Selringer Kelf
Das Selringer Kelf ist alte Ruine in der Baronie Haffith. Sie befindet etwa drei Meilen firunwärts der Ortschaft Loverne. Beinahe vollständig von Wald und Unterholz bedeckt, finden sich dort die steinernen Grundmauern eines uralten Wehrgehöftes. Inmitten dieser Steine steht ein merkwürdiger geborstener, dunkler Stein, der von den Rustikalen der Umgebung auch das Steinerne Herz genannt wird.
Die Stimmen verstummt
Der Wind klagt sein Leid
Die Mauern geborsten
Der Boden verdorrt
Gefallen im Streit
Das Herz zerbrochen
In Flammen erhellt
Für ewige Zeit
Gelöst von den Banden
In Liebe vereint
-Klagelied Das Steinerne Herz
Der Überlieferung nach ist das alles schon ziemlich lange her. Und ich meine nicht nur für euch Hochgewachsene ziemlich lange. Ich kann nicht sagen, ob es der Wahrheit entspricht. Vor sehr langer Zeit, als dieses Fleckchen noch nicht besiedelt war, gab es einen jungen Mann. Er kam in diese Gegend und verliebte sich spontan in die Wälder und Hügel. Seine größte Freude war es, durch die Lande zu reiten und den Zauber der Natur auf sich wirken zu lassen. Und der Mann beschloss, sich inmitten der Landschaft, am Fuße der Felsen, einen Hof bauen zu lassen und da damals raue Zeiten herrschten, wurde das Gehöft mit einer Mauer umfasst.
Es blieb nicht aus, dass der Mann die Schätze der Umgebung erkannte. Das Erz in den Bergen, das gute Holz der Wälder und auch Edelsteine waren hier und dort zu finden.
Und diesen Reichtum wollte er mit anderen teilen. Und so begann er arbeitswillige Siedler hierher zu bringen. Er lockte sie mit dem Versprechen von harter Arbeit und Wohlstand. Und die Leute kamen, bauten sich einfache Hütten und begannen ihr Werk. Lange Jahre ging alles gut, die Siedler machten das Land urbar, bauten bessere Häuser und trieben Handel mit ihren Nachbarn. Und der Mann verband sich mit einer jungen Frau aus ihrer Mitte und feierte oft ausgelassene Feste nach getaner Arbeit.
Aber das Glück war nicht von Dauer. Die Frau starb nach einer langen Krankheit, gegen die die besten Kräuterkundigen kein Mittel fanden. Und so vergrub der Mann seinen Kummer in Arbeit. Er arbeitete schwerer denn je – schon vor Tagesanbruch sah man ihn und erst spät am Abend fiel er erschöpft auf sein Lager. Gleiches verlangte er von allen anderen und nichts war ihm mehr gut genug. Die Leute begannen zu murren und lehnten sich gegen ihn auf.
Doch der Mann hatte sich, in dem verzweifelten Versuch seine Frau zu retten, allerlei Künste angeeignet. Eines Tages erblickten die anderen Siedler einen neuen Felsen. Es gibt viele Vermutungen, wie er an diesen Stein gekommen sein soll, oder wie er ihn hat erschaffen können. Ob er aus dem Boden erwachsen istJedenfalls konnte er mit Hilfe dieses Steins Lebewesen seinem Willen unterwerfen. Die wenigen, die ihren Willen behielten, versuchten den Mann zu töten. Doch alle Versuche waren zum Scheitern verurteilt.
Es wird erzählt, dass, als die Not der Bewohner am Größten war, eine Handvoll Streiter wie aus dem Nichts aufgetaucht war. Sie fragten die Dorfbewohner nicht, was mit ihnen geschehen war und brauchten auch keine Hilfe. Sie schafften es, während eines Festes in das Gehöft einzudringen und zerstörten den Stein. Knapp nur überlebten sie die Explosion, die das Gehöft bis auf die Grundmauern niederriss. Der Stein war zerborsten und der Mann wie vom Erdboden verschlungen. An Stelle des Gehöftes gab es nur noch ein paar Steine, die vom Standort des Hauses zeugten und ein Loch, auf dessen Boden bis auf den heutigen Tag der zerborstene Stein zu sehen ist.
Die Streiter kamen knapp mit dem Leben davon. Doch so plötzlich, wie sie aufgetaucht waren, so plötzlich verschwanden sie wieder. Die Erzählung ist sich nicht sicher, ob sie von einem Augenblick auf den anderen verschwanden, oder nicht. Einige behaupteten gar, die Götter selbst hätten helfend eingegriffen. Jedenfalls konnte niemand ihnen Dank sagen. Die Bewohner verließen bald darauf bis auf ein paar Unerschütterliche die Gegend. Die Häuser zerfielen und es dauerte eine lange Zeit, bis diese Gegend von neuem zu Leben erweckt wurde.
Es wird erzählt, dass der geborstene Stein vormals die Form eines Herzens gehabt hatte. Weil er in der Hoffnung eine Liebe zu erhalten geschaffen worden ist und wegen des Verlustes der Liebe am Ende zerstört wurde.“-Sage vom Selringer Kelf, erzählt von Baron Thorom von Haffith