Chronik.Ereignis1045 Selkethaler Pferderennen zu Ehren der schönen Göttin 1045 BF 28

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Abseits des Yaquirstiegs zwischen Inostal und Dâl, Anfang Rahja 1045 BF

Autoren: Amarinto & Tommeltann

Gwyn Aldubhor, der wie immer allein reiste, hatte sich abseits des Yaquirstiegs zwischen Inostal und Dâl in einem kleinen, lichten Wäldchen für eine Ruhepause niedergelassen. Der Nachmittag war angenehm warm, und die Luft roch nach Kiefernharz und feuchtem Moos, während Vögel in den Baumkronen sangen. Gwyn hatte seine Pferde an einem Baum angebunden und sich auf eine mitgebrachte Decke gesetzt, um ein Stück Brot und Käse zu essen und ein wenig auszuruhen. Nachdem er sich den Hut tiefer ins Gesicht gezogen hatte und die Augen schloss, schien er allein mit seinen Gedanken.
Unbemerkt von ihm, oder so schien es, hatten drei Wegelagerer im Dickicht seine Ankunft beobachtet. Der wohlhabend aussehende horasische Reisende mit seinem gepflegten Äußeren und der edlen Kleidung schien ein leichtes Ziel zu sein, und so begannen sie, einen Plan zu schmieden. "Der schläft wie ein Stein," murmelte einer der Männer, ein hagerer Kerl mit strähnigem Haar und einem schiefen Grinsen. "Wird ein Leichtes, ihm den Beutel abzunehmen."
Der Anführer, ein stämmiger Mann mit einer Narbe quer über der Wange, nickte zustimmend. "Lasst uns schnell zuschlagen, bevor er aufwacht. Wir teilen die Beute später." Der dritte Mann, ein nervöser Jüngling, der kaum älter als zwanzig Jahre schien, wirkte weniger überzeugt, nickte jedoch hastig, um keinen Widerspruch zu leisten.
Doch Gwyn war keineswegs so ahnungslos, wie sie glaubten. Er hatte die Männer längst bemerkt, als er ihr Flüstern durch das Rascheln der Blätter hindurch wahrnahm. Statt sich zu offenbaren, entschied er sich, sie in die Falle tappen zu lassen. Er ließ seinen Atem langsamer werden, um den Anschein eines schlafenden Mannes zu erwecken. Unterdessen bereitete er insgeheim seine Magie vor, die er nur durch eine leichte Bewegung seiner Finger und ein gemurmeltes Wort entfesseln konnte.
Als die Angreifer ihre Falle zuschnappen ließen, wurden sie selbst Opfer ihrer Unvorsicht. Der erste Wegelagerer, der Gwyn mit einem Knüppel angreifen wollte, schlich sich mit einem triumphierenden Grinsen heran. Doch noch bevor er das Gepäck ergreifen konnte, erstarrte er mitten in der Bewegung. Mit einigen gemurmelten Worten hatte Gwyn ihn paralysiert. Seine Augen weiteten sich vor Panik, während er wie eine Statue mitten in der Bewegung stehen blieb.
Der zweite Mann, der Gwyn von der Seite packen wollte, wurde von einer Berührung durch Gwyns ausgestreckte Hand getroffen. Ein schmerzhafter Schrei hallte durch das Wäldchen, als der Zauber ihn mit einem unerträglichen lähmenden Schmerz erfüllte. Der Mann fiel schreiend und sich krümmend zu Boden.
Der dritte Angreifer zögerte einen Moment, bevor er mit gezogenem Dolch auf Gwyn zu stürmte. Eine kurze, aber heftige Auseinandersetzung folgte, bei der Gwyn leicht am Arm verletzt wurde. Blut sickerte durch den Stoff seines Hemdes, doch der Schmerz brachte ihn nicht aus der Ruhe. Mit einer eleganten Bewegung seines Gehstocks, der sich als kunstvoll verzierter Magierstab offenbarte, entwaffnete Gwyn den Mann. Mit einem kräftigen Stoß gegen die Brust warf er ihn zu Boden. "Ihr habt euch den falschen Reisenden ausgesucht," sprach Gwyn ruhig, seine Stimme von einer fast unheimlichen Autorität durchdrungen. Sein eindringlicher Blick ließ den letzten Räuber vor Angst erstarren.
Als die Wegelagerer geschlagen waren, musterte Gwyn sie einen Moment lang schweigend. Dann entwaffnete er sie und sprach mit kalter Stimme: "Nehmt euch diese Lektion zu Herzen. Wenn ihr klug seid, sucht ihr euch einen anderen Broterwerb. In Ober- und Unterfels suchen sie immer neue Rekruten für die Mercenari, da bekommt ihr guten Sold und müsst nicht Reisenden im Gebüsch auflauern." Er wies mit seinem Stab in Richtung Südwesten. "Verschwindet jetzt, bevor ich meine Meinung ändere."
Die Männer ließen keinen Augenblick verstreichen. Sie stolperten davon, die Schreie des einen hallten noch eine Weile durch den Wald, bevor die Stille zurückkehrte. Gwyn setzte sich wieder auf seine Decke, zog ein kleines Fläschchen aus seiner Tasche und begann, die Wunde an seinem Arm zu versorgen. Trotz des Vorfalls wirkte er ruhig und gelassen. Mit einem leisen Seufzen und einem sanften Lächeln auf den Lippen erhob er sich schließlich, bestieg sein Pferd und setzte seinen Weg fort, als wäre nichts geschehen.

Punin

Punin war beeindruckend , sie war als Kind und Heranwachsende hier gewesen und doch musste sie immer wieder staunen. Wie groß die Stadt doch war, wie beeindruckend. Punin bot aber eben mehr als die Annehmlichkeiten einer Stadt - Punin bot die Möglichkeit, die Vorräte aufzufrischen. Ein alter Freund der Familie versorgte die Tulamidin mit einem gutmütigen Packpferd, Vorräte, Proviant und alles was sie sonst noch brauchen würde. Eine gute Möglichkeit, sich auf die weitere Reise nach Almada vorzubereiten, bot Punin allemal und der Rondra-Tempel zu Punin war imposant. Drei Tage nahm sich die Tulamidin Zeit und ruhte, ihr Shadif dankte es ihr. Nach einer morgendlichen Andacht im Rondratempel ging es im Morgengrauen weiter. Schon bald ließ Amira Punin hinter sich.
War das einfache Volk an Fremde aus dem Süden gewöhnt, galt das nicht immer für die Landbevölkerung.
Ihre imposante Rüstung bestehend aus einem verzierten Spiegelpanzer, einem verstärktem Barburiner Hut, dessen Spitze von schwarzem Rosshaar gekürt wurde und das Gesicht der Trägerin hinter einem Kettengeflecht eng verwobener Ketten verbarg und so nicht nur das Gesicht vor Pfeilen, aber auch Sand und Hitze schützte, weiten bequemem Pluderhosen, ebenso bequeme Lederstiefel und einem verzierten und verstärkten tulamidischen Reiterschild, ließ neugierige Blicke auf sie richten. Nur die Schwertfibel, die den langen roten Mantel zusammenhielt, ließ erahnen, das die Fremde eine Priesterin der Rondra war.

Gwyn Aldubhor, ritt gemächlich durch die Straßen von Punin. Sein makelloser Mantel aus dunkelblauem Tuch, dessen silberne Stickereien das Wappen seiner Familie zierten, zog die Blicke vieler Passanten auf sich. Die Luft in der Stadt war erfüllt von Gerüchen nach Gewürzen, gebratenem Fleisch und dem Staub der überfüllten Straßen. Punin war ein Ort, der Gwyns Sinn für Abenteuer ebenso ansprach wie seine Faszination für fremde Länder und die Geschichten, die hier geschrieben wurden. Nach einer Nacht im Hotel Yaquirien und einer kurzen Visite bei einem bekannten Buchhändler, dessen Regale rare Manuskripte und Schriften aus dem ganzen Kontinent bargen, entschied sich Gwyn, den Weg ins Selkethal zu planen. Er hatte über Umwege vom Pferderennen gehört, das dort stattfinden sollten, und sah darin eine Gelegenheit, nicht nur die beeindruckende Reitkunst Almadas zu erleben, sondern auch Kontakte zu knüpfen, die seinem Gut und seiner Zucht nützlich sein könnten.
Während er über den Theaterplatz schlenderte, zog ihn eine Person in einer Seitengasse in seinen Bann. Eine Frau in einer beeindruckenden tulamidischen Rüstung – ein kunstvoll verzierter Spiegelpanzer, kombiniert mit einem Barburiner Hut und einem Reiterschild – stand dort und sprach mit einem älteren Einheimischen. Ihre Stimme war klar und fest, doch Gwyn konnte den leichten Akzent hören, der sie als Reisende aus den Tulamidenlanden verriet.
„Dieser Weg ins Selkethal,“ hörte er den Einheimischen antworten, „ist der schnellste.“
Gwyn blieb stehen, hielt sich jedoch in einer respektvollen Distanz. Die Frau strahlte eine unverkennbare Würde aus, die von der Schwertfibel an ihrem Mantel unterstrichen wurde – das Zeichen einer Rondra-Geweihten. Als der Einheimische ihr den Weg wies, trat Gwyn näher, ohne jedoch ihre Unterhaltung zu unterbrechen. Erst als sie sich umwandte und den Blick auf ihn richtete, hob er leicht den Hut und sprach mit ruhiger Stimme.
„Verzeiht meine Kühnheit, Euer Gnaden, doch ich konnte nicht umhin, euer Ziel zu hören. Es scheint, wir teilen ein Reiseziel. Würdet ihr mir erlauben, euch auf eurem Weg zu begleiten? In diesen Landen gibt es mehr als nur Pferderennen – die Straßen bergen auch manche Gefahr, wie ich bereits vor einigen Tagen erleben musste.“
Gwyn verneigte sich leicht. „Gwyn Aldubhor, Herr von Gut Falkenhorst im Yaquirbruch. Ich bin unterwegs ins Selkethal, um am Pferderennen teilzunehmen – und um mit anderen Enthusiasten über die Pferdezucht zu sprechen.“

In einer Seitengasse des tulamidischen Viertels ließ sich Amira noch einmal den Weg ins Selkethal beschreiben, als sie eines Fremden gewahr wurde, ein neugieriges Ohr? Oder doch jemand, der nur Handeln wollte. Feqs jedoch wusste es besser, ein Reisender, der wie Amira auf dem Weg in das besagte Tal war.
Die junge Tulamidin nickte dem Fremden zu, schwarze, lockige Haare fielen ihr ins Gesicht, braune, sanfte Augen blitzten neugierig und maßen den Fremden von Kopf bis Fuß. Ihr Gesicht, der Mund und die Augen fügten sich neben ihrem schlanken und doch athletisch- großen Wuchs zu einem Gesamtbild - einer schönen Frau.
“Friede sei mit Euch , Effendi” ihre Aussprache des Garethi verriet Ihre Herkunft. “Ich bin in der Tat auf der Reise zum Pferderennen!” Sie musterte den Fremden “Gerne, reisen wir zusammen, mit einem zweiten Pferd bin ich langsamer und möchte nicht unbedingt Zielscheibe von Strassenräubern werden. Meine Name ist Amira!” Auch sie deutete eine Verbeugung an und schon bald war die junge Tulamidin reisefertig, Quästor das Packpferd war beladen und Hassan, das Shadif ausgeruht, wohlgenährt und schon bald ging die Reise zu zweit weiter.

„Erfreut Eure Bekanntschaft zu machen… Amira.“ antwortete Gwyn nach einer Verbeugung in fließendem Tulamidya. Nur ein leichter Akzent deutete darauf hin, dass es nicht seine Muttersprache war, seine Wortwahl war jedoch die eines Gelehrten.

Nördlich von Punin

Die Reise begann in gemächlichem Tempo. Gwyn und Amira ritten nebeneinander, ihre Pferde bewegten sich harmonisch auf dem Yaquirstieg, der von Punins belebten Straßen nördlich in die sanften Hügel Almadas führte. Das Morgenlicht ließ die weiten Felder und Weinberge in warmem Gold erstrahlen, während die ersten warmen Frühlingswinde den Duft von blühenden Kräutern und frischem Gras mit sich trugen.
Gwyn begann die Konversation mit einer leichten Anekdote über einen übermütigen Händler aus Methumis, der ihn einst in einen Handel über „magische Reben“ verwickeln wollte. Die Geschichte sollte die Stimmung lockern und seiner Reisekumpanin etwas mehr über sich selbst entlocken.
Das warme Sonnenlicht ließ die ockergelben Felder goldgelb glitzern, die grünen Hügel fügten sich sanft in die Landschaft. Die Blätter der Bäume leuchteten frisch und kündigten Rajas Mond an. Amira ließ immer wieder ihren Blick über die Landschaft schweifen. Gegen Mittag, die Luft flimmerte, machten beide Rast. Im Schatten einer mächtigen Zeder, sattelte Amira ab, mit dem geübten Blick einer begabten Reiterin kontrollierte Sie die Hufe der Pferde, führte Beide zum Bach und bürstete das Fell, danach füttere sie beide Rösser. Erst danach nahm sie frische Früchte, ein Laib Fladenbrot und Käse aus der Satteltasche des Packpferdes und bot es Gwyn an zu teilen. Gwyn hatte sich als angenehmer Reisepartner bewiesen, ein Mann, der belesen war und zu Amiras Überraschung dem Tulamidya mächtig war. Sein garethischer Akzent störte Sie nicht, hatte Sie doch auch einen. So erzählte Amira, die sonst eher schweigsam war, etwas über sich, genug, um zu einem Gespräch beizutragen, niemals um zu langweilen oder nur ihre eigene Geschichte zur Geltung zu bringen. Im richtigen Moment schwieg sie aber und ließ Ihren Gesprächspartner zu Wort kommen.
Die beiden setzten ihren Weg fort, tauschten Geschichten und Erlebnisse aus, während die Landschaft sich veränderte. Die weiten Felder wichen sanften Hügeln, die nach und nach von dichterem Wald abgelöst wurden.
Am späten Nachmittag legten sie eine Pause auf einer kleinen Lichtung am Wegesrand ein. Ein Bach plätscherte friedlich vor sich hin, und der Duft von Kiefern und feuchtem Moos erfüllte die Luft.
Während sie gemeinsam aßen, erzählte Gwyn von seinem Gut im Yaquirbruch. „Falkenhorst ist ein Ort des Friedens,“ sagte er mit einem Hauch von Stolz. „Doch auch ein Ort, der mich immer an die Schatten meiner Vergangenheit erinnert. Mein Vater… er war ein Mann mit großen Ambitionen, doch auch mit dunklen Geheimnissen. Vieles, was ich tue, geschieht in dem Bestreben, nicht denselben Weg zu gehen.“
“Ist das was Eure Seele quält, der Schatten Eures Vaters, der Euch zu erdrücken droht?” stellte sie fest, als Gwyn von seinem Erbe sprach. “Ihr wollt anders sein und doch habt Ihr Angst, dass ihr dieselben Fehler macht wie Euer Vater!” Sie lehnte sich an den breiten Baumstamm zurück und beobachtete den Fremden aufmerksam. “Es bedarf des Mutes, sich gegen seinen eigenen Schatten zu stemmen und Erkenntnis!” Sie nickte dem Fremden zu. “ Lasst uns das Mahl mit einem Gebet zu der Herrin beenden und ich will für Euch beten!”
Gwyn ließ die Worte Amiras nachhallen. Es war etwas Ehrliches, fast Reinigendes, in der Art, wie sie sprach, und Gwyn verspürte ein tiefes Bedürfnis, dieser Offenheit mit gleicher Münze zu begegnen.
„Ihr habt Recht, Euer Gnaden,“ antwortete er schließlich und hob den Blick zu ihr. „Die Schatten meines Vaters sind eine Last, die ich stets mit mir trage. Doch vielleicht ist diese Reise – und diese Begegnung – ein Teil der Erkenntnis, die ich benötige.“ Er ließ seinen Blick über die friedliche Lichtung schweifen, den plätschernden Bach und das dichte Grün der umgebenden Bäume. „Vielleicht ist dies der Anfang eines neuen Kapitels.“

Noch eine Weile saßen beide im Schutze der Schatten spendenden Bäume. Die Sonnenstrahlen spiegelten sich im Wasser des Baches- es musste wohl schon Nachmittag sein, als Amira ihren Trinkschlauch mit köstlichem kalten Wasser auffrischte , Hassan sattelte und auch das Packpferd belud. Schweigend strich sie beiden Pferden durch das Fell und schwang sich in den Sattel. Viel hatte sie nicht gesprochen , gab aber Preis , dass sie auch auf einer Reise war. Visionen und Träume führten sie in den Norden nach Arraned , um dort der Gõttin zu dienen. Am Rennen nahm sie teil, teils aus Abenteuerlust ,teils aus Liebe zum Reiten.
Ein letztes Mal ließ sie ihren Blick über den Rastplatz gleiten, wartete, bis auch Gwyn auf seinem Pferd saß und gab Hassan mit einem Schnalzen der Zunge zu verstehen, dass die Zeit zur Weiterreise gekommen war.

Während sie nebeneinander ritten, nachdem sie bei Valquirbrück den Valquir überquert hatten, erschien Gwyn der richtige Zeitpunkt gekommen seine Begleiterin auf das anzusprechen, was sie von sich Preis gegeben hatte. Sie waren nun schon seit einiger Zeit gemeinsam unterwegs und er hatte den Eindruck, die Geweihte öffnete sich zunehmend ein wenig mehr. “Euer Gnaden, würdet Ihr mir die Ehre erweisen und von dieser Vision erzählen, die Euch in die Nordmarken führen wird? Wurde sie Euch von der Herrin Rondra gesandt, was denkt Ihr?”

Amira, die ihren Helm an ihrem Sattel festgebunden hatte, trug ihre Haare offen. Das Wetter war angenehm, aus der Sicht einer Tulamidin. Gemächlich rauschte der Yaquir an ihnen vorbei, ein Band in der Sonne glitzerten Juwelen.
Dass nur die Göttin ihr diese Visionen gesandt hatte, daran bestand kein Zweifel. Zu genau und detailliert waren ihre Träume.
“In Arraned gjbt es eine Tempelburg der Rondra, die auch einen Peraine beherbergt: Kleine Wacht des heiligen Hûlthar zu Arraned. Die Rondra Burg wurde auf den Ruinen des Peraine Tempels gebaut, das war kurz nach dem 2. Orkenzug erklärte die Tulamidin, sie hatte Reiseberichte aus dem Norden studiert und ältere Aufzeichnungen gefunden, in der die 'Kleine Wacht des heiligen Hûlthar zu Arraned' erwähnung fanden. Amira erklärte weiter: “Der Peraine Tempel wurde während des zweiten Orkenzuges Opfer der Flammen! Ein Storchenpaar nistete sich erneut im Dachgiebel der neu errichteten Tempelburg ein, die auf den Ruinen des alten Peraine-Tempels gegründet wurde. Ihr müsst wissen, Peraine wird in dieser Gegend sehr verehrt. Innerhalb der Rondra-Burg wurde daraufhin ein neuer Peraine Tempel errichtet. Zwei Schwestern, die sich die Pflege und Sorge ihrer Schützlinge teilen!” erklärte Amira feierlich.
Die Bilder in meinen Träumen waren zu genau, zu detailliert, als dass es nur Zufall gewesen sein könnte. Ich habe lange mit Onkel darüber gesprochen und er und ich haben unsere Seelen erforscht. Es fügte sich alles zusammen, der Tempel, der einen Priesters brauchte, der Letzte fiel während der Rückeroberung der schwarzen Lande.
In Arraned lebt ein Freund meiner Familie, eigentlich meiner Großmutter! Alles fügt sich zusammen - es kann nur der Wille der himmlischen Löwin sein!”Amira machte eine Pause. “Rondra will es!” fügte sie mit klaren Worten und fester Überzeugung hinzu.

Gwyn lauschte den Worten Amiras mit aufrichtigem Interesse. Die Hingabe, mit der sie von ihrer Mission sprach, ließ keinen Zweifel an ihrem Glauben und ihrer Entschlossenheit. Die Art, wie sie die Zusammenhänge schilderte, zeugte von einem tiefen Vertrauen in die göttliche Führung der Löwin.
„Rondra will es“, flüsterte Gwyn leise, als würde er die Worte auf ihre Wahrheit prüfen. Er kannte diesen Ausdruck – er wurde nicht leichtfertig benutzt. „Euer Gnaden, es beeindruckt mich, mit welcher Klarheit Ihr Euren Pfad erkannt habt. Visionen sind selten ein Geschenk, das ohne Prüfung kommt.“
Die Vorstellung, einer solch deutlichen Vision zu folgen, war Gwyn fremd, und doch war er sich sicher, dass Amira nicht von einer Einbildung sprach. Ihre Stimme trug die feste Überzeugung eines Menschen, der seinen Pfad erkannt hatte. Er widerstand der Versuchung einen Sansibar auf sie zu wirken, es wäre sehr unhöflich gegenüber einer angenehmen Reisebegleitung gewesen, hätte sie etwas bemerkt.
„Dann gibt es wohl keinen Zweifel, dass Ihr nach Arraned reisen müsst“, erwiderte er schließlich. „Aber es bleibt die Frage: Was erwartet Euch dort? Ein Tempel ohne Geweihten… eine Aufgabe, die auf Euch wartet? Oder eine Prüfung?“
Gwyn erwies sich als angenehmer Reisepartner. Sein Tulamidya war erstaunlich gut und er war an tulamidischer Kultur interessiert, wie auch an dem Glauben Amiras. Amira war in tulamidischer Dialektik erzogen worden, die Rondra als Beschützerin verehrte, das Schild Alverans, die Beschützerin der Schöpfung.
Der Glaube an Rondra war so alt wie die Khom selbst. In ihrer reichhaltigen Geschichte der Tulamiden war Rondra mal als Regenspenderin, mal als Kriegerin verehrt worden. Einflüsse des Bosparanischen Reiches sahen sie wieder anders. Amira selbst verehrte Rondra als Beschützerin Alverans und der Schöpfung und sah im rondrianischen Mystizismus das Wirken der Göttin, jenseits des Krieges.
“Die Nordmarken sind mir fremd, es soll dort Städte wie Elenvina geben, Arraned jedoch ist weit im Norden gelegen!” erklärte die Tulamidin. “Ich habe es auf einer Karte in Khunchom und Punin gesehen!” Dann schwieg Sie. Amira blickte In die Ferne, als suchte sie nach Antworten. “Eine Aufgabe, eine Pflicht, Rondras Wirken jenseits der Schlachten zu offenbaren und die Herzen derer zu gewinnen, die Rondra als ihre Herrin ansehen!” erklärte sie ruhig. “So wie Onkel und ich es im Khoram-Gebirge getan haben, so will es die Herrin in Arraned!” Amiras Stimme war ernst und Zuversicht sprach aus ihr. Dann lächelte sie: ”Das Pferderennen tue ich für ihre liebreizende Schwester Radscha und so Feqs will, für meinen Geldbeutel. Gelobt sei Rondra!”
Während die Sonne langsam hinter den Hügeln verschwand, dachte er über ihre Worte nach. Der Glaube, den Amira ausstrahlte, war ansteckend, ja inspirierend. Gwyn war nicht blind für die Macht der Götter, doch die Klarheit, mit der Amira ihre Bestimmung erkannte, ließ ihn über seinen eigenen Weg nachdenken. Er hatte sich stets bemüht, den Fehlern seines Vaters zu entkommen, doch war er selbst schon auf einem klaren Pfad? Oder irrte er suchend umher, in der Hoffnung, dass das Schicksal ihn irgendwann an den richtigen Ort führen würde?
„Ihr habt viel über Euren Auftrag gesprochen, Euer Gnaden“, begann er nach einer Weile, seine Stimme bedacht. „Doch erlaubt mir eine persönliche Frage: Ist es nicht schwer, ein Leben der Bestimmung zu führen, wenn der Weg, den Ihr beschreitet, so sehr von Pflicht und Erwartungen geprägt ist? Sehnt Ihr Euch nicht manchmal nach einem anderen Pfad? Einem, den Ihr selbst wählen könnt?“
Amira dachte über Gwyns Worte nach. “War Bestimmung nicht auch immer Pflicht?”, dachte sie. Wie konnte es anders sein! Großmutter und auch Onkel sahen keinen Widerspruch einem vorgezeigten Pfad zu folgen und doch ein erfülltes Leben zu Leben. Großmutter hatte Kinder zur Welt gebracht und war an der Trollpforte als Heldin gefallen. Auch Onkel war verheiratet und war glücklich, seine Nichte war wie eine Schwester für Amira.
Onkel folgte einem anderen Pfad als seine Mutter, das wusste er und doch klagte er nicht.
Vielleicht bot der Pfad von Pflicht und Bestimmung Halt und Geborgenheit, überlegte Amira und ja jetzt, wo sie diese Gedanken in ihrem Kopf formulierte, erschien es ihr klarer. So musste es sein: Pflicht gab Geborgenheit und Halt. “Rondra hat mich erwählt!” erklärte sie überzeugt. Was gab es anderes dazu sagen, dachte sie!
“Die Ungewissheit quält Euch!” sprach sie sanft, fast fürsorglich. “Macht es Euch nicht Angst, nicht zu wissen wo ihr hingehört?” Ihre dunklen Augen blickten Gwyn forschend an.“ Ich sehe Bestimmung nicht als ein Joch oder eine Eisenkette, ich sehe es als Befreiung. Die Lehren Rondras leiten mich und geben mir halt, das ist Freiheit!” Ich diene Rondra und ich bin frei, ihre Lehren zeigen mir wie ich zu leben habe und das macht mich frei und ja Rondra verbietet mir nicht zu lieben, zu weinen oder zu lachen!” Amira lächelte versöhnlich. “Ich sehe ihr seid selbst auf der Suche, mögen die Götter Euch leiten und Euch Frieden schenken und Vergebung!”
Gwyn nickte, während er über ihre Worte nachdachte. Er kannte dieses Gefühl nur zu gut – eine Pflicht, eine Aufgabe, aber keine Gewissheit über das, was danach kam. Sein ganzes Leben war von der Suche nach Bestimmung geprägt, und doch hatte er noch nicht gefunden, was ihn erfüllen konnte.
„Es scheint, dass wir beide nach etwas suchen, ohne genau zu wissen, was wir finden werden“, meinte er schmunzelnd. „Aber vielleicht ist das der Kern des Lebens: den Weg zu beschreiten, ohne das Ende zu kennen.“ Er dachte an die unzähligen Aufzeichnungen, Bücher und Notizen, die ihm sein Vater hinterlassen hatte. Viele davon waren hochkomplex, magietheoretische Überlegungen die er nur zum Teil entschlüsselt hatte. Andere dagegen waren eindeutig ketzerischer Natur und allein der Besitz konnte ihn auf den Richtblock bringen, geschweige denn die praktische Umsetzung. Er hätte sie schon längst zerstören können, doch etwas in ihm hielt ihn zurück. Der Wunsch endlich seinen Vater zu verstehen? Die Aussicht auf Macht? Eine Bestimmung, das Erbe seines Vaters weiterzuführen, obwohl es verbotene Pforten öffnen konnte? Er warf der Geweihten einen kryptischen Blick und ein nachdenkliches Lächeln zu.
Die Straße nach Neudorf am Valquir entlang schlängelte sich durch weite Kornfelder, deren Ähren sich sanft im leichten Frühlingswind wiegten. Die Sonne stand bereits tief am Himmel, als Gwyn und Amira einen Rastplatz nahe eines kleinen Wegschreins erreichten. Der Schrein, ein schlichtes Steingebäude mit einem bronzenen Perainesymbol über dem Eingang, bot ihnen nicht nur einen Ort der Ruhe, sondern auch eine Wasserquelle für ihre Pferde.
Gwyn schwang sich aus dem Sattel und löste die Zügel seines Pferdes, während Amira mit geübten Griffen ihr Pferd versorgte. Sie war eine Frau der Disziplin und der Hingabe, das wurde ihm mit jedem Schritt der Reise klarer. Als er sie beobachtete, bemerkte er, dass ihr Blick immer wieder nach Norden schweifte, dorthin, wo Arraned und ihre ungewisse Bestimmung lagen. Sie hatten einander die Zeit vertrieben, welcher Profession Gwyn nachging, hatte Amira nicht gefragt, er wusste viel und schien gereist zu sein, was das Gespräch mit ihm leichter machte. Zwischenzeitlich wechselten beide ins Tulamidya und Amira berichtete allzu gern von Khunchom, Mhanadistan, Fasar und Rashdul. Die Zeit war vorangeschritten und ein Tag folgte dem Abend, der das Land in ein warmes Rot tauchte.
An einem Schrein der Peraine - wie seltsam dachte Amira, war auf der kleinen Wacht des heiligen Hûlthar auch ein Peraine-Tempel - oder besser die Tempelburg der Rondra war auf Ruinen eines noch älteren Peraine-Tempels erbaut worden, hielten sie. War das Zufall oder wiesen alle Wege nach Arraned?
Amira breitete, nachdem sie abgesattelt und ihre Pferde versorgt hatte, sowie nach einem kurzen Gespräch über Pferde, einen köstlich gefertigten Teppich aus, kniete sich hin um zu Rondra und ihrer Schwester Peraine zu beten, vergaß aber Radscha nicht. Dann setzte sie sich still zu Gwyn auf die Bank.
Schweigend saßen sie auf der Bank an der Mauer des kleinen Schreins beisammen, während die Sonne weiter hinter den Hügeln versank. Bald würden sie Neudorf erreichen und dort in einem Gasthaus die Nacht verbringen müssen. Schließlich entschied sich Gwyn daher, das Thema auf ein leichteres Terrain zu lenken. „Also, Euer Gnaden, da Ihr am Pferderennen teilnehmen wollt – wie steht es um eure Reitkünste? Wird Almada bald Zeuge der Schnelligkeit eures Rosses sein?“
“Habt ihr von der meisterlichen Reitkunst der Novadis gehört. Ohne Hände vermögen sie es, das Pferd zu steuern und ihr Bogen trifft auf 50 Fuss genau!” Amira schnalzte mit der Zunge und Hassan, das Shadif, kam herangetrabt und legte seine Nüstern in die ausgebreiteten Hände seiner Herrin.
“Es bedarf Jahre, um solch einen Schuss zu tun, noch länger bedarf es das Pferd zu beherrschen. Nur mit Vertrauen und Respekt ist so etwas möglich!” Amira strich dem Ross durch das Fell. “So Hassan will, werde ich meine Reitkunst zum Besten geben.” Als hätte das Tier verstanden, schnaubte es und tatsächlich bestand zwischen beiden eine innige Vertrautheit. Es dauerte nicht lange, bis auch das Packpferd auf seine Herrin zukam, schnaufte, um so auch gestreichelt zu werden. Gwyn nickte, um deutlich zu machen, dass er verstanden hatte. Die untergehende Sonne tauchte den Himmel in ein tiefes Purpurrot, während er und Amira ihre Rast am Schrein der Peraine beendeten. Der kühle Abendwind trug den Duft der Blüten zu ihnen heran, und das Rauschen des nahen Flusses untermalte ihre Gedanken. Beide waren in ihre eigenen Reflexionen vertieft, Amira in die Gewissheit ihres Glaubens, Gwyn in das Ringen um seine eigene Bestimmung.
Mit ruhigen Bewegungen sattelten sie ihre Pferde und ritten weiter, das letzte Tageslicht nutzend, um Neudorf vor der Nacht zu erreichen. Ihre Unterhaltung nahm wieder eine leichtere Wendung, als sie sich über die berühmten Reiterturniere und die Traditionen Almadas unterhielten. Amira sprach dann von den Kunstfertigkeiten der Novadis und Tulamiden, Gwyn von den Reitern seiner Heimat. Beide erkannten in den Worten des anderen die Liebe zur Perfektion und den tiefen Respekt für die Kunst des Reitens.
Als sie schließlich das Gasthaus erreichten, wurde ihnen jeweils rasch eine Unterkunft zugewiesen. Der Wirt, ein stämmiger Almadaner mit einem wettergegerbten Gesicht, musterte Amira interessiert, hielt sich jedoch mit Kommentaren zur Herkunft seiner Gäste zurück.
Nach einem schlichten, aber herzhaften Mahl aus gebratenem Wild und Fladenbrot mit Kräuterbutter zogen sie sich zur Ruhe zurück. Gwyn vertiefte sich in seine Aufzeichnungen. Er hatte Notizen zu den verschiedenen Züchtungen gemacht, die er beim Rennen studieren wollte, aber am späten Abend wanderten seine Gedanken wieder zu seinen magischen Studien.
Am nächsten Morgen brachen sie früh auf, um das Selkethal zu erreichen. Die Landschaft wurde allmählich wilder, die weiten Felder und Weingärten machten kargen Hügeln und vereinzelten Wäldern Platz. Hier und da begegneten sie Reisenden, die anscheinend ebenfalls auf dem Weg zum Rennen waren.
"Euer Gnaden", begann Gwyn nach einer Weile des Schweigens, "habt Ihr je gezögert, dem Ruf der Herrin zu folgen? Gab es einen Moment, in dem Ihr an Eurer Bestimmung gezweifelt habt?"
Noch bevor der Tag graute, huldigte die junge Tulamidin ihrer Göttin, betete und huldigte der Löwin Alverans in einem hochkonzentrierten, rituellen Schattenkampf, der jeden Muskel des schönen Frauenkörpers zum schwitzen brachte. Danach kühlte sich die junge Frau im Bach ab, wusch sich, zog sich an und versorgte beide Tiere. Nach einem kargen Frühstück brachen beide zu ihrem Zielort auf.
Als sie so ritten und Gwyn sie nach ihren Zweifeln fragte, musste sie überlegen. Hatte sie Zweifel und wenn ja, was würde sie antworten?
Gwyn selbst schien selbst zu hadern und vielleicht war seine Frage mehr Bekundung seiner eigenen Zweifel als Neugier. “Zweifel? Zweifel an der Göttin hatte ich nie!” erklärte sie mit fester Stimme. “Zweifel an der Kirche...!” sie stockte. Durfte sie so frei sprechen? “Ich hoffe, dass das Schwert der Schwerter, die Kirche der Rondra weise und gerecht führt!” antwortete sie diplomatisch. Tatsächlich war Bibernell von Henigsford, wie Amira eine Mystikerin und von der tulamidischen Dialektik beeinflusst, das gab Amira Hoffnung, das nach den Jahren des Blutes, Jahre des Wachstums geben würde. Amira lächelte.
Gwyn zog eine Braue hoch. "Eine bewundernswerte Entschlossenheit. Und doch, was ist, wenn die Zeichen mehrdeutig sind? Wenn der Pfad, der einem vorgezeichnet scheint, eine Prüfung ist?"
“Eine Prüfung!” Amira nickte. “Unser Pfad ist eine Prüfung!” Amira blickte ihren Reisegefährten entschlossen an. “Ob mehrdeutig oder nicht, ich bin bereit und vielleicht ist es mein tulamidisches Erbe, das die Herrin in Arraned will. Ich muss die Antwort nicht kennen, nur dass Rondra mich gerufen hat!” erklärte Amira.
Gwyn nickte verständnisvoll. “Dann wünsche ich Euch den Segen Eurer Herrin und ihrer göttlichen Geschwister und dass Ihr die Antwort irgendwann erhalten werdet!”

Die Sonne stand hoch am Himmel, als Gwyn Aldubhor und Amira den letzten Abschnitt ihrer Reise ins Selkethal antraten. Der Weg war nun schmaler geworden, und die sanften Hügel wichen einer raueren, von zerklüfteten Felsen durchsetzten Landschaft. Der Wind trug den Duft von Kiefern und wildem Thymian mit sich, während die Pferde auf dem staubigen Pfad stetig voranschritten.
Gwyn ließ den Blick über die sich wandelnde Umgebung schweifen. "Wir sollten uns beeilen, wenn wir nicht vor Einbruch der Dunkelheit im Tal ankommen, könnten wir gezwungen sein, unter freiem Himmel zu rasten."
Amira nickte. Sie flüsterte ihrem Shadif etwas ins Ohr , dieser spitzte die Ohren und mit einem Schnauben ging das Tier in die Höhe und galoppierte. Das Packpferd folgt gehorsam. “ Wo bleibt ihr !” rief sie Gwyn zu.
Gwyn lachte und gab seinem Pferd die Sporen. Das Rennen hatte also früher begonnen, als er erwartet hatte. Nach einem kurzen Galopp schloss er zu seiner Begleiterin auf und rief freundschaftlich: “Direkt neben Euch!”

So ritten beide eine Weile zusammen, vergessen waren trübe Gedanken. Auch Hassan schien es zu gefallen, nur Questor hatte Mühen aufzuschließen und so hielt Amira an. Hassan tänzelte aufgeregt, wollte er doch weiter, die sanften Worte Amiras ließen das Pferd ruhig werden.
So ging es weiter, bis sie noch vor Einbruch der Dunkelheit ihr Ziel erreicht hatten.
Als sie das Ziel ihrer Reise erreicht hatten und neben ihren Pferden vor der Hacienda des Gastgebers standen, lächelte Gwyn. Er war ein Mann direkter Worte, das hatte er in den letzten Tagen unter Beweis gestellt. Er verneigte sich vor der Rondrageweihten und in seinem nahezu akzentfreien Tulamidya sagte er: “Es war mir eine Ehre mit Euch zu reisen, Euer Gnaden. Die Gespräche mit Euch waren in vielerlei Hinsicht erhellend.” Er kramte in einer seiner Satteltaschen und holte eine kleine, fein geschnitzte Holzfigur eines tulamidisch aussehenden Ritters hervor und hielt sie ihr hin. “Das ist eine Figur von Pakhizal al'Marfun, einem der Gründer des Theaterordens, die ich in Festum geschenkt bekam. Ich würde sie nun gerne Euch geben, als Erinnerung an unsere gemeinsame Reise und als Glücksbringer für die Aufgabe, die vor Euch liegt.”
Amira strich mit den Fingern andächtig über die Holzfigur , die detailliert gearbeitet war. Sie hob die Figur auf und betrachtete sie. Dann schloss sich ihre Hand um die Holzfigur. Sie blickte zu Gwen und lächelte. “ Ich danke Euch , ich werde diese Figur in Ehren tragen!” Sie schien zu überlegen , dann griff sie in Questors Satteltasche und holte einen Beutel hervor. “ Getrockneter Tabak." Ich bin Euch dankbar und wünsche Euch alles Glück, das Euch die Götter gewähren. Solltet ihr jemals meine Hilfe gebrauchen, Ihr wisst wo ihr mich findet!” Dann atmete sie kurz durch und reichte Gwen die Hand “ ….und für das Rennen, alles Gute!”
Gwyn lächelte ebenso und nahm ihre Hand zum Handkuss. “Das wünsche ich Euch ebenso und vielleicht komme ich irgendwann auf Euer Angebot zurück! Dann lasst uns mal ein Pferderennen gewinnen…” Er zwinkerte. “...falls die Götter das für uns vorgesehen haben.”