Alrik Hal Groterian
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Alrik Groterian ist ein Mitglied der gleichnamigen Garether Patrizier-Dynastie und ohne jede Chance, jemals eine wichtige Position in der großen Familie einzunehmen. Bekannt ist er aber als Alrik der Pflanzer. Diesen Namen pflegt er selbst, seit er zu Peraine gefunden hat und ein Akoluth ihrer Kirche geworden ist.
Äußeres
Alrik ist nicht ganz groß und nicht ganz dünn, bei kurzem Haar und gelegentlich anwachsenden Koteletten. Er trägt mit Vorliebe entweder die klassische Akoluthentracht der Perainekirche oder eine durchaus stabilere Reisekleidung mit trittsicherem Schuhwerk, Wickelgamaschen, knielangen Lederhosen und ebenso bequemer wie wetterfester Oberbekleidung, dazu etwas Ornamentik oder eine Anstecknadel, die seinen Status enthüllt.
Curriculum Vitae
Als junger Groterian ohne wirkliche Perspektive und einer starken Abneigung gegen die Familienraison, dafür aber mit jeder Menge Handgeld ausgestattet, avancierte Alrik zu einem Sorgenkind der Dynastie, das man nach Außen hin am besten nicht groß erwähnte, das intern aber Gegenstand vieler Diskussionen und Domestizierungsversuche wurde. Alrik war ein hervorragender Glücks- und Falschspieler, ein wortreicher Betrüger, ein geschickter Dieb und Einbrecher. Ein Lebemann auf Kosten anderer, ein Jünger des Rauschs, der die Leere des eigenen Seins kurz vergessen machte.
Im Rausch war er auch in dem Moment, der ihn dazu brachte, sein Leben radikal zu ändern. Es war noch fast dunkel in seinem wüsten Kämmerchen, die Morgensonne warf einen warmen Strahl durch die offene Dachluke. Alrik hatte die restliche Nacht nicht schlafen können. Noch immer entfaltete das teure Kraut seine Wirkung, das ihn und seine namenlose Gespielin, die gerade nackt und reglos neben ihm zwischen den Decken lag, die dunklen Stunden über hatte rammeln lassen wie die Kaninchen. Noch jede Menge Alkohol war hinzugekommen und einige der Spezialtropfen des Wirts, und Alrik hätte auch ohne die Akrobatik kaum gewusst, wo oben und unten war. Gerade überlegte Alrik, wie es wohl wäre, kopfüber an der Decke entlangzulaufen und ob er gegebenenfalls wie eine Katze auf allen Vieren landen würde oder eher auf dem Rücken läge wie ein Käfer. Ein Klappern zu seiner Rechten ließ ihn aufschrecken. Seit wann klapperte seine Gespielin wie ein ... so ein Ding, mit Federn? Sie war wohl aufgewacht, vielleicht könnte man jetzt nochmal ... Nein, konnte man nicht. Denn neben ihm im Bett, anstelle des liegenden nackten Leibs, stand ein angefederter ... Vogelding! Prinz Storcho. ... So ein Ding eben, groß und weiß, mit rosa Stelzen und rotem Schnabel, kräftig und spitz, und ach ja, nach hinten raus war der Vogel doch nicht nur weiß, sondern schwarz. Storch.
"Storch!", rief Alrik frei heraus.
"Alrik Hal Groterian!", storchte es zurück.
"Heißa, der Vogel kann sprechen!"
"Alrik Hal Groterian!"
"Eh, ja, der bin ich! Verzeih, Storch, ich rätsele, weshalb du in meinem Bett bist, weshalb du sprichst, und ich rätsele, wie sich deine Stimme anhört."
"Wie geschmolzene Butter mit Kieselsteinen.", sprach das Vogelvieh.
"Ja, woher weißt du ...?"
"Ich weiß, was du denkst. Du denkst ziemlich viel Unsinn, Alrik Hal Groterian."
"Hal sagt eigentlich niemand zu mir."
"Auch Groterian soll dich ab jetzt niemand mehr nennen!"
"Moment! Jetzt reicht's aber! Ich lasse mir doch von einem Storch nicht den Namen nehmen!"
Blitzschnell stieß der Storch mit seinem Schnabel zu. Alrik durchzuckte ein Schmerz und er sah die Wunde zwischen Daumen und Zeigefinger seiner rechten Hand. Ein Storch auf dem Dach. Zwei Storch auf dem Dach. Jetzt trat Blut aus. "Au! Wieso?"
"Halte den Mund und höre mir zu!", kieselsteinte der Storch nun mehr, als er butterte. "Dein ganzes Tun und Sein ist weniger wert, als unten bei dir rauskommt. Du bist Schmutz und machst Schmutz. Ändere dein Leben, Alrik! Ich weise dir jetzt und nur dieses eine Mal einen Weg: Mache etwas mit Pflanzen! Mache Nahrung! Ernähre Menschen! Und wenn du schon deine Schmutztalente nutzen musst, dann hilf wenigstens den Menschen damit!"
Alrik hing in Gedanken gerade wieder unter der Decke; vielleicht konnte er ja auch fliegen? Solcherart abgelenkt, kam seine Antwort zögerlich. "Wie meinst du das, Storch? Soll ich ... soll ich Möhrchen?"
Der Storch schwieg für einen kurzen Moment. Alriks Blick in dessen schwarze Augen verriet Alrik nichts. Es ist schwierig, die Mimik eines Storchs zu deuten. Ob er erzürnt war oder bedauerte, hier mit einem Vollpfosten in einem Bett sein zu müssen. Ob er vielleicht einfach wegen der Möhrchen überlegte. "Ja, Möhrchen".
"Oh!", "Und wenn ich das gar nicht kann, so ... Möhrchen ... pflanzen?"
"Probiere es aus! Du wirst schon sehen! Sei der neue Alrik! Und damit du meinen Schnabelzeig nicht vergisst, hast du ein Mal erhalten. Die Wunde da wird sich jedes Jahr am gleichen Tag wieder öffnen."
Alrik wusste nichts mehr zu sagen. Sein Blick ging zur sonnenbeschienenen Stelle an der Wand, durch die soeben ein Schatten huschte, während von jenseits der Dachluke Flügelschlagen zu hören war. Alrik überkam ein ganz merkwürdiges Gefühl, das er schon lange nicht mehr erlebt hatte. So etwas wie Hoffnung schwang darin mit, aber er konnte es nicht greifen. So als wäre das Gefühl nicht in Reichweite, sondern wie in eine kleine Kiste gesperrt, und er müsste noch den Schlüssel im Schloss drehen. Was ihn jetzt aber unvermittelt ergriff, beinahe auf den Kopf (oder die Füße) stellte, war eine Klarheit im Denken. Sein Blick nach rechts: Der Storch war weg, die Gespielin da. Er weckte sie grob, stand auf, zog sie aus dem Bett. "So, Schluss mit Vögeln! Hier sind deine Sachen! ... Da! ... Und da! ... Und jetzt raus mit dir!" Die Frau fluchte, aber zog sich an und war im nächsten Moment durch die Tür. Alrik zog sich in aller Ruhe an. Er würde es jetzt ausprobieren! Zu seinem ältlichen Verwandten Geppert Groterian konnte er nicht. Der war in Hahnendorf, weit außerhalb Gareths, und zudem trieb er sich oft um. Außerdem war er ein Groterian - "Auch Groterian soll mich niemand nennen", flüsterte er. Der nächstbeste Perainetempel musste es auch tun. Der würde schon ein Beet haben. Oder vielleicht irgendein Beet, an dem zufällig gerade ein Perainegeweihter rumstand. Alles einerlei. Er würde es jetzt ausprobieren!
Noch früh am selben Morgen: Ein Beet, ein Perainegeweihter. Der Geweihte hatte eigentlich schon gern gehen wollen, denn die frühe Feldpflege war getan und der Kräutertee drückte, aber ein Schäfchen namens Alrik war durch das Beet getrampelt und erforderte Aufmerksamkeit: "Gebt besser Obacht! Ein Beet mag gut behandelt werden! Es heiß nicht umsonst: 'Mit eurer Hände Arbeit' statt 'Macht mit euren Füßen Arbeit'!"
Alrik wähnte sich dadurch bereits inmitten der Lektion. "Euer Gnaden, verzeiht! Ich möchte es gut tun."
"Ja, das ist löblich! Und nun kommt, ich führe euch aus diesem Irrgarten. Ich müsste nämlich ..."
"Verzeiht, aber ihr müsst mir unbedingt ..."
"Kommt mir nicht mit 'müssen'! Das ist ein schlechtes Wort gerade!"
"Verzeiht! Ich bitte euch inständig, zeigt mir, wie man Möhrchen pflanzt!"
"Später vielleicht?"
"Nein, bitte jetzt sofort! Ihr müsst's ... bitte zeigt mit nur kurz, wie es geht, und ob ich's dann gut gemacht habe! Ich hatte eine Erscheinung am Morgen!"
"Mir scheint eure Anfrage etwas merkwürdig. Ihr seht auch nicht aus, wie jemand, den der Ackerbau interessieren müsste oder würde. Mir scheint aber auch, euch pressiert's mindestens so wie mich! Also werde ich es euch zeigen ..."
"Und mitteilen, wie ich mich anstelle!"
"... und euren Versuch bewerten, wenn's so sein soll. Aber wir halten es hurtig und danach ziehen wir ohne viele Worte unserer Wege!"
"Heißa! So sei's!"
"Also schaut her! Es ist Frühling, weshalb ich tatsächlich einige Sämlinge in meinem Rock trage."
"Möhrchen!"
"Amtliche Karotten! Aus diesen Sämlingen werden Karotten - aber ich sehe euren Blick! Wir nennen sie nun Möhrchen, und falsch ist das auch nicht. So, und nun schaut her, hier haben wir eine freie Stelle im Beet. Ihr müsst euch eine gerade Linie denken - ihr könnt von Anfang bis Ende auch einen Faden spannen. Nun nehmt ihr Mittel- und Zeigefinger eurer Hand steckt sie in immer gleichem Abstand in die Erde. Ja. so. genau! Halt, nun nicht weiter, es geht ja nur ums Ausprobieren! Nunmehr habt ihr also Mulden in der Erde. Dort hinein jeweils einen Sämling. Ja, so, nein, mehr als einer ist nicht erforderlich. Ja, gut, so wird dann eine Möhre daraus! Am besten, wenn ihr das zukünftig noch einmal tun solltet, sucht ihr euch einen sandigen Boden. Als keinen Sandboden, aber sandiger als dieser hier darf es schon sein. Den mag die Möhre mehr. Und Wärme mag sie auch."
Alrik lächelte, aber er blickte den Geweihten an und schien damit auch nicht mehr aufhören zu wollen. Der Geweihte begriff die Bedeutung der Stille und dass er nun wirklich dem Kräutertee Tribut zollen musste. "Ja, ihr habt das sehr gut gemacht!" Und zur Sicherheit ergänzte er: "Mir scheint, ihr habt wahrlich einen grünen Daumen! ... Das sagt man so, wenn jemand wirklich Talent hat."
Alrik strahlte über beide Backen. "Habt Dank! Ihr wisst gar nicht, was mir das bedeutet!"
"Ja, schön! Das ist wirklich schön! Ihr solltet noch viele Möhren pflanzen! Und jetzt entschuldigt mich! Ich habe es wirklich eilig!", sprach der Geweihte seine letzten Worte, lüpfte die Robe und entschwand in hohem Tempo.
Alriks Gedanken rasten. Auszusprechen oder gar zu denken wagte er es nicht, aber er hatte durchaus einen Eindruck, welcher Art Erscheinung das in seinem Bett gewesen war: Der Namenlose war's gewiss nicht! Er hatte einen Auftrag erhalten, soviel war jetzt klar. Der Geweihte eben hätte ihm gern noch mehr erzählen können, aber es war, wie der Peraine-Storch gesagt hatte: man hatte ihm die Eignung bestätigt. Es war ganz merkwürdig! Wieder ereilte ihn dieses kaum je gekannte Gefühl, das zu begreifen immer noch etwas fehlte. Noch war die kleine Kiste geschlossen. Aber es war irgendwie wunderbar! Alles andere erschien so unwichtig! Da stand er nun, die Finger schmutzig, und wusste und flüsterte: "Wenn ich jetzt loslasse, dann wird sich alles ändern. Ich kann Alrik sein. Ohne die Familienlast. Ich kann Alrik der Möhrchenpflan... ich kann Alrik der Pflanzer sein!"
Somit war's entschieden!. Ein Gang zurück ins Kämmerlein, dort Kleidung und etwas Bares gerafft und nichts hinterlassen. Ein Pferd! (War das nicht sehr Groterianisch?) Doch, ein Pferd, sein Pferd, das musste schon sein, denn er wollte sicherstellen, von der Familie nicht sofort zurückgeholt zu werden. Es galt, Abstand zu gewinnen! Ein Gang zum Gestüt, so viel Zeit musste noch sein, und das Pferd unter den Hintern geklemmt. Und nun, wohin? Im Zweifel in die Wärme, gen Praios!
Und so vergingen die nächsten Tage. Das Pferd trabte, Alrik saß, der Hintern schmerzte. Alle zig Meilen fragte Alrik an einem Gehöft, so es direkt am Wegesrand lag und irgendwie "richtig" aussah: Ob man denn die Familie Groterian kenne? Die Antwort stets die gleiche, denn die Familie ist uralt und ihr Schaffen durchzieht Garetien wie eine Goldader ein Gebirge, in dem noch keine Zwerge gewesen sind: Ja, man kenne die Familie Groterian! Wieder und wieder fragte Alrik, bis hinab nach Caldaia und etwas darüber hinaus. Und dann, am ragatischen Örtchen Trigo, geschah es!
Der mürrische Landmann saß im Schatten einer Akazie und hatte den Fremden auf seinem abgemagerten Pferd zur Begrüßung gleich einmal orientiert: "Damit Ihr's wisst und vorbereitet seid, Fremder: die Yaquirtaler sind deka irgendwas, die Waldwachter sind Zwergenpack und die Garetier haben uns Caldaia weggenommen!"
"Das ist gut zu wissen, guter Mann, und ich hoffe, dass es mich dorthin nie verschlagen möge!", entgegnete Alrik, hatte aber eine Verbesserung parat: "Ich hatte in Erinnerung, dass es Kaiser Eslam war, ein Almadaner, der Caldaia an Garetien verschenkte. ..."
"Was erdeisdingst ihr euch, Fremder?! Stehlt euch fort mit euren üblen Falschnachrichten!" Geifer flog, ein Stein dazu, der Alrik nur knapp verfehlte! Alrik, war von dieser Vehemenz überrascht und wollte mit seinem Pferd schon in sichere Entfernung traben. Da fiel ihm ein, dass der Mann offensichtlich viel wusste (bis auf die Angelegenheit mit Eslam) und stellte seine Frage.
"Grotiwas?! Nein, so jemanden haben wir hier nicht!"
"Heißa! Wie wunderbar! Am liebsten möchte ich euch umarmen!", schrie Alrik vor Freude, sodass sein Huftier einen Satz in Richtung der Akazie machte.
Dem Landmann wurde dies leicht unheimlich zumute, seine Rechte tastete nach einer an der Akazie lehnenden Mistgabel, wobei er den Fremden nicht aus den Augen ließ. "Sagt, seid Ihr vielleicht dumm? Oder ... gefährlich?"
Alrik merkte die Verstimmtheit des Glücksboten zwar, wollte darauf aber nicht groß eingehen. Hier endlich könnte er vielleicht sein Glück versuchen! "Lasst sein, ich will euch nichts. Ich möchte etwas pflanzen! Ja, das möchte ich! Wo kann ich das tun?"
Der Landmann entgegnete nichts. Er fixierte Alrik mit eisigem Blick.
"Vielleicht euer Gehöft? Das, auf dem Ihr arbeitet und lebt!"
Welche Anbahnung war dies?! Der Landmann wurde nun unsicher, aber er wollte sicherlich keinen Grotiwasfrager in seiner Heimstatt, "Peraine hilf!"
"Ja!"
"Wir haben einen Tempel! Mama Selea wird euch helfen! (Oder euch den Hals umdrehen!)"
"Mama?"
"Ihre Gnaden. Da lang, immer geradeaus!"
Und so näherte sich Alrik unaufhaltsam seiner Bestimmung. Tatsächlich fand er die Geweihte, die hier alle Mama Selea nannten, auf einem Feld stehend. Sie lächelte, als er an sie herantrat. Genauso hatte sich Alrik diesen Moment ausgemalt. Mama Selea war von Alriks in aller Selbstverständlichkeit kaum erläuternden Offerte, ihr beim "Pflanzen" zu helfen, sehr überrascht - und sie sollte es noch lange bleiben. Aber in ihrer Weisheit - "Säe, erst dann kannst du ernten", "Hauptsache, es wächst", "Wie wir auch geraten, sind wir alle aus IHREM Garten", "Und schmerzt auch der Rücken, so musst du dich doch bücken" - erkannte sie, dass sie ehrlichen Eifer gut gebrauchen konnte und gab Alrik ein Zuhause. Irgendwann war Mama Selea nicht mehr überrascht, sondern schlicht überzeugt, dass die Göttin der Fruchtbarkeit ihrer Gemeinde für all die ehrliche Lebensarbeit ein Geschenk gemacht hatte in Gestalt dieses stets bescheidenen, aber auch ungeahnt gewitzten und gebildeten Alrik (Hal) Groterian, den bald alle nur noch Alrik den Pflanzer nannten.
Eines Tages entdeckte Alrik, dass er den Schlüssel längst gedreht und die kleine Kiste geöffnet hatte: Jenes Gefühl, das er seit seinem Storchenmoment gehabt hatte und in dem so etwas wie Hoffnung mitschwang, es war der feste Glaube an die Göttin und das Vertrauen, Dinge zu einem Besseren zu wenden. Als sich nach ziemlich genau einem Götterlauf das Mal an seiner rechten Hand sich tatsächlich wieder zu einer kleinen Wunde auftat, beschloss Alrik, ein Akoluth werden zu wollen. Diese Ehre wurde ihm zugebilligt, da er stets ein Ausbund an Fleiß gewesen war und obendrein seine Begeisterung für "Möhrchen" Ansätze für zukunfstweisende Erfolge zeitigte. Es heißt, dass Mama Selea in Alrik sogar einen guten Geweihten gesehen und dass Alrik diese Idee nicht geteilt habe. Denn es irrt, wer nun glaubt, dass der einstige Nichtsnutz all seinen alten Talenten abgeschworen hätte ...
Alrik hat seine eigene Auslegung davon, wie Hilfe für Bedürftige aussehen könnte, und die Idee, dass eine Umverteilung mancher Reichtümer durchaus angebracht sei. Glücksspiel ist ihm nicht länger Müßiggang, er übt es nach Möglichkeit. Falschspiel dient ihm nicht länger der persönlichen Bereicherung, sondern um Geld für Bedürftige beziehungsweise für die Göttinnendienste zu erlangen. Und die pragmatische Gemeinschaft der Peraine-Gläubigen hat ganz offiziell und über Trigo hinaus den beredten Alrik für sich zu nutzen gelernt - wozu es sich Alrik sogar dann und wann gefallen lässt, seinen Familiennamen ins Spiel zu bringen: Wenn es darum geht, um Gelder zu bitten oder um Projekte zu werben, dann schickt man Alrik den Pflanzer vor Ort, der sich dann als Alrik der Redselige entpuppt.
So geschehen im Praios 1044 BF, als er zu einem Doppelereignis nach Elenvina eingeladen worden war, wo es galt, zunächst der Krönung von Elfgyva von Hardenfels zur neuen Gräfin von Albenhus beizuwohnen, und dann Gründung des Vierschwesternordens durch Herzog Hagrobald mitzufeiern. Jenes Doppelereignis war es auch, das Alriks Band mit den Nordmarken flocht: Die Einladung hatte er wohl ursprünglich für die Ordensgründung erhalten, aber die Gäste dort wurden zugleich zur Krönung miteingeladen. Alrik glaubt, dass in der nordmärkischen Verwaltung irgendein Fehler passiert sein muss, denn seither wird der jedes Jahr zu einem hochrangigen Adelsereignis in den Nordmarken eingeladen. Es ist ihm recht aus mehreren Gründen: Gehör für die Belange der Perainegläubigen, Beziehungspflege, erlesenste Speisen (und viel Trank!) und Vorhersehbarkeit, denn die Chose läuft eigentlich immer gleich ab: Geplanter Beginn der Feierlichkeit, ungeplantes Auftreten eines Bösewichts beziehungsweise einer wirklich misslichen Lage, Aufbruch in mehreren Gruppen in die tiefen Wälder, um das eingetretene Problem zu beseitigen, zur Feier des Erfolgs noch mehr erlesene Speisen (und noch mehr Trank!). Alrik ist bei den ausgedehnten Waldaufenthalten stets eine gern gesehene Begleitung, da er sich auf dem Terrain gut auskennt. Denn wahrlich, zu guter Letzt sind Alrik die Reisen in die Nordmarken und wieder zurück recht, weil er im Laufe der Jahre, in denen er nicht mehr nur Trigoneser Kapitalkarotten zog, sondern auch auf Reisen geschickt wurde, eine große Leidenschaft für tiefe Wälder entdeckt hat, in denen er sich mittlerweile fast heimisch fühlt und die er jeder gut ausgebauten Route vorzieht.