Chaidarion
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Eine der ältesten, gefährlichsten und meistgehassten Bewohnerinnen Almadas war die Riesenlindwürmin Chaidarion, die im Eisenwald lebte und nahezu das gesamte Mittägliche Königreich und die angrenzenden Gebiete als ihr Jagdrevier ansah. Als auf den Brigellafeldern von Brig-Lo die II. Dämonenschlacht geschlagen wurde, war Chaidarion bereits lange geboren und seither tauchte sie viele Dutzend Male über den besiedelten Gebieten der Menschen auf und verbreitete bei ihrer Jagd auf Beute und Schätze Angst und Schrecken.

Äußeres
Wenn Chaidarions Schatten den Himmel verdunkelte, brachte sich fast jedes zwei- oder vierbeinige Wesen so schnell in Deckung wie es konnte, denn die Würmin war mit ihren drei feuerspeienden Häuptern, einer Gesamtlänge von fast 36 Schritt von den rauchenden Nüstern bis zur Schwanzspitze und dem Gewicht mehrerer beladener Ochsenfuhrwerke eine sehr imposante und verängstigende Erscheinung.
Ihren sechs Augen entging im Flug selbst aus großer Höhe fast nichts. Dazu kam noch ein Geruchssinn, der warmblütige Lebewesen schon am Angstschweiß orten konnte. Ihr im Sonnenlicht grün-golden schillernder Schuppenpanzer wies einige kahle, vernarbte Stellen auf - teils eine normale Alterserscheinung, teils auch erbitterten Kämpfen mit anderen (zumeist männlichen) Drachen geschuldet, die alle paar Menschengenerationen über dem Eisenwald kreisten, in der Hoffnung, sich mit Chaidarion paaren zu können, die sich jedoch ausnahmslos abwies. Ihre letzten Götterläufe auf Dere lahmte sie am linken Vorderbein, dort, wo sie die wundertätige Axt von Caralus dem Löwen verletzt hatte. Der damalige Baron Konnar vom Berg hatte ihr eine Falle gestellt, letztlich jedoch ohne Erfolg. Die Behinderung hinderte sie jedoch nur beim Laufen, was ohnehin nicht zu ihren bevorzugten Fortbewegungsmethoden gehörte.
Curriculum Vitae
Chaidarion war eine direkte Nachfahrin einer Kreatur aus dem Zeitalter des Gottdrachenkaisertums von Zze Tha - sie wurde vermutlich bereits zur Blütezeit des Almadinen Emirates unter der Regentschaft Ashulabs des Ehrgeizigen geboren, als der sagenumwobene Drachenorden noch großen Einfluss in Al'Mada besaß.
Als ihre Wohnstätte galt der Hohe Schneewig, ein etwa 1.900 Schritt hoher, gletschergekrönter Berg im zentralen Eisenwald an der nordmärkisch-almadanischen Grenze, den die Erzzwerge Gragatoschox nennen (Rogolan: wertloser Stein) - weswegen kein einziger ihrer Stollen und Tunnel zu diesem Berg hinführt.
In ihrem 1200jährigen Dasein flog Chaidarion mehrere Dutzend Angriffe auf menschliche und zwergische Ansiedlungen, vor allem in der Waldwacht und im nördlich anschließenden Isenhag und im Tal des Großen Flusses. Aber selbst über der Capitale Punin und dem zentralen Yaquirtal wurde ihre bedrohliche Silhouette schon am Himmel gesichtet.
Die drachenhassenden Angroschim unternahmen viele Anstrengungen und Versuche, dem Untier den Garaus zu machen, selbst eines ihrer sagenumworbenen Drachentöter-Spießgespanne soll sich vor einigen hundert Götterläufen schon auf den Hohen Schneewig hinaufgewagt haben. Viele ambitionierte und hoffnungsfrohe Lindwurmjäger ließen bei der Hatz auf sie im Eisenwald selbst ihr Leben oder wurden vom Jäger zum Gejagten. Der Drachenwarn- und Spähturm des Nestes Thausand in Bangour ist vielfach brandgeschwärzt vom Feuerodem der attackierend anfliegenden Würmin.
977 BF tötete sie bei Königlich Jennbach die Angroschna Bulgi Tochter der Tiruscha, Gemahlin des Zwergengrafen Rabosch Sohn des Reshmin und Mutter der späteren Gräfin Groschka Tochter der Bulgi.
Im Efferd 1022 griff sie die alte Fürstenburg Viryamun an, woraufhin sich auf Befehl des erzürnten Grafen Rabosch ein großes Kontingent an Almadaner und Koscher Lindwurm-Hetzern in Taladur sammelte, um Chaidarion herauszufordern. Durch ein von den Ambosszwergen angefertigtes Replikat der Axt von Caralus dem Löwen, die Chaidarion in ihrer drachischen Jugendzeit vor tausend Jahren schon einmal verletzt hatte, gelang es dem Descendientes-Baron Konnar vom Berg, Chaidarion eines ihrer drei Häupter abzuschlagen und sie an der Tatze des linken Vorderfußes zu verletzen.
Erst Mitte 1048 BF gelang es einer großen Jagdgesellschaft rund um Groschka, Tochter der Bulgi, die einer 20-köpfigen Waldwachter Schar vorstand, und Hochkönig Albrax, Sohn des Agam, der weitere 20 Krieger inklusive Gandrixa, Tochter des Ghambir befehligte, sowie etwa 30 weiteren Recken die Drachin in eine Falle zu locken. Nach hartem Kampf gelang es Groschka Chaidarion ihre drei Köpfe vom Haupt zu schlagen und die Drachin so zu töten.
Chaidarions Hort auf dem Gletschergipfel des Hohen Schneewigs soll große Kostbarkeiten und einige bedeutende Kleinodien und Herrschaftsinsignien sowohl menschlichen wie auch zwergischen Ursprungs beinhalten. Einem den Menschen der Waldwacht weitestgehend unbekannten, aber unter den Zwergen der Region weit verbreiteten Gerücht und Vorurteil nach, soll der Grundstock des Hortes unheiliger grolmischer Machart sein. Einst nämlich, als die Zwerge die hinter den Feuerfällen von Algormosch gelegene und heute untergegangene Grolmenstadt Corumbra belagerten, sollen deren kleine feilschende Bewohner heimlich einige ihrer verfluchten Schätze gerettet und auf dem Gipfel des Hohen Schneewigs verborgen haben - wo sich viele tausend Jahre später die Wyrmin niederließ.
Charakter
Anders als andere Drachen wie etwa Greing Scharfzahn im Kosch, Agapyr im Raschtulswall oder Shafir der Prächtige im Horasreich, kommunizierte Chaidarion fast nie mit den Menschen und Zwergen, obwohl sie fast alle lebenden und toten Sprachen beider Völker beherrschte. Die wenigen Lindwurmhetzer, die eine Begegnung mit ihr überlebten, berichteten später übereinstimmend, Chaidarion mit drei verschiedenen Stimmen durchdringend und schrill im Inneren ihrer eigenen Gedanken sprechen gehört zu haben, was schnell zu starken Kopfschmerzen und Schwindelgefühlen geführt habe. Sie maß dem Leben eines Menschen oder eines Zwerges scheinbar in etwa den Wert bei, wie ihn diese selbst für Fliegen oder anderes Ungeziefer empfinden - sie zu auszulöschen und zu töten, bedeutete ihr nichts.
Dabei gereichte es den Almadanis zu großem Vorteil, dass die drei Häupter und drei Gehirne Chaidarions oft unterschiedlicher Meinung waren und im steten Wettstreit um die Vorherrschaft über ihren Leib. Mitunter sah man die Würmin mitten im Flug oder sogar während eines Angriffs abrupt die Richtung wechseln, wenn plötzlich ein anderes Gehirn die Oberhand gewann und ein anderes Ziel für erstrebenswerter hielt. Auch 'charakterlich' soll sie eine dreifach gespaltene Persönlichkeit gewesen sein, die selten mit ihren beiden anderen Ichen einer Meinung war.
Ebenso war es von zweifelhaftem 'Vorteil' für die Menschen des Mittäglichen Königreiches, dass Chaidarion ganz Almada und auch einen Teil der nördlich angrenzenden Flusstäler für ihr alleiniges Jagdrevier hielt, in dem sie keinen anderen drachischen Eindringling duldete. Da die Gattung der Riesenlindwürmer fast ausgestorben ist und es vor allem nur noch sehr wenige Weibchen dieser Spezies gibt, kam es alle 50 oder 60 Jahre vor, dass sich ebenso riesige männliche Riesenlindwürmer zur Paarungszeit aus den Drachensteinen, den Sichelgebirgen oder dem Tiefen Süden Aventuriens auf den Weg nach Almada machten, um um Chaidarion zu werben und ihre Gunst mit drachischem Imponiergehabe zu gewinnen. Aber auch sie wurden von Chaidarion zunächst einmal als Fressfeinde und Reviereindringlinge angesehen und bekämpft - in 1.000 Jahren soll Chaidarion nur ein einziges Jungtier geboren haben, das sich inzwischen aber glücklicherweise längst ein eigenes Revier im Süden Aventuriens gesucht hat. Nur der Taubentaler Höhlendrache Faraldur und einige Tatzelwürmer wurden von Chaidarion als - aus ihrer Sicht - hoffnungslos unterlegene und harmlose Kreaturen in ihrem Revier geduldet. Wie sich ihr Ableben in Zukunft auch in dieser Hinsicht auswirken wird, bleibt derzeit offen...
Geschichten und Artikel über Chaidarion
Die finale Jagd auf Chaidarion kann im Szenario "Epilog - Die Jagd auf Chaidarion" im Begleit-PDF Ein Thron aus Adamant nacherlebt werden.