Chronik.Ereignis1033 Feldzug Raschtulswall 13: Unterschied zwischen den Versionen
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Ungeduldig sah Moritatio zu, wie der alte Heiler einige Blätter von einem Busch neben seiner Hütte abriss und sie dem verletzten jungen Ferkina auf seine am stärksten blutende Wunde an der Schulter presste. Diesem war das ganz und gar nicht geheuer, er zappelte wild hin und her und gab Zischlaute von sich wie eine in die Enge getriebene Schlange.<br> | |||
"Hola! Was ist nun?" hakte Moritatio unwirsch nochmals nach, da dem Eremiten das Verarzten dieses Wilden wichtiger zu sein schien, wie ihnen eine Antwort zu liefern.<br> | |||
"Hm, also diese Edeldame mit dem Kind, die mich aufsuchen wollte" gab der Alte dann doch endlich brummelnd Laut, "...es wundert mich nicht, daß sie mich nicht gefunden hat."<br> | |||
Moritatio tauschte einen fragenden Blick mit Dom Gendahar und Zaida - aber beide schienen damit ebenso wenig anfangen zu können, wie er selbst. "Wie meinst Du das? Wir haben Dich doch auch gefunden?"<br> | |||
"Ihr hattet großes Glück, daß euch meine Schwester den Weg zu mir gewiesen hat" erklärte der Einsiedler schulterzuckend. "Sie ist die Einzige die weiß, daß ich nun hier lebe! Bis vor 6 Monden lag meine Hütte noch drüben auf der anderen Seite, an der Westflanke des Berges. Im vergangenen Hesindemond ging aber ein gewaltiger Firunschlag von oben herab und zermalmte mein Domizil - der Göttin sei dank, während ich und mein Hundchen gerade beim Feuerholz suchen waren. Ansonsten stände ich heute nicht vor euch."<br> | |||
Moritatio nickte verstehend: "Du meinst, Domna Fenia könnte drüben auf der falschen Seite nach Deiner Hütte gesucht haben und hat dort dann nur noch Trümmer vorgefunden?"<br> | |||
Tsacharias Krähenfreund nickte: "Ja, wenn sie Abt Marbodano zu mir geschickt hat, dann sicherlich. Ich muss den Guten früher oder später einmal aufsuchen, wenn ich mich wieder in Ragatien sehen lassen kann."<br> | |||
Der junge Vanyadâler tauschte erneut einen Blick mit dem Streitziger - es war offensichtlich, daß dieser dasselbe dachte, wie er selbst. "Los! Bring uns zu Deiner alten Hütte!" befahl er dem Eremiten, der sich nach wie vor bemühte, den Blutfluß aus den Stichwunden des jungen Ferkinas zu stillen. Mit zwei Schritten war Moritatio bei ihm, packte ihn an der Kapuze seines schrill bunten Gewandes und zog ihn daran hoch auf die Füße. "SOFORT!"<br> | |||
"Nicht doch, nicht doch!" hob der Alte abwehrend die Hände. "Ihr seid ein sehr jähzorniger und ungeduldiger junger Mann!"<br> | |||
"Eigentlich nicht - ganz im Gegenteil!" blaffte ihn Moritatio an. "Aber schlechte Zeiten gebären schlechte Menschen! Lass' diesen verfluchten Drecksack hier liegen! Er wollte uns kaltmachen, vergiß das nicht!<br>Seine Stammesbrüder werden sich um ihn kümmern und sie werden bald hier sein, weshalb wir erst recht schleunigst von hier verschwinden müssen. Wohin ist eigentlich egal - aber vielleicht finden wir an Deiner alte Hütte zumindest Spuren, ob Domna Fenia und ihr Junge dort waren."<br> | |||
Der Eremit strich sich über den grauweißen Rohalsbart. "Vielleicht habt ihr Recht, junger Da Vanya. Der Schnee ist inzwischen weggeschmolzen - wenn die Domna den langen entbehrungsreichen Weg auf sich nahm, um meine Hilfe zu erbitten, so bin ich es ihr jetzt wohl schuldig, zumindest nach ihr zu suchen."<br> | |||
"Was? Äh ja ja, genau...das bist Du ihr über alle Maßen schuldig!" nickte Moritatio, dem sich die Logik dieses verwirrten Querkopfes zwar nicht erschloß, der aber froh war, daß er sich nun endlich kooperativ zeigte.<br> | |||
"Wir können gleich aufbrechen" nickte er Alte, der sich mit einem sachkundigen Blick vergewisserte, ob der junge Ferkina durchkommen würde, bis ihn seine Stammesangehörigen fanden. "Ich nehme dann am besten auch | |||
mein Hundchen mit - er hat eine ausgezeichnete Spürnase! Wenn wir eure Vermissten finden wollen, dann wird er uns eine große Hilfe sein. Raffzahn! Jawohl, heraus mit Dir, mein Bester!"<br> | |||
Mit diesen Worten drücke der Alte seine Hüttentür auf und heraus schnellte ein schwarz-braun gefleckter, kalbsgroßer Koloss von einem Hund - offenbar eine Promenadenmischung aus einer Wehrheimer Dogge, einem | |||
Winhaller Wolfsjäger und anderen großgewachsenen Rassen - unter anderem vielleicht sogar auch von einer wilden Khoramsbestie.<br> | |||
"Was zum...?" wandte sich Moritatio zur Flucht und fasste nach seinem stumpfen, abgebrochenen Rapier, als das Riesenvieh mit lautem Gekläff und weiten Sprüngen auf ihn zugeschossen kam. "Das ist kein Hundchen, | |||
das ist ein junger Tatzelwurm!" Im letzten Moment änderte der Hund abrupt seine Laufrichtung und sprang freudig kläffend an Zaida hoch, der er fast gerade in die Augen schauen konnte.<br> | |||
"Keine Angst! Der will nur spielen!" beschwichtigte Tsacharias Krähenfreund, der kurz in seiner Hütte verschwand und kurz darauf mit einem Bündel unter dem Arm wieder hervorkam. Offenbar hatte er seine wichtigsten Siebensachen jederzeit gepackt parat liegen.<br> | |||
"Los, verschwinden wir von hier!" befahl Moritatio und bedeutete dem alten Eremiten als Führer voranzugehen - schließlich war er hier zu Hause und nicht sie. Ihr Sicherungsseil, daß sie beim Angriff der beiden Ferkinas hatten durchtrennen müssen, blieb am Boden vor der Hütte zurück - mochten die guten Götter ein Einsehen haben, daß sie nicht nochmals hinauf auf diesen verfluchten Berg steigen mussten. | |||
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'''Autor:''' [[Benutzer: Simanca|Simanca]] | |||
Noch immer beschämt davon, dass sie kaum etwas zum Kampf hatte beitragen können, war Zaida still wie man sie daheim kaum kannte, nahebei gesessen und hatte den Gesprächen gelauscht. Je mehr Zeit verstrich, desto mehr schwand auch ihre Hoffnung, die Domnatella Romina unversehrt wieder zu sehen. Die Tränen wollten ihr in die Augen steigen, doch sie drückte sie energisch zurück. Da kam ihr Raffzahn gerade recht. Mit Tieren kam sie schon immer gut zurecht und die vierbeinigen Freunde konnten auch besser zuhören als die zweibeinigen Erwachsenen. So lief sie brav auf einer Höhe mit dem Berg von Hund und fütterte ihn heimlich mit den Resten ihrer letzten Mahlzeit. "Mach dir nichts draus, Großer, wenn wir wieder Rast machen, spielen wir hasch-mich und ich kraul dir die Brust..." Sie lächelte schief und trabte hinter den Männern her. | |||
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