Chronik.Ereignis1045 Selkethaler Pferderennen zu Ehren der schönen Göttin 1045 BF 16

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Autor: Gerberstädter

Esquirio Sibernius di Rahjavebenga hatte vor, sich für einige Götternamen vom Dienst freistellen zu lassen, um am Selkethaler Pferderennen teilzunehmen und sich in Ruhe Gedanken über seine weitere Zukunft zu machen. Doch aus der inneren Einkehr ist eine Eskorte für eine Juristin der Familie Gerber geworden. Jetzt muss er in einem Tross mit Kutsche und einer eitlen und arroganten Patrizierin im Gepäck gen Almada reisen.

Der Caballero der Familie Gerber, Signor Sibernius hatte seine Dienstherrin Quenia Gerber gebeten… nein, er hatte seinen ursprünglichen Dienstherren, Dettmar Gerber gebeten für zwei Götternamen vom Dienst freigestellt zu werden, da er ins Almadanische reisen wollte um dort an einem Pferderennen teilzunehmen. Dieser hatte ihn zu seinem Leidwesen, aber dann doch an seine Nichte und neue Matriarchin Quenia Gerber verwiesen.

Statt einer entspannten Auszeit allein hatte er nun einen Auftrag erhalten. Zwar war es ihm erlaubt, an dem Rennen teilzunehmen, doch nun musste er eine eitle Juristin eskortieren, die erst vor kurzem gegen ihren Willen aus Methumis nach Efferdas zurückbeordert worden war.

Da sich die Signora in Efferdas nicht recht wohl fühlte und das Familienoberhaupt ihr offensichtlich ein bisschen den Hintern pudern wollte, durfte sich die Esquiria Remira Gerber auf einem Gestüt in Almada ein Pferd kaufen und sich die Rennen ansehen.

Statt zügig alleine zu dem Pferderennen reiten zu können, würde er jetzt eine Kutsche, zwei Weiber und eine Handvoll Berittene an der Backe haben. Zumindest bekam er das Startgeld, Kost und Logis und eine Sonderzahlung extra für diesen Auftrag. Trotzdem würde er nicht mehr lange für die Familie Gerber arbeiten. Es war einfach nicht mehr das gleiche wie unter Dettmar Gerber.

Am 8. Ingerimm 1045 BF brach man dann auf. Esquirio Sibernius di Rahjavebenga auf seiner Elenviner Vollblüter Stute Dalida führte die Reisegruppe an, ihm folgten zwei berittene Soldaten, dahinter die Kutsche, mit Kutscherin und Armbrustschütze sowie Signora Remira Gerber und ihre Secretaria Arsinoé Sarÿios im Inneren und am Ende zwei weitere berittene Soldaten. Natürlich musste die Kutsche eine dieser Sonderkonstruktionen der Tochter des Familienoberhauptes sein, Sibernius hoffte, dass das Ding die Reise überstehen würde. Zwar waren die Holzarbeiten vom Hause Trenti durchgeführt worden, aber die gesamte Unterkonstruktion hatte Esquiria Amalia zusammengeschustert und dieser Göre traute Sibernius genauso wenig wie ihrer Mutter.

Und weil dies alles noch nicht genug war, hatte diese Remira auch noch darauf bestanden, dass sie ihren Sturmfalken, Malbeth, mit dem sie der Falknerei frönte und sicher auch Eindruck bei den anderen Gästen des Selkethaler Pferderennens schinden wollte mitnehmen würde.

Mit Übernachtungen in Marlamis, Urbasi und Centrano erreichte man am vierten Tag Vinsalt. Eigentlich war geplant in Baliiri zu nächtigen, aber Signora Remira bestand darauf, in Vinsalt zu übernachten und so stieg man im Hotel Alt-Bosparan ab.

Sibernius war mit jedem Tag der Reise noch entschlossener, dass dies sein letzter Auftrag für die Familie Gerber war.

Von Vinsalt konnte man auch nicht so zeitig aufbrechen wie geplant, da die Signora Remira am Vorabend die Vorzüge der Haupt- und Residenzstadt des Horasreichs sehr ausgiebig genutzt hatte und mit ihrer Secretaria wenig vor Aufgang der Praiosscheibe zurückgekehrt war.

Der athletische Mann mit dem vollen, roten Haar, dass allerdings schon mit einigen grauen Strähnen durchzogen war nutzte die Zeit um die Halle der Herrin Rondra im Stadtteil Tempelberg aufzusuchen und sich abzureagieren. Diese Remira würde ganz sicher dafür sorgen, dass noch einige graue Strähnen hinzukommen würden.

Zur Efferdsstunde brach man dann endlich auf, das ursprüngliche Ziel Bomed würden sie natürlich nicht mehr erreichen und so nächtigte man in Boronaya.

Mit Übernachtungen in Bomed, Unterfels, Inostal und Dâl erreichte man am 17. Ingerimm 1045 BF Brig-Lo. Das zwischen den Flüssen Brigella und Yaquir liegende, um die 400 Seelen zählende, vergleichsweise ruhige Örtchen ist allerdings alljährlich zum Jahrestag der Zweiten Dämonenschlacht Ziel tausender Pilger. Deswegen verwundert es auch nicht, dass neben der Fischerei und dem Weinanbau der Verkauf von Reliquien eine der Haupteinnahmequellen des Ortes ist. Immerhin war es dem Caballero gelungen die Efferdierin davon zu überzeugen sich zuerst bei der Auswahl der Pferde des Edlen Algerio da Selaque von Culming auf dessen Gut umzusehen und den Besuch des nahegelegenen Gestüt Diamant auf den Heimweg zu verlegen. Sonst wäre mindestens ein weiterer Tag verloren gegangen. So konnte man am nächsten Morgen wieder aufbrechen. Am Nachmittag des 18. Ingerimm erreichte man Bactrim, ein kleines almadanisches Städtchen am Yaquirstieg.

Mit der Zeit taute die Patrizierin zumindest gegenüber Sibernius etwas auf. Hatte sie ihn bisher nur mit Caballero oder Esquirio angesprochen, hatte sie ihn heute beim Morgenmahl mit Signor Sibernius angesprochen und sogar etwas Konversation betrieben. Wenn sie allerdings etwas von den Popoli wollte, so erledigte das ihre Secretaria Arsinoé, ganz gleichgültig, ob es sich um Bedienstete der Familie Gerber handelte oder um fremdes Personal. Für eine Angehörige der Patrizierfamilie Gerber ein sehr befremdliches Gebaren. Auch wenn man bemerkt, dass die jüngeren Gerbers bereits weniger Nähe zu ihrer Arbeiterschaft haben als die Generation von Dettmar Gerber, aber ein so befremdliches Verhalten legt dort niemand an den Tag. Wird nicht leicht für die Signora Remira, wenn sie sich nicht ein bisschen an die Gepflogenheiten ihrer Familie anpasst, dachte Sibernius bei sich. Nachdem Remira mit ihrem Sturmfalken vor den Toren der Stadt geübt hatte setzte man den Weg gen Selkethal. Allerdings, schon im nächsten Ort ließ Signora Remira verlauten, dass sie wünsche, den Tag hier zu verbringen. Statt wie geplant in Caras endete die heutige Etappe im Markt Weinbergen, dem Hauptort der Baronie Khabosa, Sitz des Barons Shahîm Al'Shirasgan und einer der größeren und bedeutenden Flusshäfen entlang des Yaquirs. Quartier bezog man im besten Gasthaus Weinbergens ‚Zum Goldenen Yaquir‘. Remira ließ sich mit ihrem Sturmfalken Malbeth und Signor Sibernius auf der Außenterrasse nieder, die einen, gerade bei so traumhaftem Wetter wie an diesem Tag, bezaubernden Blick über den Yaquir und das malerische Umland bot. Heute war es an der Secretaria Arsinoé Sarÿios, sich um den Bezug der Zimmer und die Unterbringung des Gefolges zu kümmern. Remira war bei dem bekannten und begehrten Yaquirtaler Madawein in Plauderlaune und so erfuhr Sibernius einiges über die Zeit der Efferdierin in Methumis, ihr Studium, ihren Dienst im Handelskontor der Familie Changbari und dem gesellschaftlichen Leben der Stadt. So zog der Tag mit köstlichen Speisen, ganz angenehmen Gesprächen und ordentlich vom ‘König der Weine und Wein der Könige‘ ins Land. Sogar Sibernius fand, dass man es deutlich schlechter treffen konnte.

Am nächsten Morgen kam man überraschend früh los und erreichte Jassafheim noch vor Sonnenuntergang. Jassafheim, obwohl sicher mindestens 1000 Einwohner, am Yaquirstieg gelegen und mit einen Flusshafen ausgestattet hatte es kein Stadtrecht. Das in der Baronie Imrah gelegene sehr große Dorf beherbergt den größten Pferdemarkt des Königreichs, einen Efferd- und einen Rahja-Tempel.

Man fand eine ansprechende Herberge und setzte die Reise am folgenden Tag kurz nach Sonnenaufgang fort. Für die knapp 35 Meilen bis zu ihrem nächsten Ziel Al'Muktur benötigte die Reisegesellschaft gute neun Stunden. Auf einem Felsplateau gelegen, umgeben von den Flüssen Aquen und Brandenau macht die Festungsstadt Al’Muktur ihrem Namen, die Unbezwingbare alle Ehre.

Al'Muktur ist auch Sitz des Grafen vom Yaquirtal, der im Almadinpalast residiert.

Am zentral Pferdebrunnenplatz, dem Basar Al'Mukturs, liegt in direkter Nachbarschaft zum Tsa-Tempel, das Badehaus Falazar, alle drei Orte die Remira aufzusuchen gedachte.

So war denn auch Sibernius rasch klar, dass sie auch hier zwei Nächte verbringen würden.

Angeblich war der Kerker von Al'Muktur, der unterhalb der Festungsstadt gelegen ist, in ganz Almada gefürchtet.

Sibernius hatte in Erfahrung gebracht, dass um die 1500 Menschen in der alten Festungsstadt lebten.

Der folgende Tag stand ganz im Zeichen des Müßiggangs. Essen, Basar, bei einem Glas Wein die Sonne genießen, Tsa-Tempel, Badehaus, Essen und ein paar Gläser Wein um den Tag gemütlich ausklingen zu lassen. Jeweils vor dem Essen hatte sich die Patrizierin um ihren Sturmfalken gekümmert und jeweils gut eine Stunde mit ihm geübt.

Man schrieb inzwischen den 23. Ingerimm 1045 BF als die efferdische Reisegesellschaft nach Bagaillon aufbrach.

Bagaillon ist eine kleine Ortschaft durch welchen eine wichtige Landstraße führt Aus dem praioswärtigen Al'Muktur kommend führt die Landstraße gen Firuns, setzt über den Valquir und trifft Nähe der Reichsstadt Taladur auf die Eisenstraße. Auch hier fand man ein ordentliches Quartier und brach am nächsten Tag wohl gestärkt zum Ziel der Reise dem Edlengut Selkethal auf.