Chronik.Ereignis1040 Zwischen Ober- und Unter-Punin 01: Unterschied zwischen den Versionen
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Der andere war jünger, als Emilio aus der Entfernung gedacht hätte. Er konnte kaum älter sein als er selbst, hatte auch ähnlich dunkle Locken. Was am meisten auffiel, war aber der Blick. Sehr wach, voll konzentrierter Intensität. | Der andere war jünger, als Emilio aus der Entfernung gedacht hätte. Er konnte kaum älter sein als er selbst, hatte auch ähnlich dunkle Locken. Was am meisten auffiel, war aber der Blick. Sehr wach, voll konzentrierter Intensität. | ||
Tsayanos graublaue Augen starrten zurück. Wo war der denn so plötzlich hergekommen? “Ja … ääh. Genau. Ich komme von der … Travia-Kirche … mit ähh … fürsorglichem Auftrag.” ''Sein Mund war wieder schneller als sein Verstand. Bei den Zwölfen, was für einen Unsinn er da von sich gab!'' Kurz entglitten ihm die Gesichtszüge, eine Hand ballte sich reflexhaft zur Faust. “Wo … äh, wer bist du?” | Tsayanos graublaue Augen starrten zurück. Wo war der denn so plötzlich hergekommen? “Ja … ääh. Genau. Ich komme von der … Travia-Kirche … mit ähh … fürsorglichem Auftrag.” ''Sein Mund war wieder schneller als sein Verstand. Bei den Zwölfen, was für einen Unsinn er da von sich gab!''<br>Kurz entglitten ihm die Gesichtszüge, eine Hand ballte sich reflexhaft zur Faust. “Wo … äh, wer bist du?”<br> | ||
"Ah Verzeihung." Nun wirkte Emilio ertappt, als hätte er die Etikette für “spätnächtliche Überraschungsbekanntschaften, die zum Glück doch keine Diebe sind” missachtet. "Emilio Lampérez di Rueda." Er neigte leicht den Kopf. | "Ah Verzeihung." Nun wirkte Emilio ertappt, als hätte er die Etikette für “spätnächtliche Überraschungsbekanntschaften, die zum Glück doch keine Diebe sind” missachtet. "Emilio Lampérez di Rueda." Er neigte leicht den Kopf. | ||
Tsayano strich sich beide Hände an seiner Hose ab, als hätte er eine Schürze an und soeben mit Mehl gearbeitet. “Tsayano Valeroso Taubentanz.” Er neigt seinerseits den Kopf und blickte den anderen Jungen an. Das intensive Starren war einem unsicheren Wandern der Augen gewichen. “Wenn ich dir sage, dass das mit der Travia-Kirche ein ganz kleines bisschen gelogen war und ich dir verspreche, die wahre Geschichte zu erzählen, würdest du mir dann versprechen, mich nicht zu verpetzen und mir verraten, was du hier mitten in der Nacht machst? Ich schwöre bei den Zwölfen, dass ich kein Dieb bin!” <br> | Tsayano strich sich beide Hände an seiner Hose ab, als hätte er eine Schürze an und soeben mit Mehl gearbeitet. “Tsayano Valeroso Taubentanz.” Er neigt seinerseits den Kopf und blickte den anderen Jungen an. Das intensive Starren war einem unsicheren Wandern der Augen gewichen. “Wenn ich dir sage, dass das mit der Travia-Kirche ein ganz kleines bisschen gelogen war und ich dir verspreche, die wahre Geschichte zu erzählen, würdest du mir dann versprechen, mich nicht zu verpetzen und mir verraten, was du hier mitten in der Nacht machst? Ich schwöre bei den Zwölfen, dass ich kein Dieb bin!” <br> | ||
Der Blick des anderen lag einen Moment nachdenklich auf Tsayano, dann trat ein Ausdruck in sein Gesicht, der den ungewöhnlichen Gelbton der Augen noch wärmer scheinen ließ: “Auf jeden Fall. Verspreche ich! Das mit Travia habe ich schon vermutet.“ Ein Grinsen stahl sich in sein Gesicht „Ich dachte du bist in Wirklichkeit von der Rahjakirche, und hier, um die Statue künstlerisch aufzuwerten. Nein, aber ohne Scherz, würde mich freuen zu hören, was wirklich dahintersteckt!“ Das kam mit ehrlicher Freundlichkeit. “Sieht aus, als wäre das eine gute Geschichte!” | Der Blick des anderen lag einen Moment nachdenklich auf Tsayano, dann trat ein Ausdruck in sein Gesicht, der den ungewöhnlichen Gelbton der Augen noch wärmer scheinen ließ: “Auf jeden Fall. Verspreche ich! Das mit Travia habe ich schon vermutet.“ Ein Grinsen stahl sich in sein Gesicht „Ich dachte du bist in Wirklichkeit von der Rahjakirche, und hier, um die Statue künstlerisch aufzuwerten. Nein, aber ohne Scherz, würde mich freuen zu hören, was wirklich dahintersteckt!“ Das kam mit ehrlicher Freundlichkeit. “Sieht aus, als wäre das eine gute Geschichte!” | ||
“Wenn überhaupt, dann hast du es hier mit Tsa zu tun, der Mutter der Veränderung. Weißt du, ich war mal ein Dieb, in meinem alten Leben. Aber jetzt bin ich ein Krieger und normalerweise schleiche ich nicht so herum. Ist eine lange Geschichte.” Tsayano seufzte. “Vielleicht erzähle ich sie dir eines Tages mal.” Ein leiser Zweifel stieg in ihm auf: ''Warum habe ich ihm das jetzt auf die Nase gebunden? War das klug?'' | “Wenn überhaupt, dann hast du es hier mit Tsa zu tun, der Mutter der Veränderung. Weißt du, ich war mal ein Dieb, in meinem alten Leben. Aber jetzt bin ich ein Krieger und normalerweise schleiche ich nicht so herum. Ist eine lange Geschichte.” Tsayano seufzte. “Vielleicht erzähle ich sie dir eines Tages mal.”<br>Ein leiser Zweifel stieg in ihm auf: ''Warum habe ich ihm das jetzt auf die Nase gebunden? War das klug?'' | ||
„Klingt nach einer guten Veränderung.” meinte der di Rueda nur schlicht. “Was mich betrifft, ich bin hier, um ein Schild auszutauschen. Letzte Gelegenheit vor der Ausstellung…" erklärte er und ging dabei zu dem Gemälde mit der blassen Reiterin, ohne Tsayano ganz den Rücken zuzuwenden.<br> | |||
''"Die Heilige Hadjinsunni im Kampfe”''<br> | ''"Die Heilige Hadjinsunni im Kampfe”''<br> | ||
''Emiglio Lamperez di Rueda''''<br> | ''Emiglio Lamperez di Rueda''''<br> | ||
stand auf einer Messingplakette unter dem Bild zu lesen. Der junge Mann in der bestickten Robe kniete ab und tauschte die Metallplatte mit einer ähnlichen, worauf der Name anders geschrieben war. | stand auf einer Messingplakette unter dem Bild zu lesen. Der junge Mann in der bestickten Robe kniete ab und tauschte die Metallplatte mit einer ähnlichen, worauf der Name anders geschrieben war. | ||
“Dieses Bild ist von dir?” Tsayanos Stimme war laut geworden vor Überraschung. Ungläubig blickte er Emilio an. Dann das Bild. | “Dieses Bild ist von dir?” Tsayanos Stimme war laut geworden vor Überraschung. Ungläubig blickte er Emilio an. Dann das Bild. | ||
„Ja schon. Es ist mein erstes ausgestelltes Gemälde", meinte Emilio und wirkte ziemlich verlegen, was sich noch steigerte, während er erklärte: „Ich wollte dir wirklich nicht hinterherspionieren oder sowas…vorhin. Ich wusste bloß nicht, wer du bist, daher…Also ich habe gesehen, dass du das Bild betrachtet hast.“ | „Ja schon. Es ist mein erstes ausgestelltes Gemälde", meinte Emilio und wirkte ziemlich verlegen, was sich noch steigerte, während er erklärte: „Ich wollte dir wirklich nicht hinterherspionieren oder sowas…vorhin. Ich wusste bloß nicht, wer du bist, daher…Also ich habe gesehen, dass du das Bild betrachtet hast.“ | ||
Er warf Tsayano einen etwas hilflosen Blick zu: „Ist etwas nicht in Ordnung damit?“ | Er warf Tsayano einen etwas hilflosen Blick zu: „Ist etwas nicht in Ordnung damit?“ | ||
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Tsayanos Lob freute den jungen Maler, das war ihm deutlich anzusehen. Bei den Ausführungen und Gesten zur Säbelhaltung hörte er dann sehr aufmerksam zu, wirkte aber nicht betroffen. Eher interessiert. | Tsayanos Lob freute den jungen Maler, das war ihm deutlich anzusehen. Bei den Ausführungen und Gesten zur Säbelhaltung hörte er dann sehr aufmerksam zu, wirkte aber nicht betroffen. Eher interessiert. | ||
„Das ist ein gutes Angebot. Du kennst dich mit dem Thema offensichtlich aus. So ein großformatiges Gemälde geht nicht, aber was Kleineres…“ Er dachte etwas nach. <br> | „Das ist ein gutes Angebot. Du kennst dich mit dem Thema offensichtlich aus. So ein großformatiges Gemälde geht nicht, aber was Kleineres…“ Er dachte etwas nach. <br> | ||
„Ja! Ich bin gerne dabei! Sag, wann und wo wir uns treffen sollen.“ | „Ja! Ich bin gerne dabei! Sag, wann und wo wir uns treffen sollen.“<br> | ||
Sie vereinbarten die Eckpunkte, dann verabschiedete sich der Schwertschüler, denselben Weg nehmend, den er hereingekommen war. | Sie vereinbarten die Eckpunkte, dann verabschiedete sich der Schwertschüler, denselben Weg nehmend, den er hereingekommen war. | ||
Diese Nacht hatte eine unerwartete Wendung genommen, aber, wie Emilio spürte, eine, für die er dankbar war. | Diese Nacht hatte eine unerwartete Wendung genommen, aber, wie Emilio spürte, eine, für die er dankbar war. | ||