Familia del Escarabajo / Familienchronik

Familienchronik

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Familienchronik (verfasst zur Zeit von Kaiser Valpo)

die Waldläuferin Caradel

Lang und ehrenvoll ist die Linie der Escarabajos, gehüllt in Nandusrätsel und stille Loyalität. Ursprung dieser Linie ist's, womit diese Aufzeichnung beginnt. In einer Zeit, als die Praiokraten das Land verbrannten, flohen die Einwohner des Reichs von der Hauptstadt weg und in die Provinzen, ganz gleich ob rechtschaffene Bürger oder zwielichtige Vagabunden. So verließen auch zahlreiche Elfen die Auen des Kosch und flohen in die Wälder und Höhen der Caldaïa. Die meisten verbargen sich vor den Augen der Menschen, aus Arroganz und Angst vor dem Anderen, doch einige öffneten ihre Augen und sahen die Menschen als das, was sie sind: Durchtrieben und wankelmütig zwar, aber lebensfroh und von einer stillen Größe, die in Almada besonders häufig anzutreffen ist. Aus einer solchen Ehe stammte auch die Halbelfe Caradel, eine Jägerin und Läuferin und Heldin ihrer Zeit. Weit reiste sie, durch alle Lande von Ferdok bis Ragath und Eslamsgrund. Vieles sah sie, alte Gräber, gerechte Freiherren, zornige Hexen und ewige Wälder. Sie half, wenn sie zu helfen wusste und schwieg, wenn guter Rat zu teuer war. Nie schlief sie zweimal am gleichen Ort, bis sie eines Tages eine Jagdgesellschaft traf.

Der Landgraf selbst war es, auf der Hatz nach dem Königswidder, einem Tier sondergleichen, mit goldenen Hörnern und einer Wolle weicher als Seide. Sogleich war Caradel bereit, sich der Gesellschaft anzuschließen und erbat sich ein Eidwort des hohen Herrn, wenn es ihr gelingen sollte, den Widder zu haschen. Leichtfertig gab der Landgraf sich einverstanden, als auch schon Caradel über die Heide glitt, getragen von den Flügeln der Elfen. Der scheue Widder aber erklamm die steilsten Hänge und höchsten Gipfel und wieder und wieder misste ihr Strick den Bock. Doch Caradel verzagte nicht und mit dem Zauber der Elfen war es, dass ihr Pfeil sich in die Flanke des prächtigen Tiers bohrte, das Seil nun fest verankert. Mit festem Stand und geübten Armen zog sie nun den Widder von den Hängen und über die Gipfel, bis sie schließlich seine Hörner packen und ihn niederringen konnte.

Der Adlige aber, beeindruckt von ihrer Kraft und Fähigkeit, verlangte das Tier nun für sich, im Gegenzug versprach er, Caradels Rede zu hören und billig stattzugeben. Doch das Elfenblut der Jägerin begann zu klingen und Mitleid überkam Caradel. "Dem Widder lasst sein Leben", bat sie. "Alles, nur nicht das", entgegnete der Hohe Herr, "denn seine Hörner sind aus Gold und seine Wolle wie Seide und für sein Fleisch sind wir gekommen. Wähle etwas anderes." Also wählte Caradel, zukünftig alle Böcke zu retten, die nur flink und scheu genug waren und alle Wege zu kennen und alle Gefahren zu bannen, denn sie konnte die listigen Wölfe und die gefährlichen Räuber nicht ausstehen. Dies gewährte ihr der Landgraf solange sie lebte und in allen Ländern die er beherrschte und machte sie zu seiner Wildhüterin.

Magierkriege

Nun in Pflicht gebunden nahm Caradel sich Sfonzo zum Mann, einen Stierkämpfer aus der Valguzia und so verstrichen die Götterläufe und Caradel erreichte den Höhepunkt ihres Lebens und überschritt ihn. Die ganze Zeit aber war sie als Wildhüterin in den Wildnissen unterwegs, die sonst kein Mensch betrat und dort bannte sie Übel und brachte Frieden. Es war jene legendäre Zeit unter dem weisen Reichsbehüter, in dem das Land blühte und die Felder golden standen und die Taschen der Händler sich beulten vor Silber. Doch in guten Zeiten werden die Leute weich und schwach von Charakter und schon bald vergraulten die Garether ihren besten Regenten seit Menzel oder gar Brigon und Silem. Rohal erkannte aber, dass keine Herrschaft ewig sein durfte und wandte dem Reich den Rücken zu. Fortan suchten ihn zahllose Magier und Gelehrte in seinem Anwesen am Angbarer See auf, um Rat zu suchen und Rohal notierte die Antworten in seinen Gesprächen. Doch das Reich drohte zu zerbrechen an den Zankereien des Adels und der Gier der Magier. Im Königreich der Rahja herrschten nicht mehr die weisen Aguilons und der neue Fürst konnte dem mächtigen Principal der Academia der Hohen Magie, Zulipan von Punin, anfangs nur wenig und schon bald überhaupt keine Widerrede mehr leisten. Der finstere Schüler des Arcomagus Borbarad hatte leichtes Spiel, waren doch die mächtigsten Magier ihrer Zunft mit Rohal ins Exil gegangen.

Doch die Magier aus Gareth, Perricum und Rommilys wollten ihn nicht gewähren lassen und so entbrannte bald ein erbittertes Ringen zwischen Schwarzer und Weißer Gilde, in dem weite Teile von Kosch, Darpatien und Almada verheert wurden. Immer gewaltiger und gewaltiger wurden die Kämpfe, was als vornehme Duelle begann, artete bald aus in die Beschwörung und Beherrschung von den Naturgewalten selbst, Feuerstürme, Fluten, Plagen und marodierende Dämonenchimären entvölkerten ganze Landstriche. In dieser Zeit lebte also die Waldläuferin Caradel, die das Haus Escarabajo begründen sollte und kämpfte gegen jede Kreatur, die sie finden und bezwingen konnte, um ihrem Lehnseid Treue zu leisten. So groß waren ihre Taten, so zahlreich ihre Siege, dass die Kunde bald bis zu Rohal selbst vordrang, der daraufhin die letzte Landgräfin von Caldaïa bat, sie für ihre Dienste mit Stand und Lehen zu entlohnen. Für diese Gunst führt die Familie auch heute noch die Rohalskappe im Wappen. Das Lehen aber liegt in den Heidemooren des caldaïschen Hochlands, denn hier focht Caradel ihren letzten Kampf und band einen gehörnten Diener in seinen Dunklen Bau, unter Gabe ihres Lebens. Und so wachen ihre Nachkommen bis heute dort und ehren das Opfer ihrer Ahnin.

Das Haus Astar

Caradels Kinder, nun von Stand, waren voll Eifer, dem Namen ihrer Mutter keine Schande zu bereiten und weil die Ehe eine gesegnete war, stritten nun viele Kinder ehrlich, wer am besten die elterliche Stube und wer am besten den Bogen der Halbelfe erben sollte. Da waren der mächtige Violante, der brave Honorio, die ruhige Boronya, Solivai so frei wie der Wind, die Rahjablüte Valerosa und der reiche Aurelius. Viele Monde fochten sie, miteinander und gegeneinander, doch nie mit schwarzem Herzen. Schließlich kam es zum Kampf unter Violante, Honorio und Boronya, wobei Violante über Honorio triumphierte, doch nicht ohne Wunden zu erleiden und so war es, dass Boronya das Erbe antrat. Doch den Bogen gaben sie Solivai, denn in ihr war das Elfenblut am dicksten. Boronya aber, um die Wacht für neun Generationen zu garantieren, änderte den Familiennamen zu Scarafjo und das Wappen zu einem Skarabäus und auch der ist bis heute Teil des Wappens. Und auch den Leitspruch, »immer wieder«, stammt von ihr, doch die Blutlinie stammt von Valerosa, denn Boronya hatte keine Kinder und Aurelius' Linie starb vier Generationen später. Solivai hingegen gab das Amt der Wildhüter an Valerosas Kinder und im Alter zog sie in die Wälder zu den Elfen und später in die Elfenlande Weidens. Valerosa ehelichte den Nachkommen eines alten caldäischen Hauses, Astar mit Namen und einem Esel als Wappen, sodass man behaupten kann, dass die Linie Escarabajo bis in die Zeit der Klugen Kaiser zurückreicht. Als Boronya alt und grau war, rief sie den ersten Familienrat ein und legte die Regeln fest, denen die Familie bis heute folgt. Sie entschied, dass in jeder Generation die verschiedenen Mundillos in einem Wettstreit um das Erbe eifern sollten, so wie sie es mit ihren Geschwistern getan hatte und wie auch einst ihre Mutter das Privileg vom Landgrafen erstritt. Doch um den Hausfrieden nicht zu gefährden, sollte die Soberana den Mundillos Prüfungen stellen, wann immer einer unzufrieden ist mit seinem Los und stets müssen die Traditionen von Götterfurcht und Gehorsam an den Soberan gewahrt werden.

Erhebung zum Junker

–kommt noch–

Jetztzeit

Gajad der Geizer (981 - 1027)

Der Halbelf Gajad war das Produkt eines Nebensprungs, sodass er eigentlich der letzte seiner Linie sein sollte, der den Namen Escarabajo führen sollte. Trotzdem hielt er mit in allen Prüfungen, die der Mundillo erbat und selbst, als es galt, gegen Borbarad zu ziehen, schreckte er nicht zurück. Dass der Mundillo dann ausgerechnet bei einer Bildungsreise nach Punin Wegelagerern zum Opfer fiel, sorgte also für einiges Stirnrunzeln. Doch Gajad war der einzige wirkliche Kandidat und wurde nächstes Oberhaupt, nannte sich selbst allerdings Zeit seines Lebens "von Schrotenhof-Falkenflug" statt Escarabajo. Es zeigte sich schnell, dass Gajad klare Vorstellungen davon hatte, was die Familie brauchte und mit eiserner Hand drückte er seine Reformen durch. Nicht nur trieb er die Steuern massiv in die Höhe (während er gleichzeitig Tempelzehnt und Abgaben an den Baron stillschweigend aussaß), der Waldläufer schreckte auch nicht vor Waffengewalt zurück, wenn er das eintrieb, von dem er glaubte, dass es ihm zustand. Statt Selbsterhalt wurde nun auf Ertrag gewirtschaftet, Gajad presste den einen ihr Land ab und verteilte es an andere, wodurch er sich einerseits einige loyale Unterstützer erkaufte, andererseits die Rate an Freien um über ein zehntel verringerte.

Für Handarbeiten und andere Nebengewerbe führte er protzige Titel ein, denen eine bestimmte Tätigkeit exklusiv erlaubt war, während sie allen anderen verboten wurde. Selbst Gajad konnte diesen Wahnsinn nicht zu lange aufrechterhalten, doch bis heute haben sich einige spezialisierte Haushalte erhalten, zu erwähnen wären hier die Korbflechter, Besenbinder, Messerschmiede und die Kacheltöpfer, wobei Letztere zu einem ganzen Handwerksbetrieb von inzwischen über einem dutzend Gesellen gewachsen sind. Als langjährige Wildhüter kennen die Escarabajos die besten Lehmstellen und dank dem Torf aus dem nahen Moor ist Brennstoff weit günstiger zu haben als andernorts. Sein letzter und größter Akt war ein gesamter neuer Acker, der ausschließlich profitablen Pflanzen, meistens Farbkräutern wie Krapp, Färberdistel oder Gelbkraut, vorbehalten war. Bis heute ist das letzte Drittel ungepflügt, so wurde doch Gajad für diese neueste Sklaventreiberei von den bis aufs äußerste strapazierten Fellachen in einem Blutakt zur Rechenschaft gezogen. Es hat bis heute gedauert, bis die Qualität gut genug war und die Kunde sich in der Region verbreitet hat, doch in den letzten Jahren fing der Farbacker an, erste zögerliche Profite abzuwerfen.

Rückblickend kann man wohl zweifelsfrei sagen, dass Gajad keine einzige wirklich gute Maßnahme umsetzte – und doch ist es sein Misthaufen, auf dem der heutige Wohlstand des Guts gewachsen ist. Die vereinheitlichten Felder vereinfachen die Landwirtschaft, aus den einstigen Prunktiteln für seine Speichellecker entstanden ingerimmgefällige Handwerkstraditionen und bis heute ist man sich einig, richtiger Schrotenhöfer ist nur, wer unter Gajad gelitten hat (oder zumindest mit Geschichten über ihn aufgewachsen ist).

Die Zeit unter Domna Alaïa (1002 - heute)

Die junge Alaïa del Escarabajo hatte gerade ihre Fechtlehre beendet und wollte als Schwertgesellin durch das Königreich am Yaquir ziehen, als Gajad von den aufgebrachten Bewohnern des Schrotenhofs äußerst unstandesgemäß aufgeknüpft wurde. Aus einer Kombination von Mitgefühl und Pragmatismus war ihre erste offizielle Handlung, Gajads "tragischen Unfall" stillschweigend unter den Tisch fallen zu lassen und die schlimmsten seiner Regeln rückgängig zu machen. Trotzdem hat auch Alaïa eine eiserne Hand, aber anders als Gajad macht sie davon nur sehr selten Gebrauch, wenn etwas ihr unvereinbar scheint mit Anstand, Ehre und Pietät. Unter ihr hat der Hof wieder seine ehemalige Bevölkerung erreicht (allerdings nicht die Zahl der Freien) und die Bewohner haben sich recht bald damit abgefunden, dass selbst ihre Knechte ein besseres Leben haben können als die Freien unter Gajad, solange sie ihrer Soberana nur nicht negativ auffallen. Alaïa, die in ihrer Jugend nur wenig akademische Bildung genoss, hat ein großes Interesse an alten Chroniken, Märchen und den Geheimnissen "ihres Territoriums", wie sie die Wälder, Hügel und Sümpfe um Jurios gerne nennt.

Seit sie Junkerin ist, steht Alaïa vor dem Sonnenlicht auf und legt sich erst zur Ruhe, wenn das Madamal die Nacht in ein kühles blau taucht. Früher strich sie dann oft tagelang allein durch die Wildgebiete, immer auf der Ausschau nach Gefahren, Geheimnissen und Veränderungen aller Art. Vor einigen Jahren verletzte sie sich aber gefährlich an beiden Beinen, sodass sie mit einem hinkt, während das andere überhaupt nicht mehr zu gebrauchen ist. Jetzt sieht man sie meist auf ihrer alten Stute, ein ruppiges und sehr un-rahjanisches Tier, entlang der Straßen und Fuchswege. Ihre inzwischen beträchtliche Liste an persönlichen Kontakten, Ehrenschulden und Sympathien hilft ihr, immer auf dem neuesten Stand zu sein und auch wenn sie meist nichts mit ihrem Wissensschatz anfängt, wehe dem Unglücklichen, der versucht, Dinge vor ihr geheimzuhalten.