Chronik.Ereignis1033 Feldzug Ferkinalager 08: Unterschied zwischen den Versionen

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Sie wusste nicht, wie lange sie durch eine sich kaum ändernde Landschaft ritten, aber es schien eine Ewigkeit zu dauern, bis ihre Tante das Ross anhielt und zu Boden sprang.
Sie wusste nicht, wie lange sie durch eine sich kaum ändernde Landschaft ritten, aber es schien eine Ewigkeit zu dauern, bis ihre Tante das Ross anhielt und zu Boden sprang.


"Gut gemacht, Qualalahina", sagte sie und tätschelte den Hals des Pferdes. Sie streckte Richeza den Handschuh entgegen.
"Gut gemacht, [[Qualalahina]]", sagte sie und tätschelte den Hals des Pferdes. Sie streckte Richeza den Handschuh entgegen.


'Danke', sagte Richeza, als sie die Hand nahm. 'Es hat nicht viel gefehlt.'
'Danke', sagte Richeza, als sie die Hand nahm. 'Es hat nicht viel gefehlt.'
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Warum nur, dachte sie wütend, geriet sie immer wieder in dieselbe missliche Lage, aus der es kein Entkommen zu geben schien? Andererseits: Sie war entkommen. Jedes Mal. Mehr oder weniger unversehrt. Wie pflegte ihr Großvater zu sagen? ''Das Leben ist ein geduldiger Lehrmeister. Es stellt dir immer wieder dieselbe Aufgabe, bis du deine Lektion gelernt hast.'' Wenn sie hier heraus kam, war es an der Zeit, darüber nachzudenken, was sie das Leben lehren wollte. Falls sie hier herauskäme, dachte sie noch, dann war sie – müde von der Nachmittagshitze, die sich unter dem ledernen Zeltdach staute - eingeschlafen  ...  
Warum nur, dachte sie wütend, geriet sie immer wieder in dieselbe missliche Lage, aus der es kein Entkommen zu geben schien? Andererseits: Sie war entkommen. Jedes Mal. Mehr oder weniger unversehrt. Wie pflegte ihr Großvater zu sagen? ''Das Leben ist ein geduldiger Lehrmeister. Es stellt dir immer wieder dieselbe Aufgabe, bis du deine Lektion gelernt hast.'' Wenn sie hier heraus kam, war es an der Zeit, darüber nachzudenken, was sie das Leben lehren wollte. Falls sie hier herauskäme, dachte sie noch, dann war sie – müde von der Nachmittagshitze, die sich unter dem ledernen Zeltdach staute - eingeschlafen  ...  
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'''Autor''': [[Benutzer:Romina Alba|Romina Alba]]
Romina sank das Herz, als der Alte wiederkam. Sie beobachtete das Geschnatter der beiden Fekinas durch die niedergesenkten Wimpern - immerhin schien die Frau nichts kapiert oder nichts verraten zu haben.
Ihre Mitgefangene war ebenso ungeduldig wie ungehalten, typisch ... Eigentlich war sie selbst ja auch so, doch die Ungewissheit hatte sie schweigend gemacht. So bedachte sie ihre Mitgefangene nur mit einen undeutbaren Blick, schloss dann die Augen, um wieder inbrünstig zu beten. Sie öffnete sie erst, als Wasser und Nahrung kamen, und im Gegensatz zu Richeza nahm sie alles zu sich, was man ihr brachte.
Sie zog kurz die Augen zusammen, als Richeza nur ein wenig Wasser annahm.  "Schwach vor Hunger erträgt sich die Gefangenschaft noch schlechter, geschweige denn die Abreise ..." Sie murmelte die Worte vor sich hin, in ein Gebet eingebettet, gerade als der Alte geräuschvoll einige Wurzeln zerstampfte.
Kurz tastete sie nach dem Banner, dann versank sie wieder in endloses Gemurmel, sie kannte viele Gebete und sie vergaß keinen der Zwölf.
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'''Autor''': [[Benutzer:Von Scheffelstein|von Scheffelstein]]
Der Tag verging wie alle Tage, seit Rominas Gefangennahme. Nur drei Dinge waren anders: Sie befand sich nicht länger im Zelt des Häuptlings, sondern in dem des Schamanen. Der Shâr behelligte sie nicht weiter. Und sie hatte eine Mitgefangene. Die allerdings schien nicht sehr gesprächig. Im Gegenteil: Nachdem die junge Ferkina das Zelt verlassen hatte, hatte die Scheffelstein Romina alsbald den Rücken zugekehrt. Und nun schlief sie seit Stunden, gerade so, als befände sie sich auf dem heimischen Castillo, oder wo immer sie wohnen mochte, und nicht in höchster Gefahr.
Der Alte hatte den ganzen Tag an seinem Tisch gestanden, Kräuter gerupft, Wurzeln gestampft, Pulver zusammengerührt und vor sich hingemurmelt. Am Abend war er für eine oder zwei Stunden verschwunden und erst zurückgekehrt, als es dämmerte. Jetzt schlief er im hinteren Teil des Zeltes. Romina aber konnte nicht schlafen, sein Schnarchen machte es ihr unmöglich. Beim Ausatmen klang es wie das Knurren eines großen Hundes, beim Einatmen hingegen war es so abgehackt, dass sie hoffte, er werde bald ersticken. Vergeblich! Er schnarchte, und schnarchte, und die Scheffelstein schlief und regte sich nicht. Dazu die unerträgliche Hitze im Zelt und der unangenehm muffige Geruch nach Blut, der von einem geschächteten Huhn stammte, das der Alte am Abend neben dem Eingang aufgehängt hatte.
Plötzlich drang ein Luftzug an Rominas Haut. Licht drang durch den Zelteingang, dann wurde es wieder dunkel. Kurz darauf fühlte sie warme Finger an ihren Armen, die höher wanderten, dann legte sich eine Hand auf ihre Lippen. Ein helles Flüstern drang an ihr Ohr, aber sie verstand kein Wort. Die Hände entfernten sich, dann merkte sie, wie etwas an ihren Fußfesseln rüttelte. Kurz darauf waren ihre Beine frei. Eine Hand legte sich auf ihre Schulter. Das Flüstern war eindringlich, aber leise. Sie spürte kühles Metall an ihren Handgelenken, im nächsten Moment war sie frei. Frei!
Eine Hand tastete nach der ihren, Finger schlossen sich um ihre Finger, jemand zog sie hoch. Die Zeltplane wurde zurückgeschlagen, und gegen den schwachen Widerschein von Feuer konnte sie die Umrisse einer Frau ausmachen, die ihr den Eingang aufhielt.
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'''Autor''': [[Benutzer:Romina Alba|Romina Alba]]
Romina versuchte gerade, sich zu entspannen und die Geräusche und Gerüche auszublenden, als sie plötzlich befreit wurde. Sie dachte sogleich an die Ferkina von heute morgen - die Frau war wohl doch klüger als gedacht - doch ihr Herz raste, es konnte ebenso gut eine Falle sein.
Ihr erster Griff war der zum Rossbanner, sie zog das schmutzige Tuch ans Herz und schickte ein Stossgebet zu ... nein, Rondra war jetzt denkbar ungünstig ... zum listigen Phex.
Dann war die Zeltplane offen, sie schaute zu der wartenden Frau, schüttelte energisch den Kopf und deutete auf die schlafende Richeza. Sie würde die Scheffelsteinerin keinesfalls hier zurücklassen, außerdem kannte diese sich hier in den Bergen aus. Und Stiefel brauchten sie ...
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'''Autor''': [[Benutzer:Von Scheffelstein|von Scheffelstein]]
Geduckt huschte Richeza hinter der Ferkina her, die sie von Zelt zu Zelt winkte. Ab und an kamen ihnen Wachen entgegen, junge Männer, bewaffnet mit Speeren oder Äxten. Im Schatten auf dem Boden liegend, warteten die Frauen darauf, dass sie vorüberzogen und sie nicht entdeckten. Die junge Ferkina schien zu wissen, was sie tat, führte Richeza und die Comtessa zielstrebig durch das Lager, vorbei an Wachfeuern und Ziegen, die zwischen kahlgefressenen Wacholdersträuchern schliefen.
Die Nacht war noch jung, die Luft noch warm, aber der Himmel war klar, es würde sich rasch abkühlen. Richeza war davon erwacht, dass jemand sie an der Schulter gerüttelt hatte. Im ersten Moment hatte sie nicht gewusst, wo sie war, dann hatte sie befürchtet, die Ferkinas seien zurückgekehrt. Aber es war nur eine Ferkina: die, die am Nachmittag mit Domnatella Romina gesprochen hatte. Sie hatte sie losgeschnitten. Wusste der Namenlose, warum!
Richeza blickte sich nach der Comtessa um, die zurückgefallen war und etwas aus ihrem Fuß zog, in das sie hineingetreten war. Die Edle bedeutete der Ferkina zu warten, bis die Domnatella aufgeschlossen hatte, dann eilten sie weiter. Hoffentlich entdeckte man ihre Flucht nicht vor dem Morgen!
Die Ferkina führte sie aus dem Lager heraus und einen steilen Felshang hinauf. Zweimal stieß sich Richeza die Zehen und biss sich auf die Lippen. Barfuß durch die Berge, das war Wahnsinn!
"Huna'cha!" Die Ferkina hatte angehalten und deutete auf einen Felsvorsprung.
Richezas Herz schlug schneller. Dort lagen eine Steinaxt, ein Kurzschwert und ein Deckenbündel. Außerdem  ihre Gürteltasche und ihre Stiefel! Die Edle schlang sich den Gürtel um den Bauch und schlüpfte in die Stiefel. Ein heller Stich in ihrem Fuß ließ sie zusammenzucken. Ein Skorpion? Angstvoll zerrte sie den Stiefel vom Fuß und schüttelte ihn. Doch es war kein Tier, das zu Boden fiel, sondern eine abgebrochene Feder. Richeza hielt sie sich dicht vor die Augen. Selbst in der Dunkelheit glänzte sie. Es mochte eine der Federn sein, wie Moritatio sie an seinem Hut getragen hatte. Seltsam, was machte die in ihrem Stiefel? Sie hatte den Hut doch während des Gefechts im Castillo verloren. Ob Moritatio und der Streitzig hier gewesen waren? Richeza steckte die Feder in ihre Gürteltasche, um sie sich bei Tageslicht noch einmal zu besehen.
Die Frau hatte derweil einige Felle und Lederschnüre aus dem Bündel gezogen, bedeutete Domnatella Romina, sich zu setzen und band ihr die Felle mit der ledernen Seite nach unten um die Füße. Dann drückte sie der Comtessa das Kurzschwert in die Hand und Richeza das Bündel. Die Edle runzelte die Stirn, nahm den Packen jedoch wortlos entgegen.
"Yalla!", flüsterte die Frau.
Weiter ging es durch die sternenklare Nacht, in der sich die Ferkina mit der Sicherheit einer Katze bewegte, während die beiden Almadanerinnen immer wieder strauchelten oder sich in der Dunkelheit Knie und Füße stießen. Nach einer Weile führte die Wilde sie in eine Höhle, in der es vollkommen finster war. Allein durch den Eingang fiel Licht, so dass sich die Konturen der Frauen gegen den Nachthimmel abzeichneten.
Die Ferkina sagte etwas. Wiederholte, was sie gesagt hatte. Dann legte sie Richeza die Hände auf die Schultern und drückte, bis diese widerstrebend nachgab und sich hinkniete. Das Gleiche tat sie bei Romina. Dann griff sie nach der Hand der Comtessa und legte sie um Richezas Fußknöchel, ging vor Richeza auf alle Viere, griff nach hinten und legte Richezas Hand um ihren eigenen Fuß. Steine und Sand drückten sich durch den Rock hindurch in Richezas Knie, das Brusttuch rutschte ihr von den Schultern.
"Also wirklich!" Richeza stand auf und rückte das Tuch zurecht. "Was soll das jetzt werden?" Sie wechselte ins Tulamidische. "Was soll das? Wo bringst du uns hin? Du glaubst doch nicht allen Ernstes, dass ich jetzt durch irgendwelche dunklen Tunnel krieche?"
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'''Autor''': [[Benutzer:Romina Alba|Romina Alba]]
Es war zu Mäusemelken, alle spitzen Steine und Dornen hatten sich zusammengetan, um sie immerzu in die nackten Füsse zu stechen. Ein Dorn hatte sich tief reingebohrt, es blutete, als sie ihn rauszog. Doch darauf zu achten war keine Zeit, sie stahlen sich zu dritt durch das Ferkinalager und diese Richeza bewegte sich, als hätte sie ihr Leben lang nichts anderes getan. Sie selbst gab sich alle Mühe, lautlos und trotzdem schnell zu sein, doch die beiden anderen mussten immer wieder auf sie warten.
Dann war sie aus dem Lager, die Ferkina hatte, den Göttern sei Dank!, an Waffen gedacht, und Felle um die Füsse waren besser als gar nichts. Sie wog das Kurzschwert in der Hand und stellte sich vor, wie sie... sie schüttelte den Kopf, es war nicht an der Zeit, Rache zu üben.
Und weiter ging es, in eine Höhle - verdammt, hier war es dunkel wie in einem Pferdearsch! Was hatte die Ferkina vor? Vielleicht gab es hier eine Art Durchgang? Sie dachte wieder an Ras'Ragath - dahin wird die Frau sie bringen wollen -, sie hatten Waffen, einen Verrat würde die Ferkina nicht überleben und ... oder ... Sie dachte an den blonden Jüngling - vielleicht steckte der dahinter, aber es war egal. Sie tastete nach dem Banner, spürte, wie Zuversicht sie durchströmte und beschloss zu vertrauen!
Als Richeza protestierte, antwortete sie noch vor der Ferkina: "Sie versteht dich nicht, doch sie hat uns rausgeholt und will uns jetzt wohl in Sicherheit bringen, hoffe ich ..." Sie machte eine Pause, nicht sicher, wie sie den richtigen Ton treffen konnte. "Wir haben Waffen - noch mal bekommen die mich nicht ..." Sie räusperte sich kurz. "Zumindest nicht lebend."
Ihre Stimme wurde weich: "Komm mit uns, das Schicksal hat uns zu Gefährten gemacht. Ich trage das Rossbanner der Heiligen Hadjinsunni bei mir, die Leuin wird uns schützen." Ihre Hand glitt wie schon so oft während der Flucht zu dem gefalteten Stoff im Rocksaum. Sie musste das Banner zurückbringen - sie schluckte trocken - wenigstens das Banner!
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'''Autor''': [[Benutzer:Von Scheffelstein|von Scheffelstein]]
"Die Leuin wird uns schützen!", schnaubte Richeza verächtlich. "So, wie sie den Rossbannerorden geschützt hat, was? Im Übrigen, Domnatella, wüsste ich nicht, dass unsere kurze Bekanntschaft eine derart vertrauliche Anrede rechtfertigen würde." Die Stimme der Edlen klang kalt. "Sollte Euch allerdings nicht bewusst sein, mit wem Ihr es zu tun habt: Richeza von Scheffelstein und da Vanya aus dem altehrwürdigen Fürstengeschlecht da Vanya, Urenkelin der letzten rechtmäßigen Gräfin von Ragath."
Es entstand eine kurze Pause. Als sie weitersprach, klang die Stimme der Edlen versöhnlicher, wenngleich ihr Gesicht in der Dunkelheit nicht zu erkennen war. "Also gut. Es bleibt uns vorerst wenig anderes übrig, als uns auf diese Wilde zu verlassen. Heute Nacht jedenfalls. Morgen werde ich meinen eigenen Wegen folgen müssen." Sie schwieg kurz. "Ihr werdet Euch dann entscheiden müssen, ob Ihr der Ferkina folgt oder ... Euch mir anschließen wollt."
Romina hörte, wie die Edle sich wieder hinkniete. "Yalla!", kam die Stimme vor ihr aus der Dunkelheit und dann: "Dann betet mal schön zu Eurer Leuin, dass die Wilde uns nicht hintergeht. Mir steht wenig danach, die Nacht noch Blut vergießen zu müssen."
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'''Autor''': [[Benutzer:Romina Alba|Romina Alba]]
Romina zuckte bei den Worten erst getroffen zusammen und spürte dann, wie wilde Wut in ihr hochwallte. Beides verbarg die Dunkelheit. Im Grunde genommen hatte sie nichts anders erwartet ... Da Vanya - ihr Vater hatte ihr viel erzählt, auch, dass es sich nicht lohnte diese kindischen Ausbrüche von altertümlichen Stolz bei "alteingesessenen" Almadanis auch nur zu beachten. Trotzdem war es ihr immer schwer gefallen und auch jetzt schluckte sie.
"Ich weiß genau, wer Ihr seid, Caballera", antwortete sie spitz. "Eure Schönheit und Euer Benehmen hat Euch am Hof einiges an Beachtung eingebracht, eine Tatsache die auch an mir nicht vorüberging." Sie schluckte noch mal, ihrer Stimme war Enttäuschung anzuhören. "Ich werde beten und morgen werden wir sehen, wieviel Blut uns noch bleibt."
Sie wandte sich ab, ein leises "Yalla" zu ihrer Führerin, und es ging los ...