Chronik.Ereignis1047 Frühling in Alina 03: Unterschied zwischen den Versionen

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==Atelier im Stadteil [[Ingwacht]] in [[Punin]], Peraine [[Annalen:1047|1047]] BF==
==[[Junkergut Alina]], [[Alina (Ort)]], Peraine [[Annalen:1047|1047]] BF==


'''Autor:''' [[Benutzer:Amrit|Amrit]]
'''Autor:''' [[Benutzer:Amrit|Amrit]]


Der schmale Absatz am oberen Treppenende bot kaum Platz, dennoch verharrte [[Emilio Lampérez di Rueda|Emilio]] dort bereits eine ganze Weile. Hinter der Tür lag sein Atelier, vor zwei Monden [[YB63_Zerstörungswerk_in_Maleratelier|von Unbekannten verwüstet]]. Damals hatte er die Schäden nur flüchtig in Augenschein genommen, die Tür wieder geschlossen und seither sein Bestes getan, an andere Dinge zu denken. Doch [[Cuerno di Castari|Cuernos]] Warnung vor neuen Feinden machte es notwendig, sich dem Ort erneut zu stellen.
''Hast du schon mal darüber nachgedacht, wem Alina zuvor zu Lehen war?''<br> Die ominösen Worte klangen Emilio noch im Ohr. Eine kurze Unterredung mit dem Baron hatte wenig zutage gebracht - er hatte unangenehm berührt gewirkt, dass sein neuer Junker überhaupt fragte und nur versichert, es bestünden keinerlei gültige Ansprüche.  


Der Künstler atmete langsam aus und trat ein.
Nun versuchte Emilio es von einer anderen Seite, war im [[Alina (Ort)|Dorf Alina]] vorstellig geworden bei einer seiner Leibeigenen. Die Alte hatte zuerst völlig verängstigt gewirkt, als er vor ihrer Kate aufgetaucht war, wobei es nicht half, dass Emilio mit zwei Bewaffneten unterwegs war. Zwar hatte er sein Bestes getan, die hinfällige Frau zu beruhigen, in deren Kammer er nun saß, doch es blieb das Gefühl, dass sein Besuch gerade etliche ungeschriebene Gesetze brach.


Der vertraute Geruch empfing ihn zuerst: Weihrauch, Leinöl und Balsamterpentin. Alles andere war fremd. Möbel und Gemälde lagen umgestürzt oder von den Wänden gerissen. Der Boden, bedeckt mit vielfarbigem Staub, Scherben und verstreuten Relikten und Papierstücken wirkte in eigenartiger Weise selbst wie ein Bild, wilder und formloser als alles, was Emilio selbst bisher auf Leinwand gebracht hatte.
Er bemühte sich, seine Unsicherheit nicht durchscheinen zu lassen. Freundlich, nicht ''zu'' freundlich, bestimmt.


Er trat einige Schritte in den Raum und begann, die Gemälde einzusammeln, sie an einer freien Stelle gegen die Wand zu lehnen, geordnet nach Art ihrer Verletzung: die mit klaffenden Schnitten an eine Stelle, die mit Farbe überschütteten ein Stück daneben.
“Ich bin hier, um zum alten Gutshof nachzufragen. Was hat sich dort zugetragen, und wer waren die damaligen Herren?”
“Eine götterverlassene Zeit.” seufzte die Alte, rieb die gichtigen Gelenke ihrer Hand. “Die Bergwilden fielen allenthalben über die Höfe her. Die unsrigen waren aber nicht besser. Die haben’s getan. Marodierende Söldner! Plünderer und Brandschatzer! Travia steh’ uns bei…” Ein rasselndes Husten schüttelte die Greisin und schnitt ihr die Rede ab.


Dann fiel sein Blick auf ein Gemälde, das aus dem Chaos herausfiel: Der Rahmen intakt, die bemalte Leinwand makellos unter ihrer glänzenden Firnis. Das Bild war aber von der Wand genommen worden und auf dem aufgeschlitzten Diwan aufgestellt. Es wirkte nicht zufällig, vielmehr wie eine bewusste Geste. Das Stilleben, eine klassische Arbeit aus den Studienjahren, zeigte üppige, sich neigende Blüten in einer Vase, Insekten, darunter ein menschlicher Schädel. ''Vanitas''.
Emilio wartete geduldig bis das schmerzhafte Keuchen abgeklungen war und wiederholte: “Wer waren die damaligen Herren? Wie erging es ihnen bei dem Überfall?”


Langsam näherte sich Emilio dem Gemälde. Dann fiel ihm etwas anderes auf, etwas, das nicht hier ins Atelier gehörte. Vor dem Gemälde lag ein Beutelchen aus durchscheinendem Batist und darin, das erkannte er beim Niederknien, einige gelbliche Kristalle.
Die wässrigen Augen der Alten, bemüht, ihn nie direkt anzusehen, richteten sich wieder auf ihre eigenen Hände. “Ich dachte zuerst…dachte sie wären in den Flammen umgekommen, Dom Ordonyo und die Domnatella. Der Administrador meint aber, sie kamen davon. Nur - warum hat sie seither keine Seele hier gesehen?”
Ein fast körperlos klingendes Aufstöhnen ließ Emilio zusammenzucken. Als sein aufgescheuchter Blick jedoch die entfernte Ecke des Raumes suchte, bemerkte er den dort auf einem Strohsack liegenden Mann, dessen Gelenke mit nass und schmutzig wirkenden Tüchern umwickelt waren, was er mit leisem Mitgefühl registrierte obwohl sein Herz noch hart schlug.  


Ein beklemmendes Gefühl der Angst legte sich auf seine Brust. Das ganze Arrangement wirkte wie eine gestellte Falle. Vorsichtig, ohne noch irgendetwas anzufassen, zog Emilio sich zurück.
Er wandte sich wieder der Eigenhörigen zu “Dom Ordonyo und Domnatella... wie lautete ihr Name?"
“Dulcinea di Alina.” Emilio nickte dankend, notierte das Gehörte. Er wollte schon aufbrechen, als ihm noch ein Gedanke kam. “Sagt, werte Frau - was hat es mit dem Stierbild auf sich?”


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Die Alte blickte erst verständnislos. “Der steingehauene Stier.” verdeutlichte Emilio. “Im Vorratskeller in der Hügelkuppe. Beim alten Gut.” Nun glomm Verstehen im Blick der Greisin auf, sie drückte drei Fingerkuppen an ihr Herz.
 
“Begleiter der Gütigen und Bringer von fruchtbaren Äckern.”  
Einige Stunden später, zurück im Atelier, hielt er sich nahe der Türe und folgte leicht nervös den Bewegungen der Alchemistin, einer erfahrenen und kostspieligen Expertin, die er in Ingwacht auftreiben hatte können. Die grauhaarige Frau hielt sich gerade einen der Kristalle, mit  einer lederbezogenen Pinzette gefasst, vor die Augen, schwenkte ihn dann mit sachten Bewegungen in einer flüssigkeitgefüllten Schale.
“Kein Explosivstoff, jedenfalls nicht in der mir bekannten Welt.” gab sie laut Bescheid, lenkte ihre Aufmerksamkeit aber weiter auf die kristallinen Proben vor sich.
 
Etliche Hantierungen mit verschiedenfarbigen Tropfen später: “Giftig ist es auch nicht. Eher im Gegenteil, möchte ich sagen.” Die Meisterin wirkte unerklärlich heiter.  
“Also… ein Heilmittel?” fragte Emilio angespannt.
“Das nun auch nicht.” Sie wendete sich nun um, ein Funkeln in den hellblauen Augen. “Das sind Zuckerkristalle, Euer Wohlgeboren.”  


“Das ist dann alles. Habt Dank.” nickte der Junker. Doch als er aus der niedrigen Kate wieder hinaus ins Sonnenlicht trat, wich der zweifelnde Ausdruck nicht aus seinem Gesicht. ''Wenn dies der Begleiter Peraines war… warum war nichts von ihr zu sehen?''




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Version vom 16. Juli 2026, 21:46 Uhr

Junkergut Alina, Alina (Ort), Peraine 1047 BF

Autor: Amrit

Hast du schon mal darüber nachgedacht, wem Alina zuvor zu Lehen war?
Die ominösen Worte klangen Emilio noch im Ohr. Eine kurze Unterredung mit dem Baron hatte wenig zutage gebracht - er hatte unangenehm berührt gewirkt, dass sein neuer Junker überhaupt fragte und nur versichert, es bestünden keinerlei gültige Ansprüche.

Nun versuchte Emilio es von einer anderen Seite, war im Dorf Alina vorstellig geworden bei einer seiner Leibeigenen. Die Alte hatte zuerst völlig verängstigt gewirkt, als er vor ihrer Kate aufgetaucht war, wobei es nicht half, dass Emilio mit zwei Bewaffneten unterwegs war. Zwar hatte er sein Bestes getan, die hinfällige Frau zu beruhigen, in deren Kammer er nun saß, doch es blieb das Gefühl, dass sein Besuch gerade etliche ungeschriebene Gesetze brach.

Er bemühte sich, seine Unsicherheit nicht durchscheinen zu lassen. Freundlich, nicht zu freundlich, bestimmt.

“Ich bin hier, um zum alten Gutshof nachzufragen. Was hat sich dort zugetragen, und wer waren die damaligen Herren?” “Eine götterverlassene Zeit.” seufzte die Alte, rieb die gichtigen Gelenke ihrer Hand. “Die Bergwilden fielen allenthalben über die Höfe her. Die unsrigen waren aber nicht besser. Die haben’s getan. Marodierende Söldner! Plünderer und Brandschatzer! Travia steh’ uns bei…” Ein rasselndes Husten schüttelte die Greisin und schnitt ihr die Rede ab.

Emilio wartete geduldig bis das schmerzhafte Keuchen abgeklungen war und wiederholte: “Wer waren die damaligen Herren? Wie erging es ihnen bei dem Überfall?”

Die wässrigen Augen der Alten, bemüht, ihn nie direkt anzusehen, richteten sich wieder auf ihre eigenen Hände. “Ich dachte zuerst…dachte sie wären in den Flammen umgekommen, Dom Ordonyo und die Domnatella. Der Administrador meint aber, sie kamen davon. Nur - warum hat sie seither keine Seele hier gesehen?” Ein fast körperlos klingendes Aufstöhnen ließ Emilio zusammenzucken. Als sein aufgescheuchter Blick jedoch die entfernte Ecke des Raumes suchte, bemerkte er den dort auf einem Strohsack liegenden Mann, dessen Gelenke mit nass und schmutzig wirkenden Tüchern umwickelt waren, was er mit leisem Mitgefühl registrierte obwohl sein Herz noch hart schlug.

Er wandte sich wieder der Eigenhörigen zu “Dom Ordonyo und Domnatella... wie lautete ihr Name?" “Dulcinea di Alina.” Emilio nickte dankend, notierte das Gehörte. Er wollte schon aufbrechen, als ihm noch ein Gedanke kam. “Sagt, werte Frau - was hat es mit dem Stierbild auf sich?”

Die Alte blickte erst verständnislos. “Der steingehauene Stier.” verdeutlichte Emilio. “Im Vorratskeller in der Hügelkuppe. Beim alten Gut.” Nun glomm Verstehen im Blick der Greisin auf, sie drückte drei Fingerkuppen an ihr Herz. “Begleiter der Gütigen und Bringer von fruchtbaren Äckern.”

“Das ist dann alles. Habt Dank.” nickte der Junker. Doch als er aus der niedrigen Kate wieder hinaus ins Sonnenlicht trat, wich der zweifelnde Ausdruck nicht aus seinem Gesicht. Wenn dies der Begleiter Peraines war… warum war nichts von ihr zu sehen?