Chronik.Ereignis1047 Wildnis 05

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Bosquirtal, Efferd 1047 BF

Autoren: Jan, Amrit

Der Morgen kam, und dann der nächste, da waren sie schon wieder auf almadanischem Boden. Die kurz gehalte Verabschiedung von den Ferkina war ohne weitere Schwierigkeiten abgelaufen, der nächtliche Kampf war dabei nicht zur Rede gekommen - wohl weil man sich letztlich gemeinsam gegen die Monster erwehrt hatte. Dennoch knisterte es sowohl in den eigenen als auch in den anderen Reihen. Der Bân-Gassârah-Krieger mit dem Obsidianmesser trug den abgeschlagenen Insektenkopf nun als Trophäe am Gürtel, was Emilio nachdenklich betrachtet hatte. Noch einige ausgetauschte Grüße und Geschenke, dann war die diplomatische Unternehmung soweit erfolgreich erledigt gewesen. Ob die Abmachungen hielten, stand auf einem anderen Blatt.

Nun lagerte die Reisegruppe in ländlichem Gebiet, nahe einer Wegkreuzung, von der aus die nächste Tagesreise sie an ihre verschiedenen Ziele bringen würde. Das Morgenlicht übergoss die an der Kreuzung errichtete, halb verwitterte Praiossäule mit rosigem Schein. Auch die Wald- und Obstbäume zeigten in ihrem Laub ein erstes, beginnendes, warmes Glosen. In den kommenden Wochen würde es umschlagen in lodernde Farbenpracht, in leuchtendes Gelb, Orange, Hellrot...bis die einkehrende Tristessa mit nebeliger Hand kam, um die Wärme zu nehmen. Dann, so sann Emilio nach, war er hoffentlich schon am Weg nach Khunchom.

Er und Cuerno saßen etwas abseits des schon halb abgebauten Nachtlagers, während die Bedeckung dabei war zu frühstücken, Ausrüstung einzurollen, morgenfeuchte Planen über Buschwerk zu breiten.

"Die nächsten Wochen bin ich in Schrotenstein, für einen größeren Auftrag", erzählte er dem Caballero. "Ein Familienportrait. Wenn das geschafft ist, möchte ich wieder versuchen, dem Winter davonzureiten." Er wies, sich umwendend, in ungefähr südliche Richtung.

Cuerno war inzwischen wieder so unbeschwert wie eh und je und machte, zumindest äußerlich, keinen Eindruck von Nachdenklichkeit mehr. “Schrotenstein? Ein trauriger Fleck.”, grinste er, "Aber sicher verschafft Ihr dem Ort etwas Interessantes.", der Caballero bot dem Künstler ein liebevoll geschmiertes Stück Brot an - der Belag formte ein ulkiges Gesicht. “Aber wenn Euch die dortige Tristess und das zweifelhafte Wetter die Laune vermiesen, bin ich sicher nicht weit entfernt, ich werde erneut meine Familia in Bosquierien oder meine Getreuen in Dubios aufsuchen über den Winter, nur einen Bocksprung entfernt. Das heißt, dort werde ich sein, außer diese Sache in Garetia weitet sich doch noch aus.” Kurz dachte er nach: “Was ist denn das für ein Portrait, welche Familia?”

Der Künstler wurde erst durch die direkte Frage aus der Betrachtung des Brotes gerissen, das er mit beiden Händen hielt, eher wie eine alte Schrifttafel als wie ein Stück Frühstücksgebäck. "Die Baronsfamilie möchte porträtiert werden! Da Vanya. Ja, trauriger Ort und altes Geschlecht mit tragischer Geschichte." Er lächelte Cuerno an "Dubios klingt näher am Leben. Danke für die Einladung!" Nun probierte er tatsächlich das belegte Brot. "Danke überhaupt für alles." Ein kurzes Schweigen. "In Rahjas Domäne bewege ich mich für gewöhnlich wie heimatlos", gestand Emilio dann, während sein unsteter Blick sich auf die Steinsäule richtete, die hellste Stelle der Landschaft. "Ich bin froh, Euch zu kennen. Es macht das besser. In Eurer Gegenwart beginne ich mich zu erinnern, weshalb ich mal Akoluth der Schönen Göttin war bevor... Früher." Es kostete ihn spürbar Überwindung, den Blick von dem entfernten Punkt zu lenken, um den Caballero anzusehen. "Ich hoffe, man sieht sich wieder. Passt auf Euch auf."

Zuerst wollte Cuerno ihn aufhalten, ihn erneut aus seiner mauernden Melancholie herauskitzeln, die ihn nicht aushalten, sondern nun “flüchten” ließ. Doch es war wichtig, Gefühle auszuleben, darin zu schwelgen und nicht Emotionen von anderen aufgedrückt bekommen, also ließ er ihn gehen. “Nur eins noch, Dom Emilio, ich danke Euch. Ebenfalls. Wie gesagt, wir lernen zusammen. Und das nächste Mal, wenn wir uns sehen, wird es wieder so sein. Ich fühle mich jetzt schon wie ein Anderer, als der ich noch vor einem Jahr war. Bis dahin, macht die beste Zeit daraus, die Ihr könnt.” Der Caballero lächelte mit dieser Gewissheit, dass alles schon irgendwie werden würde und berührte Emilio wie beiläufig und doch ganz und gar nicht. Für diesen ein Anstoß, zu nicken und den Reisegefährten wortlos zu umarmen, bevor sich ihre Wege für diesen Zeitpunkt trennten.