Chronik.Ereignis1047 Suche nach dem Yaquir-Flussdelphin 06

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Gräflich Taladur, Phex 1047 BF

VI - Ein Rücken, der die Fluten teilt

Ufer des Yaquir nahe Quirod

Autoren: InsomniaJones & Amrit

Ingrimiane saß auf der mittleren Holzbank und führte die Ruder mit ruhigen, kraftvollen Stößen. Das regelmäßige Eintauchen der Blätter und das leise Quietschen in den Halterungen waren die einzigen Geräusche, während sie das Boot gegen die träge Strömung des Yaquir hielt. Ihr Rücken war gerade, jeder Zug kam aus den Schultern, ohne dass sie dabei den Blick vom Horizont und der Wasserfläche vor Beppo wandte.

Sie beobachtete seinen Rücken am Bug. Er wirkte wie eine gespannte Feder, das Kinn leicht vorgestreckt, während seine Augen über die Wellen huschten. Es gefiel ihr, wie ernsthaft er die Aufgabe anging; keine Fragen, kein unnötiges Geschwätz – nur die gemeinsame Jagd auf einen Schatten im Fluss. „Such nicht nach dem ganzen Tier“, sagte sie mit ihrer tiefen Stimme, die über das Wasser trug, ohne laut zu sein. „Achte auf die Unregelmäßigkeit in der Welle. Wo das Wasser aufreißt und für einen Herzschlag etwas Hartes, Glänzendes entblößt, da ist er.“

Sie legte sich etwas mehr in die Ruder, um eine leichte Kurve zu fahren. In ihrem Kopf drehten sich die Gedanken um die Beschreibungen der Schuppen – dieses Wunderwerk, das so zäh wie Leder und doch so unnachgiebig wie Erz sein sollte. Für eine Schmiedin wie sie war der Yaquirdar ein Beweis dafür, dass die Natur Legierungen hervorbrachte, von denen die Menschen in ihren Werkstätten nur träumen konnten. Das orangefarbene Licht der Dämmerung verblasste allmählich und machte einem kühlen Violett Platz. Ingrimiane hielt den Atem an und verlangsamte ihren Ruderschlag, als sie bemerkte, wie Beppo plötzlich den Arm hob und auf eine Stelle ein Stück links vom Boot deutete, wo ein metallisches Aufblitzen die Oberfläche durchbrach.

Der Lehrling war so aufgeregt, dass er fast das Gleichgewicht verloren hätte. Stattdessen kniete er ungeschickt ab und hielt den Bootsrand fest. Das Tier war jedenfalls groß, ein muskulöser, runder Rücken, von dem gut ein Schritt Länge unter dem Wasser sichtbar war. Die Schuppen wirkten bräunlich bronzefarben und nicht übermäßig groß, vielleicht daumenlang. Beppo drehte sich zur Schmiedin um “Und jetzt?” hauchte er unter dem Atem.

Ingrimiane ließ die Ruder für einen Moment ruhen und griff in ihre Tasche. Sie holte einen Kanten festes Brot hervor, den sie eigentlich als Wegzehrung für Beppo eingesteckt hatte. Mit einer knappen, gezielten Bewegung warf sie ein größeres Stück davon genau in die Strömung, direkt vor den massigen, bronzefarbenen Rücken. „Jetzt pass auf“, flüsterte sie, die Augen zu schmalen Schlitzen verengt.

Das Wasser kräuselte sich. Mit einem trägen, schmatzenden Geräusch öffnete sich ein Maul an der Oberfläche und schnappte nach dem Brot. Doch statt der eleganten, spitzen Schnauze eines Delfins kam ein breites, bartelbesetztes Maul zum Vorschein. Ingrimiane hielt inne. Sie legte sich erneut in die Ruder, um das Boot noch ein Stück näher heranzubringen, während das Tier – gierig nach mehr – den Rücken weit aus den Wellen hob.

In diesem Moment brach das letzte Licht der Sonne durch die Wolken und traf die „Schuppen“. Doch da war kein metallisches Blitzen. Was sie für die legendäre Panzerung gehalten hatten, war ein zäher, verkrusteter Teppich aus Flussalgen, getrocknetem Schlamm und festgesetzten Muschelschalen, die sich auf dem breiten Rücken eines uralten, riesigen Karpfens angesammelt hatten. Die bräunliche Färbung kam nicht von edler Bronze, sondern von einfachem Moder und Sediment. Ein schweres Schweigen legte sich über das Boot, nur unterbrochen vom zufriedenen Grundeln des Fisches, der nach dem nächsten Brocken suchte. Ingrimiane starrte auf den Fisch. Ihr Blick wanderte von dem „Wunderwerk der Naturschmiedekunst“ zu dem ungeschickten Beppo, der immer noch mit offenem Mund über den Bootsrand starrte. Sie atmete tief durch, und das Geräusch klang gefährlich nach einem unterdrückten Grollen. „Ein Karpfen“, sagte sie flach. „Ein verkrusteter, fetter Flusskarpfen.“

Ingrimiane hielt inne. Die Ruder hingen reglos in der Luft, während kleine Kringel von den Blättern ins Wasser fielen. Sie starrte auf den massigen, modrigen Rücken des Karpfens, der gerade ein weiteres Stück Brot mit einem dumpfen Ploppen einsaugte. Die Enttäuschung traf sie zuerst wie ein schwerer Hammerschlag. All die Gedanken an göttliche Legierungen, an Schuppen so hart wie Erz und biegsam wie Leder – alles aufgefressen von einem fetten, grundelnden Fisch, der aussah, als hätte er die letzten zwanzig Jahre damit verbracht, den Schlamm des Yaquir zu filtrieren. Beppo wagte es kaum, sich zu rühren. Er starrte abwechselnd auf den Fisch und auf den Nacken seiner Meisterin, der sich gefährlich rötete. Er ahnte ein Donnerwetter, das die Vögel aus den Uferweiden treiben würde.

Doch dann geschah etwas, das Beppo weit mehr überrumpelte als jeder Zorn. Ein tiefes Grollen löste sich aus Ingrimianes Brust. Es begann als ein kurzes Schnauben, steigerte sich zu einem Glucksen und brach schließlich in ein schallendes, ehrliches Gelächter aus, das über den stillen Fluss fegte. „Ein Karpfen!“, brachte sie zwischen zwei Lachanfällen hervor, während sie sich fast über die Ruder beugte. „Wir jagen den Stolz des Yaquir, den silbernen Wächter der Schiffer... und finden einen bemoosten Vielfraß, der auf mein Abendbrot wartet!“ Sie schüttelte den Kopf, die strengen Züge ihres Gesichts vollkommen gelockert. Das Lachen vertrieb die Erschöpfung des Tages und den Ernst ihrer Suche. „Sieh ihn dir an, Beppo“, prustete sie und deutete mit einem Ruderblatt auf den Fisch, der völlig unbeeindruckt weiterschwamm. „Das ist die Lektion des Tages: Nicht alles, was im Sonnenuntergang glänzt, taugt für die Esse. Manchmal ist es einfach nur ein sehr alter, sehr fetter Fisch.“ Sie wischte sich eine Träne aus dem Augenwinkel.

Beppo hatte sich inzwischen zur Sitzbank gehangelt und niedergelassen, er blickte mit verwirrtem Ausdruck zwischen dem Wassertier und seiner Meisterin hin und her. “Also, nur dass ich richtig verstehe. Was Ihr sagt ist, das dort drüben ist kein Delfin?” „Nein“, sagte Ingrimiane ruhig. „Ah”, ließ der Junge das sacken. Dann griff er auch nach einem Stück Brot und warf es ins Wasser.

Der Karpfen drehte sich mit einer trägen, fast schon majestätischen Schwerfälligkeit im Wasser. Als Beppos Brotbrocken die Oberfläche berührte, schob sich das breite, fleischige Maul erneut aus dem Fluss. Die Barteln an den Mundwinkeln tasteten gierig im Wasser, bevor sich der Schlund weit öffnete. Mit einem vernehmlichen Plopp verschwand das Brot im dunklen Loch seines Rachens. Der Fisch verharrte einen Moment lang, während er den harten Kanten mit seinen kräftigen Schlundknochen tief in der Kehle mahlte, wobei kleine Luftblasen und Krümel aus den Kiemendeckeln drückten. Dann schlug er einmal kräftig mit der Schwanzflosse, was einen Schwall schlammigen Wassers gegen die Bordwand des Bootes trieb, und tauchte langsam ab, bis nur noch ein dunkler, bemooster Schatten unter der Oberfläche zu erahnen war.

Ingrimiane schüttelte nur den Kopf und setzte die Ruder wieder ein. Die Fahrt zurück zum Steg verlief fast schweigend, nur unterbrochen vom rhythmischen Quietschen der Halterungen. Meister Effram erwartete sie bereits mit einer flackernden Laterne, seine Ziehtochter im Schlepptau.

„Und?“, rief er ihnen entgegen, während Beppo das Seil mit klammen Fingern um den Pfosten schlang. „Hat der Yaquirdar Euch sein silbernes Wunder offenbart?“ Ingrimiane stieg mit festem Tritt aus dem Boot. Sie sah den Müller einen Moment lang an, und Beppo hielt unwillkürlich den Atem an, bereit für eine Standpredigt. Doch ihre Stimme blieb ruhig, fast schon geheimnisvoll. „Er hat uns eine Lektion erteilt, Meister Effram“, sagte sie und legte die vereinbarten Münzen für die Miete in seine schwielige Hand. „Eine Lektion über den Wert dessen, was sich unter der Oberfläche verbirgt. Habt Dank für das Boot.“

Bevor der Müller nachhaken konnte, gab Ingrimiane ihrem Lehrling einen Wink. Er tauschte einen letzten Blick mit der jungen Müllerin, deren Augen belustigt funkelten. Rania hatte Ingrimianes Lachen über dem Fluss deutlich gehört, aber sie respektierte eine gute Geschichte und sagte nichts.

Die Schmiede schulterten ihr Gepäck und machten sich an den Aufstieg Richtung Quirod. Die Lichter der Stadt flackerten in der Ferne wie kleine Sterne am Ufer. Als sie die ersten Häuser erreichten, roch die Luft nach gebratenem Fisch – was Ingrimiane ein erneutes, kurzes Glucksen entlockte. „Wir suchen uns eine Herberge, die mehr als nur eine Hängematte bietet, Beppo“, bestimmte sie, während sie den Marktplatz überquerten. Ihr Blick suchte nach einem Schild, das nach solidem Stein und sauberem Stroh aussah. Sie hielten schließlich vor einem zweistöckigen Fachwerkbau, über dessen Tür ein hölzernes Schild mit einem geschnitzten, etwas plumpen Fisch im Wind schwang. ___________________


Ingrimiane stieß die schwere Eichentür auf, und die Wärme der Gaststube, gemischt mit dem Geruch von würzigem Eintopf und abgestandenem Bier, schlug ihnen entgegen. Ein paar Einheimische hockten über ihren Krügen und warfen den Ankömmlingen nur flüchtige Blicke zu, bevor sie sich wieder ihren Gesprächen widmeten. Die Schmiedin trat direkt an den massiven Holztresen, hinter dem ein untersetzter Mann mit einer fleckigen Schürze gerade einen Becher abtrocknete.

„Zwei Schlafplätze“, sagte sie knapp, ihre tiefe Stimme trug mühelos durch den Raum. „Und zwar im Haus, nicht im Stall. Und einen Kessel heißes Wasser, um uns den Flussgestank vom Leib zu waschen.“ Der Wirt taxierte ihre kräftigen Arme und das Werkzeug an ihrem Gürtel, das sie zweifellos als Handwerkerin auswies, nickte beflissen und kramte unter dem Tresen nach den Schlüsseln. Der Wirt legte zwei Holzschüsseln auf das rissige Holz des Tresens. „Zimmer vier und fünf, oben am Ende des Gangs, Meisterschmiedin. Das Wasser lasse ich euch hochbringen, sobald der Kessel pfeift.“ Ingrimiane nickte ihm dankbar zu. „Habt Dank. Und wenn die Küche noch offen ist, bringt uns zwei Portionen von dem Eintopf. Er riecht ausgezeichnet bis hierher.“ Sie hielt kurz inne und ein schiefes Grinsen stahl sich auf ihr Gesicht, als sie an den Vorfall auf dem Fluss dachte. „Aber wenn es geht... heute lieber ohne Fisch. Davon hatten wir für einen Tag genug. Dazu zwei Krüge von eurem dunklen Bier.“

Der Wirt lachte kurz auf, erleichtert über ihren umgänglichen Ton. „Verstehe schon. Der Yaquir kann einem den Appetit auf Schuppenverleider gründlich verderben. Kommt sofort.“ Ingrimiane wandte sich zu Beppo um, der immer noch etwas unschlüssig neben ihr stand, und legte ihm eine Hand auf die Schulter. „Na los, Junge, such uns einen freien Tisch am Fenster“, sagte sie ruhig. „Ich muss mir nur kurz den gröbsten Schlamm von den Händen waschen, dann leiste ich dir Gesellschaft. Der Hunger treibt mich fast so sehr an wie der Durst.“

Beppo suchte wie aufgetragen, legte den Rucksack auf den Tisch und wartete auf die Meisterin, bevor er selbst noch in den Innenhof der Gaststätte trat. Ein Brunnen über dem Steinpflaster plätscherte kalt, aber dem Jungen tat das Wasser gut. Straßenstaub und Wagenschmiere der Kutsche, duftende Honigspuren, Flussschlamm, Mehl und Spinnwebe aus der alten Mühle. Es war ein langer Tag gewesen, aber das Quellwasser spülte alles fort und er fühlte sich frischer, als er vom mondbeleuchteten Hof wieder in die warme Gaststube trat. Vor Ingra standen schon Eintopf und Bier. Die zwei Reisenden stärkten sich, einträchtig schweigend. Erst als der Tisch schon freigeräumt war, fragte Beppo: "Darf ich die Skizze sehen, die Ihr von Taladur mitgenommen habt, Meisterin Ingra? Ich wüsste gerne, wie ein Delfin eigentlich aussieht.”

Ingrimiane hielt inne, den Krug noch halb erhoben. Ein amüsiertes Funkeln trat in ihre Augen, während sie den letzten Schluck des dunklen Biers hinunterspülte und ihn mit einem zufriedenen Seufzen auf das Eichenholz setzte. Sie wischte sich mit dem Handrücken über die Lippen und griff in die Innentasche ihres ledernen Reisewamms. „Geduld ist eine Tugend, die du heute am Fluss beinahe gelernt hättest, Beppo“, brummte sie gutmütig.

"Ah", kommentierte der Junge kurz. So kurz, dass seine leise Irritation über dieses Urteil der Schmiedin spürbar war. Hatte die junge Müllerin auf ihn abgefärbt? Ingrimiane zog ein sorgfältig gefaltetes Stück Pergament hervor, das trotz der Reisestrapazen erstaunlich glatt geblieben war. Mit ihren kräftigen, nun sauberen Fingern strich sie es auf dem Tisch glatt. Das Papier war von hoher Qualität, und die Zeichnung darauf stammte offensichtlich von einer kundigen Hand aus den Archiven von Taladur.

„Hier“, sagte sie und schob das Blatt in die Mitte des Tisches, damit das flackernde Kerzenlicht die feinen Linien beleuchten konnte. „Das ist ein echter Yaquirdar, so wie die Legenden von ihm erzählen.“ Auf der Skizze war ein kraftvoller, fast schon wuchtiger Rücken zu sehen, der von schweren, goldenen Schuppen gepanzert war. Das Tier wirkte wie eine massive Klinge aus Fleisch und Blut – stark gewölbt, mit einer spitzen, eleganten Schnauze und einer Rückenflosse, die wie ein geschmiedeter Dorn nach hinten gebogen war. Die Schuppen waren in der Zeichnung deutlich ausgearbeitet, und die Anmerkungen am Rand sprachen von einer „Härte wie gehärteter Stahl“ und einem „Glanz, der das Mondlicht einfängt“.

Beppo beugte sich tief über das Pergament. Der Kontrast zu dem schlammigen Ungetüm, das sie vor wenigen Stunden mit Brot gefüttert hatten, hätte nicht größer sein können. „Siehst du den Unterschied?“, fragte Ingrimiane leise und tippte auf die filigrane Schwanzflosse auf dem Pergament. „Die Form ist fast dieselbe wie bei einem gewöhnlichen Delfin, Beppo. Auch er hat diese breite Flosse, mit der er sich aus dem Wasser katapultiert. Aber schau dir die Details an.“ Sie fuhr mit dem Finger über die kräftigen Linien des Rückens. „Ein echter Delfin ist ein Tier aus weichem Fleisch. Seine Haut ist glatt wie nasses Leder, ohne eine einzige Schuppe. Er ist darauf ausgelegt, lautlos und flink zu gleiten. Aber dieser Yaquirdar hier? Er ist angeblich ein Schuppenflussdelfin und trägt eine Rüstung aus bronzenen Schuppen, hart wie gehärteter Stahl. Wo ein normaler Delfin weich nachgibt, wenn er gegen einen Felsen streift, würde dieser hier Funken schlagen.“ Sie deutete auf die Rückenflosse und die Schnauze. „Ein gewöhnlicher Delfin schneidet durch das Wasser wie ein heißes Messer durch Butter, aber er ist ein friedlicher Jäger. Er grundelt nicht im Schlamm wie der Karpfen, den wir heute gemästet haben. Aber seine Haut... nun ja, sie glänzt feucht und grau im Sonnenlicht.“ Sie lehnte sich zurück und beobachtete ihren Lehrling dabei, wie er die Details aufsog.

Der Junge achtete sorgsam darauf, das Papier nicht anzufassen, aber er verschränkte die Arme auf dem Tisch und legte das Kinn darauf ab, um die Schriftrolle genau zu betrachten. “Danke sehr! Mit dem Bild und Euren Worten kann ich es mir jetzt gut vorstellen! Von Fischen hab ich wenig Ahnung.” Er lachte verlegen und stubbelte sich die Haare “Ich hatte mir den Yaquirdar ganz anders vorgestellt, nach Eurer Beschreibung am Weg. Auch als ich davon träumte. Ich dachte, er sieht aus wie eine Art Falke, der sich blitzschnell im Wasser bewegt. Und nicht so groß geschuppt, mehr wie…so wie ein junger Pinienzapfen. Mit Schuppen in einem Dreieck, so etwa.” Er setzte drei Finger jeder Hand auf der Tischplatte auf, gegeneinander versetzt. “Aber er sieht mehr aus wie eine Ente, und hat ganz andere Schuppen. Das ist interessant.”

Ingrimiane hielt inne, Ein amüsiertes, wenn auch ein wenig trockenes Schmunzeln trat in ihre Augen, als sie sah wie Beppo das Wesen auf der Zeichnung mit einer Ente verglich und die Finger als Schuppenmuster auf den Tisch setzte. “Eine Ente, Beppo?”, brummte sie leise. Sie dachte an den Nachmittag zurück, an das schlammige Ungetüm im Fluss, das sie beide nun als das entlarvt hatten, was es war: ein fetter, alter Karpfen, den betrunkenen Flussschiffer zum legendären Yaquirdar herbeigedichtet hatten. “Ja, wenn man die Wahrheit heute im Fluss gesehen hat, wirkt dieser stolze Jäger auf dem Papier wahrlich ein seltsamer Vogel.”

Sie klopfte mit den Fingerknöcheln leise auf die Tischplatte, direkt neben Beppos Hand. “Deine Idee mit den versetzten Schuppen - wie bei einem Pinienzapfen - die behalten wir im Kopf. Das gibt dem Metall den Spielraum, den es braucht, wenn sich ein Körper darunter bewegt. Wir nehmen die Eleganz und die Schärfe von diesem Blatt hier, aber wir geben ihr die Bodenständigkeit von dem, was wir heute im Fluss gesehen haben. Wir machen daraus etwas Eigenes.”

Beppo wirkte nun schon rechtschaffen müde. “Danke für das gute Essen, Meisterin Ingra. Überhaupt, für die ganze Reise. Ich bin sehr froh, dass ich mitdurfte.”

Sie verstaute die Rolle und bemerkte, wie Beppos Augen schwer wurden. “Aber das ist eine Sorge für das nächste Feuer und den nächsten Amboss. Jetzt zählt nur das Lager. Du hast heute gelernt, dass Legenden oft nur aus zu viel Bier und einem hungrigen Fisch bestehen.” Sie legt ihm kurz die Hand auf die Schulter, als sie sich mühsam aufraffen. “Ich bin auch froh, dass du dabei bist, Beppo. Ein Lehrling, der den Unterschied zwischen einem Traum auf Papier und der Realität im Schlamm sieht, wird eines Tages ein guter Schmied. Schlaf gut, Junge.” Er gab ihr noch einen dankbaren Blick und schlurfte zum Lager. Kurz darauf ruhten beide, Meisterin und Lehrling, in wohltuendem Schlaf.

Weit draußen im Fluss blitzte für einen Wimpernschlag etwas auf – ein glitzernder Rücken, glatt oder geschuppt, wer hätte es sagen können – bevor die Strömung ihn wieder verschluckte.