Chronik.Ereignis1045 Selkethaler Pferderennen zu Ehren der schönen Göttin 1045 BF 27
Von Taladur ins Selkethal, Anfang Rahja 1045 BF
Autor: Amarinto
Die Anreise ins Selkethal
Es war ein kühler Morgen, als Feodora Damotil und ihre kleine Entourage das Tor von Taladur hinter sich ließen. Ihr Ziel war das Selkethal. Neben ihrer Vertrauten Nita ya Capoggio begleiteten sie ein Wagen mit Pferdeknechten und anderen Bediensteten und zwei prachtvolle Hengste aus ihrer Zucht. Die Tiere, ein edler Rappe namens Syraphil von Bosparan und ein schneeweißer Hengst namens Silencio, waren das Juwel ihrer Zucht und sollten im Rennen ihre Überlegenheit beweisen.
Der Weg führte sie über den breiten, doch holprigen Karrenweg entlang der Selke. Die Landschaft war geprägt von sanften Hügeln, lehmigen Feldern und vereinzelten Bauernhöfen, die das Tal säumten. In der Ferne konnte man die Burgruine An Holt auf einem Hügel erkennen, ein stummer Zeuge vergangener Zeiten.
Im geschlossenen Wagen saß Feodora aufrecht, das makellose Kleid wie immer perfekt abgestimmt. Ihr Blick wanderte aus dem Fenster, während sie mit Nita sprach.
"Nita, dieses Rennen wird kein bloßes Schaulaufen," begann Feodora mit einem Lächeln, das ebenso stolz wie selbstbewusst wirkte. "Es ist eine Bühne, auf der ich die wahre Klasse meiner Zucht demonstrieren werde." Nita, die gewohnt pragmatische Cavallerista, nickte leicht. "Und was, wenn die Konkurrenz sich als unerwartet stark erweist?"
Feodoras Augen blitzten kurz auf. "Stark?" Ihre Stimme war glatt wie Seide. "Nita, sie mögen starke Tiere haben, aber sie haben nicht mich. Niemand in diesem Tal versteht Pferde, ihre Bewegungen, ihre Gedanken, wie ich es tue.“ „Ist das nicht ein wenig überheblich, du weißt doch gar nicht wer alles teilnehmen wird?“ Feodora wedelte den Einwand mit ihrem Fächer beiseite. „Es ist keine Überheblichkeit, wenn es der Wahrheit entspricht."
Nita schwieg, wusste aber, dass Feodoras Worte nicht unberechtigt waren. Ihre Herrin hatte als Reiterin bereits viele Preise errungen, und ihre Pferde waren im ganzen Yaquirbruch und darüber hinaus berühmt, selbst die Horaslegion war ein treuer Kunde ihres Gestüts. Doch der Unterton in Feodoras Stimme ließ erahnen, dass der Druck, ihre Stellung zu verteidigen, auch sie nicht unberührt ließ.
Ankunft auf der Hacienda del Valle
Am späten Nachmittag erreichte die Gruppe die Hacienda del Valle. Das Anwesen lag malerisch. Die Wände der Hacienda leuchteten in der sinkenden Sonne, während der alte Majordomus Jodga die Neuankömmlinge mit stoischer Miene begrüßte. "Domna, wir sind geehrt, Euch empfangen zu dürfen", sagte Jodga mit einer leichten Verbeugung. Seine Stimme war ruhig, aber seine Haltung verriet den Respekt, den er der Besucherin entgegenbrachte.
Feodora stieg mit anmutiger Leichtigkeit aus dem Wagen. "Es ist mir eine Freude, ich kann es kaum erwarten, den Gastgeber kennenzulernen und ihm für die Organisation dieses Kräftemessens zu danken." Ihr Lächeln wirkte aufgesetzt, sie schien es nicht für nötig zu halten dem Majordomus etwas vorzuspielen.
Der Majordomus nickte höflich, führte die Gruppe ins Hauptgebäude, während ihre Bediensteten sich um die Pferde kümmerten. Die Pferde schnaubten und traten ungeduldig auf der Stelle, als hätten sie die Bedeutung ihrer Ankunft selbst erfasst. Feodora warf Nita einen Blick zu. "Wir werden sie auf das Rennen vorbereiten, sobald sie sich von der Reise erholt haben. Morgen beginnt die wahre Prüfung, Nita!"