Chronik.Ereignis1047 Das Herzogenturnier zu Elenvina 01

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Das Herzogenturnier zu Elenvina - Ankunft

Elenvina, 30. Tsa 1048 BF

Autor: Der Sinnreiche Junker von Aranjuez

In den letzten Strahlen der sinkenden Praiosscheibe erreichte Grafschaft Ragath Graf Brandil von Ehrenstein ä. H., der Schwiegervater des Herzogs und Jubilars, samt Entourage Elenvina. Gemeinsam mit seiner Gattin, Gräfin Rohalija von Streitzig ä. H. führte er die Reiterkavalkade an, welche sich über die nord:Herzog-Jast-Gorsam-BrückeHerzog-Jast-Gorsam-Brücke nach Elenvina hinein ergoss. Ihnen folgten die Schwestern der Herzogengemahlin, ein Geschwisterpaar wie es unterschiedlicher kaum sein konnte: die dunkelhaarige Rahjada von Ehrenstein-Streitzig in einem modischen Reitkostüm im Damensattel und die honigblonde Romina von Ehrenstein-Streitzig in eleganter Junkerstracht, die eine verführerisch wie die Nacht, die andere schön wie der Morgen. Dahinter ritten Rondrigo vom Eisenwalde, des Grafen greiser Castellan mit dem purpurgüldenen Rebenbanner der Grafschaft Ragath und der Ritter Ardan von Kündoch mit einem das Allianzwappen zeigenden Banner, drei goldene Löwenhäupter auf grünem Grund für das Haus Streitzig und das steigende Ross in Silber auf blauem Grund für das Haus Streitzig. Hinter der Grafenfamilia gruppierte sich, geordnet nach Stand, die Nobilität der Grafschaft, ein jeder unter ihren im Winde flatternden Farben. Auf die berittenen Edelleute und ihre Bannerträger folgten mehrere Reisekutschen, wobei aus der einen oder anderen neugierige Kinderaugen auf die fremde Stadt lugten. Sodann schloss sich eine großzügige Bedeckung aus gräflichen Caballeros und berittenen Hausgarden an, zahlreiche Pferde zum Wechseln und insbesondere auch die Schlachtrösser der Turnierteilnehmer, sowie zum Abschluss schwer dahinrumpelnde, mit Bediensteten und Gräflich Ragather Partisanieri und Armbrustschützen besetzte Trosswagen.

Einige der Neuankömmlinge mochten sich ein wenig an die Wehrhafte gemahnt fühlen, als sie der mächtig über Elenvina auf einer Klippe thronende Herzogenveste Eilenwïd-über-den-Wassern angesichtig wurden, beherrschte doch Castillo Ragath die ragatische Reichsstadt in ähnlicher Weise. Wenngleich natürlich Elenvina um ein Mehrfaches größer war als die heimatliche Grafenstadt und die Burg des Herzogs der Nordmarken standesgemäß ebenso weitläufiger angelegt war. Bereits einige Meilen vor der Brücke waren ihnen Rohaja von Ragathsquell und Zaya von Aranjuez entgegen geritten, die bereits seit mehreren Götterläufen als Teil von Domna Concabellas Leib- und Ehrenwache am Herzogenhof weilten und ihre Landsleute nun nach Elenvina hinein geleiteten. Obzwar die Elenviner in den letzten Tagen bereits Zeuge so mancher ankommenden Reisegruppen und Delegationen geworden waren, fanden sich abermals zahlreiche Bewohner und wohl auch so mancher Gast am Wegesrand ein, um die Neuankömmlinge zu begrüßen – insbesondere nachdem sich herumgesprochen hatte, dass es sich dabei um die Familia Ihrer Hoheit handelte. Und noch mehr, als Begeisterungsrufe aufbrandeten, nachdem einige Almadaner begonnen hatten Münzen unters Volk zu werfen.

„Avaritia omnia vitia habet[1]“, rief Rafik von Aranjuez aufmunternd dem neben ihm reitenden Obristen der Ragather Schlachtreiter, Nazir von Franfeld, zu, auf dass der sein Säckel nicht schone. Der gelehrte Advocatus war in seiner Eigenschaft als Centenario von Unterfels bereits früher am Tage mit den Bomedern eingetroffen und hatte die Domnas Rohaja und Zaya begleitet, um sich auf den letzten Meilen der gräflichen Reisegesellschaft anzuschließen. Dann ließ er sich bis zu einer der Reisekutschen zurückfallen, wo er dem kleinen Jaime einige Münzen durchs Fenster reichte, damit dieser auch etwas zu tun hatte. „Meint Ihr, dass Ihr in Elenvina mehr Glück bei der Suche nach einem Gemahl haben werdet, als in Almada?“, grinste er der gleichfalls in der Kutsche reisenden Elea von Aranjuez zu, um dann sein Ross rasch anzutreiben, bevor die Hofdame Gelegenheit hatte ihn mit etwas zu bewerfen. Ein kurzes Nicken gegenüber Bohemund vom Berg-Sturmfels, welcher die Leibgarde des Hauses Aranjuez anführte und gewisslich in seiner nordmärkischen Heimat besonders motiviert sein würde, dann hatte er zu Hernán von Aranjuez aufgeschlossen.

„Wie war die Reise, Vetter?“ Streng genommen war ihre Verwandtschaft zu weitläufig für jene Anrede, doch hatte sie die gemeinsame Zeit im Yaquirbruch mehr zusammengeschweißt, als es ein formaler Verwandtschaftsgrad jemals könnte. „Lang“, zuckte der Baron und Junker mit den Schultern. „Und über den Phecanowald durchaus beschwerlich.“ Der Centenario von Unterfels schmunzelte: „Ja, ich habe drunten im Phecadital an Euch gedacht, als wir die schneebedeckten Kuppen immer schön zu unserer Rechten gehalten haben.“ In früheren Jahren hätte die Reisegesellschaft gewisslich die Gelegenheit für eine Stippvisite am Eslamsgrunder Grafenhof genutzt, um sich dann in Ferdok einzuschiffen und den Großen Fluss hinab nach Elenvina zu fahren. Doch nachdem Graf Brandils Sippgeselle Siegeshart von Ehrenstein seinem weltlichen Titel entsagt und mit seiner Familia als Mönch nach Jilaskan gegangen war, war man quer durch das Königreich gezogen und über besagtes Gebirge ins Windhag und schließlich ins Herzogtum Nordmarken in die Mark. Insbesondere nach der winterlichen Überquerung des Phecanowaldes, war manch einer insgeheim froh nun endlich das Ziel der Reise erreicht zu haben. In der Stadt selbst teilte sich der Zug schließlich auf: während die gräfliche Familia selbst Quartier in Eilenwïd-über-den-Wassern finden würde, wandten sich die übrigen Edelleute in Richtung des Herzöglichen Gestüts, derweil die Turnierstreiter vereinbart hatten in Zelten und Pavillons die rustikale Akkomodation des Feldlagers zwischen Jastbogen und Kanzleiviertel zu genießen. Jeweils gefolgt von ihren Reisigen und Rössern, von ihren Bediensteten und Bagage. Ragath war gekommen.

  1. ↑ bosp: Der Geiz ist die Wurzel allen Übels.