Chronik.Ereignis1040 Zwischen Ober- und Unter-Punin 01: Unterschied zwischen den Versionen

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Mondlicht fiel durch die hohen Oberlichter und legte sich wie Silber auf die hellen, säulenbestandenen Wände und den steinernen Fußboden. Die Nischen lagen in tiefen Schatten. Still ruhte das Kunstmuseum, und fast reglos. Nur die elfischen Zauberbilder fuhren auch in dieser Nachtstunde fort mit ihren kleinen Bewegungen: eine zierliche Handgeste hier, das sachte Spreizen gemalter Schwingen dort. Der Rest war Schweigen.  
Mondlicht fiel durch die hohen Oberlichter und legte sich wie Silber auf die hellen, säulenbestandenen Wände und den steinernen Fußboden. Die Nischen lagen in tiefen Schatten. Still ruhte das Kunstmuseum, und fast reglos. Nur die elfischen Zauberbilder fuhren auch in dieser Nachtstunde fort mit ihren kleinen Bewegungen: eine zierliche Handgeste hier, das sachte Spreizen gemalter Schwingen dort. Der Rest war Schweigen.  


[[Tsayano Valeroso Taubentanz|Tsayano]] hatte sich die Schuhe ausgezogen, damit er auf dem hallenden Boden der Galleria keine unnötigen Geräusche machte. Er wartete einige Augenblicke in der Nähe des Fensters, durch das er vom Balkon hineingelangt war. Niemand zu hören, niemand zu sehen. Mit einem Grinsen holte er etwas aus dem Leinenbeutel hervor, den er sich über die Schulter gehängt hatte. “So, Mützel. Heute keine Amazone, heute ist der Zwerg dran.” Hätte ihn irgendjemand in diesem Moment gesehen und gehört, der nicht wie er selbst das Königliche Kriegerseminar zu Punin besuchte, wäre der Gedanke möglicherweise auf die Noioniten gekommen. Doch der junge Mann wusste sehr genau, wo er sich befand und auch, warum er hier war: Zum Vergnügen seiner Mitschülerinnen und Mitschüler, zum Missfallen von Akademieleiterin [[Khorena von Streitzig j. H.|Khorena von Streitzig]] und den Lehrenden, allen voran der strengen [[Leudara von Bleichenwang]], und zum Aufpolieren seines Ansehens würde er die schulbekannte Mütze auf dem Kopf der Zwergenskulptur platzieren, bevor morgen die große Ausstellung allerlei neugierige Besucher anlockte. Das würde für den ein oder anderen Lacher sorgen, bevor die Ordnung wiederhergestellt war. Und gewisslich auch für Anerkennung, denn der Zwerg in der Galerie war ja wohl deutlich schwerer zu erreichen als die Statue der Amazone direkt vor dem Eingangsportal des Seminars. Mit leisen, bestimmten Schritten setzte Tsayano sich in Bewegung.  
[[Tsayano Valeroso Taubentanz|Tsayano]] hatte sich die Schuhe ausgezogen, damit er auf dem hallenden Boden der Galleria keine unnötigen Geräusche machte. Er wartete einige Augenblicke in der Nähe des Fensters, durch das er vom Balkon hineingelangt war. Niemand zu hören, niemand zu sehen. Mit einem Grinsen holte er etwas aus dem Leinenbeutel hervor, den er sich über die Schulter gehängt hatte. “So, Mützel. Heute keine Amazone, heute ist der Zwerg dran.” Hätte ihn irgendjemand in diesem Moment gesehen und gehört, der nicht wie er selbst das [[Königliches Kriegerseminar |Königliche Kriegerseminar zu Punin]] besuchte, wäre der Gedanke möglicherweise auf die [[avwik:Orden der Heiligen Noiona von Selem|Noioniten]] gekommen. Doch der junge Mann wusste sehr genau, wo er sich befand und auch, warum er hier war: Zum Vergnügen seiner Mitschülerinnen und Mitschüler, zum Missfallen von Akademieleiterin [[Khorena von Streitzig j. H.|Khorena von Streitzig]] und den Lehrenden, allen voran der strengen [[Leudara von Bleichenwang]], und zum Aufpolieren seines Ansehens würde er die schulbekannte Mütze auf dem Kopf der Zwergenskulptur platzieren, bevor morgen die große Ausstellung allerlei neugierige Besucher anlockte. Das würde für den ein oder anderen Lacher sorgen, bevor die Ordnung wiederhergestellt war. Und gewisslich auch für Anerkennung, denn der Zwerg in der Galerie war ja wohl deutlich schwerer zu erreichen als die Statue der Amazone direkt vor dem Eingangsportal des Seminars. Mit leisen, bestimmten Schritten setzte Tsayano sich in Bewegung.  


Auf dem Weg nahm ein Gemälde seine Aufmerksamkeit gefangen. Zuerst fiel sein Blick auf das Gesicht und die Schulter der Kriegerin, denn das waren die hellsten Stellen des Bildes, wie von Mond- oder Sternenlicht beschienen. Tsayano stutzte und blieb stehen, sah sich auch den deutlich dunkleren Rest der Darstellung an, der nachts und ohne Beleuchtung weniger gut zu erkennen war. Die Frau saß auf dem Rücken eines sich aufbäumenden Pferdes, den Säbel zum Hieb erhoben, bedrängt von Männern, die aussahen, als wären sie Novadis wie sein Lehrer Dhamar ben Fahd. Da war keine Angst in ihren Zügen, nur Ruhe und Konzentration. Fasziniert studierte Tsayano das Bild der reitenden Kriegerin. ''Was für eine Kämpferin! Was für ein Ross! Was für ein Mut!'' Doch irgendetwas störte ihn. Es hatte mit dem Säbel zu tun. Mützel und seinen Streich hatte er vollkommen vergessen, wie er so dastand und das Bild anstarrte.
Auf dem Weg nahm ein Gemälde seine Aufmerksamkeit gefangen. Zuerst fiel sein Blick auf das Gesicht und die Schulter der Kriegerin, denn das waren die hellsten Stellen des Bildes, wie von Mond- oder Sternenlicht beschienen. Tsayano stutzte und blieb stehen, sah sich auch den deutlich dunkleren Rest der Darstellung an, der nachts und ohne Beleuchtung weniger gut zu erkennen war. Die Frau saß auf dem Rücken eines sich aufbäumenden Pferdes, den Säbel zum Hieb erhoben, bedrängt von Männern, die aussahen, als wären sie Novadis wie sein Lehrer Dhamar ben Fahd. Da war keine Angst in ihren Zügen, nur Ruhe und Konzentration. Fasziniert studierte Tsayano das Bild der reitenden Kriegerin. ''Was für eine Kämpferin! Was für ein Ross! Was für ein Mut!'' Doch irgendetwas störte ihn. Es hatte mit dem Säbel zu tun. Mützel und seinen Streich hatte er vollkommen vergessen, wie er so dastand und das Bild anstarrte.
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Tsayano streckte sich, um dem Zwerg die Mütze aufzusetzen. Geschafft! Da spürte er einen Blick in seinem Rücken.  
Tsayano streckte sich, um dem Zwerg die Mütze aufzusetzen. Geschafft! Da spürte er einen Blick in seinem Rücken.  


"Sehr fürsorglich, jetzt wo die Nächte kühler werden." erklang hinter dem Seminarschüler eine von den Marmorwänden widerhallende, junge Stimme.<br>
 
"Sehr fürsorglich, jetzt wo die Nächte kühler werden." erklang hinter dem Seminarschüler eine von den Marmorwänden widerhallende, junge Stimme.
Unter Tsayanos rasch gewendetem Blick löste sich eine Gestalt von einem der Saaldurchgänge - ein Bursche, etwa in seinem Alter. In seiner hübschen, aber etwas unpraktisch wirkenden Robe sah er wenig gefährlich aus, was der Gesichtsausdruck noch unterstrich - der unerwartete Beobachter musterte Tsayano mit einer Mischung aus Belustigung und offensichtlicher Bewunderung.
Unter Tsayanos rasch gewendetem Blick löste sich eine Gestalt von einem der Saaldurchgänge - ein Bursche, etwa in seinem Alter. In seiner hübschen, aber etwas unpraktisch wirkenden Robe sah er wenig gefährlich aus, was der Gesichtsausdruck noch unterstrich - der unerwartete Beobachter musterte Tsayano mit einer Mischung aus Belustigung und offensichtlicher Bewunderung.
[[Emilio Lampérez di Rueda|Emilios]] Herzschlag ging noch rasch. Immerhin war er alleine im Geschoß gewesen, und alles an dem unerwarteten Eindringling ließ ihn erst glauben, er hätte es mit einem Kunstdieb zu tun. Die Mütze änderte das schlagartig. Er löste den nervösen Griff um seine Waffe und gab sich zu erkennen. Dann kam er einige Schritte auf Tsayano zu. <br>
[[Emilio Lampérez di Rueda|Emilios]] Herzschlag ging noch rasch. Immerhin war er alleine im Geschoß gewesen, und alles an dem unerwarteten Eindringling ließ ihn erst glauben, er hätte es mit einem Kunstdieb zu tun. Die Mütze änderte das schlagartig. Er löste den nervösen Griff um seine Waffe und gab sich zu erkennen. Dann kam er einige Schritte auf Tsayano zu. <br>
Der andere war jünger, als Emilio aus der Entfernung gedacht hätte. Er konnte kaum älter sein als er selbst, hatte auch ähnlich dunkle Locken. Was am meisten auffiel, war aber der Blick. Sehr wach, voll konzentrierter Intensität.
Der andere war jünger, als Emilio aus der Entfernung gedacht hätte. Er konnte kaum älter sein als er selbst, hatte auch ähnlich dunkle Locken. Was am meisten auffiel, war aber der Blick. Sehr wach, voll konzentrierter Intensität.


Tsayanos graublaue Augen starrten zurück. Wo war der denn so plötzlich hergekommen? “Ja … ääh. Genau. Ich komme von der … Travia-Kirche … mit ähh …  fürsorglichem Auftrag.” ''Sein Mund war wieder schneller als sein Verstand. Bei den Zwölfen, was für einen Unsinn er da von sich gab!''<br>Kurz entglitten ihm die Gesichtszüge, eine Hand ballte sich reflexhaft zur Faust. “Wo … äh, wer bist du?”<br>
Tsayanos graublaue Augen starrten zurück. ''Wo war der denn so plötzlich hergekommen?'' “Ja … ääh. Genau. Ich komme von der … Travia-Kirche … mit ähh …  fürsorglichem Auftrag.” ''Sein Mund war wieder schneller als sein Verstand. Bei den Zwölfen, was für einen Unsinn er da von sich gab!''<br>Kurz entglitten ihm die Gesichtszüge, eine Hand ballte sich reflexhaft zur Faust. “Wo … äh, wer bist du?”<br>
"Ah Verzeihung." Nun wirkte Emilio ertappt, als hätte er die Etikette für “spätnächtliche Überraschungsbekanntschaften, die zum Glück doch keine Diebe sind” missachtet. "Emilio Lampérez di Rueda." Er neigte leicht den Kopf.  
"Ah Verzeihung." Nun wirkte Emilio ertappt, als hätte er die Etikette für “spätnächtliche Überraschungsbekanntschaften, die zum Glück doch keine Diebe sind” missachtet. "Emilio Lampérez di Rueda." Er neigte leicht den Kopf.