Chronik.Ereignis1047 Dem Haus einen Erben

Punin, irgendwann im Jahr 1047 BF

Autor: Alarya

Buntes Licht fiel auf die Stufen vor dem Altar und zeichnete regenbogenfarbene Streifen auf das weiße Kleid der Domna, die tief gebeugt davorkniete.
Eine ganze Weile verharrte sie schon regungslos in dieser Position, nur ihre Lippen bewegten sich im stummen Gebet.
Pasqua Sfalia ging neben ihr in die Hocke.
"Euer Hochgeboren, was verschafft mir die neuerliche Ehre? Darf ich fragen, in welchen Umständen Ihr hier seid?"
"In keinen Umständen, in keinen", flüsterte die Angesprochene.
"Und es gibt auch keine Hinweise, dass Ihr seit eurem letzten Besuch empfangen haben könntet? Hat Euer Madablut nicht wenigstens ein wenig auf sich warten lassen?"
"Nicht ein einziges Mal."
"Und Ihr habt euch ihm an all den Tagen hingegeben, die ich Euch aufgeschrieben hatte?"
Die Domna nickte nur stumm, ehe sie sagte: "Ihr wisst, er ist ein vielbeschäftigter Magnat, aber die letzten Monde war er recht häufig zuhause. Und ich habe die Herrin Rahja innig angefleht, dass sie mir die Kraft gebe, mich so oft zu ihm zu legen, und das hat sie auch."
Die Tsageweihte legte ihr beide Hände auf die Schultern.
"Verehrte Domna, ich werde Euch jetzt etwas sagen. Ihr seid jetzt schon so oft hier im Tempel der Ewigjungen gewesen, dass ich nicht wagen würde, an Eurer Hingabe zu zweifeln. Aber sagt, habt Ihr Euch schon einmal gefragt, ob es vielleicht nicht Ihr seid, der die Herrin ihren Segen vorenthält, sondern vielmehr Euer Gemahl?"
Das Kinn der Domna zitterte etwas. "Aber er war doch auch schon hier, und wir haben gemeinsam gebetet."
"Ich meine nicht... so. Ich habe Euch ja schon erklärt, wie er mindestens beschaffen sein muss, damit die Herrin Eure Verbindung segnen kann. Wenn Ihr euch zu ihm gelegt habt, ist euch da irgendetwas aufgefallen - eine Narbe an seinem Gemächt, oder ähnliches?"
Die Angesprochene schüttelte zögerlich den Kopf. "Ich denke nicht, aber ich bin mir nicht sicher... Euer Gnaden, Ihr wisst, er ist der einzige Mann, mit dem ich jemals ... den ich überhaupt jemals in dieser Weise nackt gesehen habe. Mir fehlt der Vergleich."
"Man muss es auch nicht von außen sehen oder tasten können. Vielleicht hat er sich in seiner Jugend eine Verletzung dort zugezogen, die Ihr gar nicht erkennen könnt."
"Und was kann ich dagegen tun?"
"Nichts, Euer Hochgeboren, leider nichts. Soweit ich weiß, verstehen sich nicht einmal die Diener der Herrin Peraine darauf, solche innerlichen Narben zum Verschwinden zu bringen, vor allem nicht welche, die schon so lange bestehen."
Ihr Kinn zitterte wieder. "Dann kann ich also rein garnichts tun?"
Pasqua lächelte. "Doch."
"Was denn?"
"Ich weiß, dass es anderen ganz leicht fallen würde, zu tun, was ich Euch jetzt sage. Ich weiß auch, dass Euer fester Glaube an die Herrin Travia es Euch besonders schwer machen wird."
Sie beugte sich vor und flüsterte der Knienden etwas ins Ohr. Die Pilgeramulette auf deren Brust begannen unter ihrem Zittern zu klimpern.