Chronik.Ereignis1047 Der Spieler 01

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Punin, 02. Phex 1047 BF

Autor: BBB

Die Gesichtszüge seines Gegenübers waren starr wie die Rinde eines Baumes. In ihnen zu lesen war unmöglich. Der Mann, ein Tagelöhner, der sich die meiste Zeit auf dem Markt verdingte, wusste offensichtlich, wie man spielte. Nunja. Zumindest teilweise. Denn wenngleich seine Augen, die aufmerksam über die Karten blickten und seinen Gegenspieler fixierten, jede Geste und jedes Wort zu deuten versuchten und selbst keine Regung zeigten, begann sein kleiner Finger vor Anspannung zu zittern.

Nein, entspannt war er nicht, dieser Rachman. Sein Spiel war eher verbissen, getrieben vom Ehrgeiz zu Gewinnen.

“Nun denn, werter Dom”, sagte er mit fester, selbstsicherer Stimme, die in Kontrast zu seinen immer noch regungslosen Zügen stand. “Dann lasst sehen, welches Blatt ihr habt.”

Er schien es kaum erwarten zu können, legte seine Karten offen. Ein gutes Blatt. Aber eben nicht gut genug.


Autor: Marcus

Als sich das Blatt seines Gegenüber Karte für Karte zu einem Elementarkreis legte, wich die Anspannung aus Diegos Gesicht. Sein selbstgefälliges Grinsen kam durch, wenngleich er versuchte es zu verhindern - doch das ging nicht. Zu verbissen spielte Rachman; zu groß seine Gier; zu gewollt der Sieg. Hätte er doch nur mit Leichtigkeit gespielt - Diego wäre viel brüderlicher und kollegialer mit ihm umgegangen … aber so? So wollte er ihn wissen lassen, dass das Geld, was er heute zum Spiel bei sich trug, den Weg in Diegos Tasche finden sollte. Und zwar alles!

“Gut. Wirklich gut. Aber schlägt eine Parade nicht einen Elementarkreis?”

Ja, er fühlte sich arschig. Ja, man sollte es nicht tun. Aber die Genugtuung auf ein enttäuschtes Gesicht ließ ihm keine andere Wahl. Diego deckte seine Parade auf. Karte für Karte. Vom Knappen bis zum Fürsten. Nach jeder Karte eine winzige Pause. Gerade Pause genug, um Rachman Karte um Karte ein kleines Stück Hoffnung aus dem bemüht steinernen Gesicht zu meißeln.

Seine Arme breiteten sich in bedeutungsschwangere Geste aus, um das kleine Häufchen Münzen an sich zu ziehen.

“Es tut mir wirklich leid. Ich will euch wahrlich nicht an den Bettelstab bringen. Wie wäre es mit einer kleinen Partie Würfel? Die kullernden Würfel stellen eher das Element des Glücks in den Vordergrund - das macht euch unabhängiger vom Können. Was sagt ihr?”

Ja, er hatte es wieder getan. Aber so war es immer. Sturheit, Borniertheit, Verbissenheit. Er hasste es. Vielleicht weil er das Leben und seine Herausforderungen selbst stets mit der nötigen Gelassenheit nahm. Und wenn er doch unzufrieden war, dann wusste er, dass es an ihm selbst lag. Lerne aus deinen Fehlern. Nimm die Lektion, schärfe deinen Verstand und dann mach weiter. Nun heute sollte Rachman seine Lektion lernen.

Ein weiteres Mal fragte er: “Nun? Was sagt ihr?”


Autor: BBB

Es war deutlich zu erkennen, wie Rachman mit sich rang. Sein Blick wanderte zwischen seinem Gegenüber, den Karten auf dem Tisch und dem Geld, das nun am anderen Ende des Tisches lag, hin und her. Entweder schien er noch nicht so ganz zu begreifen, was hier eben passiert war… oder er hatte Mühe einen Entschluss zu fassen.

Einen Moment lang sah es so aus, als wallte Aggression in ihm auf, doch genau so schnell wie diese gekommen war, ihn dazu veranlasst hatte die Hand zur Faust zu ballen, genauso schnell verflog sie auch wieder. Rachman, in der Erkenntnis der Niederlage, sank ein Stück weit in sich zusammen.

Er seufzte. “Nein. Nein, ist schon in Ordnung. Ich sollte besser aufhören, ehe ich mich in noch größere Schwierigkeiten begebe.” Er erhob sich, streckte Diego die Hand entgegen. “Habt Dank. Das war… gut gespielt!”, rang er sich ein Kompliment von den Lippen.


Autor: Marcus

“Ah, ich bin untröstlich”

… ein überzogener Versuch von Anteilnahme ging Diego über die Lippen. Eine Plattitüde, von denen er bereits so viele in seinem Leben aufgegriffen hatte. Er stand auf und nahm Rachmans Hand mit seiner Rechten, legte die Linke zugleich patronisierend dazu.

“Wann immer euch der Ehrgeiz packen sollte euer Geld zurückzuverdienen, so lasst es mich wissen. Ihr seid ein fairer Spielpartner.”

Diegos Miene erleichterte sich. Ihm war die vorherige Anspannung Rachmans nicht entgangen. Nicht wenige Male gingen die Partien unschöner auseinander.

“Und …” - fuhr Diego fort - “falls ihr ein paar Bekannte habt, die ebenso begeistert dem Spiel zugetan sind wie ihr, so verweist sie gerne an mich weiter - oder sagt mir wo ich sie finde.”

Mit diesen Worten setzte er ein freundliches Lächeln auf, ohne seinen Mund zu öffnen.


Autor: BBB

Rachman murmelte etwas, das Diego nicht genau verstehen konnte, aber wahrscheinlich eine enttäuschte Ablehnung war - dann wandte er sich zum Gehen.

Stattdessen löste sich eine kleine, schlank gewachsene Gestalt von einem der verhangenen Fenster und kam auf Diego zu. Das Haar des jungen Mannes war unregelmäßig aber kurz geschnitten, seine Züge wirkten noch sehr jung, seine Augen wach. Mit einem offenen Grinsen, die Hände in den Gürtel gestützt, kam er zum Tisch, blieb hinter dem Stuhl stehen, an dem bis eben Rachman gesessen hatte.

“Phex zum Gruße, Spieler. Du scheinst eine Menge Spaß zu haben und dein Handwerk zu verstehen…” Auch seine Stimme klang jung. Sehr jung.

“Darf ich?”, fragte er, und ohne eine Antwort abzuwarten, setzte er sich Diego gegenüber.


Autor: Marcus

“Ah, … ein forscher, junger Mann … der sich nimmt, was er will - das ist doch mal ganz nach meinem Geschmack.”

Diegos Augen glänzten auf. Eine anerkennende Bewunderung wohnte ihnen inne. Erinnerte ihn der junge Mann und sein Habitus doch an ihn selbst in seinen jungen Jahren.

“Fühlt euch eingeladen und setzt euch … - ach, das habt ihr ja schon getan. Phex zum Gruße, junger Mann. Ähm, wenn ihr schon Platz nehmt, wie ist denn euer Name?”


Autor: BBB

Sein Gegenüber grinste wissend, überging aber die Frage, ohne sie einer Antwort zu würdigen.

“Ich habe Euch beobachtet, Ihr spielt… gut. Selbstbewusst und Siegesgewiss, das ist imponierend. Aber hier…” Er streckte die Arme aus, sah sich um. “...in diesem Schuppen werdet Ihr außer ein paar Kreuzern nicht viel davon haben. Ich kenne aber einen Ort, an dem sich mehr aus Eurem Talent machen ließe. Vorausgesetzt natürlich Ihr könnt Euch den Zugang dazu verdienen…”


Autor: Marcus

Diego grinste zurück.

“Jaja, die Neugier. Da packt ihr mich am rechten Schopfe. Schmeichelnde Worte, gepaart mit ein wenig Lob über mein Spiel.”

Diego zupfte seinen gestutzten Kinnbart nachdenklich mit Daumen, Mittel- und Zeigefinger.

“Sollte ich euch böse sein, weil ihr mein Spiel beobachtet habt und mir eine monetär günstige Gelegenheit entgehen lassen - oder sollte ich mich über euer Angebot freuen und vielleicht von den besten Spielern dieser Stadt bis auf meinen Mühlsteinkragen ausgezogen werden? Entscheidungen, Entscheidungen.”

Ein kleines, bewusstes Zwinkern zeigte seinem Gegenüber, dass er sich längst entschieden hatte.

“Natürlich ist das Verdienen des Zugangs nur durch bare Münze zu erlangen - sehe ich das richtig?”

Er grinste breit und kratzte sich an der Nase.


Autor: BBB

Sein Gegenüber lehnte sich zurück. Dann schüttelte er, kaum merklich, den Kopf.

“Direkt zum Punkt, wie ich sehe, keine Zeit zu verlieren.” Er überlegte einen Moment, kaute dabei auf der Unterlippe. Dann sagte er: “Bare Münze ist eine Möglichkeit, natürlich. Aber wenn Ihr mich fragt, ist dieser Weg so… wenig elegant. Ich hätte Euch für feingeistiger gehalten.”

Ein Augenzwinkern nahm der Beleidigung die Schärfe.

“Andererseits”, fuhr er in leichtem Ton fort, “lehrt ER uns natürlich nichts zu tun, ohne nicht zumindest eine gleichwertige Gegenleistung zu verlangen. Und in diesem Sinne…” Die Kunstpause war etwas länger als notwendig, aber es schien als wenn auch er dieses Spiel der Worte sehr zu genießen.

“...ich biete Euch eine einmalige Gelegenheit, Spieler. Was ist Euch das wert?”


Autor: Marcus

“Nun, ihr habt an meinem Tisch Platz genommen … ihr nennt mich ´Spieler´ … - dann sage ich ´spielen wir doch drum´.”

Diego holte einen kleinen Münzbeutel hervor und legte nacheinander 10 Kreuzer auf den Tisch. Dann schob er fünf davon mit dem Ballen der rechten Hand zu dem jungen Mann gegenüber.

Diego hielt kurz inne. “Wie war doch gleich der Name?”. Seine Hand kramte nun tiefer im Beutel und brachte 5 schwarze Würfel, einen Kohlestift, sowie ein kleines, leeres Stück verblichenen Papiers hervor.

“Nun, das Spiel heißt Kutsche und Pferdchen. Wir spielen um 5 Kreuzer. Je Spiel ein Kreuzer Einsatz. Wenn ICH gewinne, bekomme ich den Zugang, von dem ihr spracht. Wenn IHR gewinnt, bekommt ihr folgendes …”

Mit seiner Linken verdeckte er den Blick seines Gegenüber auf den kleinen Zettel, während die rechte Hand etwas auf das Papier kritzelte. (Ein aufmerksamer Beobachter würde an der Schreibdauer und dem Absetzen des Stiftes auf etwa zwei Worte tippen). Diego faltete den Zettel zweimal und schob ihn unter seine fünf Kreuzer. Dann faltete er seine Hände und stützte sein Kinn darauf ab, den jungen Mann entspannt fixierend.


Autor: BBB

Sein Gegenüber lächelte zufrieden. Er griff nach seinem Beutel, zählte ebenfalls eine Hand voll Kreuzer ab, legte sie vor sich auf den Tisch. Dann schob er die fünf, die Diego für ihn bereitgelegt hatte, zurück. Die Botschaft war klar. Wenn er spielte… dann richtig.

“Deinen Zugang wirst du dir wohl oder übel ohnehin erspielen müssen, Spieler. Aber nicht bei mir. Nicht hier und jetzt. Ich bin nicht so töricht für ein wenig Kurzweil aufs Spiel zu setzen, was zu meinem wertvollsten Besitz gehört”, erklärte er etwas kryptisch. “Wohl aber bin ich bereit, auf deinen Vorschlag einzugehen… wenn wir ihn ein wenig modifizieren. Wir spielen. Wer zuerst fünf Kreuzer gewonnen hat, behält das Geld. Gewinne ich, kriege ich, was immer du dort notiert hast. Gewinnst du, nehme ich dich mit zu besagtem Ort, bürge eine Nacht für dich und eröffne dir so die Gelegenheit, dort einen dauerhaften Zugang zu verdienen und ein gemachter Mann zu werden. Doch von allem, was du an diesem einen gemeinsamen Abend gewinnst, bekomme ich die Hälfte. Abgemacht?”


Autor: Marcus

(Anm.: Diego hatte ihm doch bereits 5 Kreuzer zum Spielen rübergeschoben - xd)

“Mein lieber - sollte ich etwa sagen “namenloser” Freund? … (ja - Diego ist ein wenig echauffiert über die Unhöflichkeit des Nicht-vorstellens einerseits und des plötzlichen Duzens andererseits) … die Hälfte - selbst für einen einzigen Abend - kann ein ganzes Vermögen bedeuten. Außer einem grandiosen Gewinn kann Euch also nichts Schlimmes passieren. Aber was ist mit meinen Verlusten?”

Diegos Gesicht spielte theatralische Enttäuschung vor.

“Folgender Vorschlag zur Güte: Im Falle meines Sieges bekommt ihr die Hälfte meiner Gewinne für den Abend … UND den kleinen Zettel”.

Seine Hand tippte auf das kleine Papier. Er fuhr weiter fort.

“Und im Gegenzug tragt ihr die Hälfte meiner Verluste an besagtem Abend, so unwahrscheinlich der Fall auch sein möge. Das gibt mir zumindest ein wärmeres Bauchgefühl. Eine gute Partnerschaft zeichnet immerhin aus, dass sie nicht nur durch dick, sondern auch durch dünn geht. Naja und wenn ich verliere, dann ist die Schmach mit mir … und das Papier ohnehin das Eure. Und wenn ihr nicht noch in weitere, zähe Nachverhandlungen geht …”

Diego kramte etwas aus einer Tasche unter dem Tisch hervor.

“… dann gibt es jetzt gleich, direkt von mir diese Flasche originalen Castillo Gato del Fuego obendrauf.”


Autor: BBB

“Gewinne mögen ein kleines Vermögen sein, da hast du recht, besonders an einem Ort wie diesem - aber du vergisst, mein spielender Freund”, setzte der Fremde das Spiel der Namen fort, “ohne mich und meinen Zugang sind diese möglichen Gewinne von vornherein die Gewinne anderer und dein ist der Verlust. Wieso sollte ich deine Verluste tragen, wenn ich doch selbst stattdessen Gewinne erspielen könnte, hm?” Sein Grinsen war weiterhin selbstbewusst, aber amüsiert. Er genoss das Hin und Her offensichtlich.

Mit Blick auf die Flasche fügte er nach kurzem Nachdenken hinzu: “Aber wenn dir dein warmes Bauchgefühl so wichtig ist, spielender Freund, dann komme ich dir gern ein letztes mal entgegen. Gewinnst du, nehme ich dich mit, bürge für dich. Was immer du vor Ort verlierst, verlierst du und du allein. Von allem, was du gewinnst, an diesem gemeinsamen Abend gibst du mir den vierten Teil, nicht die Hälfte. Darauf könnte ich trinken… und was die Partnerschaft angeht… durch dick und durch dünn können wir gemeinsam gehen, sobald du dich bewiesen hast”, fügte er augenzwinkernd hinzu.


Autor: Marcus

“Na, mir strebt nicht der Sinn nach einer Ehe” … schloss Diego an. “Aber zumindest wüsste ich dann, welchen Nachnamen ihr fortan trüget - und das wäre doch schon etwas.” … er warf den grinsenden Gesichtsausdruck seines Gegenüber amüsiert spiegelnd zurück und gab als kleines Zuckerhäubchen noch ein linksseitiges Augenzwinkern obenauf.

“Mit einem Viertel der Abgaben an besagtem Abend werde ich wohl leben können. Leider habt ihr nachverhandelt … und damit geht dieser Tropfen - vorerst - wieder in meine Tasche.”

Mit einer theatralischen Bewegung, verschwand die Flasche wieder unter dem Tisch.

“Aber schön, dass wir nun doch zu einer Einigung gekommen sind.”

“Wir sollten uns noch darauf einigen, dass wir hier von monetären Gewinnen sprechen. Sprich: Münzen. Einen Freund, den ich an diesem Abend vielleicht gewinnen möge, würde ich ungern vierteln. Also? Abgemacht?”

Diego drehte seinen Kopf leicht zur Seite und hob abwartend seine Augenbrauen, während er die rechte Hand für eine Besiegelung des Handels in Richtung des jungen Burschen reichte.


Autor: BBB

“Abgemacht, Spieler”, erwiderte sein Gegenüber zufrieden - und schlug ein.