Chronik.Ereignis1047 Frühling in Alina 03

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Junkergut Alina, Alina (Ort), Peraine 1047 BF

Autor: Amrit

Hast du schon mal darüber nachgedacht, wem Alina zuvor zu Lehen war?
Die ominösen Worte klangen Emilio noch im Ohr. Eine kurze Unterredung mit dem Baron hatte wenig zutage gebracht - er hatte unangenehm berührt gewirkt, dass sein neuer Junker überhaupt fragte und nur versichert, es bestünden keinerlei gültige Ansprüche.

Nun versuchte Emilio es von einer anderen Seite, war im Dorf Alina vorstellig geworden bei einer seiner Leibeigenen. Die Alte hatte zuerst völlig verängstigt gewirkt, als er vor ihrer Kate aufgetaucht war, wobei es nicht half, dass Emilio mit zwei Bewaffneten unterwegs war. Zwar hatte er sein Bestes getan, die hinfällige Frau zu beruhigen, in deren Kammer er nun saß, doch es blieb das Gefühl, dass sein Besuch gerade etliche ungeschriebene Gesetze brach.

Er bemühte sich, seine Unsicherheit nicht durchscheinen zu lassen. Freundlich, nicht zu freundlich, bestimmt.

“Ich bin hier, um zum alten Gutshof nachzufragen. Was hat sich dort zugetragen, und wer waren die damaligen Herren?”
“Eine götterverlassene Zeit.” seufzte die Alte, rieb die gichtigen Gelenke ihrer Hand. “Die Bergwilden fielen allenthalben über die Höfe her. Die unsrigen waren aber nicht besser. Die haben’s getan. Marodierende Söldner! Plünderer und Brandschatzer! Travia steh’ uns bei…” Ein rasselndes Husten schüttelte die Greisin und schnitt ihr die Rede ab.

Emilio wartete geduldig bis das schmerzhafte Keuchen abgeklungen war und wiederholte: “Wer waren die damaligen Herren? Wie erging es ihnen bei dem Überfall?”

Die wässrigen Augen der Alten, bemüht, ihn nie direkt anzusehen, richteten sich wieder auf ihre eigenen Hände. “Ich dachte zuerst…dachte sie wären in den Flammen umgekommen, Dom Ordonyo und die Domnatella. Der Administrador meint aber, sie kamen davon. Nur - warum hat sie seither keine Seele hier gesehen?” Ein fast körperlos klingendes Aufstöhnen hinter sich ließ Emilio zusammenzucken. Als sein aufgescheuchter Blick jedoch die entfernte Ecke des Raumes suchte, bemerkte er den dort auf einem Strohsack liegenden Mann, dessen Gelenke mit nass und schmutzig wirkenden Tüchern umwickelt waren, was er mit leisem Mitgefühl registrierte, obwohl sein Herz noch hart schlug.

Er wandte sich wieder der Eigenhörigen zu “Dom Ordonyo und Domnatella... wie lautete ihr Name?" “Dulcinea di Alina.” Emilio nickte dankend, notierte das Gehörte. Er wollte schon aufbrechen, als ihm noch ein Gedanke kam. “Sagt, werte Frau - was hat es mit dem Stierbild auf sich?”

Die Alte blickte erst verständnislos. “Der steingehauene Stier.” verdeutlichte Emilio. “Im Vorratskeller in der Hügelkuppe. Beim alten Gut.” Nun glomm Verstehen im Blick der Greisin auf, sie drückte drei Fingerkuppen an ihr Herz. “Begleiter der Gütigen und Bringer von fruchtbaren Äckern.”

“Das ist dann alles. Habt Dank.” nickte der Junker. Doch als er aus der niedrigen Kate wieder hinaus ins Sonnenlicht trat, wich der zweifelnde Ausdruck nicht aus seinem Gesicht. Wenn dies der Begleiter Peraines war… warum war nichts von ihr zu sehen?