Chronik.Ereignis1045 Selkethaler Pferderennen zu Ehren der schönen Göttin 1045 BF 31

Aus Almada Wiki
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Edlengut Selkethal, 01. Rahja 1045 BF

Autoren: Liebsang, Gerberstädter

Tsasalda beobachtete mit großen Augen die vielfarbigen Gewänder und die für sie fremdartig aussehenden Besucher. Hier und da schnappte sie mal ein Wort in einer fremden Zunge auf, das ihr bekannt vorkam. Immer wieder blieb sie erstaunt stehen, wenn sie Spielleute sah, die ganz anders musizierten, als sie es von zu Hause gewohnt waren. Die fremden Musikinstrumente und die unbekannten Melodien, die sich damit erzeugen ließen, faszinierten die junge Frau. „Habt ihr, ich meine, habt ihr das gerade gesehen?“, fragte sie ihre Geschwister. „Ach Schwesterchen, wenn wir jetzt überall stehen blieben und stauen, käme unsere Praioberga noch zu spät zum Rennen.“, entgegnete ihr Anselm.

„Wir müssen schauen, wo ich mich zum Rennen anmelden muss. Warum sucht ihr beide nicht schon einmal eine Herberge und wir treffen uns zur Mittagsstunde an dem Brunnen dort drüben?“, schlug Praioberga ihren Geschwistern vor. So teilten sie sich auf und alsbald fanden Anselm und Tsasalda eine geeignete Unterkunft im Ort. Danach machten sie sich auf ihre große Schwester, wie vereinbart, am Brunnen zu treffen.

Ein in bunte Stoffe gekleideter Schlacks mit brauner Haut kam Rad und Salti schlagend auf die Geschwister zu. Drei Schritt vor ihnen kam er zum Stehen und verneigte sich:
“Ah, geschätzte Graciosa, werter Gracioso! Wollt ihr nicht der Tristeza des Alltags für einige Zeit entfliehen? So kommt heute Abend zu unserer bescheidenen Vorstellung! Seht die Fliegenden Dolche der Suryabeth, bestaunt die akrobatischen Fähigkeiten von Morona, Khalida, Yussufried, Jamilân und Retomaro, lasst euch von El Vanidad, Rahjarra und Madayana verzaubern. Ihr werdet es nicht bereuen und noch euren Enkeln davon erzählen! Kommt, kommt und bringt eure ganze Familia mit. An diesem Abend soll es keine Querella geben. Nur Staunen und Lachen!” Er wackelte mit dem Kopf und während er drei Salti rückwärts machte rief er: “Kommt! Kommt! Kommt!” Nach dem dritten Salto kam er wieder zu stehen, verneigte sich und zwinkerte Tsasalda zu, dann verschwand er Rad schlagend, um weitere Zuschauer zu werben.

Die junge Frau sah ihm neugierig hinterher. “Pah, Gracioso… was für ein Geck.”, meinte Anselm. “Ich fand ihn nett. Gehen wir dahin? Och bitte Anselm?”, sie warf ihrem großen Bruder einen flehentlichen Blick zu. “Ich weiss nicht. Wir sollten besser auf Praio warten, meinst du nicht? Sie würde sauer werden, wenn sie hier auf uns wartet, während wir uns vergnügen." Er reckte sich und schaute sich in der Menge suchend um. Als er wieder zu Tsasalda sah, schaute diese ihn mit großen runden Augen an. “Lass das! Bei den Zwölfen du bist unmöglich.”, er schüttelte lachend den Kopf. “Also gut. Hast du deinen Dolch dabei?” Sie nickte eifrig. “Dann geh voraus. Wir folgen dir alsbald, wenn Praioberga wieder hier ist.” Tsasalda stellte sich auf die Zehenspitzen und gab ihrem Bruder einen Kuss. Dann verschwand sie in der Menge.

Der bunt gekleidete Gaukler führte seine Kunststückchen gerade vor den Gästen eines Standes, an dem Wein ausgeschenkt und kleine Speisen offeriert wurden auf. Dem Betreiber gefiel es nicht gerade, dass man versuchte ihm die Gäste abspenstig zu machen, doch er macht gute Miene zum bösen Spiel, hatte das Pferderennen inzwischen eine solche Bekanntheit erreicht, dass weit mehr Teilnehmer und Schaulustige angereist waren als man erwarten durfte.

Der große und schlanke Zahori beendete seinen Auftritt diesmal Rad schlagend. Gerade als er sich nach einem nächsten Ziel umblickte sah er die junge Frau von eben, mit einigen Salti war er bei ihr. “Graciosa…” Er blickte ihr kurz aber intensiv in ihre grünen Augen: “...Tsasalda! Drei Geschwister, aber nur die Jüngste kommt, um die kleinen Kunststücke und Wunder zu bestaunen!” Mit einem Satz war er zwei Schritt entfernt und verneigte sich: “Ich bin Tobar Calderash. Verzeiht mir die Unhöflichkeit, euch vor mir vorgestellt zu haben, kleine silberne Drossel!” Er legte den Kopf schräg und sah sie verschmitzt an: “Ich glaube ihr seid eine musikalische Person, Hohe Frau Tsasalda! Kommt, ich stelle euch meine Sippe vor. Vielleicht mögt ihr vor dem Auftritt ein bisschen mit uns musizieren?” Tobar wieß einladend in Richtung eines Feldes, auf dem bunte Wagen im Kreis aufgestellt waren.

Tsasalda nickte verlegen und errötete. “Meine Geschwister sind mehr wegen geschäftlicher Dinge hier.” Sie ließ die Schultern entspannt sinken und lächelte sanft. "Und ja, ich würde sehr gerne ein wenig mit euch zusammen musizieren." Sie raffte ihren Rock etwas, damit er keinen Schaden auf dem Weg über das Feld nahm und zog den Gurt ihrer Laute, die sie auf den Rücken geschnallt hatte, etwas fester und hielt die dicke Tasche die sie an der Hüfte trug fest, als sie gemeinsam zu den bunten Wagen über das Feld gingen. Diese Musik, die hier erklang, war so anders, so mitreißend. Für einen Augenblick fühlte sie sich wie in eine andere Welt entführt. Sie setzte sich zu den anderen ans Feuer und lauschte einen Moment, bevor sie ihre Laute vom Gurt löste und vorsichtig versuchte, sich in die Musik des Fahrenden Volkes mit einzubringen.

Tatsächlich wunderte sich niemand über die Fremde, die da gemeinsam mit Tobar in ihre Welt gekommen war. Hier und da blickte sie jemand an, lächelte oder nickte ihr zu, aber niemand, der eine fragende oder gar ablehnende Mimik zeigte. Es wurden verschiedene Flöten gespielt, Schellen, Trommeln, eine Harfe und zwei Vihuela’s. Einige Frauen tanzten ausgelassen zu der Melodie. Eine der Tänzerinnen nickte ihr aufmunternd zu und die junge Frau bekam die Gewissheit, dass ganz egal was oder wie sie spielte, keiner und keine der hier Anwesenden würde es ihr krumm nehmen.

Derart beflügelt ließ sie ihr Lautenspiel von den fremden Klängen mitreißen. Mal wild, mal sanfter, mal lauter. Dem ersten Stück folgte ein zweites, fast noch wilderes Lied, zumindest wenn man den Tänzerinnen zusah.

Es war einfach herrlich. Diese Menschen hier schienen in Musik zu leben. Wilde und freie Musik erklang und sie war ein Teil von ihr. Völlig berauscht sang sie einfach mit, obwohl sie nicht immer jedes Wort verstand..

Eine alte Frau stand von der gegenüberliegenden Seite auf, kam zu der braunhaarigen Lautenspielerin herüber und setzte sich neben sie. Die Alte hatte, wie alle hier, eine fröhliche, durchweg friedfertige Ausstrahlung. Als das Lied endete, erhoben sich die meisten der Männer und Frauen und gingen den unterschiedlichsten Tätigkeiten nach. Die Alte richtete das Wort an die Lautenspielerin: “Du bist eine sehr mutige junge Frau.” Sie nickte anerkennend. “Ich bin Raistfaisha, die Mhanah dieser Sippe. Ich heiße dich willkommen in unserer Mitte, Tsasalda Emmer von Erlensang. Es freut mich immer Menschen kennenzulernen, die neugierig sind, Neues zu entdecken, kennen und verstehen zu lernen und nicht mit Ablehnung, Unverständnis und gar Hass auf alles Fremde und Unbekannte reagieren.” Sie wog ihren Kopf etwas hin und her. “Nicht das man alles mögen muss, aber zumindest kennenzulernen und versuchen zu verstehen, dass sollte man tun, das ist der Respekt, den jede Kultur, jede Sitte und jedes einzelne Lebewesen verdient.”

Sie sah die Mhanah erstaunt an: “Ihr kennt…? Woher kennt ihr meinen Namen?”, keuchte sie. Dann nickte sie zustimmend. “Die Elfen sagen, dass alles und jeder eine Melodie in sich trägt, die mit der Umgebung und andern in ihrer Umgebung ein Lied erzeugt. Und ich will Teil des großen Liedes sein.”

Die Alte lachte vergnügt: “Ich bin die Mhanah, ich muss alles wissen, wie sollte ich sonst meine Sippe führen!” Sie zwinkerte der jungen Frau zu: “Keine Sorge, ich weiß Dinge und ich bewahre das Wissen für mich. Niemals wende ich das Wissen zum Schaden eines Lebewesens.” Sie klatschte erfreut in die Hände: “Ha, die Elfen, ein schönes, ein kluges, ein magisches, ein weises Volk. So ähnlich den Zahori und doch so verschieden. Gefällt mir, wie du denkst, meine schöne, kluge Tsasalda! Ich mag dich jetzt schon sehr.”

Ein junger gutaussehender Mann kam heran und brachte zwei silberne Becher mit einer rötlichen Flüssigkeit, die sehr floral duftete. “Danke dir mein Sohn.” Sie wandte sich wieder der jungen Frau zu. “Bitte nimm, es ist ein Feigenwein, der mit etwas Kirschsaft, Wasser und einem Extrakt verschiedener Blüten verdünnt wurde.” Sie reichte der Lautenspielerin einen Becher und nahm den anderen. Sie prostete ihrem Gast zu: “Möge deine Schwester, die Junkerin Praioberga, bei den Rennen erfolgreich sein.” Sie trank einen ordentlichen Schluck und schloss dann einige Augenblicke mit genießerischer Miene die Augen. Vorsichtig roch sie an dem Becher und nahm dann ebenfalls einen ordentlichen Schluck. Heute war ihr alles erlaubt. Es war herrlich hier bei diesen wilden Menschen. Keine Regeln und keine Zwänge.

Sie seufzte zufrieden und widmete ihre Aufmerksamkeit wieder der jungen Frau: “Darf ich dir meinen Sohn Sarastrohaban vorstellen, er ist ein Hazaqi und wird später noch einige Tänze vorführen.” Sie blickte zu dem jungen Mann: “Dies ist die Hohe Dame Tsasalda Emmer von Erlensang!” Der schwarzhaarige Tänzer verneigte sich: “Mögen die Zwölf euch stets gewogen sein Hohe Dame Tsasalda Emmer von Erlensang! Ich freue mich, euch später bei unserer Aufführung begrüßen zu dürfen.” Erneut verneigte er sich: “Ich bitte mich zu entschuldigen, aber ich habe noch einige Vorbereitungen zu treffen.” Ein drittes Mal verneigte er sich und verließ die beiden Frauen.

Wieder war es die Alte, die das Wort ergriff: “Natürlich ist der Eintritt zu jeder unserer Aufführungen für Dich kostenlos. Wer mit uns musiziert hat, der gehört zur Familie, dem nimmt man kein Geld ab.” Wieder lächelte sie Tsasalda mit einer Herzlichkeit an, die einem ein Gefühl von echter, tiefer Zuneigung und Geborgenheit vermittelte.

Glücklich lächelte die Bardin und deutete eine Verbeugung an. “Ich bin euch für diese Großzügigkeit sehr dankbar und werde versuchen, an vielen eurer Vorführungen teilzunehmen. Doch jetzt muss ich meine Geschwister suchen. Praioberga wird sicher schon nervös.” Sie verabschiedete sich artig und machte sich auf den Weg zum vereinbarten Treffpunkt.

“Bitte nenne mich Raistfaisha, Mhanah oder Mütterchen und sag du, bitte. Ich bin kein Ihr oder Euch, damit fühle ich mich nicht wohl und es schafft so eine Distanz, die ich bei dir überhaupt nicht spüre. Du bist eine freie Seele, bewahre dir das.” Sie nickte: “Du musst gehen, man sorgt sich um dich. Ich würde mich wirklich freuen, dich und die Deinen bei der Vorstellung zu sehen. Vielleicht mögt ihr oder auch du alleine, im Anschluss mit uns feiern? Ihr seid eingeladen.” Sie lächelte und als sich die junge Frau auf den Weg machte, winkte sie ihr nach. “So ein junges, offenes Kind. Wie schade, dass es nicht mehr von ihrer Sorte gibt, Dere wäre ein so viel schönerer, friedvollerer Ort.” Die Alte seufzte.