Chronik.Ereignis1034 Alpträume

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Alpträume

Castillo Melanor - Phex 1034

Thesia erwachte mitten in der Nacht. Fetzen des vergangenen Traums zogen durch ihren Kopf und ließen ihr Herz schneller schlagen. Verängstigt sah sie sich um, doch es war dunkel in ihrem Zimmer und ließ den Nachtmahr weitere Bilder vor ihrem geistigen Auge entstehen. Es dauerte einige Augenblicke, bis sie den fahlen Streifen Mondlicht wahrnahm, der durch die Vorhänge auf den kalten Steinboden fiel. Allmählich gewöhnten sich ihre Augen an das schwache Licht und enthüllten mit jedem Herzschlag mehr der ihr bekannten Einrichtung.

Sie war zu Hause in ihrem Zimmer, welches sie mit ihrer Zwillingsschwester Gilia teilte.

Die Erleichterung ließ sie aufatmen, vermochte jedoch nicht die Angst zur Gänze zu vertreiben. Sie fürchtete sich vor der Dunkelheit und vor dem, was zurückkehren würde, wenn sie die Augen wieder schloss.

Ihr Blick glitt zu dem Bett ihrer Schwester. Gilia lag vollkommen verschlungen mit ihrer Decke, ihre Brust lag halb im Schatten und wurde im Rhythmus ihrer regelmäßigen Atemzüge immer wieder ins graue Zwielicht des Raums getaucht.

Thesia rang mit sich. Ihre große Schwester hatte niemals vor etwas Angst. Bei ihr brauchte sie die Dunkelheit nicht zu fürchten. Doch sie traute sich nicht, den Schutz ihres eigenen Bettes zu verlassen. Der Mond vermochte nur einen Teil des Zimmers zu beleuchten und noch immer fühlte sie die Angst, die sie aus dem Traum hatte erwachen lassen.

Je länger sie angstvoll auf die Schatten jenseits des Mondlichts starrte, desto näher schienen sie zu kommen, als wollten sie sie verschlingen. Irgendetwas lauerte dort, sie spürte seinen Atem in ihrem klopfenden Herzen. Sie wusste, würde sie den Blick abwenden, würde es kommen und sie holen!

Ein leichter Windzug ließ die Vorhänge flattern. Thesia glaubte, eine Bewegung im Dunkel ausgemacht zu haben. Oder war es nur das Spiel des Mondlichts auf dem Boden? Der zuvor nur schmale Streifen aus Licht bewegte sich nun und gab dem Mädchen einen Pfad vor, dem es zum Bett seiner Schwester folgen könnte. Sollte sie es wagen? Im Licht fühlte sie sich sicher. Doch der Wind war trügerisch, würde er den Vorhängen im falschen Moment eine Bewegung vorgeben, könnte sich ihr Weg verändern. Er könnte dann mitten in den Raum führen, in das Dunkel, das sie so fürchtete.

Thesia atmete tief durch. Sie wünschte, sie wäre so mutig wie ihre Schwester. Doch wenn sie bei ihr sein wollte, musste sie dieses Abenteuer bestehen.

Mit einem Anflug von Verwegenheit blickte sie zu den Vorhängen, wartete auf einen passenden Moment. Das Böse würde es nicht wagen, ihr im Licht etwas zu tun. Es würde sie schützen. Sie musste nur die passende Gelegenheit nutzen.

Wieder strich der Wind durch das Gemäuer. Schnell sprang Thesia aus dem Bett und folgte dem tanzenden Lichtstreifen auf dem Boden. Der kühle Stein biss in ihre Füße, doch sie bemerkte es kaum. Es verlangte ihre volle Konzentration, nicht versehentlich außerhalb des Lichts zu treten.

Thesia vermochte nicht zu sagen, wie lange sie für diesen Weg gebraucht hatte, doch nun stand sie endlich vor ihrer Schwester. Stolz blickte sie zurück zu ihrem eigenen, nur wenige Schritt entfernten Bett. Die Vorhänge hingen wieder still. Sie hatte es geschafft!

Gilia murmelte etwas Unverständliches, legte aber den Arm um sie, als sich Thesia zu ihr unter die Decke legte. Jetzt war sie sicher!

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