Chronik.Ereignis1045 Selkethaler Pferderennen zu Ehren der schönen Göttin 1045 BF 29
Edlengut Selkethal am ersten RAHja 1045 BF
Autor: BBB
Sie nahmen sich alle so wichtig. So viele Gespräche, so viele langweilige Magnaten!
Pagol hatte es nicht mehr länger im Lager ausgehalten. In einem Zelt hatte sie ihr Onkel untergebracht, weitab der Hacienda. Er sollte in einem Feldbett schlafen. Wie ein gemeiner Soldat.
“Das wird dich schon nicht umbringen, und wer weiß, vielleicht gefällt es dir sogar”, hatte Onkel Gerio gesagt und ihm mit der Hand durch das Haar gewuschelt. Als sei er noch ein Kind!
Nein, für Pagol waren diese Rennen nichts. Es hatte sich aufregend angehört, nach Abenteuer, nach interessanten Leuten aus aller Herren Länder. Stattdessen waren hier wieder nur die üblichen Almadaner Gockel. Und Horasier. Viel zu viele Horasier!
Also war Pagol gegangen. Hatte das Lager verlassen, sich einen Baum gesucht, war auf diesen geklettert und nun beobachtete er das Treiben aus der Perspektive und mit der Gleichgültigkeit eines Vogels. All die vielen kleinen Fellachen, die wie Ameisen umherflitzten, ihre Aufgaben erledigten. Die almadanischen Gockel, die sich, herausgeputzt, präsentierten. Die horasischen Gockel, die - vergeblich - versuchten, es ihren oberyaquirischen Nachbarn gleichzutun.
In seinem Kopf begann er, die Stimmen von Hühnern zu imitieren, wann immer ein besonders hübsch zurechtgemachter Adliger seinen Baum passierte. Bok. Bokbok. Bok bok bok. Booook!
Er musste laut lachen.
Doch dann fiel sein Blick auf einen jungen Mann, vielleicht ein, zwei Götterläufe älter als er selbst. Sein Gesicht war fein geschnitten, sein Haar dunkel, sodass man ihn im ersten Moment für einen Almadaner halten mochte - doch irgendetwas an ihm war… anders. Sein Körperbau war nicht so untersetzt, wie der eines typischen Almadaners, seine Kleidung zeugte von Stilbewusstsein jenseits aufgesetzter Flamboyance und sein Gang zeugte von Zielstrebigkeit und einem gewissen Selbstbewusstsein.
Unwillkürlich lehnte sich Pagol etwas nach vorn, während er dem jungen Mann mit dem Blick folgte. Er war… fasziniert.