Hand glitt in die Umhängetasche, griff nach dem Notizbuch mit den Auflistungen des früheren Tages. Er wendete eine neue Seite um und begann zu zeichnen.

Stier-Altar in einem Erdkeller in den Aliner Kuppe