Chronik.Ereignis1045 Der Preis fürs Culminger Land 01

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Grafschaft Ragath, Baronie Dubios, im Efferd 1045 BF

Auf der Reichsstraße II, kurz vor Heldor

Autor: BBB

Auch wenn der Sommer schon weit vorangeschritten war: es war noch immer sehr warm. Die Praiosscheibe stand hoch am Himmel und blickte in all ihrer Pracht herab auf die kleine Reiterschar, die erst am gestrigen Tage aufgebrochen war, um von Tyras her kommend das Edlengut Selkethal in der Waldwacht zu erreichen.

Aber man kam nur langsam voran.

Der Zustand der Reichsstraße II war hier schlecht. Immer schon gewesen. Zahlreiche Schlaglöcher verhinderten ein schnelleres Reisen, wollte man nicht die Gesundheit der Pferde und damit letztlich die eigene gefährden. Zudem war der Boden so trocken, dass jede Gangart außer dem Schritt viel Staub aufwirbelte.
Entsprechend großen Abstand hielten die einzelnen Reiter zueinander, was jegliches Gespräch erschwerte.

Algerio da Selaque von Culming, der die kleine Gruppe anführte und an der Spitze neben Gwena ya Pirras ritt, hatte den Caldabreser tief ins Gesicht gezogen und ließ die Zügel locker. Er hatte es nicht eilig. Von außen konnte man den Eindruck gewinnen, dass der Edle des Selkethals in einen tiefen Schlummer gesunken war. Doch auch wenn er die Augen geschlossen hatte, darauf vertraute, dass sein Streitross Prinz den Weg allein finden würde, war er hellwach.

Der Erwerb eines neuen Pferdes aus der Zucht auf Tyras erfreute ihn noch immer. Es war ein besonderes Pferd. Eines jener legendären Rösser, die direkt von Tharvun abstammten. Und von nun an war es in seinem Besitz. Sogar in seiner Zucht. Seiner noch nicht begründeten Zucht, aber das war ein Thema für ein andermal, denn so ganz konnte er es noch immer nicht fassen. Zuchtrechte an einem von Tharvuns Nachkommen.
Der Gedanke ließ ihn fröhlich und zutiefst zufrieden lächeln.

Dom Rasdan hatte angeboten, das Pferd bis ins Selkethal zu liefern - was Algerio dankend angenommen hatte. Allerdings war diese Übereinkunft politisch und keinesfalls pragmatisch motiviert gewesen. Am liebsten hätte Algerio das Pferd sofort mitgenommen - oder es zumindest anderweitig und schneller liefern lassen. Aber auf diese Weise hatten die beiden Adligen eine Gelegenheit für ein weiteres Treffen - nur die Götter wussten, was sich eventuell daraus ergab.
Aber je mehr er darüber nachdachte, umso mehr reifte eine Idee in ihm heran. Pferdezuchten wie die der Vascara waren zeitaufwendig und betreuungsintensiv. Wenn es sich um Pferde wie die aus der Linie Tharvuns handelte - oder auch beispielsweise die Dillwisch Rösser der Baronie Pildek, denen man nachsagte, dass das Blut eines echten Einhorns in ihren rann - dann nahm man als Kaufinteressent gern den weiten Weg auf sich. Aber solch seltene Rassepferde waren auch definitiv etwas für die Kundschaft des Handelshaus vom Stein, die überall im ganzen Reich und darüber hinaus zu finden war. Und wenn man sich zusammentat, wäre dies zum Vorteil aller Beteiligten.
Die Züchter hätten einen Zugang zu zahlungskräftigen Kunden, zu denen sie sonst aufgrund der räumlichen Distanz nie durchdringen würden.
Und das Handelshaus hätte eine neue, sehr exklusive Ware, die seinen Ruf festigen würde.

Zufrieden lächelnd setzte Algerio seinen Weg fort.
Die Reise hatte sich in jeglicher Hinsicht gelohnt.