Chronik.Ereignis1033 Feldzug Selaque 01: Unterschied zwischen den Versionen
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==[[Kaiserlich Selaque]], 15. Praios [[Annalen:1033|1033]] BF== | ==[[Kaiserlich Selaque]], 15. Praios [[Annalen:1033|1033]] BF== | ||
===[[Castillo Albacim|Burg Albacim]]=== | ===Auf [[Castillo Albacim|Burg Albacim]]=== | ||
'''Autor:''' [[Benutzer:SteveT|SteveT]] | '''Autor:''' [[Benutzer:SteveT|SteveT]] | ||
Unruhig schritt Praiosmin von Elenta, die kaiserliche Reichsvogtin zu Selaque, zum neunten oder zehnten Male an | Unruhig schritt [[Praiosmin von Elenta]], die kaiserliche Reichsvogtin zu Selaque, zum neunten oder zehnten Male an | ||
diesem Abend in ihrem Turmzimmer auf Castillo Albacim auf und ab. Tiefe Sorgenfalten furchten ihre Stirn, die | diesem Abend in ihrem Turmzimmer auf Castillo Albacim auf und ab. Tiefe Sorgenfalten furchten ihre Stirn, die | ||
Finger ihrer linken Hand hielten das bereits heiß gewordene güldene Auge des Praios krampfhaft umklammert, das | Finger ihrer linken Hand hielten das bereits heiß gewordene güldene Auge des Praios krampfhaft umklammert, das | ||
geweihte Schutzamulett, das alle Angehörigen der Suprema trugen. | geweihte Schutzamulett, das alle Angehörigen der Suprema trugen. | ||
Am vergitterten Fenster angekommen, warf sie zum x-ten Mal einen Blick hinaus in die stockfinstere Nacht. Das | Am vergitterten Fenster angekommen, warf sie zum x-ten Mal einen Blick hinaus in die stockfinstere Nacht. Das | ||
Madamal stand voll und rund über dem Raschtulswall, jedoch wurde es immer wieder von den vorbeiziehenden Fetzen | Madamal stand voll und rund über dem Raschtulswall, jedoch wurde es immer wieder von den vorbeiziehenden Fetzen | ||
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wolkenverhangenen Gipfel des Berges Albamonte zu spähen, an dessen Westflanke Selaque und Castillo Albacim in | wolkenverhangenen Gipfel des Berges Albamonte zu spähen, an dessen Westflanke Selaque und Castillo Albacim in | ||
600 Schritt Höhe lagen. Nichts! Kein Wachfeuer vom Torre di Alba war zu sehen, dem Spähturm, den ihr Amtsvorgänger | 600 Schritt Höhe lagen. Nichts! Kein Wachfeuer vom Torre di Alba war zu sehen, dem Spähturm, den ihr Amtsvorgänger | ||
Radmon von Selaque auf dem Gipfel des Albamonte hatte errichten lassen. | [[Radmon von Selaque]] auf dem Gipfel des Albamonte hatte errichten lassen. | ||
Früher hatten sich die Selaquer hier oben sicher gefühlt, deren Häuser sich wie Vogelnester an die Steilwand des Berges | Früher hatten sich die Selaquer hier oben sicher gefühlt, deren Häuser sich wie Vogelnester an die Steilwand des Berges | ||
klammerten. Vor nunmehr 30 Jahren aber waren die Ferkinas eines Nachts - ohne Hilfsmittel, nur mit primitivsten Seilen - | klammerten. Vor nunmehr 30 Jahren aber waren die Ferkinas eines Nachts - ohne Hilfsmittel, nur mit primitivsten Seilen - | ||
die fast senkrecht abfallende Westwand des Berges hinabgeklettert, auf die sich nicht einmal die Klippziegen hinaufwagten. | die fast senkrecht abfallende Westwand des Berges hinabgeklettert, auf die sich nicht einmal die Klippziegen hinaufwagten. | ||
Über 300 Einwohner waren im Schlaf ermordet und elendig massakriert worden - seitdem | Über 300 Einwohner waren im Schlaf ermordet und elendig massakriert worden - seitdem wusste man, daß es keinen | ||
natürlichen Schutz vor den Wilden gab. Um vor solchen Überfällen gewarnt sein, war der Torre di Alba seither immer mit | natürlichen Schutz vor den Wilden gab. Um vor solchen Überfällen gewarnt sein, war der Torre di Alba seither immer mit | ||
einer Wachmannschaft besetzt, die im Notfall mit Spiegelzeichen bei Tag oder Brandzeichen in der Nacht warnen sollte. | einer Wachmannschaft besetzt, die im Notfall mit Spiegelzeichen bei Tag oder Brandzeichen in der Nacht warnen sollte. | ||
Seit drei Tagen und drei Nächten aber kamen keinerlei Zeichen mehr von dem Turm. Es stand zu befürchten, | Seit drei Tagen und drei Nächten aber kamen keinerlei Zeichen mehr von dem Turm. Es stand zu befürchten, dass die | ||
Wilden bereits oben auf dem Berg waren und ihre blutigen Messer wetzten. | Wilden bereits oben auf dem Berg waren und ihre blutigen Messer wetzten. | ||
Drunten im Burghof drängten sich Dutzende oder gar hundert von Menschen eingepfercht und eng aneinander gedrückt. | Drunten im Burghof drängten sich Dutzende oder gar hundert von Menschen eingepfercht und eng aneinander gedrückt. | ||
Ein Großteil der Bevölkerung Selaques suchte nun hier in der Burg Zuflucht und mussten aus Mangel an Platz und | Ein Großteil der Bevölkerung Selaques suchte nun hier in der Burg Zuflucht und mussten aus Mangel an Platz und | ||
Räumlichkeiten im Freien auf dem Burghof schlafen. Wehe ihnen, wenn gleich eines der typischen bosquirischen Unwetter | Räumlichkeiten im Freien auf dem Burghof schlafen. Wehe ihnen, wenn gleich eines der typischen [[Bosquir|bosquirischen]] Unwetter | ||
losbrach. | losbrach. | ||
Domna Praiosmin blickte nach Nordwesten, dorthin wo das Elenta-Tal und ihr Heimatort lagen. Dort in dem baumlosen | Domna Praiosmin blickte nach Nordwesten, dorthin wo das Elenta-Tal und ihr Heimatort lagen. Dort in dem baumlosen | ||
Hügelland war die schwache Glut Dutzender kleiner Feuer zu sehen. Sie machte sich keine Hoffnungen, das dies bereits | Hügelland war die schwache Glut Dutzender kleiner Feuer zu sehen. Sie machte sich keine Hoffnungen, das dies bereits | ||
die Feuer einer zu ihrer Rettung heranziehenden Streitmacht der kaiserlichen Armee sein konnten. Es waren eher die | die Feuer einer zu ihrer Rettung heranziehenden Streitmacht der kaiserlichen Armee sein konnten. Es waren eher die | ||
Lagerfeuer der Ferkinas, die dort das geraubte und geschlachtete Vieh brieten und wahrscheinlich dazu ihre barbarischen | Lagerfeuer der Ferkinas, die dort das geraubte und geschlachtete Vieh brieten und wahrscheinlich dazu ihre barbarischen | ||
Tänze aufführten. Sie dachte an ihren Sohn - Aureolus, den sie seit nun schon über zwei Jahren nicht mehr gesehen hatte, | Tänze aufführten. Sie dachte an ihren Sohn - [[Aureolus Ramin von Elenta|Aureolus]], den sie seit nun schon über zwei Jahren nicht mehr gesehen hatte, genau wie seinen Vater, Raihé Coûlo, denn sie pflegte [[Rakolus von Schrotenstein]], der für andere ein gesuchter Reichsverräter | ||
genau wie seinen Vater, Raihé Coûlo, denn sie pflegte Rakolus von Schrotenstein,der für andere ein gesuchter Reichsverräter | |||
war, stets nur mit dem Kosenamen seiner elfischen Mutter anzureden. | war, stets nur mit dem Kosenamen seiner elfischen Mutter anzureden. | ||
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Person, die ihren Caldabreser tief ins Gesicht gezogen trug. | Person, die ihren Caldabreser tief ins Gesicht gezogen trug. | ||
"Pardonniert die Störung, Euer Hochgeboren!" verneigte sich Giordan knapp. "Aber dieser Bursche hier begehrte Einlass | "Pardonniert die Störung, Euer Hochgeboren!" verneigte sich Giordan knapp. "Aber dieser Bursche hier begehrte Einlass | ||
auf der Burg und er bringt uns Nachricht aus Elenta." Er zögerte und Domna Praiosmin sah, | auf der Burg und er bringt uns Nachricht aus Elenta." Er zögerte und Domna Praiosmin sah, dass die Augen des alten | ||
Haudegens feucht schimmerten. "Leider keine guten..." fügte der Burghauptmann mit leiser Stimme hinzu. | Haudegens feucht schimmerten. "Leider keine guten...", fügte der Burghauptmann mit leiser Stimme hinzu. | ||
Praiosmin von Elenta blickte zu ihrem Waffenknecht, der ihr bereits in den Tagen der Belagerung durch die Hundsfotte | Praiosmin von Elenta blickte zu ihrem Waffenknecht, der ihr bereits in den Tagen der Belagerung durch die Hundsfotte | ||
der | der so geheißenen L.A.W. treu gedient hatte und dann zu dem vielleicht zwanzigjährigen Knaben, dem der Hauptmann den | ||
Hut vom Kopf zog und mit einer Hand im Genick nach unten drückte, damit er vor der Reichsvogtin zumindest die | Hut vom Kopf zog und mit einer Hand im Genick nach unten drückte, damit er vor der Reichsvogtin zumindest die | ||
Andeutung einer Verbeugung vollführte. | Andeutung einer Verbeugung vollführte. | ||
"Dich kenne ich doch!" stieß die Herrin Selaques aus, als ihr Blick auf das Gesicht und vor allem auf die nun nicht mehr | |||
"Dich kenne ich doch!", stieß die Herrin Selaques aus, als ihr Blick auf das Gesicht und vor allem auf die nun nicht mehr | |||
von einem Caldabreser bedeckte Ohrmuschel des jungen Mannes fiel - sie hatte im wahrsten Sinne des Wortes ein | von einem Caldabreser bedeckte Ohrmuschel des jungen Mannes fiel - sie hatte im wahrsten Sinne des Wortes ein | ||
"Schlitzohr" vor sich - einen zu seiner Schande mit einem Schnitt ins Ohr gekennzeichneten Marktdieb namens Fuocco, | "Schlitzohr" vor sich - einen zu seiner Schande mit einem Schnitt ins Ohr gekennzeichneten Marktdieb namens Fuocco, | ||
über den sie einst selbst auf dem Markt Elentas das Urteil gesprochen hatte. | über den sie einst selbst auf dem Markt Elentas das Urteil gesprochen hatte. | ||
Der junge Mann nickte, das Gesicht zu einer bedauernden Grimasse verzogen. " | |||
ich hätte uns beiden das Wiedersehen gerne erspart. Aber der Capitano hier bestand darauf, | Der junge Mann nickte, das Gesicht zu einer bedauernden Grimasse verzogen. "Halten zu Gnaden, Euer Wohlgeboren, | ||
ich hätte uns beiden das Wiedersehen gerne erspart. Aber der Capitano hier bestand darauf, dass ich Euch berichte, dass | |||
die Blutsäufer unser ganzes Dorf niedergemacht haben - meine Mutter, meine Brüder, sogar unsere Ziege!" | die Blutsäufer unser ganzes Dorf niedergemacht haben - meine Mutter, meine Brüder, sogar unsere Ziege!" | ||
"Mein Mitgefühl!" nickte Domna Praiosmin. "Mögen Praios der Herr und sein Diener Boron sie eines Schlüssels würdig | "Mein Mitgefühl!", nickte Domna Praiosmin. "Mögen Praios der Herr und sein Diener Boron sie eines Schlüssels würdig | ||
erachten. Aber was ist mit den anderen Bewohnern Elentas geschehen - wieviele konnten sich vor den Wilden retten? | erachten. Aber was ist mit den anderen Bewohnern Elentas geschehen - wieviele konnten sich vor den Wilden retten? | ||
Sind sie auf dem Weg hierher? Was ist vor allem mit meiner Administradora, Domna Liguria?" | Sind sie auf dem Weg hierher? Was ist vor allem mit meiner Administradora, Domna Liguria?" | ||
Fuocco starrte sie ungläubig an. "Ich sagte doch gerade: Sie haben unser ganzes Dorf niedergemacht! Es konnte sich | Fuocco starrte sie ungläubig an. "Ich sagte doch gerade: Sie haben unser ganzes Dorf niedergemacht! Es konnte sich | ||
niemand retten. Ich selbst bin nur am Leben, weil ich gestern in Alina war. Was die Administradora betrifft - ich habe sie | niemand retten. Ich selbst bin nur am Leben, weil ich gestern in Alina war. Was die Administradora betrifft - ich habe sie | ||
gesehen, sie lag in der Nähe vom Dorfteich. Zumindest glaube ich, | gesehen, sie lag in der Nähe vom Dorfteich. Zumindest glaube ich, dass sie es war...". Er schluckte: "Ihr Kopf fehlte, | ||
ebenso wie der von manch anderem." | ebenso wie der von manch anderem." | ||
Domna Praiosmin wankte rückwärts und ließ sich in den Sessel an ihrem Schreibpult fallen. Ihre eigene Familia, zwei | Domna Praiosmin wankte rückwärts und ließ sich in den Sessel an ihrem Schreibpult fallen. Ihre eigene Familia, zwei | ||
Vettern und eine Base lebten mit ihren Kindern in Elenta... hatten dort gelebt, wenn dieser Streuner die Wahrheit | Vettern und eine Base lebten mit ihren Kindern in Elenta... hatten dort gelebt, wenn dieser Streuner die Wahrheit | ||
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als aller Schmerz. | als aller Schmerz. | ||
Burghauptmann Giordan schob den Überbringer der schlechten Nachricht aus dem Turmzimmer und | Burghauptmann Giordan schob den Überbringer der schlechten Nachricht aus dem Turmzimmer und schloss die Tür, | ||
ehe er mit einem Räuspern die Aufmerksamkeit seiner Herrin wieder zu erlangen versuchte. "Das ist noch nicht | ehe er mit einem Räuspern die Aufmerksamkeit seiner Herrin wieder zu erlangen versuchte. "Das ist noch nicht | ||
alles, Euer Hochgeboren! Soeben erhielten wir per Brieftaube endlich auch Antwort vom Castillo da Vanya." | alles, Euer Hochgeboren! Soeben erhielten wir per Brieftaube endlich auch Antwort vom [[Castillo da Vanya]]." | ||
"Endlich!" hob die Reichsvogtin wieder den Kopf. Ihr Gesicht schien binnen weniger Augenblicke um 10 Jahre gealtert. | "Endlich!" hob die Reichsvogtin wieder den Kopf. Ihr Gesicht schien binnen weniger Augenblicke um 10 Jahre gealtert. | ||
"Was schreibt Domna Rifada? Mit | "Was schreibt Domna [[Rifada da Vanya|Rifada]]? Mit wie viel Mann kann sie für unseren Entsatz sorgen?" | ||
Der Hauptmann trat verlegen von einem Fuß auf den anderen und reichte seiner Herrin die winzige Nachricht, die | Der Hauptmann trat verlegen von einem Fuß auf den anderen und reichte seiner Herrin die winzige Nachricht, die | ||
soeben zusammengerollt am Fuß einer grauen Botentaube eingetroffen war. "Das Schreiben ist nicht von der Junkerin | soeben zusammengerollt am Fuß einer grauen Botentaube eingetroffen war. "Das Schreiben ist nicht von der Junkerin | ||
selbst, sondern von deren Ehegemahl. Er bedauert, aber seine Gattin sei nach Kornhammer aufgebrochen und habe | selbst, sondern von deren Ehegemahl. Er bedauert, aber seine Gattin sei nach Kornhammer aufgebrochen und habe | ||
ihm vor ihrer Abreise strikt untersagt, ohne ihre Erlaubnis derart riskante Entscheidungen zu treffen." | ihm vor ihrer Abreise strikt untersagt, ohne ihre Erlaubnis derart riskante Entscheidungen zu treffen." | ||
Die Reichsvogtin überflog die Nachricht unter Zuhilfenahme einer Lupe und wurde während der Lektüre erst kalkweiß | Die Reichsvogtin überflog die Nachricht unter Zuhilfenahme einer Lupe und wurde während der Lektüre erst kalkweiß | ||
und dann feuerrot. Mit zornfunkelndem Blick zerknüllte sie den Papierfetzen und warf ihn in das Feuer des Kamins in | und dann feuerrot. Mit zornfunkelndem Blick zerknüllte sie den Papierfetzen und warf ihn in das Feuer des Kamins in | ||
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königliche Hochgericht! Praios vergib mir.... aber der Namenlose und alle Dämonen der Hölle sollen sie holen!" | königliche Hochgericht! Praios vergib mir.... aber der Namenlose und alle Dämonen der Hölle sollen sie holen!" | ||
Ein greller Blitz | Ein greller Blitz zerriss das dunkle Gewölk, gefolgt von langem, tiefgrollendem Donner. | ||
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