Chronik.Ereignis1033 Feldzug Raschtulswall 05: Unterschied zwischen den Versionen
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Der Anblick der vielen grausam niedergemetzelten Leichen schien selbst der äußerlich so hartgesottenen Vanyadâlerin nahe zu gehen. Die meisten der Ermordeten waren immerhin bis vor 8 Jahren ihre Untertanen gewesen. Viele kannte sie vom Sehen, einige sogar namentlich. Sie presste schweigend die Lippen aufeinander und schaute resigniert nach links und rechts, während die Gruppe langsam und bedächtig durch Elenta ritt bzw. schritt - wohl in der Hoffnung, irgendwo noch auf eine größere Anzahl Überlebender oder zumindest auf einige zurückgebliebene Ferkinas zu treffen, denen sie die Bluttat doppelt und dreifach | |||
heimzahlen konnte. | |||
Zu ihrem Bedauern sah sie auch die Vermutung ihres Oheims, die örtliche Castellanin der Reichskirche betreffend, bestätigt, sobald sie in die schmale dörfliche Sackgasse einbogen, an deren Ende der finstere Inquisitionsturm aufragte. Domna Liguria hatte ihr nie nahegestanden, sie hatte mit ihr in den vergangenen Jahren nur ganz selten einige wenige Worte gewechselt - dennoch verdiente kein Mensch, der sein Leben dem Dienst an einem der Zwölfgötter geweiht hatte, ein derartiges Ende.<br> | |||
Glaubte sie schon, daß ihre Stimmung nicht mehr schlechter werden konnte, während sie zusehen musste, wie Richeza und die Mercenarios die unglückliche Praiotin von der Tür lösten, so bemerkte sie, daß sie sich getäuscht hatte, als ihr der Dubianer auch noch versuchte, eine Standpauke zu halten. Sie ließ ihn zu Ende reden, dann streckte sie den gepanzerten Zeigefinger aus und stieß damit dem Aranjuezer gegen die gleichsam gepanzerte Brust, so daß ein metallisches 'Poing' ertönte, worauf sich Richeza und auch der Adjutant Dom Hernans überrascht zu ihnen umwandten. | |||
"Bei allem Respekt vor Eurem Rang, Herr Baron!" zischte sie. "Wie Ihr Euch gewiß erinnern werdet, habe ich Euch keinesfalls aufgefordert, uns zu begleiten! Es steht mir nur als Niederrangige nicht zu, Euch fortzuschicken, wenngleich Ihr Euch - wie Ihr richtig bemerktet - auf meinem Grund und Boden befindet. Diese närrische Weib Fenia schert mich einen Dreck - ich werde ihr saftig ein paar hinter die Ohren geben, wenn wir sie finden, in einer Zeit wie dieser mit einem kranken Kind in den Raschtulswall zu ziehen! Ich lasse mich nur ihretwegen", sie deutete mit einem Kopfnicken auf Richeza, "auf solche Narreteien ein, weil ihr der arme Junge am Herzen liegt und sie wiederum das Letzte ist, was mir von meiner toten Schwester geblieben ist . Ob Ihr uns mit diesem Brigantenhaufen folgt oder nicht, ist mir im Grunde einerlei. Ohne Eure Begleitung hätte ich selbstverständlich eine andere Bedeckung von der Burg aus mitgenommen. Wenn Ihr uns aber verlassen wollt", sie deutete die Dorfstraße hinunter in Richtung des anderen Ortsendes, "dort geht es nach Burginum in der Mark Ragathsquell. Von dort aus könnt Ihr sicher nach Hause gelangen." | |||
Damit wandte sie sich ab und schritt zu ihrem Sohn, der unschlüssig vor der Tür des Inquisitionsturmes stand und das Schloß kritisch betrachtete.<br> | |||
"Sie ist verschlossen, Mutter! Wir hätten Oheim Amando um den Schlüssel bitten sollen. Dass die Inquisition sicher Aufzeichnungen über diesen ketzerischen Heiler angefertigt hat, daran hätten wir schon vorher denken können."<br> | |||
"Wir hätten..wir hätten..." äffte seine Mutter ärgerlich seinen verzagten Tonfall nach. "Wir hätten uns damals auch nicht von den Harmamunds den Grafentitel stehlen lassen sollen - dann säßen wir noch heute auf dem Marmorthron! Los, tritt beiseite!"<br> | |||
"Aber Mutter, Oheim Amando wird nicht erfreut sein, wenn wir einfach ohne seine Erlaubnis..."<br> | |||
Ein schwerer Treffer von der Stachelkugel des Morgensterns ließ das Türschloß aus Messing halb abplatzen, zwei weitere Hiebe und ein Stiefeltritt und die Tür hing nur noch als zersplitterte | |||
Bretter in ihren Angeln.<br> | |||
"Wir haben keine Zeit die Etikette zu wahren. Praios der Herr möge uns unsere Verfehlungen nachsehen" murmelte Domna Rifada eine Entschuldigung, den Blick zum Himmel gewandt, und schob dann Richeza vor sich her ins Innere des Turmes. "Steigen wir nach oben! Die Inquisitionsrätin hatte ihre Kammer droben unterm Dach!" | |||
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