Chronik.Ereignis1047 Frühling in Alina 08

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Junkergut Alina, Ingerimm1047 BF

Autor: Amrit Entfernung von Salz aus Böden: Im späten Herbst Errichtung von Erdwällen (1 Schritt hoch) rund um ein Stück Land. Das Areal bis obenhin mit Wasser fluten und stehen lassen über den Winter. Der Druck des Wassers presst Salz von oben hinab in tiefere Erdschichten.
Im Frühjahr ausschöpfen. Aus dem Wasser kann Salz zurückgewonnen werden.

Dankbar dachte Emilio an den aranischen Perainegeweihten, der ihm die Anleitung aufgeschrieben hatte - mit fast aufgeregter Begeisterung zu dem Thema, und versehen mit kleinen Zeichnungen zum Querschnitt und Aufriss. Natürlich hatte er ihm auch regelmäßige Predigten und Segnungen ans Herz gelegt.

Dann hatte der Geweihte ihm den Unterschied zwischen Schwarzbrache und Grünbrache erklärt, und dem frischgebackenen Junker empfohlen, in den baumlosen Gebieten nahe Selaque Birken zu pflanzen. Emilio lenkte daher gerade sein Pferd langsam durch die Säume des Briesacher Moores. Zum einen, weil ihn die Erkundung reizte, zum anderen hatte er ein Grüppchen seiner Eigenhörigen hierher begleitet, da das Moor offenbar verrufen war. In seinen Augen hatte die Landschaft mit ihren hellen Bäumen und eingestreuten kleinen Blütenteppichen etwas Liebliches.

Die Landarbeiter stakten durch Riedgras und Binsen, gruben kleine Bäumchen aus und trugen sie in ihren Schürzen bündelweise zum bereitstehenden Wagen. Emilio ließ dem Shadif die Zügel und das Pferd strebte zu einer Grasstelle, wobei seine einsinkenden Hufe im Moose des Bodens eine Spur kleiner, dunkler Wasserstellen zogen.

Für die Entsalzung war es eine glückliche Fügung, dass Alina reichlich mit Wasser gesegnet war, mit Bachläufen, Feuchtgebieten und Niederschlägen. Emilio stellte für sich fest, dass es auch etwas war, das ihm sein Lehen besonders lieb machte, und er hielt kurz inne im neuen, etwas überraschenden Gedanken, dass das Auelfische bei ihm womöglich irgendwie durchkam. Sein Vater war schließlich selbst ein Halbelf, auch wenn Emilio bei ihm nie eine besondere Neigung zu Wasser bemerkt hatte. Vielleicht sollte er ihn wieder hierher einladen.

Was Emilio selbst betraf: das Wasser gab dem Land etwas eigenartig Vertrautes. Die Geschichte der Zerstörung, die es trug, bewirkte, dass er allmählich sein Herz daran hängte.

Er war aber wohl nicht grundsätzlich nur zugänglich, wenn ihn etwas vor Schwierigkeiten stellte. Bei Cuerno di Castari war Emilio immer wieder überrascht davon, wie leicht viele Dinge in seiner Gegenwart auf einmal wurden. Nähe, Offenheit, Vertrauen, solche Sachen.
Es lag sicher an Cuernos ganz eigener Art, weder dem Leben noch Emilio selbst etwas abzuverlangen, und offen anzunehmen, was kam. Außerdem, eines der ersten Dinge, die ihm am Caballero aufgefallen waren: Cuerno war ehrlich. Emilio war selbst jemand, der aus Überzeugung nicht log. Cuerno wurde aber nicht einmal sarkastisch, wenn er verärgert oder angegriffen war. Cuerno war in unverstellter Weise ehrlich - körperlich, in seinen Worten, in seinen Handlungen - und es war immer wieder überraschend, wieviel Gewicht das wegnahm.

Er vermisste ihn. Nicht, weil sie sich lange nicht gesehen hätten.
Es war bisher fast wie gemeinsame Übereinstimmung gewesen: Pfade kreuzten sich, dann ging jeder wieder für viele Wochen seiner Wege. Bisher hatte ihn das nie beunruhigt. Er hatte sich einfach bewegt durch eine Welt, die leuchtender war, die mehr Sinn ergab, weil er wusste, dass irgendwo darin auch Cuerno war. Es war nicht die Zeit der Trennung gewesen, sondern ihre letzte Zusammenkunft, seine Warnung, wo das Gefühl begonnen hatte, dass der andere ihm schmerzhaft abging. Und das Gefühl war seither nicht leichter geworden. Er vermisste Cuerno und er hoffte, dass die Welt gut zu ihm war, wo immer es ihn gerade hinverweht hatte.

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Omlad, ebenfalls Ingerimm 1047 BF

Autor: Jan

Cuerno lag auf seinem Bett im Stadthaus seiner Familia am Rand von Omlad und überlegte, ob er seinem Gefühl nachgeben sollte, noch einmal Zulhibans Teehaus aufzusuchen, bevor er und sein Bruder bald aufbrechen würden. Dass er überhaupt darüber nachdachte, ob er dem nachgehen sollte, war ungewöhnlich. Normalerweise tat er es einfach. Aber derzeit rauschte so viel durch seinen Kopf - seine Erlebnisse im Wall, die allerdings dem allseitigen Vibrieren der Luft nachstanden. Er konnte förmlich die aufgeregte Ungewissheit spüren, die die Menschen derzeit bewegte und die aufgrund der sich unübersichtlichen Ereignisse noch ungreifbar in der Luft lag.

Doch eigentlich galten seine ausschweifenden Gedanken einer ganz anderen Sache, die sich sicherlich auch hochschaukeln würde, denn die Zeit war eine dafür. Er hoffte, Emilio hatte seine Warnung ernst genommen und er hoffte, dass er seine Verbündeten in Tyras auf die anderen Dinge hatte lenken können...Dinge die sich gerade langsam, aber sicher Bahn brachen, über die es allerlei Gerüchte gab und über die allerorten begonnen wurde, zu spekulieren, was für eine Ende das nehmen würde.
Er öffnete ein Stück weit sein Hemd, spürte dem Narbengeflecht des Brandzeichens nach. Diese Leute hatten ihm eine gute Zeit gegeben und sie hatten eine Zeit lang große Gemeinsamkeiten gehabt. Cuerno ahnte aber auch, wozu einige von ihnen fähig sein konnten und dass er sich am besten von Emilio fern halten musste, um ihre Aufmerksamkeit nicht noch mehr auf ihn zu lenken, oder auch auf sich selbst. Derweil hatte sein Freund seine Eindringlichkeit hoffentlich verstanden, hielt sich nicht die ganze Zeit in Alina auf und machte nichts Unüberlegtes. Im besten Fall würde bald Gras über die Sache wachsen, anderes im Fokus stehen, dann könnte er vielleicht den Kontakt wieder aufnehmen…vielleicht.

Der Caballero setzte sich abrupt auf, schüttelte die Gedanken ab und schaute aus dem Fenster. Er suchte nach Ablenkung, indem er auf die Hügel um Omlad blickte, auf denen nicht wenige Hirten ihre Ziegen und Böcke weideten. Das erinnerte ihn an etwas - er musste sich weiter ablenken, diesen Zustand wieder erreichen, den er in der Dunkelheit und Stille des Ferkinazelts erreicht hatte. Die Bilder, die er dort gesehen hatte, waren nur noch schwammig, aber sie schienen ihm immer mehr Bedeutung zu erlangen. Er erahnte sie nur noch, nur die Gestalt vor dem Mond war ihm noch sehr deutlich. Allerdings schien sie sich wieder abzuwenden in seinen Gedanken. Dahin musste er wieder - er würde es im Teehaus versuchen - auch wenn das andere Erinnerungen wach rufen würde. Wenn dies nichts half, würde er seinen Bruder überzeugen, dass sie ihr Weg nach Soroban oder noch besser nach Weinbergen führen sollte. Wenn sie nicht ohnehin ganz andere Ereignisse einholen würden.

Er schüttelte sich nochmals, stand auf und verließ das Zimmer.