Chronik.Ereignis1037 Studienobjekte 02: Unterschied zwischen den Versionen
Amrit (Diskussion | Beiträge) Die Seite wurde neu angelegt: „==Methumis, Rondra 1037 BF== '''Autoren:''' De Verlez und Amrit Sie hatten sich für den nächsten Morgen zum Frühstück verabredet. Emilio schloss die Tür zum Schankraum. Er war trotz der frühen Stunde gut besucht. An einem Tisch diskutierten zwei ältere Studiosi über die richtige Auslegung eines bosparanischen Gesetzestextes. Nebenan stri…“ |
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Sie hatten sich für den nächsten Morgen zum Frühstück verabredet. | Sie hatten sich für den nächsten Morgen zum Frühstück verabredet. | ||
[[Emilio Lampérez di Rueda|Emilio]] schloss die Tür zum Schankraum. Er war trotz der frühen Stunde gut besucht. An einem Tisch diskutierten zwei ältere Studiosi über die richtige Auslegung eines bosparanischen Gesetzestextes. Nebenan stritt ein junger Dozent mit | [[Emilio Lampérez di Rueda|Emilio]] schloss die Tür zum Schankraum. Er war trotz der frühen Stunde gut besucht. An einem Tisch diskutierten zwei ältere Studiosi über die richtige Auslegung eines bosparanischen Gesetzestextes. Nebenan stritt ein junger Dozent mit einer reisenden Gelehrten über die politische Zukunft des Horasreiches. Ein Schreiber hörte aufmerksam zu, während er scheinbar unbeteiligt sein Frühstück genoss. Alles verlief in ruhigerem, gediegenerem Ton als in anderen Schankstuben der Stadt. | ||
[[lfwiki:Orleane ya Pirras|Orleane]] hob den Blick und schaute in die Richtung, aus der Emilio sich auf den Tisch zubewegte. Er sah erholter und ein gutes Stück kultivierter aus, und das, obwohl er gerade nur hemdsärmelig unterwegs war. | [[lfwiki:Orleane ya Pirras|Orleane]] hob den Blick und schaute in die Richtung, aus der Emilio sich auf den Tisch zubewegte. Er sah erholter und ein gutes Stück kultivierter aus, und das, obwohl er gerade nur hemdsärmelig unterwegs war. | ||
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„Alle Institute abzugehen ist sicher zu viel. Ich würde mir gerne einen Eindruck der Umgebung hier verschaffen. Und die Bunte Mauer sehen.“ | „Alle Institute abzugehen ist sicher zu viel. Ich würde mir gerne einen Eindruck der Umgebung hier verschaffen. Und die Bunte Mauer sehen.“ | ||
„Dann kommt, wenn | „Dann kommt, wenn Ihr schon unbedingt wissen wollt, wo Ihr die nächsten Götterläufe verbringen werdet, dann solltet Ihr wenigstens die richtigen Gebäude kennenlernen.“ | ||
Die junge Studiosa wartete nicht auf eine Antwort. Mit einem kaum merklichen Lächeln setzte sie sich in Bewegung und winkte dem neuen Studiosi hinterher. Sie hatte sich noch einen kurzen, schwarzen Umhang, dessen Saum mit einer Reihe stilisierter Rabenfedern bestickt war, über die Schultern gelegt, bevor sie das Gasthaus verließen. Mit Seitenblick auf das prachtvolle Cape zögerte Emilio kurz, ob er nicht noch hochlaufen sollte, seinen Gehrock holen. Seine horasische Begleiterin war jedoch bereits am Weg hinaus. | Die junge Studiosa wartete nicht auf eine Antwort. Mit einem kaum merklichen Lächeln setzte sie sich in Bewegung und winkte dem neuen Studiosi hinterher. Sie hatte sich noch einen kurzen, schwarzen Umhang, dessen Saum mit einer Reihe stilisierter Rabenfedern bestickt war, über die Schultern gelegt, bevor sie das Gasthaus verließen. Mit Seitenblick auf das prachtvolle Cape zögerte Emilio kurz, ob er nicht noch hochlaufen sollte, seinen Gehrock holen. Seine horasische Begleiterin war jedoch bereits am Weg hinaus. | ||
''Ja dann. Es würde auch so gehen.'' | ''Ja dann. Es würde auch so gehen.'' | ||
Er schloss zu Orleane auf, die nun vor dem Gasthaus stand. „Das hier ist Centurria“, erklärte sie. „Der älteste Teil der Stadt. Und einer der Orte, an denen | Er schloss zu Orleane auf, die nun vor dem Gasthaus stand. „Das hier ist Centurria“, erklärte sie. „Der älteste Teil der Stadt. Und einer der Orte, an denen Ihr sehr schnell merken werdet, dass Methumis keine Universität mit einem einzigen Campus ist. Unsere Universität steckt überall in der Stadt.“ | ||
Man merkte, dass Orleane schon einige Zeit an der Universität war, denn sie bewegte sich mit der selbstverständlichen Sicherheit einer Einheimischen durch die Straßen. Für Emilio dagegen war jeder zweite Abzweig ein Rätsel. Hinter den Häusern ragten Türme auf, über den Dächern flatterten bunte Wimpel, und aus einer nahen Gasse drang der Geruch nach gerösteten Nüssen, Wein und warmem Brot. Zwischen alten Patrizierhäusern, schmalen Läden und reich verzierten Fassaden tauchen immer wieder die Zeichen der Universität auf. Dann öffnete sich die Straße vor ihnen. | Man merkte, dass Orleane schon einige Zeit an der Universität war, denn sie bewegte sich mit der selbstverständlichen Sicherheit einer Einheimischen durch die Straßen. Für Emilio dagegen war jeder zweite Abzweig ein Rätsel. Hinter den Häusern ragten Türme auf, über den Dächern flatterten bunte Wimpel, und aus einer nahen Gasse drang der Geruch nach gerösteten Nüssen, Wein und warmem Brot. Zwischen alten Patrizierhäusern, schmalen Läden und reich verzierten Fassaden tauchen immer wieder die Zeichen der Universität auf. Dann öffnete sich die Straße vor ihnen. | ||
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Gebrannte Erde, Karmesinrot, Ultramarin. Er legte sachte die Handfläche auf. <br>“Und dahinter ist der Ozean?” Er wandte sich halb um zu Orleane. “Können wir den auch ansehen?” | Gebrannte Erde, Karmesinrot, Ultramarin. Er legte sachte die Handfläche auf. <br>“Und dahinter ist der Ozean?” Er wandte sich halb um zu Orleane. “Können wir den auch ansehen?” | ||
“Nein, dahinter befindet sich der Onjet, welcher sich im Süden ins Meer ergießt. Folgt mir, ich bringe | “Nein, dahinter befindet sich der Onjet, welcher sich im Süden ins Meer ergießt. Folgt mir, ich bringe Euch dort hin.” Die Studiosa ging mit sicheren Schritten voran, während ihr Begleiter immer wieder stehen blieb, um sich umzusehen. Ihr werdet Euch noch verlaufen“, sagte sie amüsiert, ohne sich umzudrehen. „Ich bin erst seit gestern hier.“ „Eben.“ | ||
Sie führte ihn durch eine schmalere Straße in Centurria, an der Bunten Mauer entlang. Der Weg ging nach Süden. Immer wieder öffneten sich zwischen den Häusern kleine Durchgänge, durch die man einen Blick auf das dahinterliegende Methumis erhaschen konnte. Je weiter sie nach Süden kamen, desto häufiger mischten sich die Gerüche der Stadt mit einer salzigen Note. Zunächst war es kaum mehr als ein Hauch. | Sie führte ihn durch eine schmalere Straße in Centurria, an der Bunten Mauer entlang. Der Weg ging nach Süden. Immer wieder öffneten sich zwischen den Häusern kleine Durchgänge, durch die man einen Blick auf das dahinterliegende Methumis erhaschen konnte. Je weiter sie nach Süden kamen, desto häufiger mischten sich die Gerüche der Stadt mit einer salzigen Note. Zunächst war es kaum mehr als ein Hauch. | ||
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Orleane setzte sich auf die niedrige Mauerkrone und ließ die Beine baumeln. „Das ist mein Lieblingsplatz.“ Angesichts der Tiefe unter ihnen erfasste Emilio bei dem Anblick ein unwillkürliches Gefühl leichter Sorge. Sie festzuhalten war aber natürlich völlig außer Frage, er griff also betont ruhig die Konversation auf. „Was macht es zum Lieblingsplatz?“ | Orleane setzte sich auf die niedrige Mauerkrone und ließ die Beine baumeln. „Das ist mein Lieblingsplatz.“ Angesichts der Tiefe unter ihnen erfasste Emilio bei dem Anblick ein unwillkürliches Gefühl leichter Sorge. Sie festzuhalten war aber natürlich völlig außer Frage, er griff also betont ruhig die Konversation auf. „Was macht es zum Lieblingsplatz?“ | ||
Sie zuckte mit den Schultern. „Wenn | Sie zuckte mit den Schultern. „Wenn Ihr drei Stunden über bosparanische Grammatik, Philosophie oder irgendeinen verstorbenen Gelehrten geredet habt, braucht Ihr manchmal etwas, das größer ist als ein Buch.“ Der junge Studiosi nickte dazu und betrachtete das Meer. | ||
“Es ist das erste Mal, dass ich es sehe.” sagte Emilio dann halblaut. “Ich habe gelesen darüber. Auch geträumt. Das hier ist mehr, als ich mir hätte vorstellen können.” | “Es ist das erste Mal, dass ich es sehe.” sagte Emilio dann halblaut. “Ich habe gelesen darüber. Auch geträumt. Das hier ist mehr, als ich mir hätte vorstellen können.” | ||
Ein Windstoß fuhr über die Mauer und brachte den Geruch von Salz und Hafen zu ihnen herauf. Für einen Moment wirkte die gewaltige Stadt hinter ihnen weit entfernt. | Ein Windstoß fuhr über die Mauer und brachte den Geruch von Salz und Hafen zu ihnen herauf. Für einen Moment wirkte die gewaltige Stadt hinter ihnen weit entfernt. | ||
Langsam stand Orleane auf, blieb aber noch einen Augenblick auf der Mauerzinne der Bunten Mauer stehen. “Und Signor Emilio, habt | Langsam stand Orleane auf, blieb aber noch einen Augenblick auf der Mauerzinne der Bunten Mauer stehen. “Und Signor Emilio, habt Ihr schon eine Inspiration für Euer erstes Kunstwerk?” Sie sprang auf den Wehrgang und schaute Emilio direkt in die Augen<br> | ||
Gerne hätte er etwas Sinnvolles geantwortet, besonders da es um Malerei ging. Emilio war aber schlichtweg zu überrascht von dem, was gerade passierte, was man ihm auch ansah. Schließlich nickte er. | Gerne hätte er etwas Sinnvolles geantwortet, besonders da es um Malerei ging. Emilio war aber schlichtweg zu überrascht von dem, was gerade passierte, was man ihm auch ansah. Schließlich nickte er. | ||
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“Auf diese Diskussionen freue ich mich schon sehr, Signor Emilio. Ich bin auf Eure Argumente gespannt.” Sie lächelte. | “Auf diese Diskussionen freue ich mich schon sehr, Signor Emilio. Ich bin auf Eure Argumente gespannt.” Sie lächelte. | ||
„Kommt“, sagte die Studiosa dann und wandte sich vom Ausblick ab. „Wenn Ihr | „Kommt“, sagte die Studiosa dann und wandte sich vom Ausblick ab. „Wenn Ihr Euch heute schon bei dem Blick auf das Meer verliert, findet Ihr die Universität nie.“ | ||
Emilio folgte ihr über die schmale Treppe, die von dem Wehrgang hinab führte. Das Geräusch ihrer Schritte hallte auf den Stufen wider. Unten angekommen, mussten sie sich zunächst durch eine weitere Gasse zwängen. Der Weg führte nun über unebenes Pflaster, vorbei an kleinen Läden und Werkstätten. Ein Händler hatte Bücher neben seinem Stand ausgelegt, und aus einem offenen Fenster drang der Klang einer Laute. | Emilio folgte ihr über die schmale Treppe, die von dem Wehrgang hinab führte. Das Geräusch ihrer Schritte hallte auf den Stufen wider. Unten angekommen, mussten sie sich zunächst durch eine weitere Gasse zwängen. Der Weg führte nun über unebenes Pflaster, vorbei an kleinen Läden und Werkstätten. Ein Händler hatte Bücher neben seinem Stand ausgelegt, und aus einem offenen Fenster drang der Klang einer Laute. | ||
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Sie gingen weiter nach Norden. Dann blieb die Studiosa stehen. Vor ihnen erhob sich ein stattlicher Sandsteinbau. „Da.“ <br>„Das ist die Universität?“ erkundigte sich der di Rueda. | Sie gingen weiter nach Norden. Dann blieb die Studiosa stehen. Vor ihnen erhob sich ein stattlicher Sandsteinbau. „Da.“ <br>„Das ist die Universität?“ erkundigte sich der di Rueda. | ||
<br>„Ein Teil davon.“ Sie deutete auf das Gebäude. „Die Nandus-Schule. Sprachkunst und Philosophie. Und Ihr werdet | <br>„Ein Teil davon.“ Sie deutete auf das Gebäude. „Die Nandus-Schule. Sprachkunst und Philosophie. Und Ihr werdet Euch daran gewöhnen müssen, dass in Methumis ein Gebäude durchaus mehr als eine Geschichte haben kann, denn in diesem Gebäude befindet sich auch die Akademie des Magischen Wissens.” | ||
Emilio sah an der Fassade empor, doch die Studiosa ging bereits weiter. Er schloss auf. | Emilio sah an der Fassade empor, doch die Studiosa ging bereits weiter. Er schloss auf. | ||
„Das ist das Erste, was | „Das ist das Erste, was Ihr über Methumis lernen solltet. Ihr studiert nicht in einem Gebäude. Ihr studiert in der Stadt.“ Sie wandte sich noch einmal zu ihm um. „Und wenn Ihr Euch irgendwann verirrt, fragt nicht, ''Wo ist die Universität?'' Fragt besser, ''Welche Schule suche ich?''“ Emilio nickte langsam. Was die erfahrene Studentin erzählte, fühlte sich nicht mehr nach Stadtführung an, sondern nach Initiation, und er hörte mit ruhiger Aufmerksamkeit zu. | ||
Hinter ihnen verschwanden die bunten | Hinter ihnen verschwanden die Zinnen der bunten Mauer zwischen den Dächern. Vor ihnen öffnete sich der Weg zu den gelehrten Häusern Centurrias. Und damit begann sein eigentliches Studium in Methumis, noch bevor er überhaupt eine einzige Vorlesung gehört hatte | ||
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