Chronik.Ereignis1045 Der Preis fürs Culminger Land 02

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Grafschaft Südpforte, Baronie Pildek, im Hesinde 1045 BF

Castillo Scheuerflött, im Thronsaal

Autor: BBB


“Warum seid Ihr hier, Culming?”, fragte Peliria von Pildek, Baronin von Pildek, ohne sich lang mit Höflichkeitsfloskeln oder höfischem Geplänkel aufzuhalten. Sie gab sich keine Mühe, ihren Unmut über den Besuch zu verbergen. “Ihr müsstet wissen, dass wir nicht gut auf Euch, auf Eure Familia zu sprechen sind. Warum sollen wir Euch Gehör schenken?”

Algerio da Selaque von Culming hielt den Kopf gesenkt, war vor ihrer Hochgeboren auf ein Knie gesunken. Seine Waffen - Zeichen seines Standes - hatte er abgelegt, um zu verdeutlichen, dass er in durch und durch friedlicher Absicht kam.
Viel hing von diesem Gespräch ab.
Und er wusste, dass er Glück gehabt hatte, überhaupt so weit gekommen zu sein.

“Euer Hochgeboren”, setzte er zu einer Antwort an, jedes einzelne Wort sorgsam abwägend. “Es ist nicht alter Hader, der mich zu Euch führt. Nicht die Vergangenheit. Weder mein Soberan, noch sein Bruder”, vermied Algerio ihre Namen zu nennen, “wissen von meinem Besuch bei Euch. Viel mehr bin ich hier auf eigene Rechnung, habe vor, meinen - wenn auch bescheidenen - Beitrag zu leisten, um alte Wunden zu heilen. Ich möchte Euch Angebot machen”, wagte er sich schließlich aus der Deckung, “ein Angebot der Unterstützung zum beiderseitigen Vorteil.”

Peliria lachte einmal kurz, verächtlich. Dann schwieg sie.
Aber ihr Schweigen war ein gutes Zeichen. Noch hatte sie ihn nicht des Saals verwiesen. Oder schlimmeres.
Also fuhr er fort, ehe sie es sich anders überlegen konnte.

“Domna Peliria, ich weiß nicht, ob Ihr Euch über mich informiert habt. Mein Wort hat kein politisches Gewicht in der Grafschaft, meine Zeiten als Condottiere sind vorüber und meine Heimat, meine neue Heimat, liegt in der Waldwacht. Bei vielen der Probleme, denen Ihr Euch stellen müsst, werde ich keine große Hilfe sein”, versuchte er von vornherein, die Erwartungshaltung klarzustellen. “Aber ich bin Comerciante. Fernhändler, um genau zu sein. Ich habe Kontakte in ganz Almada, dem Mittelreich, Aranien und dem Reich des Horas. Handelskontakte, die gutes Gold zahlen für almadanische Waren. Almadanische Pferde insbesondere.” An ihrem Blick erkannte er, dass sie sein Anliegen verstanden hatte. Dass sie begann, darüber nachzudenken.
Aber eine Absicht war nichts wert, wenn sie nicht kundgetan und in ein Angebot formuliert wurde, und so fuhr Algerio unbeirrt fort: “Ich möchte Euch einen Handel anbieten. Ich biete Euch an, Eure Waren, die Waren der Baronie Pildek und hier insbesondere die Rösser, die Ihr hier züchtet, in ferne Lande zu bringen und zu verkaufen, den daraus resultierenden Gewinn mit Euch zu teilen und so Eure Kasse merklich aufzubessern. Mein Beitrag zum Wiederaufbau.” Für den Bruchteil eines Augenblicks zögerte er, ob er hier enden oder den dafür veranschlagten Preis sofort nennen sollte, aber ihm war klar, dass der gesamte Handel davon abhing, dass die Baronin ihm vertraute. Und die Grundlage für Vertrauen waren Ehrlichkeit und Vorhersehbarkeit.
Also ging es darum, für Domna Peliria vorhersehbar zu sein. Und eine schlaue Frau wie sie wusste, dass jeder Handel einen Preis hatte. Also fuhr Algerio fort: “Im Gegenzug erbitte ich mir militärischen Schutz für meine Handelszüge in den von Euch geführten Landen… und den Erlass von Zöllen auf die Waren, die ich hier einführe. Ich verspreche, ich habe es lange durchdacht, dieser Handel wäre zu unser beiderseitigem Vorteil.”

Kaum waren die Worte verklungen, beugte sich der Berater der Baronin zu ihr und flüsterte ihr etwas ins Ohr. Ihre Hochgeboren verzog keine Miene. Es war schwer zu deuten, ob ihr das Angebot gefiel… und ob ihr Berater ihr dazu riet, es anzunehmen, oder den Händler vom Hof zu jagen.
Doch ein vages Gefühl sagte Algerio, dass hier und heute nichts zu holen war.

“Militärischen Schutz”, wiederholte die Baronin schließlich die Worte des Waldwachter Edlen. “Ist das Euer neues Einfallstor in meine Lande, Culming? Nachdem Ihr das Land geplündert habt, wollt Ihr nun damit fortfahren unter dem Anschein eines Handels?”
Ihre Stimme klang zornig, auch wenn ihr Gesicht keine Regung zeigte.

“Euer Hochgeboren, Ihr missversteht…”, setzte Algerio an, doch ihm war klar, dass er auf verlorenem Posten stand.

“Tun wir das?”, unterbrach ihn die Baronin entsprechend, mit einer Geste der Hand bedeutend, dass er nun zu schweigen habe. “Ich denke, wir verstehen ganz gut. Wir haben Euch zugehört und Euch ausreden lassen. Damit haben wir den Gesetzen Tavias Genüge getan. Legt Euer Angebot schriftlich nieder, überreicht es meinem Castellan und dann verschwindet aus meinen Landen. Kehrt nicht wieder zurück, ehe Ihr dazu eingeladen wurdet, Culming. Ihr seid entlassen!”

Die Worte trafen mitten ins Herz, die Enttäuschung saß tief. Aber… Algerio erkannte, wenn er einen Kampf verloren hatte. Und er wusste, ein einzelner verlorener Kampf hatte nur selten Auswirkungen auf den Ausgang des Krieges.
Also schluckte er die Worte herunter, die ihm auf der Zunge lagen, verneigte sich tief. “Habt Dank, Euer Hochgeboren”, waren die einzigen Worte, die über seine Lippen kamen, eher er sich erhob und den Saal verließ.