Chronik.Ereignis1047 Frühling in Alina 03

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Atelier im Stadteil Ingwacht in Punin, Peraine 1047 BF

Autor: Amrit

Der schmale Absatz am oberen Treppenende bot kaum Platz, dennoch verharrte Emilio dort bereits eine ganze Weile. Hinter der Tür lag sein Atelier, vor zwei Monden von Unbekannten verwüstet. Damals hatte er die Schäden nur flüchtig in Augenschein genommen, die Tür wieder geschlossen und seither sein Bestes getan, an andere Dinge zu denken. Doch Cuernos Warnung vor neuen Feinden machte es notwendig, sich dem Ort erneut zu stellen.

Der Künstler atmete langsam aus und trat ein.

Der vertraute Geruch empfing ihn zuerst: Weihrauch, Leinöl und Balsamterpentin. Alles andere war fremd. Möbel und Gemälde lagen umgestürzt oder von den Wänden gerissen. Der Boden, bedeckt mit vielfarbigem Staub, Scherben und verstreuten Relikten und Papierstücken wirkte in eigenartiger Weise selbst wie ein Bild, wilder und formloser als alles, was Emilio selbst bisher auf Leinwand gebracht hatte.

Er trat einige Schritte in den Raum und begann, die Gemälde einzusammeln, sie an einer freien Stelle gegen die Wand zu lehnen, geordnet nach Art ihrer Verletzung: die mit klaffenden Schnitten an eine Stelle, die mit Farbe überschütteten ein Stück daneben.

Dann fiel sein Blick auf ein Gemälde, das aus dem Chaos herausfiel: Der Rahmen intakt, die bemalte Leinwand makellos unter ihrer glänzenden Firnis. Das Bild war aber von der Wand genommen worden und auf dem aufgeschlitzten Diwan aufgestellt. Es wirkte nicht zufällig, vielmehr wie eine bewusste Geste. Das Stilleben, eine klassische Arbeit aus den Studienjahren, zeigte üppige, sich neigende Blüten in einer Vase, Insekten, darunter ein menschlicher Schädel. Vanitas.

Langsam näherte sich Emilio dem Gemälde. Dann fiel ihm etwas anderes auf, etwas, das nicht hier ins Atelier gehörte. Vor dem Gemälde lag ein Beutelchen aus durchscheinendem Batist und darin, das erkannte er beim Niederknien, einige gelbliche Kristalle.

Ein beklemmendes Gefühl der Angst legte sich auf seine Brust. Das ganze Arrangement wirkte wie eine gestellte Falle. Vorsichtig, ohne noch irgendetwas anzufassen, zog Emilio sich zurück.

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Einige Stunden später, zurück im Atelier, hielt er sich nahe der Türe und folgte leicht nervös den Bewegungen der Alchemistin, einer erfahrenen und kostspieligen Expertin, die er in Ingwacht auftreiben hatte können. Die grauhaarige Frau hielt sich gerade einen der Kristalle, mit einer lederbezogenen Pinzette gefasst, vor die Augen, schwenkte ihn dann mit sachten Bewegungen in einer flüssigkeitgefüllten Schale. “Kein Explosivstoff, jedenfalls nicht in der mir bekannten Welt.” gab sie laut Bescheid, lenkte ihre Aufmerksamkeit aber weiter auf die kristallinen Proben vor sich.

Etliche Hantierungen mit verschiedenfarbigen Tropfen später: “Giftig ist es auch nicht. Eher im Gegenteil, möchte ich sagen.” Die Meisterin wirkte unerklärlich heiter. “Also… ein Heilmittel?” fragte Emilio angespannt. “Das nun auch nicht.” Sie wendete sich nun um, ein Funkeln in den hellblauen Augen. “Das sind Zuckerkristalle, Euer Wohlgeboren.”