Chronik.Ereignis1045 Selkethaler Pferderennen zu Ehren der schönen Göttin 1045 BF 13

Schloss Ginsterhold, Reichsedlenherrschaft Ginsterhold, Kaisermark Gareth, Ingerimm 1045 BF

Autor: Bega

Nahezu enthusiastisch erreichte Ramin Eorcaïdos von Aimar-Gor mit seinem Gefährten Hamedan von Waraqis und seinem Pagen Rondrick von Hengefeldt das malerische Wasserschloss Gisterhold, das schon seit Reichsrat Pelion im Besitz des Hauses Aimar-Gor war. Im Vorhof des Schlosses setzten die drei ab.

„Also, seitdem dein Oheim Reto dir von dem Selkethaler Pferderennen berichtet hat, wirkst du echt wie von einer Maraske gestochen“, bemerkte Hamedan amüsiert.

„Naja, das ist mein erstes Pferderennen außerhalb von Perricum, außerdem repräsentiere ich so auch das Gestüt. Aber ja, du hast recht, ich freue mich einfach riesig darauf.“

„Gut, dass uns dein Oheim begleiten wird, dann kannst du dich vollkommen auf die Rennen fokussieren.“

Ramin nickte bestätigend. „So, dann werden wir uns nun um unsere Goldstücke kümmern.“ Mit einem Augenzwinkern deutete er auf die Pferde.

„So Rondrick, nun ist dein Moment gekommen, um zu glänzen“, rief Hamedan dem jungen Pagen seines Gefährten zu. „Was hast du dir von den vielen Erzählungen Ramins merken können?“

Rondrick wirkte etwas nervös. Er war erst seit wenigen Tagen Page bei seinem Herrn. So gesehen, hatten die beiden Männer ihn erst auf dem Weg von Perricum nach Gareth eingesammelt. „Also neben dem Kaiserlichen Gestüt zu Gareth kommen die meisten Pferde des Königreichs Garetien aus Perricum. Neben dem Garethi, das als Ross den Ferdokern und Yaquirtalern in nichts nachsteht, zieht man in Perricum auch die weit unbekanntere Rasse des Beshi‘a Danal.“

„In Garethi heißen die Brendiltaler“, ergänzte Ramin.

„Sehr gut!“ Hamedan klopfte dem Jungen anerkennend auf die Schulter, als würde er den Rücken seines Pferdes abklopfen. „Und woher stammen die Beshi‘a Danal ab?“

„Ehm … die Züchtungen stammen von noch heute anzutreffender Rassen aus Mhanadistan und Aranien ab, die sich jedoch durch die … äh … Einzucht von Nordrassen durch größeren Wuchs auszeichnen.“

„Junger Hengefeldt, du hast gut zugehört!“ Ramin lächelte seinen Pagen an und wuschelte ihm durch sein dunkles Haar. Rondrick fühlte sich wie ein junges Fohlen, das erstmals was richtig gemacht hatte.

„Was für charakterlichen Merkmale weisen die Beshi‘a Danal auf?“ Hamedan gefiel sich offenbar in der Rolle des Zuchtmeisters.

„Also eindeutig die Zähigkeit und Zuverlässigkeit, die jedoch ein Höchstmaß an Disziplin und Führung bei der Ausbildung der eigensinnigen Tiere bedarf.“ Rondrick hatte nun an Selbstvertrauen gewonnen und seine Stimme war nun um einiges fester.

Hamedan musste schmunzeln, hörte er in den Worten des Jungen doch ohne Zweifel die Stimme Ramins heraus. „Und die äußeren Merkmale?“

„Weit verbreitet bei den Tieren ist diese Ramsnase, die ging auch nicht weggezüchtet, da sich mit der sehr wichtige Eigenschaften des Pferdes vererben. Aber auch feingliedrige Köpfe kommen bei den Rössern vor.“

„Ganz recht!“ Ramin nickte eifrig. „Aber es sind Erstgenannten, die Höchstpreise auf den alljährlichen Pferdemärkten von Baburin und Perricum erzielen.“

„Ein weiteres typisches äußeres Merkmal ist das überaus üppiges Langhaar an Hals, Schweif und Fesseln, das jedoch um die Hufe weitaus unauffälliger auffällt als bei ihren Verwandten aus Weiden.“ Rondrick wirkte stolz, sich so viel gemerkt zu haben.

„Was ist mit der Fellfarbe?“ Hamedan versuchte einen ernsten Gesichtsausdruck zu machen und hob gar wie zur Unterstreichung seinen rechten Zeigefinder. Doch nahm er sich die zur Schau gestellte Ernsthaftigkeit selbst nicht ab und müsste unweigerlich schmunzeln. Er hatte sich die Zügel aus der Hand nehmen lassen. Davon unbeirrt, fuhr der Page fort.

„Die Farben der Pferde sind meist sehr dunkel. Tiefstes Braun ist sehr weit verbreitet und auch die Füchse sind fast ins Schwarze gehend. Schimmel sind nach den Zuchtbüchern noch nie vorgekommen, bzw. sehr selten und wertvoll. Reinste Rappen sind äußerst selten und werden meist zu horrenden Preisen an die Liebhaber der Rasse verkauft. Noch seltener als die Rappen sind die so genannten Stichrappen, deren Fell bei schwächerem Licht einem tiefen Schwarz gleicht. Im vollen Lichte Praios aber, glänzt durch das schwarze Deckhaar das kupferne Fell eines Fuchses und verleiht Mähne, Schweif und Fesseln einen metallischen Glanz.“ Rondricks Augen leuchteten.

Die beiden Männer nickten anerkennend. „Wie sieht es mit der Größe aus?“, wollte Ramin wissen.

„Der A Danal, wie er auch kurz geheißen wird, erreicht ein Stockmaß von ungefähr 8 bis 8,5 Spann. Die außerhalb Perricums gezogenen Wallache erreichen gar eine Größe von 9 Spann. Eine weitere Eigenart der Rasse ergibt sich daraus, dass die Stuten zwar etwas umgänglicher sind, den Hengsten jedoch an Größe, Muskulatur und Mut in nichts nachstehen.“

„A Danal“, wiederholte Ramin, „gut aufgepasst!“

„Was ist das Besondere an der Ausbildung?“ Nun übernahm wieder Hamadan die Zügel des Gesprächs.

„Die Ausbildung der von Geburt an höchst schwierigen Tieren ist sehr mühsam, da sie sehr selbstbewusst sind. Berittmethoden, wie man sie aus anderen Gestüten kennt, sind nach der Meinung der Reitknechte für diesen Schlag ungeeignet. Während man von vielen Zureitern vernimmt, dass der Stolz des Tieres erst einmal gebrochen werden müsse, legt man bei uns in Perricum mehr Wert darauf, das Pferd als Gefährten zu gewinnen, wie man es aus novadischen Legenden kennen mag.“

„Dieser Beritt sorgt dafür, dass viele dieser Pferde ein fast blindes Vertrauen zu ihrem Reiter entwickeln, welchem dieser tunlichst gerecht werden sollte“, ergänzte Ramin mahnend. Er wusste um die besondere Beziehung, die ihn mit seinem Hengst verband.

„Kannst du dich noch an eine Besonderheit erinnern?“ Hamedan galoppierte verbal wieder vor.

„Ehm … ich weiß nicht genau.“ Rondrick blickte etwas hilflos drein.

„Nicht schlimm, mein Lieber, du hast deine Sache sehr gut gemacht. Sehr besonders ist, dass Hengste nie kastriert werden. Ein alter Aberglaube, der bei uns in Perricum vorkommt, verneint es, die heiligen Tiere der Rahja zu Wallachen zu verkrüppeln. Allerdings kommt es schon vor, dass viele Jungtiere nach erstem Beritt verkauft werden und schließlich anderswo ihre Männlichkeit verlieren.“

„Wenn ihr hier noch weiter so rumsteht, werdet ihr gleich eure Männlichkeit verlieren.“ Von den dreien unbemerkt, war Kastellanin Davine von Rossenrück an die Ankömmlinge herangetreten.

„Oh, charmant wie eh und je.“ Ramin kannte die scharfe Zunge der alternden Frau nur zu gut.

„Was haben wir denn hier, drei Reiter und fünf Rösser. Habt ihr auf dem Weg hierher eure Begleiter verloren?“

„Ach wo, die beiden sind aus unserem Gestüt Radscha Bur und stehen zum Verkauf. Wir nehmen sie mit nach Almada.“ Ramin blickte voller Bewunderung auf die beiden Pferde.

„Du meintest wohl das Gestüt deines Oheims.“ Samt fuhr die Kastellanin durch das tiefbraune Fell der Stute. Davine stammte aus einer Familie von Pferdezüchtern und -händlern aus dem Garether Umland. „Welch wunderschöne Stute.“

„Das ist Ammay'Shuni und der ins Schwarz gehende Fuchshengst Adamanth,“ Ramin gingt über die Bissigkeit der Kastellanin hinweg, wusste er doch, dass sie Pferde über alles liebte. „Und das hier ist mein Rappe Shaiin, mit dem ich an meinem ersten Pferderennen außerhalb von Perricum teilnehmen werde.“

„Na dann wollen wir doch dafür sorgen, dass es den drei Hübschen besonders gut geht. Ihr kennt ja den Weg ins Schloss!“

Hamedan zuckte mit den Schultern und deutete Ramin mit einem Kopfnicken Richtung Schloss. Ramin zwinkerte mit seinem rechten Auge. Er wusste, seine Lieblinge waren hier in guten Händen.