Chronik.Ereignis1028 Traviabund in Flogglond 01
Baronie Flogglond, 17. Firun 1028 BF
Im Flogglonder Tal (vormittags)
Autor: vivar
„Du wirst W A S?“ Die Worte des León de Vivar hallten von den Felswänden wieder. Erschrecken, ja Entsetzen schwang in ihnen mit und breitete sich über sein gesamtes Gesicht aus. Beinahe hätte der junge Caballero seinen wohlgeformten Bogen fallen gelassen, so erschütterte ihn das soeben von seinem Compadre Amaro de Viryamun Vernommene. Sich zu diesem umdrehend, zügelte er sein schwarzes Ross.
León Dhachmani de Vivar, weit gereist und trotz junger Jahre reich an Erfahrungen und sein Freund und entfernter Vetter Rondrigo de Braast waren wie die anderen Descendientes auch von Baron Sumudan Viryamun von Flogglond an diesem klirrend kalten Firunstag auf seine Güter eingeladen worden, um gemeinsam eine große Wolfshatz zu begehen. Aufgrund der auch im Sonnigen Königreich ungewöhnlich bitteren Wintermonde nämlich hatten sich die Wölfe des Eisenwaldes hungernd aus den Hochlagen in die Niederungen der Täler geschlichen, wo die Menschen wohnten. Einige ganz besonders kapitale Exemplare hatten bereits eine gesamte Herde Schafe (samt Hütehund) gerissen. Laut den Aussagen des verängstigten Schäfers, dem die auf Castillo Viryamun versammelten Magnaten mehr oder weniger geduldig gelauscht hatten, war der größte dieser Wölfe wohl an die drei Schritt lang, hatte das Maul eines Grubenwurmes mit Reißzähnen wie Dolchen und lief so geschwind, wie ein Adler fliegen konnte. „Brechen wir auf und erlegen wir das Tierchen, bevor der Kerl ihm noch Drachenflügel andichtet“, hatte Baron Sumudan, der Anführer der Jagdgesellschaft, knurrend befohlen.
Nun, zwei Stunden später, saßen die drei jungen Descendientes – Dom Amaro, Dom León und Dom Rondrigo – in dicke Wintermäntel gehüllt, mit Schals und ledernen Handschuhen angetan auf ihren Rössern und ritten durch den felsenbewachten Ausgang des Flogglonder Tales in Richtung der Wälder, wo man die Wölfe vermutete. Sie bildeten die fröhlich durch den spritzenden Schnee donnernde Spitze einer lang gezogenen Jagdgruppe von vielleicht einem Dutzend Magnaten und wohl drei bis vier Mal so vielen Jägern, Hundehütern und Soldknechten.
Der Grund für des Vivarer Caballeros plötzliche Indisponiertheit, der ihn gar seine Shadifstute hatte zügeln lassen, war die Aussage Dom Amaros gewesen, dass jener auf Wunsch seines Vaters am 1. Rahja mit Radia von Franfeld, der Vögtin von Ragathsquell, den Bund Rahjas eingehen solle. Als die beiden anderen jungen Caballeros ebenfalls anhielten, sprach der Vivar, eine weiße Wolke aus seinem Munde ausstoßend, zu seinem Freund: „Welcher Dämon ist denn in dich gefahren, Amaro? Heiraten? Bist du von Sinnen?“ Er blickte, immer noch entsetzt, zu Dom Rondrigo. „Ist er von Sinnen? Er ist von Sinnen.“
Wieder wandte er sich dem jungen Viryamuner zu und fuhr fort: „Wenn es wenigstens eine schöne junge Graciosa wäre, mit der du dich trauen sollst! Dann könnt’ ich dich vielleicht, vielleicht noch begreifen. Aber die Kopf-Ab-Radia?“ Dom León schüttelte den Kopf. „Amigo, die ist mindestens hundert Jahre älter als du! Und so bezaubernd wie ein betrunkener caldaïscher Fuhrkutscher bei Nacht! Was ficht dich an, dass du so etwas tust? Oder war das eine Idee deines lieben Dom Padre y Soberan?“ Dom León deutete auf die Gruppe von Reitern, die sich in wildem Galopp und mit kläffenden Hufen auf sie zu bewegte.
|
|