Chronik.Ereignis1047 Handel... und Krieg 04

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Eine Taberna in Ragath, Mitte Travia 1047 BF

Autoren: BBB und Tsayano V. Taubentanz


Mit kräftigen Schlägen trieb der fette Mann einen Nagel in die Tafel, an der bereits einige Aushänge von Leuten auf der Suche nach Tagelöhnern, Aushilfen oder anderen Tätigkeiten hingen. Nun kam ein weiterer Aushang hinzu.

“Schwerter gesucht zum Geleit für eine Gruppe über den Blutpass”, stand dort in großen Lettern zu lesen. Unterschrieben war der Aushang nicht von einer Person, sondern von einer Handelsgesellschaft. Das Handelshaus vom Stein.

In einiger Entfernung kam ein Mann heran geritten, als eben der letzte Hammerschlag des Dicken sein Ziel fand. Dem Säbel, der Haltung und seiner Art zu reiten nach war es ein Krieger, dem Aussehen nach handelte es sich um einen Almadaner aus der Stadt. Der junge Reiter brachte sein Pferd nahe der Tafel zum Stehen. Er verlagerte sein Gewicht, zog seinen Hut zurecht, beugte sich vor. Beim Lesen blieb sein Blick an den Worten “Schwerter gesucht” hängen.

Er nahm sich vor, in der Taberna nach dem Handelshaus und diesem Blutpass zu fragen. Auch wenn er immer noch Verpflichtungen gegenüber der Academia hatte, war er jetzt ein freier Mann und musste sich selbst Aufgaben und Beschäftigung suchen. Seine eigenen Münzen wollte er sich gerne verdienen, jedoch ehrenhaft und eines Absolventen des Königlichen Kriegerseminars würdig. Alles andere hatte er hinter sich gelassen. Nach einem schnellen, stillen Dank an die Herrin Tsa band er sein Pferd an und betrat die Taberna.

Das Gasthaus war für die Uhrzeit bereits recht gut gefüllt. Die Wehrhafte machte ihrem Namen alle Ehre - zahlreiche Mercenarios und Mercenarias hatten sich in der Taberna eingefunden, um ihren Sold zu vertrinken oder sich ein paar kurzweiligen Spielen hinzugeben. Würfel wurden geworfen, Karten aufgedeckt und durch eines der offenen Fenster zum Hinterhof konnte man Hahnengeschrei hören - gut möglich, dass dort hinten auf den Ausgang von Hahnenkämpfen gewettet wurde.
In der Luft hing der Duft von Wein und dem Schweiß eines getanen Tagewerks.

Die Stimmung im Raum konnte man nicht anders beschreiben als ausgelassen, und doch stimmte etwas nicht. Es gab einen Teil des Raumes, der seltsam ruhig war.

Zwei Männer und eine Frau saßen dort, offenbar ebenfalls dem kämpferischen Handwerk zugeneigt, denn sie trugen schwarze Wappenröcke und leichte Bewaffnung. Diese drei jedoch tranken nicht und feierten nicht. Keine Würfel standen bereit und keine Karten. Es wurde nur leise gesprochen.

Aber, und das hob diese drei vom Rest ab, sie trugen ein Zeichen auf ihren Wappenröcken. Das Zeichen des Handelshauses vom Stein, das auch draußen auf dem Aushang prangte.

Tsayano trat beherzt an ihren Tisch heran, sobald er sie ausgemacht hatte. Mit einem kurzen Nicken und einem freundlichen Blick machte er auf sich aufmerksam, ohne ihnen ins Wort zu fallen, während sie ihre Worte wechselten. Nach der erhofften Aufforderung sprach er sie an: “Dies scheint mir der richtige Tisch zu sein, für einen Fremden wie mich, dem der Sinn mehr nach anständiger Konversation als nach Hahnenkampf oder gezinkten Karten steht. Ich kam nicht umhin, eure Zeichen zu bemerken. Ein paar Worte über das Handelshaus und den Blutpass im Gegenzug für drei neue Getränke, was sagt ihr?”

Der Mann, der offenbar der ranghöchste der drei war - ein kräftiger Hühne mit deutlich tulamidischer Abstammung und dunklen, lockigen Haaren - deutete mit der Hand auf einen freien Stuhl, eine Aufforderung, sich zu setzen. “Seid mir gegrüßt!” Seine Stimme oder vielmehr, seine Sprachmelodie, hatte einen deutlich tulamidischen Einschlag, wahrscheinlich aranischer Herkunft, vermutete Tsayano. “Tamir mein Name. Die sind Tasha”, stellte er mit einer Geste in Richtung der Frau neben ihm vor, “und Haron, meine Gefährten.” Die beiden nicken dem Reisenden freundlich zu, sagten aber nichts.

“Stell gern deine Fragen, mein Freund. Vielleicht können wir helfen”, gestatte Tamir, der neutrale Ton seiner Stimme in seltsamen Kontrast zum Inhalt seiner Worte.

Tsayano machte ein paar Schritte zur Wirtin und bestellte Getränke für sich selbst und die drei anderen, wie er versprochen hatte. Dann hängte er seinen Hut an einen Haken und nahm Platz wie ihm geheißen. “Danke, sehr freundlich! Nun … drei Gefährten seid ihr und drei Fragen habe ich. Ihr könntet euch aufteilen.” Er zwinkerte ihnen zu und wartete, bis die Krüge und Becher, die soeben ankamen, alle am rechten Platz standen. “Meine erste Frage lautet: Was wisst ihr über den Anschlag draußen, mit dem Schwerter gesucht werden?”

“Der kommt von uns”, platzte die Frau, Tasha, heraus, noch bevor Tamir die Antwort, die er sich zurechtgelegt hatte, aussprechen konnte. “Ha, Schuldigkeit getan, die schweren Fragen könnt ihr dann übernehmen”, fügte sie augenzwinkernd mit Blick auf ihre beiden Begleiter hinzu und lehnte sich entspannt zurück. Offensichtlich sah sie ihre Schuldigkeit tatsächlich als getan an.

Tamir schüttelte kaum merklich den Kopf, ignorierte dann aber Tasha und erklärte, weiterhin weitgehend emotionslos: “Wir sind, wie du schon richtig festgestellt hast, mein Freund, im Namen und Auftrag des Handelshauses vom Stein unterwegs. Bewachen Handelsgüter, von hier ins Reich darüber hinaus. Die letzten Monde haben allerdings gezeigt, dass die Transporte unsicherer geworden sind, als dies die letzten Götterläufe der Fall gewesen ist. Deswegen suchen wir weitere fähige Hände.”

Er griff nach dem Getränk, hob es grüßend dem edlen Spender entgegen und nahm dann einen Schluck.

“Möglicherweise habt ihr die Hände, die ihr sucht, gefunden.” Tsayano legte eine Hand an seinen Reitersäbel, den er noch immer am Gürtel trug, nahm dann ebenfalls einen Schluck aus seinem Weinkrug. "Das bringt mich zu meiner zweiten Frage: Mit welchen Gefahren rechnet ihr? Hat der Blutpass seinen Namen etwa von ihnen?”

Ein kurzes Grinsen huschte über die Züge Tamirs.
“Ihr seid in jedem Fall selbstbewusst”, nickte Haron anerkennend, eher auch er sich wieder zurücklehnte. Es war offensichtlich, dass die Gruppe Tamir das Reden überließ - auch wenn dieser nicht den Eindruck machte, der gesprächigste zu sein.
“Der Blutpass war schon immer gefährlich. Ferkina. Harpyien. Bisweilen Novadis. In letzter Zeit kommen Berichte über Drachen hinzu, auch wenn der letzte Vorfall schon wieder etwas her. Aber vorsicht und so. Du verstehst? Auch der weitere Weg gen Firun ist nicht sicherer geworden. Das Mittelreich… liegt im Streit. Im Streit mit sich selbst.”

Damit, schien es, hatte er alles gesagt, was er zu sagen vorhatte.

“Wenn es ehrliche Arbeit ist, die Rondra Ehre macht, betrachtet mich als suchendes Schwert.” Tsayano ließ seinen Blick auf Tamir ruhen, als er mit etwas weniger Temperament in der Stimme fortfuhr. “Ich hoffe, ihr nehmt mir die dritte Frage nicht übel, doch ich muss wissen, mit wem ich es zu tun habe: Wo, bei wem habt ihr das Kämpfen gelernt?” Er versuchte, die Neugierde und Aufregung aus seinem Gesicht fernzuhalten, konnte aber nicht einschätzen, wie gut ihm dies gelang.

Tamir nickte.
Die Art, wie sich sein Gegenüber präsentierte, schien ihm zuzusagen. Er war jedenfalls keine falsche Person, das war viel wert. Sie würden schon zurecht kommen miteinander. Davon war er überzeugt.
“Gut”, bestätigte er.
Beiläufig gab er seinem Sitznachbarn ein Zeichen, der daraufhin in einer ledernen Kladde kramte und ein Stück gesiegelten Pergaments hervor kramte. Tamir nahm diese entgegen und schob sie zu Tsayano.
“Dies ist der Vertrag. Lies ihn. Schlaf eine Nacht darüber. Dein Herr wird Algerio von Selkethal, ein Almadaner und Eigentümer des Handelshaus vom Stein. Wir brechen morgen auf. Finde dich nach dem Frühstück hier ein, wir haben nicht viel Zeit zu verlieren.”

Nach einer kurzen Pause, in der er sicherstellte, dass sein Gegenüber alles verstanden hatte, wandte er sich schließlich der Frage zu. “Zu deiner Frage: Gelernt habe ich in Baburin, als Stammeskrieger der Baburen. Mein Ausbilder war Sayyad, ein Veteran des 35-Tage-Kriegs.”