Chronik.Ereignis1045 Selkethaler Pferderennen zu Ehren der schönen Göttin 1045 BF 11
Edlengut Selkethal, Ende Peraine, Anfang Ingerimm 1045 BF
Bei San Cardasso hatte man die Boote verlassen und in Taladur einen kurzen Stopp eingelegt, die Stadt hatte immerhin einiges zu bieten und man selber auch. Die Gruppe um Dom Rasdan und Domna Roxalba war mittlerweile recht groß, immerhin war man um die 20 Menschen, davon die Hälfte zu Pferde und etwa 10 Rinder und 3 weitere Pferde, die man vorhatte beim Rennen zur Schau zu stellen. Es war heiß gewesen als man von Taladur dann weiter nach Westen zog, Dom Rasdan hatte sein Hemd weit aufgeknöpft, so dass man seine dunkel behaarte, breite und muskulöse Brust sah, auf der das große Brandzeichen seiner Zucht zu sehen war, ein stilisierter, gehörnter Stier. Von da aus war der Tross über die Landstraße geritten, bis er das nächste mal den Valquir kreuzte, der an dieser Stelle schon bedeutend schmaler war, als an der Stelle, wo man ihn verlassen hatte. Von da an war es nochmal fast die selbe Strecke gewesen, bis man die Landstraße gen Norden auf einen Karrenweg abbog, der einen in ein Tal zwischen den Valaq-Höhen entlang eines Baches führte - das Selkethal.
Der Weg führte einige Meilen immer entlang dem Verlauf des Flüsschens, tiefer und tiefer in das bewaldete Tal. Die Gruppe passierte zunächst eine kleine Siedlung, gruppiert um ein großes, beinahe kastenförmiges Gebäude mit klar erkennbar zwergischem Einfluss, aus dem das stete Dröhnen eines großen Schmiedehammers erklang. Weiter ging es den kurvigen Pfad entlang, vorbei an Wassermühlen und einem aus mehreren Gebäuden bestehenden Gehöft zu ihrer Linken. Ein großes Schild davor machte deutlich, dass sie auf dem richtigen Weg waren: “Carlos Hof heißt die Streiter der Rennen zu Ehren Rahjas herzlich willkommen!” stand dort.
Dennoch dauerte es beinahe ein Stundenglas lang, ehe das Tal sich weitete und den Blick freigab auf eine Wiese und dahinter liegend ein gutes Dutzend kleinerer und größerer Gebäude, sowie - in deren Zentrum - eine herrschaftliche Hacienda. Sie hatten ihr Ziel erreicht: das Örtchen Selkethal.
Dom Rasdan hielt zu allererst nach dem Willkommenstrupp Ausschau, denn er hatte einen Knecht voran geschickt, der ihre baldige Ankunft ankündigen sollte. Dabei fiel ihm auf, wie geschäftig das Treiben im Dorf war - schon jetzt wurden offenbar die ersten Vorbereitungen für die anstehenden Rennen getroffen, Platz für die Zelte geschaffen. Es dauerte darüber hinaus auch nicht lang, ehe ein älterer Mann den Reitern entgegenkam. Er blieb ein paar Schritt vor ihnen stehen, verneigte sich tief und setzte dann an: “Die Zwölfe zum Gruße und herzlich willkommen, Edle Herrschaften! Es ist uns eine Freude Euch auf Gut Selkethal begrüßen zu dürfen. Mein Name ist Jodga, ich bin hier der Majordomus des Herrn Algerio, zu Diensten.” Wieder verneigte er sich tief, ehe er fortfuhr: “Wenn die Herrschaften mögen, für die Zeit bis zum Eintreffen der hohen Herrschaften wurden Zimmer in der Hacienda vorbereitet. Dort können die Herrschaften sich erfrischen, bevor der Herr Algerio sie empfängt.”
Der Junker von Tyras war zufrieden, Dom Algerio bestätigte seinen guten Eindruck von seinem Besuch. Also nickte Dom Rasdan und erwiderte die Begrüßung: “Mögen Kraft und Stärke immer an der Seite eures Herren stehen, Jodga, wie ich sehe hat mein Bote uns angekündigt, so dass eine Vorstellung meiner selbst und meiner edlen Compañía nicht nötig ist, dann begleitet uns doch zur Hacienda, Dom Algerio wird hocherfreut sein uns und sein Prachtstück hier zu sehen”, dabei deutete der Junker zunächst auf seine edlen Begleiter, dann auf die wilde Stute an der Seite seiner Tochter. “Derweil brauchen sowohl unsere Pferde als auch das mitgebrachte Schauvieh einen Platz, selbstverständlich habe ich Knechte und Mägde dabei, damit wir dem Dom nicht allzu viele Umstände mit der Pflege machen. Dann deutete er Rasco, Rashja, Roxalba, Kaseymir, seinem Knappen Rufio und den weiteren an ihm und dem Majordomus zu folgen.
Gwena ya Pirras stand auf der Veranda der Hacienda und sah dem Tross entgegen. Sie hatte die Teilnehmerliste gesehen und den Namen der de Verlez sofort entdeckt. Die Stelle am Arm, mit dem Mal des Brandeisens, begann zu jucken. Sie hatte Dom Algerio versprochen, sich auf keinerlei Provokation dieser Hexe einzulassen und dies wollte sie auch halten. Da ihr Lehrmeister den ankommenden Gästen Räumlichkeiten auf der Hacienda anbieten wollte, hatte sie kurzzeitig über einen Auszug nachgedacht. Dies hätte ihr aber auch als Schwäche ausgelegt werden können und nein, dies wollte sie ihr nicht gönnen. Trotzdem wollte sich das Gefühl der inneren Unruhe nicht legen.
Sie konnte sehen, wie Jodga den Tross erreichte und sich, nach einem kurzen Gespräch, mit einer Delegation wieder auf den Weg zur Hacienda machte. Und da war sie, Roxalba de Verlez. Auch auf dieser Entfernung blickten sich beide Frauen feindselig an. Nein, die Sache war noch lange nicht ausgestanden.
Auf ein Zeichen des Majordomus hin kamen zwei Bedienstete des Guts, die zusammen mit den Mägden und Knechten des Junkers die Pferde zu den Stallungen und das Rindvieh zu einer nahen Wiese führten. Jodga selbst führte die Herrschaften über den Haupteingang in die Hacienda, zeigte ihnen persönlich ihre Zimmer.
“Ich werde die Herrschaften nach Ablauf eines halben Stundenglases abholen und zum Edlen Herrn bringen. Solltet Ihr in der Zwischenzeit etwas benötigen, findet ihr ein kleines Glöckchen neben jedem Bett. Es wird sich dann schnellstmöglich jemand um Euch kümmern”, versicherte Jodga, was Dom Rasdan schlicht mit einem herrischen Nicken quittierte und den Diener dann entließ.
“Bist du bereit?”, erklang die ruhige Stimme Algerios hinter Gwena, aus Richtung des Zimmereingangs. Wie so oft hatte er sich offenbar lautlos genähert.
“Wollt ihr mich wirklich dabei haben? Die Begrüßung der Gäste obliegt dem Hausherrn und das seid ihr, nicht ich.” Gwena drehte sich um und Algerio konnte die Unsicherheit in ihrem Blick sehen. “Ich werde mich früh genug mit ihr auseinandersetzen müssen. Wisst ihr zufällig, ob noch weitere Mitglieder ihrer Familie zugegen sein werden? Man sagt ja, viel Feind viel Ehr.”
Algerio lächelte. “Ich werde dich nicht zwingen. Aber es würde mich freuen. Deine Entscheidung. Aber soweit ich weiß, ist Domna Roxalba die einzige de Verlez, die angereist ist.”
“Habe ich Euch jemals eine Bitte, auch wenn sie nicht offen ausgesprochen wurde, abschlagen können, Dom Algerio. Ich glaube nicht. Also gut, ich werde Euch begleiten und den Anstand wahren.” Gwena lächelte zurück.
Algerio lächelte zufrieden. “Ich danke dir. Na dann, komm…”
Auch der tyranische Junker besuchte seine Begleitung Roxalba vor dem Aufeinandertreffen mit dem Hausherren: “Domna Roxalba, eure Begleitung ehrt und freut mich, unserer Sache ist das immer dienlich, ihr macht Eindruck und verkörpert Stärke und Willen. Ich kam nicht umhin die Anwesenheit Eurer Fehde-Enemiga und die bereits gewechselten Blicke zu bemerken. Denkt daran, ihr seid der Stier, der sie bereits auf die Hörner genommen hat, ihr habt ihr ihre Position deutlich gemacht. Ein erneutes Einlassen auf diese Albernheit stünde euch nicht zu Gesicht, der Stier beugt sich nicht nach dem Wurm. Außerdem diese Sache hier könnte unserer Sache ein wichtiges Inicial sein. Wir müssen uns als die präsentieren die wir sind - stark und unnahbar, versteht ihr?” Er klopfte ihr beinahe väterlich auf die Schulter, lächelte, soweit ein Rasdan die Vascara eben lächeln konnte.
Roxalba prüfte gerade den Sitz ihrer Handschuhe und wurde von dieser mehr als ungewöhnlichen Geste des di Vascara überrascht. Er sollte wirklich nicht versuchen so krampfhaft zu lächeln. “Solange sie mir nicht über den Weg läuft und irgendwelchen Unsinn von sich gibt, werde ich nicht den Gelüsten nachkommen, sie über den Haufen zu reiten. Was ich für die Rennen aber nicht versprechen kann.” Sie deutete zur Tür. “Gehen wir?”
“Die Rennen sind ein Kräftemessen, da gelten die Regeln der Competitión”, Dom Rasdan hatte wieder ein normales Gesicht und seine bullige Haltung eingenommen, die man von ihm kannte. “Gehen wir.”