Bräuche
Frühlingsfest
Eine seltsame Mischung ist das Frühlingsfest des 13. Ingerimm, in einer seltsam wehmütigen Prozession zieht man durch den Ort, begleitet von Flöten, Schalmeien und Trommeln, bis zum nächsten Waldstück. Nur wenn ein großer Schwarm an Ingrimmskäfern sich brummend in die Lüfte erhebt, ist der Segen der Götter auf dem Land, wenn nicht, hat die Junkerin einen Fehler gemacht und muss ihre Ehre wieder herstellen. Gleichzeitig ist der 13. Ingerimm der schicksalhafte Tag des Blutfest von Aguilon, mit dem der Aufstieg des Borbaradsschülers Zulipan von Punin begann. Es ist auch der traditionelle Fehdetag, an dem Streitigkeiten ausgetragen werden. Und für die Familia Escarabajo hat der Tag noch eine dritte Bedeutung, es ist der Tag der hl. Maha, traditionelle Hauspatronin der Familia und der Tag, an dem die erbberechtigten Mitglieder um eine Prüfung bitten können, um das Erbe für sich zu gewinnen.
Erbregelung
In vielen alten Familias gibt es ein traditionelles Erbrecht, so auch bei den Escarabajos. Pferd, Schwert und Namen müssen in drei Prüfungen (mit 7,12 und 17) erstritten werden, doch auch das ist nicht das Ende: Nach Belieben und Bedarf vergibt die Soberana weitere Aufgaben, die alle Mundillos erfolgreich bestehen müssen, wollen sie nicht aus der Erbfolge ausscheiden. Diese gnadenlose Regelung hat schon mehrfach zu Hader und Blutvergießen geführt, aber gleichzeitig die Famile über viele Jahrhunderte erhalten. Durch diese außergewöhnliche Regelung ergibt sich eine recht kleine Hauptlinie, doch der echte Zweck besteht darin, das Feuer des Wettstreits auch in der nächsten Generation zu erhalten, aber gleichzeitig allen unwilligen oder ungeeigneten Kandidaten zu erlauben, still aus dem Wettbewerb auszuscheiden.
Nebenlinien
Nicht allen liegt der zugegeben seltsame Stil der Escarabajos. Für diese Leute und uneheliche Kinder gilt, dass sie zwar den Namen weiter führen dürfen (so sie denn ihre drei Prüfungen bestanden haben), aber bereits ihre Kinder werden nicht mehr als Teil der Familie betrachtet. In der Praxis ist diese Trennung meist fließend und zumindest die nächsten ein, zwei Generationen halten zumindest Briefkontakt und unterstützen sich gegenseitig, zu oft schon kam es vor, dass die Hauptlinie unglücklich ausstarb, sodass eine Schwester oder Onkel nächstes Oberhaupt wurde.
Familiengeheimnisse
Durch die strenge Erbregel und das Selbstverständnis als stille Wächter hat sich eine Tradition von Geheimniskrämerei gebildet. Im Gutshof liegen nur wenige Relikte der langen Vergangenheit, nur die Familienchronik sowie eine kurze Anleitung, die erklärt, wie man im Fall eines unerwarteten Erbfalls verfahren sollte. Und doch gibt es eine Unzahl an Memorien: Der Hirschschädel über der Schwelle eines angesehenen Dorfbewohners wurde von einem Escarabajo gejagt und zeigt warnende Sprüche, die in die Seite eingeritzt wurden. Im Stamm einer uralten Korkeiche, versteckt unter Laub und dem Nest eines Nagetiers, liegt eine Schatulle Gold aus Eslamidenzeiten, eine Reserve für harte Tage. Das wertvolle Wams, das die Wand der Eingangshalle ziert, ist in Wahrheit ein Pfand für eine Ehrenschuld, die man einst erstritt. Im Keller einer alten Mühle lehnt ein altes Schwert ohne Griff an einem Vorratsregal, tatsächlich ein magisches Überbleibsel aus den Magierkriegen, dessen Macht sich bis heute erhalten hat.