Chronik.Ereignis1046 Der Gefangene von Taladur 10

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Fürstentum Almada, 23. Rondra 1046 BF

Quirod, gegen Mittag

Autor: de Verlez

Dies war nicht ganz das, was er sich nach dem Anschluß an der Efferd-Schule der Universität zu Methumis vorgestellt hatte, aber was machte man nicht alles für sein Haus. Navigator auf einem Flusssegler, der Flussotter. Seine erste Fahrt führte ihn den Yaquir hinauf, in ein Land, welches er nie wieder betreten wollte.
Rhymeo ya Pirras schritt über die Planke und betrat den Steg des Ortes Quirod. Was auch immer das Handelshaus, für das seine Tante arbeitete, dazu bewogen hatte hier sein Kontor zu errichten und nicht in Punin, konnte er nicht nachvollziehen. Dies war aber auch nicht seine Aufgabe. Er würde hier jetzt einige Zeit verbringen, bis die Ladung gelöscht war und die neue Ware verladen war.
Die Zollfeste Valquirbrück erhob sich auf der anderen Uferseite. Er sah noch den Kapitän, seine Tante und deren Leibwächterin die Fähre besteigen, um wegen der Formalitäten zu der Feste überzusetzen.
Er klatschte in die Hände und wandte sich dann zu seinen Kameraden, um ihnen beim Löschen der Ladung zu helfen.

“Das hätt ich nicht gedacht, dass ihr so gut anpacken könnt, Navigator”, sprach einer der Matrosen und prostete Rhymeo zu. “Ja, ein Bürschlein von der Akademie mit versteckten Talenten, Adamo”, lachte dieser und erhob ebenso seinen Becher. “Und nun erzählt, was macht man hier in diesem Nest außer recht gut essen und trinken?” “Arbeiten und sich nicht der Völlerei in Punin hingeben, sagte die Handelsmeisterin laut und deutlich.” Adamo lachte. Ja, das klang nach seiner Tante, dachte Rhymeo. “Aber der Kapitän ist so gnädig und gönnt uns nachdem wir die neue Ladung aufgenommen haben, einen Tag Freigang in Punin. Und da gibt es genug zu erleben.”

Die Tür zur Taberna Goldkehlchen schwang auf und der Kapitän betrat die Lokalität. Es schien nicht gut gelaufen zu sein, denn er sah finster drein. “Männer”, sprach der Kapitän. “Wir werden hier noch einige Zeit verbleiben. Die Ware für die Heimat ist noch nicht vollständig hier. Navigator. Die werte Frau Handelsmeisterin erwartet Euch in ihrer Kabine auf dem Schiff.” Das war nicht gut und er sollte seine Tante auch nicht zu lange warten lassen. “Kapitän, Kameraden”, grüßte Rhymeo und verließ das Goldkehlchen eiligen Schrittes.

Danach ging alles sehr schnell. Man mietete eine geeignete Karosse und begab sich ohne viel Umschweife ins Selkethal.

Edlengut Selkethal, Vormittags

Autoren: de Verlez & BBB

Als die kleine Reisegruppe die Hacienda erreichte, eilte ein völlig überrumpelter Jodga auf die unangekündigten Gäste zu, während Kyrilla Gaspardo ihre Arbeit Arbeit sein ließ, um ihrer Herrin von der Ankunft ihrer Tante zu unterrichten.

Wie ein Derwisch, fegte Feodora durch die Hacienda auf der Suche nach dem Hausherrn und Jodga hatte alle Mühe, die Signora zu beruhigen. Immer wieder stieß sie die Worte “Waren”, “Verspätet”, “Verluste” und “Dukaten” hervor. Letzten Endes nahm sie in der Sitzgelegenheit auf der Veranda Platz und erwartete voller Ungeduld den Hausherrn.

Dieser genoss mit Gwena ya Pirras den Ausblick von der Burgruine über das Selkethal. “Du hast dich also entschieden?”, fragte er die Liebfelderin. “Dom Algerio, es stand doch schon nach dem Drachenfeuerturnier fest. Ich werde nach Ende des Vertrages nach Efferdas zurückkehren. Wenn es nach meinem Herrn Vater ging, wäre ich jetzt schon nicht mehr hier.”

Algerio lächelte, voller Verständnis, aber nicht ohne eine gewisse Trauer ob des bevorstehenden und stetig näher rückenden Abschieds.

“Nun, wenn ich dich nicht umstimmen kann - dann lass mich dir wenigstens versichern, dass du jederzeit wieder hier willkommen bist. Es hat mir viel Freude bereitet, mit dir zu arbeiten und deine Fortschritte zu sehen und ich sehe in dir eine gute Freundin, deren Anwesenheit ich definitiv vermissen werde.”

“Ihr beschämt mich, Dom Algerio und an mir liegt es sicherlich nicht. Aber auch für Euch gilt ein herzliches Willkommen und Travias Gastfreundschaft, wenn es Euch jemals nach Efferdas verschlägt.” Gwenas Gesicht verzog sich zu einem schelmischen Grinsen. “Und vermissen werdet Ihr mich sicherlich nicht so schnell. Schließlich bekommt ihr in letzter Zeit doch des öfteren Besuch von einer gewissen Domna aus Mestera.”
Doch bevor Algerio auf die Frotzeleien seiner Schülerin reagieren konnte, hörten beide Hufgetrappel näher kommen. Sie sahen Kyrilla auf sich zukommen. Als sie die Ruine erreichte, berichtete sie ihnen von der Ankunft Feodoras und Rhymeos.

“Dom Algerio, Ich habe Verständnis dafür, dass es Probleme auf Euren Lieferwegen geben kann, aber so langsam solltet ihr diese in den Griff bekommen oder Ausweichrouten finden können.” Algerio kam überhaupt nicht zum Durchatmen. Nach ihrer Rückkehr hatte Jodga ihn sofort abgefangen und auf die Veranda geführt. War die Begrüßung noch von gegenseitiger Höflichkeit geprägt, kam Feodora direkt zur Sache. “In Quirod liegt jetzt ein Flusssegler vor Anker und kann keine neue Ware aufnehmen, weil diese teilweise nicht vorhanden ist. Wie gedenkt Ihr, dies zu bereinigen? Und nein, ich akzeptiere kein Trockenobst oder Strauße.”

Algerio hörte aufmerksam und ruhig zu, nickte ein, zweimal.
“Es tut mir aufrichtig und sehr leid, dass die Waren nicht rechtzeitig eingetroffen sind, Domna Feodora. Diese Nachrichten überraschen auch mich. Ich kann Euch aufrichtig versichern, dass dies das erste Mal ist, dass es zu einer Verzögerung kommt und dass ich alles in meiner Macht stehende tun werde, um dafür zu sorgen, dass es das letzte Mal sein wird.”

Einen Moment überlegte er, was schiefgegangen sein konnte. Die Routen, die seine Wagen nahmen, nutzten sie seit mehreren Götterläufen, sie waren gut etabliert und überwiegend sehr sicher. Größere politische Verwerfungen mit den Nachbarreichen waren auch keine bekannt geworden und selbst wenn es irgendwo zu Wegelagerei kommen sollte, waren alle Transporte relativ gut bewacht.
Er würde dem nachgehen, vielleicht sogar selbst nach Omlad müssen.

“Im Sinne unserer Partnerschaft und des gegenseitigen Vertrauens möchte ich ganz offen mit Euch sein. Ich weiß nicht, was hier schief gelaufen ist. Aber ich möchte nicht, dass es unsere Beziehung belastet. Ich werde nicht alle Waren sofort ersetzen können, aber ich biete Euch gern an, dass wir in meine privaten Bestände gehen, von mir aus jetzt gleich, und schauen, wie wir den Schaden für Euch so klein halten können wie möglich.”

“Alaun, Don Algerio,” Sah Algerio richtig? War dort der Anflug eines Lächelns in Feodoras Gesicht? Nein, er musste sich täuschen. “Ein kostbares Salz, welches sowohl für das Färben edler Stoffe, als auch zur Herstellung von Arzneien verwendet wird. Und eine der wenigen Abbauorte ist die Grafschaft Waldwacht. Ihr betont doch immer Eure Beziehungen. Wie steht es damit?” Da war er wieder. Der lauernde Blick. “Diese Ware dürfte doch zu beschaffen sein.”

Einen Moment lang musste sich Algerio das Grinsen verkneifen. Gewieft. Sehr schlau eingefädelt, ihm erst ein schlechtes Gewissen zu machen und dann mit so einer Idee um die Ecke zu kommen. Es nötigte ihm einen gewissen Respekt ab, wie die Horasierin mit dieser Situation umging: klar in ihren Vorstellungen und Forderungen, sehr geschäftstüchtig, allenfalls ein wenig zu dramatisch. Aber wenn es tatsächlich Lieferprobleme gab, war dies eine ernste Situation, selbst wenn Domna Feodora sie eventuell übertrieb.

Und in ihrem Wunsch nach Alaun bot sich auch zugleich eine Gelegenheit, zumindest weitgehend schadlos aus der Sache zu kommen.

“Ihr wisst so gut wie ich, ich selbst handle nicht mit Alaun”, begann Algerio. Zugleich stellte er sich die Frage, warum eigentlich nicht? “Ich kann Euch also selbst keine diesbezüglichen Lieferungen in Aussicht stellen. Aber Ihr habt Recht. Die beiden bedeutendsten Alaunminen Almadas liegen nicht weit vom Selkethal, zwei, vielleicht drei Tagesreisen von hier, und ich bin mit ihren Besitzern zumindest bekannt.” Zudem eine Gelegenheit, das bisherige Versäumnis nachzuholen. Wenngleich zu spät.
Einen Moment zögerte Algerio, dann fuhr er fort: “Ganz im Zeichen unserer guten Geschäftsbeziehungen wäre es mir eine Ehre, Domna Feodora, wenn ich Euch mit den Besitzern der Mienen bekanntmachen, wenn es Euch interessiert Euch die Minen zeigen dürfte”, bot er an. Beiden war bewusst, dass er sich mit diesem Angebot als Mittelsmann disqualifizierte. Beiden war bewusst, dass seine Position als Kunde der Besitzer jedoch in gleichem Maße gestärkt wurde, brachte er doch gleich weitere Kundschaft mit.

“Nun denn ich hoffe, ihr seid hier abkömmlich. Wir sollten dann so schnell wie möglich aufbrechen. Vielleicht schmälert das den Verlust eines auf Halde liegenden Flussseglers. Benötigen wir noch mehr Bedeckung als vorhanden? Damit meine ich auch meine Nichte. Ich bin gerne auf alle Eventualitäten vorbereitet.”

Algerio grinste zufrieden. “Ich werde mir die Zeit nehmen und nein, ich denke nicht. Die Waldwacht gilt als ziemlich sicher. Wir haben nichts zu befürchten.”

Damit stand Feodora auf. “Und auf der Reise, könnt ihr mir etwas über die eventuell zukünftigen Handelspartner erzählen.”

“So machen wir es", bestätigte Dom Algerio.