Chronik.Ereignis1033 Feldzug Ferkinalager 08: Unterschied zwischen den Versionen
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Sie wusste nicht, wie lange sie durch eine sich kaum ändernde Landschaft ritten, aber es schien eine Ewigkeit zu dauern, bis ihre Tante das Ross anhielt und zu Boden sprang. | Sie wusste nicht, wie lange sie durch eine sich kaum ändernde Landschaft ritten, aber es schien eine Ewigkeit zu dauern, bis ihre Tante das Ross anhielt und zu Boden sprang. | ||
"Gut gemacht, Qualalahina", sagte sie und tätschelte den Hals des Pferdes. Sie streckte Richeza den Handschuh entgegen. | "Gut gemacht, [[Qualalahina]]", sagte sie und tätschelte den Hals des Pferdes. Sie streckte Richeza den Handschuh entgegen. | ||
'Danke', sagte Richeza, als sie die Hand nahm. 'Es hat nicht viel gefehlt.' | 'Danke', sagte Richeza, als sie die Hand nahm. 'Es hat nicht viel gefehlt.' | ||
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Das irre Lachen war das Letzte, was Richeza hörte, ehe der Traum endlich zu Ende war. | Das irre Lachen war das Letzte, was Richeza hörte, ehe der Traum endlich zu Ende war. | ||
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'''Autor''': [[Benutzer:Von Scheffelstein|von Scheffelstein]] | |||
Als Richeza zu sich kam, blickte sie in das Gesicht einer jungen Ferkina - Anfang oder Mitte zwanzig mochte sie sein. Ihre Oberlippe zierte ein dunkler Flaum, und doch besaß ihr spitzes Gesicht mit der scharf geschnittenen Nase eine eigenwillige Schönheit. Sie grinste und sagte etwas, dann hob sie Richezas Kopf über eine Schale und goss ihr einen Schwall kaltes Wasser über das Gesicht. | |||
Prustend versuchte die Edle, sich aufzurichten und stellte fest, dass sie gefesselt war. Links und rechts von ihr saßen zwei weitere, ältere Ferkinaweiber, die ihr mit steinernen Messern die Kleider vom Leib schnitten. | |||
"Was soll das?", rief Richeza. "Hört sofort auf damit!" Furcht und Wut ließen ihre Stimme schrill klingen, und sie schämte sich ihrer Angst ebenso sehr, wie ihrer hilflosen Nacktheit. Die Frauen lachten nur und begannen, Richezas Körper mit porösen Steinen und Wasser von Staub und Schmutz zu befreien. Dabei gingen sie nicht eben zimperlich vor, und bald brannte die Haut der Edlen wie Feuer. Die junge Ferkina schmierte ihr eine betörend nach Blüten duftenden Paste in die Haare. Nahe des Zelteingangs stand der alte Mann, den sie für den Heiler gehalten hatte, und zerstampfte Wurzeln auf einem flachen Tisch. Ab und an starrte er mit lüsternem Blick herüber, ehe er sich kichernd und brabbelnd wieder seiner Arbeit zuwandte. | |||
Richeza schloss die Augen, als könne sie die Wirklichkeit dadurch ausschließen. Aber was ihr geschah, konnte sie nicht leugnen. Sie war hellwach, jeder Laut drang in ihr Bewusstsein, jeder Geruch, jede Berührung. Sie lauschte den Gesprächen der Frauen, ohne ein Wort zu verstehen, roch den herben, erdigen Duft ihrer Haut, spürte die Finger der jungen Ferkina, die ihr die Paste aus den Haaren wusch, die Hände der anderen Frauen, die sie auf die Seite drehten, um ihren Rücken zu waschen, verspannte sich, als deren Nägel die langen, ausgefransten Narben nachzeichneten, die kreuz und quer über ihren Rücken liefen. | |||
Ihr ganzer Körper schrie danach, sich zu wehren, zu kämpfen, zu töten oder zu fliehen, aber sie wusste, dass es sinnlos wäre, dass sie allein ihren Stolz, ihre Würde verlöre, ohne etwas zu gewinnen. Doch statt sich Mut zuzusprechen, statt kühl eine Flucht zu planen, schrie sie lautlos, und die Kraft, die es sie kostete, Zorn und Verzweiflung zurückzuhalten, entlud sich in einem Zittern, das ihre Muskeln erfasste wie die Macht des Feuers den Fels eines Vulkans, ehe Glut und Asche aus ihm hervorbrachen. | |||
Endlich ließen die Frauen von ihr ab und brachten die Schalen mit schmutzigem Wasser aus dem Zelt. Nur die jüngste kehrte zurück und kleidete Richeza in einen Rock und ein besticktes Wolltuch und kämmte ihr nasses Haar. | |||
Erstmals bemerkte die Edle, dass sie nicht allein war. Zwei Schritt von ihr entfernt saß eine weitere Gefangene in ähnlichen Kleidern und ebenfalls gefesselt. Ihre blonden Locken ließen darauf schließen, dass sie Mittelreicherin war, Almadanya oder Garethya vielleicht. Richeza wandte sich ab, zu sehr mit sich selbst beschäftigt, um den traurigen Blick der Frau zu erwidern, zu sehr bemüht, ihre Tränen zurückzuhalten, um das Mitleid in den Augen der anderen ertragen zu können. | |||
Erst als die junge Ferkina das Zelt verlassen hatte und sie allein waren mit dem Alten, der Kräuter auf einen Faden wickelte, wagte Richeza erneut einen Blick. Die Frau war jung, jünger noch als die Ferkina, ihre kräftigen Waden und die sonnengebräunten Arme ließen sie wie eine Bäuerin erscheinen. Die schlanken, gepflegten Finger aber wollten nicht ins Bild passen. Es dauerte einen Moment, bis Richeza erkannte, wen sie da vor sich hatte. Blass und ungeschminkt, mit eingefallenen Wangen und tiefen Ringen unter den Augen hätte sie die junge Frau beinahe nicht erkannt: [[Romina von Ehrenstein-Streitzig]]. Bislang hatte sie die Comtessa nur fächerwedelnd im Reifrock erlebt, eine Hofdame eben, wie sie zu Dutzenden in Almada zu finden waren ... | |||
Richeza warf einen raschen Blick auf den Alten und wandte sich wieder der Comtessa zu. Ihre eigene Angst war plötzlich wie weggeblasen, vielleicht, weil sie wusste, dass der Streitzig bereits nach der Grafentochter suchte, vielleicht, weil es beruhigend war, ein vertrautes Gesicht zu sehen. Möglicherweise aber auch nur, weil es ehrenrühriger war, vor einer Almadanya das Gesicht zu verlieren als vor den Wilden. So nickte sie der jungen Dame entschlossen zu und wartete, dass der Alte sich endlich aus dem Zelt verzog. | |||
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'''Autor''': [[Benutzer:Romina Alba|Romina Alba]] | |||
[[Romina von Ehrenstein-Streitzig|Romina]] war im ersten Moment überfordert von der neuen Situation. Man hatte eine weitere Gefangene, augenscheinlich eine Almadani, zu ihr ins Zelt gebracht, um diese so 'herzurichten', wie man es mit ihr auch gemacht hatte. Sie hatte keine Zweifel, dass die Frau für das Tier von Häuptling gedacht war. Sie biss die Zähne zusammen und widerstand dem Wunsch, an den Fesseln zu reißen. Es war sinnlos, besonders wenn diese Fekinaweibchen im Zelt waren. Sie warfen ihr immer wieder prüfende Blicke zu. So begnügte sie sich damit, das Prozedere zu ignorieren und leise auch für die andere Frau zu beten. | |||
Ihr Gebet stockte, als die Gefangene laut wurde, sie war augenscheinlich von Stand. Jetzt erst sah sie genauer hin. Wie erwartet, war die Frau eine Schönheit, doch so einige Narben deuteten auf eine Caballera hin, die nicht nur für Schauduelle zu kämpfen gelernt hatte. Erregung erfasste Romina, die Ferkinas unterschätzten Frauen immer, das könnte man sich zu Nutzen machen. Gekonnt versteckte sie ihre Hoffnung hinter mitleidigen Blicken, die sie nicht einmal heucheln musste, wusste sie doch sehr gut, wie unangenehm es war, wie eine Haremsdame hergerichtet zu werden. | |||
Dazu fiel ihr irrationalerweise die Hochzeit des Kaisers mit dieser Novadi ein, verdammt, sie konnte nicht einmal mehr sagen, welcher Tag heute war. Fakt war, ihr würde, wie geplant, die Demütigung, diesem Politikum beizuwohnen, erspart werden. Sie schloss die Augen, sie wäre jetzt tausendmal lieber in Punin und würde die spöttischen Blicke am Hof ertragen. | |||
Ihr Realitätssinn gewann die Oberhand, sie war nun mal nicht in Punin, sondern in einem Ferkinalager, und dank dieser verfluchten Hochzeit würde sich ihre Rettung bestimmt noch verzögern. Doch jetzt war da noch die andere Frau, eine Almadani und Caballera reinsten Blutes. Diese Tatsache pumpte neuen Mut durch ihre Adern. Sie kannten einander von der einen oder anderen Veranstaltung am Hof, doch sie waren sich immer aus dem Weg gegangen. Sie erinnerte sich an gegenseitige Verachtung. Wie hieß sie nochmal? Romina durchforstete ihren Kopf, ihre spröde Schönheit war legendär, fast musste sie schmunzeln. Richeza ... oder nicht? Und wie hieß nochmal diese Sippe von Altalmadanis, die sich für was Besseres hielten?! | |||
An dem Blick von Richeza sah Romina, dass diese sie auch erkannt hatte. Die Wandlung, die plötzlich mit der zuvor noch gequält wirkenden Frau vor sich ging, machte sie stolz. Das war Almada! Sie straffte sich und sah kurz zu dem Alten, der zufrieden vor sich hin murmelnd mit seinen Kräutern aus dem Zelt stapfte, dann wieder zurück zu Richeza. Sie wusste, diese Frau hatte Schneid, mancher Streitzig hatte sich an ihrer Arroganz die Zähne ausgebissen. | |||
Sie bleckte die Zähne: "Herzlich Willkommen bei den Ferkinas, Domna. Ich bin Romina Alba von Ehrenstein und Streitzig, verzeiht, dass ich nicht aufstehe." Sie senkte kurz höflich den Kopf. "Die schlechte Nachricht ist, Ihr wurdet für den Häuptling hergerichtet, die gute Nachricht, man hat Euch angezogen, also hat das Tier gerade anderes zu tun und wir haben Zeit." Sie hoffte, dass die Frau so wenig zimperlich war, wie sie früher gewirkt hatte. | |||
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'''Autor''': [[Benutzer:Von Scheffelstein|von Scheffelstein]] | |||
"Ich weiß, wer Ihr seid", stieß Richeza zwischen den Zähnen hervor und warf einen Blick zum Zelteingang, um sich zu vergewissern, dass der Alte nicht zurückkehrte. "Hört zu", sagte sie. Sie sprach schnell und mit gesenkter Stimme, aber ihr Blick zeugte von finsterer Entschlossenheit. "Wir müssen hier verschwinden, und zwar so rasch wie möglich. Das wird nicht leicht. Dieses Zelt steht in der Mitte eines Lagers von ein paar Hundert Ferkinaken. Solange es hell ist, besteht keine Hoffnung, dass wir es schaffen. Wir müssen warten, bis die meisten schlafen, und hoffen, dass man uns bis dahin ... Wie auch immer: Seid Ihr verletzt? Nein? Gut. Der Weg durch die Berge wird hart. Wir werden einige Tage unterwegs sein, und ich sage Euch gleich: Wir nehmen nicht den direkten Weg zurück nach Almada. Ich habe noch etwas zu erledigen, hier in den Bergen, und Ihr werdet mich begleiten. Allein werdet Ihr da draußen nicht überleben. Wenn Ihr nicht mitkommen wollt, muss ich Euch hier lassen, aber ich denke nicht, dass das Euer Wunsch ist. Zunächst einmal müssen wir aus dem Lager raus. Ich weiß nicht, wie gut sie das Zelt bewachen, aber das Lager an sich ist bewacht genug, und das Plateau bietet leider wenig Deckung. Für Racheaktionen ist keine Zeit, das muss warten", erklärte sie vorsorglich. "Wir müssen ein Stück rauf auf den [[Djer Kalkarif]] und auf die andere Seite, so schnell es geht." | |||
Sie machte eine kurze Pause, fuhr sich mit der Zunge über die Schneidezähne und warf einen Blick auf die wenige Ausrüstung, die ihr geblieben war und die neben der Zeltwand auf einem Haufen lag. | |||
"Stiefel", sagte sie. "Ihr braucht Stiefel. Oder wenigstens irgendetwas, das Ihr an den Füßen tragen könnt. Und wir brauchen Decken und Nahrung, sonst kommen wir nicht weit. Waffen wären auch nicht schlecht. Ich selbst habe nur einen Dolch. In einem der Stiefel. Den brauchen wir auch, um hier heraus..." Richeza runzelte die Stirn und folgte dem Blick der Comtessa zum Zelteingang. | |||
Die junge Ferkina war zurückgekehrt, lautlos wie eine Katze. Richeza erstarrte. Wieviel hatte die Wilde gehört? Und verstand sie ihre Sprache? Die Frau blickte zu ihnen herüber, aus Augen, dunkel wie Zwergenkohle. Dann huschte sie zu der Seite des Zeltes, an der die Weiber zuvor Richezas Sachen abgelegt hatten, und hob einen Stiefel auf. Den linken. Die Nackenhaare der Edlen sträubten sich. Wenn sie den Dolch fand, war alles aus! Ebenso, wenn sie die Stiefel mitnahm! | |||
"Heda, lass meine Sachen los, du Miststück!" | |||
Die Frau sah kurz auf, blickte zum Zelteingang und wieder herüber. Sie legte ihre Handfläche an die Lippen und bewegte sie dann in Richezas Richtung. Im ersten Moment glaubte die Edle, das Mädchen werfe ihr eine Kusshand zu. Im nächsten erst begriff sie, dass es sie zu schweigen hieß. Zornig verstummte Richeza, während die Wilde sich wieder über ihre Sachen beugte. Den Stiefel hatte sie zurückgelegt, öffnete stattdessen Richezas Gürteltasche, fischte eine Münze aus der Geldkatze und betrachtete sie neugierig. Dann zog sie Nadel und Garn aus der Tasche, Siegelwachs und eine Schreibfeder und öffnete das Tintenfläschchen aus Metall, roch daran, ließ einen Tropfen auf ihren Finger fallen und leckte ihn ab. Richeza verdrehte die Augen über soviel Unverstand. Feuerstein, Zunderdöschen, ein Stück Schnur, eine Haarnadel und ein Kerzenstummel fanden den Weg auf den Boden des Zeltes, ebenso wie ein besticktes Taschentuch, ein Kamm und ein rostiger Hufnagel. Die verbogene Fibel eines längst nicht mehr getragenen Umhangs steckte die Ferkina ein. | |||
Richeza knirschte mit den Zähnen. Das war ja wohl die Höhe! Die Wilde bestahl sie auch noch! Als sie ein Tuchbeutelchen öffnete, hineingriff und ein gekräuseltes Blatt zwischen ihren Fingern zerrieb, erbleichte die Edle. | |||
"Verdammt seiest du, lass ab von meinem Besitz!", fuhr Richeza die Frau auf Tulamidisch an. Die aber leckte sich die Finger ab, roch an dem Beutel, blickte hinein und lachte dann. "Bacha'at", sagte sie und grinste breit. Hilflos musste Richeza mit ansehen, wie die Wilde den Beutel unter ihrem Brusttuch verschwinden ließ. Die Frau stopfte Richezas Habseligkeiten zurück in die Gürteltasche, dann kam sie näher, hockte sich in zwei Schritt Entfernung vor die beiden Gefangenen und musterte sie neugierig. Wieder sah sie zum Zelteingang, dann ergoss sich ein unverständlicher Redeschwall über Richeza und Romina. So schnell sprach die Frau, dass Richeza kein vertrautes Wort ausmachen konnte. Allein "Ras'Ragath" verstand sie, weil es mehrmals fiel. Die Wilde rückte näher, berührte die Comtessa am Fuß. | |||
"Ras'Ragath, aiwa?", sagte sie und blickte von einer Gefangenen zur anderen. | |||
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'''Autor:''' [[Benutzer:Romina Alba|Romina Alba]] | |||
Romina ließ den Redeschwall ihrer Mitgefangenen über sich ergehen, ohne diese zu unterbrechen, nur zu deren Frage, ob sie verletzt sei, schüttelte sie kurz den Kopf. Die Frau war so voller Tatendrang ... Romina schluckte, hatte sie doch schon die Hoffnung aufgegeben, aus eigener Kraft flüchten zu können. Sie dachte an den Knaben mit den goldenen Augen und an seine Worte. Ramin sollte sie ihn nennen, wenn der Name ihr gefallen würde ... - also war es nicht sein richtiger Name. Sie hatte stundenlang darüber gegrübelt, warum er ihr seinen Namen nicht genannt hatte. Vielleicht war er abergläubisch, oder die Ferkinas sollten nicht wissen, wie er hieß. Oder der Name würde ihr etwas sagen ... Etwas, was dieses eigenartige Gefühl erklären würde, das sie in seiner Nähe empfunden hatte. Nun, sie hatte nur versprochen, zu versuchen, auf ihn zu warten. | |||
Sie wendete ihre Aufmerksamkeit wieder Richeza zu und spürte, wie ihre steitzigschen Lebensgeister zurückkehrten. Die Frau hatte Recht, sie mussten hier raus. | |||
Plötzlich war da eine Bewegung am Eingang des Zeltes, unwillkürlich sah Romina hin, und Richeza verstummte. Die junge Ferkina, sie war von Anfang an sehr neugierig gewesen, durchsuchte nun auch Richezas Habe. Sie nahm ein Säckchen an sich, das wohl Tobako enthielt. Romina unterdrückte ein Schmunzeln, als ihre Mitgefangene protestierte: Es war doch so unwichtig, aber so typisch für eine Magnatin. | |||
Dann kam die Frau zu ihr, berührte sie schüchtern und quatschte ohne Ende ... Ras'Ragath, die rote Stadt ... Romina nickte einfach mal und lächelte die Frau warm an. | |||
„Ja, wir kommen aus Ragath ...“, versuchte sie es mit Tulamidya, „verstehst du mich?“ Sie legte fragend den Kopf schief. „Wir wollen dahin zurück, wir könnten dich mitnehmen ...“, sie hatte keine Ahnung, was Richeza dazu sagen würde, doch ohne Hilfe würden sie hier nicht rauskommen, und die Ferkina konnte sich frei bewegen. Sie warf kurz einen prüfenden Blick zu ihrer Mitgefangenen und sah dann wieder erwartungsvoll zu der jungen Ferkina. | |||
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'''Autor''': [[Benutzer:Von Scheffelstein|von Scheffelstein]] | |||
Richeza starrte die Grafentochter entgeistert an. "Was, seid Ihr verrückt? Seid bloß still! Untersteht Euch, dieser Wilden unsere Pläne zu verraten! Bald wird das ganze Lager wissen, was wir vorhaben, dann kommen wir hier nie mehr raus!" | |||
Die Worte der Domnatella kamen ihr in den Sinn: ''Die gute Nachricht: Man hat Euch angezogen, also hat das Tier gerade anderes zu tun und wir haben Zeit.'' Richeza schwieg beschämt. Kein Wunder, dass die Comtessa es eilig hatte, hier wegzukommen. Keine Ahnung, wie sie die Misshandlung durch die Ferkinas hatte ertragen können, sie, Richeza, würde es gewiss nicht. Eher würde sie sterben. Von der Hand der Wilden, notfalls auch von eigener Hand. Und Zeit: Nein, sie hatten keine Zeit! Jeder Herzschlag, der verstrich, war einer, den Praiodors junges Leben weniger zählte. Sie mussten hier heraus, so schnell es ging! Aber sollten sie ihr Leben in die Hände einer Barbarin legen? Ausgerechnet einer Ferkina? Das war doch Irrsinn! Niemand konnte diesen Wilden trauen! | |||
Unschlüssig nagte die Edle an ihrer Unterlippe und musterte die Ferkina, die weiter auf Domnatella Romina einredete, welche ebenso wenig von ihrem Geschwätz zu verstehen schien wie Richeza. Das ging schließlich auch der Wilden auf. Sie verstummte, stellte zwei Finger auf die Handfläche ihrer Linken und bewegte sie abwechselnd vorwärts. | |||
"Ras'Ragath", sagte sie. Dann legte sie den linken Unterarm vor die Brust und stellte den anderen senkrecht dazu in ihre Hand. Langsam ließ sie den rechten Arm mit ausgestreckten Fingern niedersinken, bis ihre Unterarme aufeinanderlagen. Sie legte den Kopf auf die Schulter und schloss die Augen, öffnete sie wieder, winkte aus dem Zelt und sagte: "Ras'Ragath". Erwartungsvoll blickte sie Romina an. | |||
Richeza runzelte die Stirn. Sie musste etwas sagen, bevor die Comtessa sie um Kopf und Kragen redete. Sie musste das verhindern! Jetzt, in diesem Augenblick! Aber sie schwieg, die Lippen wie versiegelt. Und der Augenblick ging vorüber. | |||
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'''Autor''': [[Benutzer:Romina Alba|Romina Alba]] | |||
Romina zuckte mehrmals mit den Schultern - das Geschnatter der Ferkina war ebenso unverständlich wie unerträglich -, als die Wilde sich plötzlich auf eine Zeichensprache verlegte. Kurz schaute sie nochmal zu Richeza und musste schlucken. Sie würde es nicht mit ansehen können, wie das Tier sich auf die stolze Magnatentochter stürzte, sie schänden und vielleicht brechen würde. | |||
Sie biss die Zähne zusammen, schaute zu der Ferkina zurück und nickte in Richtung Zeltausgang. „Ras'Ragath, Ras'Ragath“, wiederholte sie eindringlich, „Mada, wenn es Nacht ist.“ Sie schloss die Augen und legte den Kopf auf die Schulter, öffnete die Augen wieder und nickte zu Richeza. „Wir beide“, sie bewegte das Kinn zu sich und dann wieder zu Richeza, „und du“, mit dem Kinn auf die Frau deutend. „Und ich brauche Stiefel.“ Sie bewegte die Zehen und lächelte. | |||
Ihr Verstand rebellierte - das hier würde niemals klappen! -, doch sie hörte nicht auf ihn, sie mussten beide hier weg, bevor die Männer wieder Zeit hatten - auch die blonden ... | |||
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'''Autor''': [[Benutzer:Von Scheffelstein|von Scheffelstein]] | |||
Die Ferkina grinste Romina breit an und sagte etwas, hob dann den Kopf und sprang erschrocken auf. Die Zeltplane wurde zurückgeschlagen, und der Alte trat herein. Mit giftigem Blick bedachte er seine Stammes-Angehörige und griff nach ihrem Arm. Die junge Frau entzog sich seiner Hand durch einen raschen Rückwärtsschritt, machte eine unterwürfige Gebärde, bückte sich nach Richezas Habseligkeiten und hob sie auf. Richeza verstand nicht, was die beiden sagten - er laut und schrill, sie leise und schnell. Nur das Wort "Shâr" fiel zweimal - von ihr. Dann eilte die Ferkina mit Richezas Sachen auf dem Arm aus dem Zelt. Der Alte fauchte ihr etwas hinterher und bedachte die beiden Gefangenen mit einem misstrauischen Blick zu. Richeza erwiderte ihn nicht, ließ sich erneut auf den Rücken sinken und sah unbeteiligt an die Decke. | |||
Erst als der Alte sich wieder seinen Kräutern, Knochen und Federn zugewandt hatte, warf sie der Comtessa einen wütenden Blick zu. "Wunderbar!", flüsterte sie. "Das haben wir jetzt davon." Doch da der Alte den Kopf hob und herüber sah, verstummte sie, drehte der jungen Frau den Rücken zu und starrte vor sich auf den staubigen Boden, auf dem Ameisen und Käfer frei umherliefen, während sie - ohne Dolch, ohne Stiefel, ohne Ausrüstung - wahrscheinlich niemals lebend dieses Zelt verlassen würde. Dies war schlimmer als Omlad, als sie die Hinrichtung vor Augen hatte, schlimmer gar als die [[Alcazar de Amhashal|Amhashal]], als sie der Willkür des Beys ausgeliefert war! Vielleicht aber war sie inzwischen auch nur zu alt, um länger von der eigenen Unantastbarkeit überzeugt zu sein. | |||
Zweimal kamen die älteren Ferkina-Frauen herein, brachten den Gefangenen Wasser und eine lauwarme, salzige Suppe. Richeza trank nur wenige Schlucke, obwohl sie durstig war und der Hunger an ihr nagte. Zusammengerollt lag sie auf der Seite, tastete vorsichtig nach ihren Fesseln. Diesmal waren ihre Hände vor ihrem Körper gebunden, nicht hinter ihrem Rücken, doch es mochte Stunden dauern, bis sie die Knoten an den Fußfesseln gelöst hatte, und solange der Alte im Zelt war, konnte sie nicht damit beginnen. So begnügte sich Richeza damit zu warten. Steine, Balken, die Tränke des Alten - im Stillen suchte sie nach einer Möglichkeit, sich in ihrer Lage einen raschen Tod zu bereiten, sollte kein anderer Ausweg bleiben. Doch sie hatte wenig Hoffnung, dass ihr das gelingen würde. | |||
Warum nur, dachte sie wütend, geriet sie immer wieder in dieselbe missliche Lage, aus der es kein Entkommen zu geben schien? Andererseits: Sie war entkommen. Jedes Mal. Mehr oder weniger unversehrt. Wie pflegte ihr Großvater zu sagen? ''Das Leben ist ein geduldiger Lehrmeister. Es stellt dir immer wieder dieselbe Aufgabe, bis du deine Lektion gelernt hast.'' Wenn sie hier heraus kam, war es an der Zeit, darüber nachzudenken, was sie das Leben lehren wollte. Falls sie hier herauskäme, dachte sie noch, dann war sie – müde von der Nachmittagshitze, die sich unter dem ledernen Zeltdach staute - eingeschlafen ... | |||
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'''Autor''': [[Benutzer:Romina Alba|Romina Alba]] | |||
Romina sank das Herz, als der Alte wiederkam. Sie beobachtete das Geschnatter der beiden Fekinas durch die niedergesenkten Wimpern - immerhin schien die Frau nichts kapiert oder nichts verraten zu haben. | |||
Ihre Mitgefangene war ebenso ungeduldig wie ungehalten, typisch ... Eigentlich war sie selbst ja auch so, doch die Ungewissheit hatte sie schweigend gemacht. So bedachte sie ihre Mitgefangene nur mit einen undeutbaren Blick, schloss dann die Augen, um wieder inbrünstig zu beten. Sie öffnete sie erst, als Wasser und Nahrung kamen, und im Gegensatz zu Richeza nahm sie alles zu sich, was man ihr brachte. | |||
Sie zog kurz die Augen zusammen, als Richeza nur ein wenig Wasser annahm. "Schwach vor Hunger erträgt sich die Gefangenschaft noch schlechter, geschweige denn die Abreise ..." Sie murmelte die Worte vor sich hin, in ein Gebet eingebettet, gerade als der Alte geräuschvoll einige Wurzeln zerstampfte. | |||
Kurz tastete sie nach dem Banner, dann versank sie wieder in endloses Gemurmel, sie kannte viele Gebete und sie vergaß keinen der Zwölf. | |||
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'''Autor''': [[Benutzer:Von Scheffelstein|von Scheffelstein]] | |||
Der Tag verging wie alle Tage, seit Rominas Gefangennahme. Nur drei Dinge waren anders: Sie befand sich nicht länger im Zelt des Häuptlings, sondern in dem des Schamanen. Der Shâr behelligte sie nicht weiter. Und sie hatte eine Mitgefangene. Die allerdings schien nicht sehr gesprächig. Im Gegenteil: Nachdem die junge Ferkina das Zelt verlassen hatte, hatte die Scheffelstein Romina alsbald den Rücken zugekehrt. Und nun schlief sie seit Stunden, gerade so, als befände sie sich auf dem heimischen Castillo, oder wo immer sie wohnen mochte, und nicht in höchster Gefahr. | |||
Der Alte hatte den ganzen Tag an seinem Tisch gestanden, Kräuter gerupft, Wurzeln gestampft, Pulver zusammengerührt und vor sich hingemurmelt. Am Abend war er für eine oder zwei Stunden verschwunden und erst zurückgekehrt, als es dämmerte. Jetzt schlief er im hinteren Teil des Zeltes. Romina aber konnte nicht schlafen, sein Schnarchen machte es ihr unmöglich. Beim Ausatmen klang es wie das Knurren eines großen Hundes, beim Einatmen hingegen war es so abgehackt, dass sie hoffte, er werde bald ersticken. Vergeblich! Er schnarchte, und schnarchte, und die Scheffelstein schlief und regte sich nicht. Dazu die unerträgliche Hitze im Zelt und der unangenehm muffige Geruch nach Blut, der von einem geschächteten Huhn stammte, das der Alte am Abend neben dem Eingang aufgehängt hatte. | |||
Plötzlich drang ein Luftzug an Rominas Haut. Licht drang durch den Zelteingang, dann wurde es wieder dunkel. Kurz darauf fühlte sie warme Finger an ihren Armen, die höher wanderten, dann legte sich eine Hand auf ihre Lippen. Ein helles Flüstern drang an ihr Ohr, aber sie verstand kein Wort. Die Hände entfernten sich, dann merkte sie, wie etwas an ihren Fußfesseln rüttelte. Kurz darauf waren ihre Beine frei. Eine Hand legte sich auf ihre Schulter. Das Flüstern war eindringlich, aber leise. Sie spürte kühles Metall an ihren Handgelenken, im nächsten Moment war sie frei. Frei! | |||
Eine Hand tastete nach der ihren, Finger schlossen sich um ihre Finger, jemand zog sie hoch. Die Zeltplane wurde zurückgeschlagen, und gegen den schwachen Widerschein von Feuer konnte sie die Umrisse einer Frau ausmachen, die ihr den Eingang aufhielt. | |||
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'''Autor''': [[Benutzer:Romina Alba|Romina Alba]] | |||
Romina versuchte gerade, sich zu entspannen und die Geräusche und Gerüche auszublenden, als sie plötzlich befreit wurde. Sie dachte sogleich an die Ferkina von heute morgen - die Frau war wohl doch klüger als gedacht - doch ihr Herz raste, es konnte ebenso gut eine Falle sein. | |||
Ihr erster Griff war der zum Rossbanner, sie zog das schmutzige Tuch ans Herz und schickte ein Stossgebet zu ... nein, Rondra war jetzt denkbar ungünstig ... zum listigen Phex. | |||
Dann war die Zeltplane offen, sie schaute zu der wartenden Frau, schüttelte energisch den Kopf und deutete auf die schlafende Richeza. Sie würde die Scheffelsteinerin keinesfalls hier zurücklassen, außerdem kannte diese sich hier in den Bergen aus. Und Stiefel brauchten sie ... | |||
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'''Autor''': [[Benutzer:Von Scheffelstein|von Scheffelstein]] | |||
Geduckt huschte Richeza hinter der Ferkina her, die sie von Zelt zu Zelt winkte. Ab und an kamen ihnen Wachen entgegen, junge Männer, bewaffnet mit Speeren oder Äxten. Im Schatten auf dem Boden liegend, warteten die Frauen darauf, dass sie vorüberzogen und sie nicht entdeckten. Die junge Ferkina schien zu wissen, was sie tat, führte Richeza und die Comtessa zielstrebig durch das Lager, vorbei an Wachfeuern und Ziegen, die zwischen kahlgefressenen Wacholdersträuchern schliefen. | |||
Die Nacht war noch jung, die Luft noch warm, aber der Himmel war klar, es würde sich rasch abkühlen. Richeza war davon erwacht, dass jemand sie an der Schulter gerüttelt hatte. Im ersten Moment hatte sie nicht gewusst, wo sie war, dann hatte sie befürchtet, die Ferkinas seien zurückgekehrt. Aber es war nur eine Ferkina: die, die am Nachmittag mit Domnatella Romina gesprochen hatte. Sie hatte sie losgeschnitten. Wusste der Namenlose, warum! | |||
Richeza blickte sich nach der Comtessa um, die zurückgefallen war und etwas aus ihrem Fuß zog, in das sie hineingetreten war. Die Edle bedeutete der Ferkina zu warten, bis die Domnatella aufgeschlossen hatte, dann eilten sie weiter. Hoffentlich entdeckte man ihre Flucht nicht vor dem Morgen! | |||
Die Ferkina führte sie aus dem Lager heraus und einen steilen Felshang hinauf. Zweimal stieß sich Richeza die Zehen und biss sich auf die Lippen. Barfuß durch die Berge, das war Wahnsinn! | |||
"Huna'cha!" Die Ferkina hatte angehalten und deutete auf einen Felsvorsprung. | |||
Richezas Herz schlug schneller. Dort lagen eine Steinaxt, ein Kurzschwert und ein Deckenbündel. Außerdem ihre Gürteltasche und ihre Stiefel! Die Edle schlang sich den Gürtel um den Bauch und schlüpfte in die Stiefel. Ein heller Stich in ihrem Fuß ließ sie zusammenzucken. Ein Skorpion? Angstvoll zerrte sie den Stiefel vom Fuß und schüttelte ihn. Doch es war kein Tier, das zu Boden fiel, sondern eine abgebrochene Feder. Richeza hielt sie sich dicht vor die Augen. Selbst in der Dunkelheit glänzte sie. Es mochte eine der Federn sein, wie Moritatio sie an seinem Hut getragen hatte. Seltsam, was machte die in ihrem Stiefel? Sie hatte den Hut doch während des Gefechts im Castillo verloren. Ob Moritatio und der Streitzig hier gewesen waren? Richeza steckte die Feder in ihre Gürteltasche, um sie sich bei Tageslicht noch einmal zu besehen. | |||
Die Frau hatte derweil einige Felle und Lederschnüre aus dem Bündel gezogen, bedeutete Domnatella Romina, sich zu setzen und band ihr die Felle mit der ledernen Seite nach unten um die Füße. Dann drückte sie der Comtessa das Kurzschwert in die Hand und Richeza das Bündel. Die Edle runzelte die Stirn, nahm den Packen jedoch wortlos entgegen. | |||
"Yalla!", flüsterte die Frau. | |||
Weiter ging es durch die sternenklare Nacht, in der sich die Ferkina mit der Sicherheit einer Katze bewegte, während die beiden Almadanerinnen immer wieder strauchelten oder sich in der Dunkelheit Knie und Füße stießen. Nach einer Weile führte die Wilde sie in eine Höhle, in der es vollkommen finster war. Allein durch den Eingang fiel Licht, so dass sich die Konturen der Frauen gegen den Nachthimmel abzeichneten. | |||
Die Ferkina sagte etwas. Wiederholte, was sie gesagt hatte. Dann legte sie Richeza die Hände auf die Schultern und drückte, bis diese widerstrebend nachgab und sich hinkniete. Das Gleiche tat sie bei Romina. Dann griff sie nach der Hand der Comtessa und legte sie um Richezas Fußknöchel, ging vor Richeza auf alle Viere, griff nach hinten und legte Richezas Hand um ihren eigenen Fuß. Steine und Sand drückten sich durch den Rock hindurch in Richezas Knie, das Brusttuch rutschte ihr von den Schultern. | |||
"Also wirklich!" Richeza stand auf und rückte das Tuch zurecht. "Was soll das jetzt werden?" Sie wechselte ins Tulamidische. "Was soll das? Wo bringst du uns hin? Du glaubst doch nicht allen Ernstes, dass ich jetzt durch irgendwelche dunklen Tunnel krieche?" | |||
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'''Autor''': [[Benutzer:Romina Alba|Romina Alba]] | |||
Es war zu Mäusemelken, alle spitzen Steine und Dornen hatten sich zusammengetan, um sie immerzu in die nackten Füsse zu stechen. Ein Dorn hatte sich tief reingebohrt, es blutete, als sie ihn rauszog. Doch darauf zu achten war keine Zeit, sie stahlen sich zu dritt durch das Ferkinalager und diese Richeza bewegte sich, als hätte sie ihr Leben lang nichts anderes getan. Sie selbst gab sich alle Mühe, lautlos und trotzdem schnell zu sein, doch die beiden anderen mussten immer wieder auf sie warten. | |||
Dann war sie aus dem Lager, die Ferkina hatte, den Göttern sei Dank!, an Waffen gedacht, und Felle um die Füsse waren besser als gar nichts. Sie wog das Kurzschwert in der Hand und stellte sich vor, wie sie... sie schüttelte den Kopf, es war nicht an der Zeit, Rache zu üben. | |||
Und weiter ging es, in eine Höhle - verdammt, hier war es dunkel wie in einem Pferdearsch! Was hatte die Ferkina vor? Vielleicht gab es hier eine Art Durchgang? Sie dachte wieder an Ras'Ragath - dahin wird die Frau sie bringen wollen -, sie hatten Waffen, einen Verrat würde die Ferkina nicht überleben und ... oder ... Sie dachte an den blonden Jüngling - vielleicht steckte der dahinter, aber es war egal. Sie tastete nach dem Banner, spürte, wie Zuversicht sie durchströmte und beschloss zu vertrauen! | |||
Als Richeza protestierte, antwortete sie noch vor der Ferkina: "Sie versteht dich nicht, doch sie hat uns rausgeholt und will uns jetzt wohl in Sicherheit bringen, hoffe ich ..." Sie machte eine Pause, nicht sicher, wie sie den richtigen Ton treffen konnte. "Wir haben Waffen - noch mal bekommen die mich nicht ..." Sie räusperte sich kurz. "Zumindest nicht lebend." | |||
Ihre Stimme wurde weich: "Komm mit uns, das Schicksal hat uns zu Gefährten gemacht. Ich trage das Rossbanner der Heiligen Hadjinsunni bei mir, die Leuin wird uns schützen." Ihre Hand glitt wie schon so oft während der Flucht zu dem gefalteten Stoff im Rocksaum. Sie musste das Banner zurückbringen - sie schluckte trocken - wenigstens das Banner! | |||
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'''Autor''': [[Benutzer:Von Scheffelstein|von Scheffelstein]] | |||
"Die Leuin wird uns schützen!", schnaubte Richeza verächtlich. "So, wie sie den Rossbannerorden geschützt hat, was? Im Übrigen, Domnatella, wüsste ich nicht, dass unsere kurze Bekanntschaft eine derart vertrauliche Anrede rechtfertigen würde." Die Stimme der Edlen klang kalt. "Sollte Euch allerdings nicht bewusst sein, mit wem Ihr es zu tun habt: Richeza von Scheffelstein und da Vanya aus dem altehrwürdigen Fürstengeschlecht da Vanya, Urenkelin der letzten rechtmäßigen Gräfin von Ragath." | |||
Es entstand eine kurze Pause. Als sie weitersprach, klang die Stimme der Edlen versöhnlicher, wenngleich ihr Gesicht in der Dunkelheit nicht zu erkennen war. "Also gut. Es bleibt uns vorerst wenig anderes übrig, als uns auf diese Wilde zu verlassen. Heute Nacht jedenfalls. Morgen werde ich meinen eigenen Wegen folgen müssen." Sie schwieg kurz. "Ihr werdet Euch dann entscheiden müssen, ob Ihr der Ferkina folgt oder ... Euch mir anschließen wollt." | |||
Romina hörte, wie die Edle sich wieder hinkniete. "Yalla!", kam die Stimme vor ihr aus der Dunkelheit und dann: "Dann betet mal schön zu Eurer Leuin, dass die Wilde uns nicht hintergeht. Mir steht wenig danach, die Nacht noch Blut vergießen zu müssen." | |||
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'''Autor''': [[Benutzer:Romina Alba|Romina Alba]] | |||
Romina zuckte bei den Worten erst getroffen zusammen und spürte dann, wie wilde Wut in ihr hochwallte. Beides verbarg die Dunkelheit. Im Grunde genommen hatte sie nichts anders erwartet ... Da Vanya - ihr Vater hatte ihr viel erzählt, auch, dass es sich nicht lohnte diese kindischen Ausbrüche von altertümlichen Stolz bei "alteingesessenen" Almadanis auch nur zu beachten. Trotzdem war es ihr immer schwer gefallen und auch jetzt schluckte sie. | |||
"Ich weiß genau, wer Ihr seid, Caballera", antwortete sie spitz. "Eure Schönheit und Euer Benehmen hat Euch am Hof einiges an Beachtung eingebracht, eine Tatsache die auch an mir nicht vorüberging." Sie schluckte noch mal, ihrer Stimme war Enttäuschung anzuhören. "Ich werde beten und morgen werden wir sehen, wieviel Blut uns noch bleibt." | |||
Sie wandte sich ab, ein leises "Yalla" zu ihrer Führerin, und es ging los ... | |||