Chronik.Ereignis1033 Feldzug Raschtulswall 05: Unterschied zwischen den Versionen
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[[Richeza Aldonaza von Scheffelstein|Richeza]] half den Mercenarios, die tote Inquisitorin einstweilen an der rückwärtigen Mauer eines der benachbarten Häuser abzulegen und sah hoch, als ihr Vetter kurz an der verschlossenen Tür rüttelte. Nachdem sie sich von seinem anfänglichen Redeschwall unbeeindruckt gezeigt hatte, hatte er sich als sehr zurückhaltend offenbart | [[Richeza Aldonaza von Scheffelstein|Richeza]] half den Mercenarios, die tote Inquisitorin einstweilen an der rückwärtigen Mauer eines der benachbarten Häuser abzulegen und sah hoch, als ihr Vetter kurz an der verschlossenen Tür rüttelte. Nachdem sie sich von seinem anfänglichen Redeschwall unbeeindruckt gezeigt hatte, hatte er sich als sehr zurückhaltend offenbart, war zwar höflich und freundlich und anscheinend noch immer bemüht, einen guten Eindruck zu machen, wirkte dabei jedoch keineswegs so sicher, wie er sich anfangs gegeben hatte. Nun, ihr war er so allemal lieber, als wenn er prahlte wie ein horasischer Geck. | ||
Als [[Rifada da Vanya|Rifada]] ihren Morgenstern auf das Türschloss niedersausen ließ, klappte Richeza der Unterkiefer herunter. Üblicherweise war sie selbst es, die wenig zimperlich vorging und auch gegenüber den zwölfgöttlichen Kirchen kaum Respekt zeigte. Doch dass ihre Tante so mir nichts, dir nichts in einen Turm der praiosheiligen Inquisition einbrach, ausgerechnet hier in Selaque, hatte sie nicht erwartet. Kurz warf sie einen Blick auf [[Hernan von Aranjuez|Dom Hernan]], der äußert verärgert aussah, doch da schob Rifada sie bereits durch die Tür in den Turm hinein. | Als [[Rifada da Vanya|Rifada]] ihren Morgenstern auf das Türschloss niedersausen ließ, klappte Richeza der Unterkiefer herunter. Üblicherweise war sie selbst es, die wenig zimperlich vorging und auch gegenüber den zwölfgöttlichen Kirchen kaum Respekt zeigte. Doch dass ihre Tante so mir nichts, dir nichts in einen Turm der praiosheiligen Inquisition einbrach, ausgerechnet hier in Selaque, hatte sie nicht erwartet. Kurz warf sie einen Blick auf [[Hernan von Aranjuez|Dom Hernan]], der äußert verärgert aussah, doch da schob Rifada sie bereits durch die Tür in den Turm hinein. | ||
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„Warum lasst Ihr Euch solche Unverschämtheiten von dieser Hinterwäldlerin gefallen?“, murrte indes Anzures leise, als er zu seinem Herrn getreten war. „Können nicht einmal ihr Tal gegen ein paar verlauste Ferkinas verteidigen, aber gebärden sich, als bräuchten sie nun keinerlei Hilfe. Hol’ sie doch der Namenlose, diese Hügelscheißerin.“ | „Warum lasst Ihr Euch solche Unverschämtheiten von dieser Hinterwäldlerin gefallen?“, murrte indes Anzures leise, als er zu seinem Herrn getreten war. „Können nicht einmal ihr Tal gegen ein paar verlauste Ferkinas verteidigen, aber gebärden sich, als bräuchten sie nun keinerlei Hilfe. Hol’ sie doch der Namenlose, diese Hügelscheißerin.“ | ||
„Mäßige | „Mäßige dich“, mahnte ihn der andere, wohl weniger weil er dessen Meinung nicht teilen würde, sondern eher weil noch allzu viele neugierige Dörfler aus freilich sicherer Entfernung herüber sahen. „Domna Rifadas Haupt wird eher früher als später auf einem Ferkinaspiess enden, nachdem man ihr weit Schlimmeres angetan, als wir jemals könnten. Auch wenn ich gute Lust hätte ...“ | ||
Nach dem sich in einem Anflug abermals aufwallenden Zornes kurz seine gepanzerte Faust mit metallischem Knirschen geballt hatte, fuhr Hernán von Aranjuez ruhiger fort: „Sie ist keinen Deut besser als Domna Fenia. Ob alleine mit einem Knaben in den Raschtulswall oder alleine in eine Bande Ferkinas gestürmt, mir ist’s nun genug der Tollereien. Bereitet alles für unseren Aufbruch vor!“, endete er mit einem lautem Kommando, und wartete vor der Turmpforte auf die Rückkehr Domna Richezas, um sie von seinem Entschluss in Kenntnis zu setzen. | Nach dem sich in einem Anflug abermals aufwallenden Zornes kurz seine gepanzerte Faust mit metallischem Knirschen geballt hatte, fuhr Hernán von Aranjuez ruhiger fort: „Sie ist keinen Deut besser als Domna Fenia. Ob alleine mit einem Knaben in den Raschtulswall oder alleine in eine Bande Ferkinas gestürmt, mir ist’s nun genug der Tollereien. Bereitet alles für unseren Aufbruch vor!“, endete er mit einem lautem Kommando, und wartete vor der Turmpforte auf die Rückkehr Domna Richezas, um sie von seinem Entschluss in Kenntnis zu setzen. | ||
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"HimmelHerrPraios nochmal!" fluchte Rifada. "Hat sich denn heute alles gegen uns verschworen? Scheinbar wollen uns höhere Mächte zwingen, unser Seelenheil in die Waagschale zu werfen!"<br> Sie warf einen Blick zurück nach unten, zum nahegelegenen Andachtsraum und schüttelte energisch den Kopf. "Das geht doch nicht! Ich kann doch nicht zweimal binnen weniger Augenblicke eine Tür in einem praiosgeweihten Bauwerk einschlagen - noch dazu direkt neben dem Allerheiligsten!" <br>Sie nestelte am Griff des Morgensterns, den sie unter ihren Gürtel geschoben hatte. | "HimmelHerrPraios nochmal!" fluchte Rifada. "Hat sich denn heute alles gegen uns verschworen? Scheinbar wollen uns höhere Mächte zwingen, unser Seelenheil in die Waagschale zu werfen!"<br> Sie warf einen Blick zurück nach unten, zum nahegelegenen Andachtsraum und schüttelte energisch den Kopf. "Das geht doch nicht! Ich kann doch nicht zweimal binnen weniger Augenblicke eine Tür in einem praiosgeweihten Bauwerk einschlagen - noch dazu direkt neben dem Allerheiligsten!" <br>Sie nestelte am Griff des Morgensterns, den sie unter ihren Gürtel geschoben hatte. "Dazu kommt, daß es hier auf der gewendelten Treppe viel zu eng ist. Wie soll ich hier vernünftig ausholen, ohne Moritatio oder dir dabei den Schädel einzuschlagen?"<br> | ||
"Das wird auch gar nicht nötig sein, Mutter!" meldete sich ihr angesprochener Filius zu Wort.<br> | "Das wird auch gar nicht nötig sein, Mutter!" meldete sich ihr angesprochener Filius zu Wort.<br> | ||
"Ach - und warum nicht, Schlaumeier?" wandte sich diese zu ihm um.<br> | "Ach - und warum nicht, Schlaumeier?" wandte sich diese zu ihm um.<br> | ||
"Ganz einfach!" erklärte Moritatio achselzuckend und strahlte Richeza dabei an. "Wenn das hier oben ihr privates Studiolo war, so hat sie die Tür gewiß hinter sich abgeschlossen, als sie den Raum verließ, etwa weil sie den Lärm der angreifenden Ferkinas vernahm. Es ist also sehr wahrscheinlich, daß die Inquisitorin den Schlüssel noch bei sich trägt. Andernfalls muss sie ihn irgendwo hier im Turm aufgehängt oder deponiert haben."<br> | "Ganz einfach!" erklärte Moritatio achselzuckend und strahlte Richeza dabei an. "Wenn das hier oben ihr privates Studiolo war, so hat sie die Tür gewiß hinter sich abgeschlossen, als sie den Raum verließ, etwa weil sie den Lärm der angreifenden Ferkinas vernahm. Es ist also sehr wahrscheinlich, daß die Inquisitorin den Schlüssel noch bei sich trägt. Andernfalls muss sie ihn irgendwo hier im Turm aufgehängt oder deponiert haben."<br> | ||
Rifada nickte: "Ja, das klingt einleuchtend. Also los, worauf wartest | Rifada nickte: "Ja, das klingt einleuchtend. Also los, worauf wartest du?"<br> | ||
Moritatio blickte sie verständnislos an.<br> | Moritatio blickte sie verständnislos an.<br> | ||
"Lauf runter und such den Schlüssel, | "Lauf runter und such den Schlüssel, du Faulpelz, wenn du schon zu unterst stehst! Wenn sie ihn nicht um den Hals trägt oder in den Taschen ihrer Robe hat, durchsuchst du die unteren Räume - aber ziemlich zügig! Der Adjutant des Dubianers und ein paar seiner Halsabschneider sollen dir nötigenfalls dabei helfen!"<br> | ||
Moritatio nickte und trampelte die diversen Treppen gräuschvoll nach unten.<br> | Moritatio nickte und trampelte die diversen Treppen gräuschvoll nach unten.<br> | ||
"Da wir einen Augenblick unter uns sind, sollten wir uns rasch über das Schicksal | "Da wir einen Augenblick unter uns sind, sollten wir uns rasch über das Schicksal unserer zwei Gesuchten Ratschluß halten, damit wir später mit einer Stimme sprechen können, wenn wir sie finden. Zunächst einmal der Heiler. Du hast gehört, was unser Soberan verlangt - wir sollen ihn der Suprema ausliefern. Ich für meinen Teil wäre aber bereit, daß es unser Geheimnis bleibt, wenn wir ihn finden - aber nur, wenn er den Jungen heilen kann! Des Jungens Gesundheit im | ||
gehört, was unser Soberan verlangt - wir sollen ihn der Suprema ausliefern. Ich für meinen Teil wäre aber bereit, daß es unser Geheimnis bleibt, wenn wir ihn finden - aber nur, wenn er den Jungen heilen kann! Des Jungens Gesundheit im | Tausch gegen seine Freiheit - das ist ein Angebot, das er schwerlich wird abschlagen können. Zum Zweiten der Knabe selbst - der kleine Praiodor! Wenn wir ihn finden, musst du ihn mit nach Kornhammer nehmen oder aber er verbleibt notfalls auf einer unserer Burgen und wird dort erzogen. In der Obhut dieser Irren kann er nicht bleiben, soviel steht fest!" | ||
Tausch gegen seine Freiheit - das ist ein Angebot, das er schwerlich wird abschlagen können. Zum Zweiten der Knabe selbst - der kleine Praiodor! Wenn wir ihn finden, musst | |||
notfalls auf einer unserer Burgen und wird dort erzogen. In der Obhut dieser Irren kann er nicht bleiben, soviel steht fest!" | |||
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'''Autor:''' [[Benutzer:Von Scheffelstein|von Scheffelstein]] | |||
[[Richeza Aldonaza von Scheffelstein|Richeza]], die noch immer mit dem Rücken zu der verschlossenen Tür stand, versuchte, das Gesicht ihrer Tante gegen das schwach von unten heraufscheinende Licht zu erkennen, aber es war so düster, dass sie kaum mehr als die Umrisse ausmachen konnte. | |||
"Der Heiler", sagte sie, "ist mir egal. Wenn er [[Praiodor von Culming-Alcorta|Praiodor]] zu helfen vermag: um so besser. Wobei" - sie seufzte - "ich meine Hoffnung nicht zu hoch hänge. Ich habe schon alles versucht, was in meiner bescheidenen Macht steht, aber bislang noch niemanden gefunden, der ihm zu helfen vermag. Dieser ... Tsacharias? ... müsste also ein rechter Wunderheiler sein. Wie auch immer: Wenn er meinem Vetter nicht zu helfen vermag, soll mit ihm geschehen, was immer Euch beliebt. Ich jedenfalls", erklärte sie, "habe nicht vor, Handlanger der Praioten zu spielen, egal, was Euer Onkel sagt." Die Edle zuckte mit den Schultern. "Mir ist an Praiodor gelegen." | |||
Kurz verfiel sie in Schweigen, knetete mit gesenktem Blick ihre Unterlippe. "Nein", sagte sie dann, "das ist ... ich ... Ich habe bei meinem Blute geschworen, ihn zu beschützen. Nicht eher zu ruhen, bis er von seinem Leiden befreit ist. Und das werde ich tun, koste es, was es wolle, das bin ich [[Ramiro von Alcorta|Ramiro]] - meinem Onkel - schuldig!" Entschlossen - und doch nicht minder verzweifelt - blickte sie die Junkerin an. "Wir müssen ihn finden. ''Ich'' muss ihn finden. Und zwar bald. Ich weiß nicht, was [[Fenia von Culming|Domna Fenia]] sich dabei gedacht hat, ihn hierher zu schleppen. Selbst ohne die Ferkinas ist es Wahnsinn! Sie muss also völlig den Verstand verloren haben, oder aber, der Ruf dieses merkwürdigen Heilers ist beträchtlich. Dann aber frage ich mich, warum ich selbst nicht schon von ihm gehört habe, wo ..." | |||
Sie schüttelte den Kopf, seufzte erneut, dann betrachtete sie [[Rifada da Vanya|Rifada]] mit angestrengt gefurchter Stirn. "Wir werden sehen, was mit Praiodor geschehen wird. Ich fürchte, solange er nicht geheilt ist, sollte er weiter in der Obhut der [[avwik:Therbûniten|Therbûniten]] - oder der eines wirklich fähigen Medicus verbleiben. Und wenn er geheilt ist ..." Sie senkte den Blick auf ihre Stiefel, und es schien, als dächte sie erstmals über diese Möglichkeit nach. "Fenia wird ihn nicht einfach gehen lassen", sagte sie dann. "Sie ..." - erneut ein Schulterzucken - "... hat nie viel von mir gehalten. Nach Ramiros Tod und allem, was ich für Praiodor getan habe, hat sie diese Meinung wohl geändert. Aber ... ich denke nicht, dass sie ihren Sohn in meine Hände geben würde. Und wahrscheinlich", fügte sie leiser nach einer Pause hinzu, "hat sie nicht unrecht." | |||