Chronik.Ereignis1045 Selkethaler Pferderennen zu Ehren der schönen Göttin 1045 BF 12
Edlengut Selkethal, Ende Peraine, Anfang Ingerimm 1045 BF
“Dom Rasdan! Domna Roxalba! Herzlich willkommen im Selkethal, ich hoffe, die Reise war nicht allzu anstrengend.” Auch die Kinder Dom Rasdans begrüßte der Edle vom Selkethal freundlich.
Algerio hatte, wie er es bei solch schönem Wetter meist zu tun pflegte, seine Gäste auf die Veranda der Hacienda geladen, von wo aus man einen hervorragenden Überblick über das Dorf und das geschäftige Treiben hatte. Jodga hatte die Gäste aus ihren Zimmern geholt und zum Treffpunkt geführt, wo Algerio und Gwena bereits warteten.
Mit weit ausgestreckten Armen machte Algerio zwei Schritte auf den etwas größeren Magnaten zu, küsste ihn auf beide Wangen, wie es die Cortezza verlangte. Hernach wiederholte er die gleiche Begrüßung bei Domna Roxalba.
Roxalba versuchte dieses Prozedere schnell über sich ergehen zu lassen. Es war ihr sichtlich unangenehm, besonders als Algerio sich der entstellten Gesichtshälfte näherte. Fast war sie versucht, ihn von sich zu stoßen, unterlies es aber. Rasdan wiederum zuvor hatte das Gebaren routiniert erwidert und vorallem fest die Schulter Dom Algerio gepackt.
“Domna Gwena kennt Ihr ja bereits”, fuhr er fort, während er beiseite trat, um Raum zu lassen für ihre Begrüßung. “Sie ist seit den Rennen 1043 mein Gast, lernt mit großem Erfolg den Umgang mit den Pferden und hat sich ebenfalls sehr auf das Wiedersehen gefreut.”
Letzteres war eine offensichtliche Lüge, aber vielleicht half es von vornherein Spannungen abzubauen.
Gwena war von der Aussage Algerios überrascht, hatte sich aber soweit im Griff, das man ihr nichts anmerken konnte. Sie trat auf Rasdan di Vascara zu und verbeugte sich. “Dom Rasdan, wahrhaftig freue ich mich sehr Euch wiederzusehen und bin beeindruckt von der Pracht Eurer Zucht. Herrliche Tiere und ich kann es gar nicht erwarten gegen sie anzutreten und mich mit Ihren Reitern zu messen.”
Der tyrannische Junker verzig kaum eine Miene: “Danke, Domna Gwena. Die wahre Kraft und Herrlichkeit solcher Tiere zeigt sich aber nicht in nur einem Rennen, letztlich gewinnt die Ausdauer und der Ehrgeiz. Domna Roxalba muss ich Euch ja nicht vorstellen.”
Sie biss sich auf die Lippen und wandte sie sich Roxalba zu. Beide Frauen starrten sich an. Man konnte die Kälte zwischen ihnen spüren. Das einzige Geräusch war das Knarzen der Handschuhe Roxalbas, als diese ihre Hände zu Fäusten ballte. Als ob sie sich abgesprochen hatten, neigten beide ihre Häupter. Nur kurz und kaum wahrnehmbar. “Domna Roxalba”, sprach Gwena leise. “Domna Gwena”, erwiderte diese. Damit war für beide der Höflichkeit genüge getan. Gwena wandte sich ab und ein Schauer lief über ihren Rücken, so dass sie fast die beiden Kinder Rasdans vergessen hätte.
“Sehr gut”, beschloss Algerio die Begrüßung, um die unangenehme Situation nicht weiter auszudehnen als nötig. “Nehmt doch Platz, Dom Rasdan, Domna Roxalba” Er deutete einladend auf die freien Sitze. “Natürlich auch Ihr Domnito Rasco, Domnatella Rashja.”
Kaum hatten sich alle gesetzt, trat ein Hausdiener heran und schenkte allen einen roten Wein ein.
Algerio hob den Pokal: “Auf ein erfolgreiches und angenehmes Fest zu Ehren der schönen Göttin!”
“Möge die Heitere ihren wohlwollenden Blick auf die Rennen werfen.”, nahm Gwena den Trinkspruch ihres Lehrmeisters auf.
“Möge Kraft und Leidenschaft uns alle erfüllen.”, gab Dom Rasdan sich kurz, während er zu seinen Kindern, besonders Rashja, blickte, die noch ein paar sinnliche Worte im Namen der Göttin fand, während Sohn Rasco überschwänglich allen zuprostete. “Aber Dom Algerio, so sind wir nicht nur gekommen um unserer eigenen Wettkampf-Leidenschaft zu frönen, nein, wie Ihr dort hinten sehen könnt hält ein Diener Euren wertvollen Neuerwerb bereit, seit Eurem letzten Besuch, hat sie sicher nicht an Stolz eingebüßt, vielmehr hat sie diesen zu ihrer Leiteigenschaft auserkoren. Eine Stute diesem Rennen würdig, wenn es allerdings noch einiger Anstrengung bedürfen wird, bis Ihr sie eigens in Rennen reiten könnt.”
“Eine wahre Almadanerin also”, lächelte Algerio zufrieden und sichtlich stolz. Die Erinnerung an das kleine Prachtstück erfreute ihn noch immer und war lebendig wie am ersten Tag.
“Das ist gut zu hören. Ich freue mich sie wiederzusehen und in Empfang zu nehmen, kann es kaum erwarten. Und was die Teilnahme an den Rennen angeht… ich denke, das werden wir hinbekommen. Früher oder eben etwas später”, fügte er augenzwinkernd hinzu.
“Vermutlich später. Sie ist ein Biest.”, polterte Rasco di Vascara unüberlegt los und lachte auch noch überlegen. Sein Vater warf ihm einen finsteren Blick zu und hätte ihn am liebsten in den Staub der Terrasse geworfen, doch Domnatella Rashja war schneller: “Was mein unbedarfter Bruder damit sagen will, Dom Algerio, ist, dass diese Stute wahrlich das Blut eines alveranischen Rosses in sich trägt, das sich dem derischen entziehen möchte, dies gepaart mit ihrer almadanischen Seele, macht sie zu einem wahrhaftigen Geschenk für der Göttin, wenn er denn ihre Kraft und Herrlichkeit erkennt und diese zu nehmen und zu bewahren weiß. Eben eine Frau wer sie ist und was sie will, Euer Wille muss dem ihrem ebenbürtig sein, damit Ihr sie dereinst zu einem Sieg reiten könnt.” Rashja war bei diesen Worten zur Weinkaraffe geschlendert und hatte sowohl Dom Algerio als auch ihrem Vater nachgegossen. “Mit dem Blute der Reben und aus dem Funken der Göttin…”, dazu nahm eine ihrer spitzen Haarnadeln aus den hochgesteckten Haaren und pikste sich sanft in den Finger und gab einen winzigen Tropfen ihres Blutes in die eben gefüllten Becher. “...möchten wir auf dieses göttliche Geschöpf anstoßen, dass ihr nun Euer nennen dürft Dom Algerio, außerdem überkommt mich der Geruch eures Gartens, möchtet ihr uns nicht eine Führung durch Euer Anwesen geben?” Dom Rasdan sah seine Tochter in diesem Moment das erste Mal nicht mehr nur als sein Kind, aus ihr war eine echte Diplomatin und Dienerin des Göttlichen geworden, Stolz durchzog ihn, dann sah er zu Rasco, dem man ansah, dass er es kaum ertrug durch seine kleine Schwester korrigiert worden zu sein…
Algerio musste schmunzeln. “Wohl und wahr gesprochen!”, bestätigte er, als er seinen Kelch zum Gruß hob. “Es wird mir ein Vergnügen sein, junge Domnatella.”
Dabei musste Dom Rasdan feststellen dass er Dom Algerio immernoch nicht gänzlich einschätzen konnte, was seine hintergründigen Ziele als Diener des gehörnten Gottes anging, aber so oder so, hatte er das Gefühl durch den Kontakt hierhin, einen Schritt voran gemacht zu haben, wie genau, das würde ich noch zeigen und so prostete auch er allen zu.