Chronik.Ereignis1047 Frühling in Alina 09: Unterschied zwischen den Versionen
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Die Obstbaumblüte hatte geendet, ihr leises Verklingen im Orchester des Frühlings war für [[Emilio Lampérez di Rueda|Emilio]] fast unbemerkt verstrichen, was er mit leisem Bedauern erkannte. | Die Obstbaumblüte hatte geendet, ihr leises Verklingen im Orchester des Frühlings war für [[Emilio Lampérez di Rueda|Emilio]] fast unbemerkt verstrichen, was er mit leisem Bedauern erkannte. | ||
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Es war das Ansprechen von “Atelier”, das die Erinnerung des Künstlers anstieß, gefolgt von einem Gefühl leiser und kalter Unruhe. Der Mann ähnelte der Gestalt in Grisoldos Skizze - dem heimlichen Abbild [[Dulcinea di Alina|Dulcineas]], das der di Rueda beauftragt hatte. | Es war das Ansprechen von “Atelier”, das die Erinnerung des Künstlers anstieß, gefolgt von einem Gefühl leiser und kalter Unruhe. Der Mann ähnelte der Gestalt in Grisoldos Skizze - dem heimlichen Abbild [[Dulcinea di Alina|Dulcineas]], das der di Rueda beauftragt hatte. | ||
[[Bild:Dulcineo.png|right|thumb|250px|Der mögliche Auftraggeber]] | |||
Völlig sicher war Emilio sich nicht, er warf aber einen neuen, aufmerksamen Blick auf die Gruppe. Sein Gast, der ihn um ein Stück überragte, war von schlanker und sehniger Statur, ohne dabei schwach auszusehen. Das halblange und krause schwarze Haar war zu einem Eslamszopf gebändigt und seine Kleidung - gestärktes Hemd, dunkelgrüner Samt - passte zu einem niederen Provinzadeligen. | Völlig sicher war Emilio sich nicht, er warf aber einen neuen, aufmerksamen Blick auf die Gruppe. Sein Gast, der ihn um ein Stück überragte, war von schlanker und sehniger Statur, ohne dabei schwach auszusehen. Das halblange und krause schwarze Haar war zu einem Eslamszopf gebändigt und seine Kleidung - gestärktes Hemd, dunkelgrüner Samt - passte zu einem niederen Provinzadeligen. | ||
Auch ein Adeliger mit Bedeckung war nichts Ungewöhnliches. Doch wo der Mann, der nun in Emilios Hof stand, noch eine gewisse Haltung hatte, wirkten die beiden Bewaffneten eher grobschlächtig, wenn auch irgendwie zurechtgemacht. | Auch ein Adeliger mit Bedeckung war nichts Ungewöhnliches. Doch wo der Mann, der nun in Emilios Hof stand, noch eine gewisse Haltung hatte, wirkten die beiden Bewaffneten eher grobschlächtig, wenn auch irgendwie zurechtgemacht. | ||
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Der Dom und die Bewaffneten tauschten kurze Blicke aus, dann nahm er die Einladung Emilios an und folge ihm. | Der Dom und die Bewaffneten tauschten kurze Blicke aus, dann nahm er die Einladung Emilios an und folge ihm. | ||
Mit etwas Zeitabstand ging Emilios Wache Alonzo dem Hausherren und Gast hinterher, denn irgendwas an der Begrüßung seines Herren war ihm seltsam vorgekommen, auch wenn er noch nicht hätte sagen können, was genau. | Mit etwas Zeitabstand ging Emilios Wache Alonzo dem Hausherren und Gast hinterher, denn irgendwas an der Begrüßung seines Herren war ihm seltsam vorgekommen, auch wenn er noch nicht hätte sagen können, was genau. | ||
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In der kleinen Eingangshalle bemerkte der Gast: “Ihr habt hier allerhand zu tun, aber dennoch ein schmuckes Stück, Euer zukünftiges Atelier. Wie, sagtet Ihr noch gleich, seid ihr daran gekommen?” | In der kleinen Eingangshalle bemerkte der Gast: “Ihr habt hier allerhand zu tun, aber dennoch ein schmuckes Stück, Euer zukünftiges Atelier. Wie, sagtet Ihr noch gleich, seid ihr daran gekommen?” | ||
“Ich wurde belehnt, nachdem ich einem Kind des Barons geholfen habe. So ganz kann ich die Sache noch nicht glauben und erwarte halb, dass jederzeit jemand kommt und mir mitteilt, es sei alles ein Irrtum gewesen.” Emilio legte verlegen die Hand in den Nacken. “Aber danke für die freundlichen Worte.” In jedem normalen Gespräch hätte er der Aussagen mit freundlichem Lachen eine selbstironische Leichtigkeit gegeben. Das Risiko, dass sein Lachen womöglich nervös klingen könnte, hielt ihn nun aber ab . | “Ich wurde belehnt, nachdem ich einem Kind des Barons geholfen habe. So ganz kann ich die Sache noch nicht glauben und erwarte halb, dass jederzeit jemand kommt und mir mitteilt, es sei alles ein Irrtum gewesen.” Emilio legte verlegen die Hand in den Nacken. “Aber danke für die freundlichen Worte.” In jedem normalen Gespräch hätte er der Aussagen mit freundlichem Lachen eine selbstironische Leichtigkeit gegeben. Das Risiko, dass sein Lachen womöglich nervös klingen könnte, hielt ihn nun aber ab . | ||
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Dann senkte er den Kopf, fächerte sich wieder Luft zu und entgegnete: “Da war der Herr Phex Euch wahrlich gewogen...der Wiederaufbau muss eine echte Kraftanstrengung sein, vor allem weil die Felder hier sicherlich kaum Ertrag abwerfen, ich bin daran vorbeigekommen. Ihr müsst gute Freunde haben, um das hier zu stemmen, Maestro.” | Dann senkte er den Kopf, fächerte sich wieder Luft zu und entgegnete: “Da war der Herr Phex Euch wahrlich gewogen...der Wiederaufbau muss eine echte Kraftanstrengung sein, vor allem weil die Felder hier sicherlich kaum Ertrag abwerfen, ich bin daran vorbeigekommen. Ihr müsst gute Freunde haben, um das hier zu stemmen, Maestro.” | ||
Ein Nicken. “Darf ich Euch ein Glas Wein oder Ragazzo anbieten?” fragte Emilio, ganz der entgegenkommende Gastgeber. Er ging ein paar Schritt zu einem an der Wand stehenden Kabinett. Mit dem Gast in seinem Rücken jagte auch in Emilios Kopf ein Gedanke den anderen. Der “Edle von Boscoverde” war nun seit spürbarer Zeit hier und hatte noch mit keinem Wort das gewünschte Bild erwähnt, wegen dem er sich angekündigt hatte. Wenn es wirklich dieser Dulcineo war - er musste es fast sein - was, bei den gütigen Zwölfen wollte er hier? | Ein Nicken. “Darf ich Euch ein Glas Wein oder Ragazzo anbieten?” fragte Emilio, ganz der entgegenkommende Gastgeber. Er ging ein paar Schritt zu einem an der Wand stehenden Kabinett. Mit dem Gast in seinem Rücken jagte auch in Emilios Kopf ein Gedanke den anderen. Der “Edle von Boscoverde” war nun seit spürbarer Zeit hier und hatte noch mit keinem Wort das gewünschte Bild erwähnt, wegen dem er sich angekündigt hatte. Wenn es wirklich dieser Dulcineo war - er musste es fast sein - was, bei den gütigen Zwölfen wollte er hier?<br> | ||
Ein Anschlag? Konnte er ihn festsetzen lassen?<br> | Ein Anschlag? Konnte er ihn festsetzen lassen?<br> | ||
Der Junker füllte zwei Gläser. Nein, das musste er sich aus dem Kopf schlagen. Zu gefährlich, und vor allem: Das wäre nicht das Ende des Problems. Es wäre der Beginn einer ganzen Reihe von neuen Problemen, und nicht die Sorte, zu deren Lösung er befähigt war. | Der Junker füllte zwei Gläser. Nein, das musste er sich aus dem Kopf schlagen. Zu gefährlich, und vor allem: Das wäre nicht das Ende des Problems. Es wäre der Beginn einer ganzen Reihe von neuen Problemen, und nicht die Sorte, zu deren Lösung er befähigt war. | ||
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Mit den Gläsern in der Hand wendete er sich wieder um, wies auf ein bisschen zu staubige Sitzgelegenheiten nahe des dunkel offen klaffenden Steinkamins.<br> | Mit den Gläsern in der Hand wendete er sich wieder um, wies auf ein bisschen zu staubige Sitzgelegenheiten nahe des dunkel offen klaffenden Steinkamins.<br> | ||
“Danke, Maestro. Den Wein nehme ich gern.” Er nahm den Becher entgegen. Einer alten, paranoiden Angewohnheit folgend roch er kurz daran und wartete, bis Emilio einen Schluck genommen hatte. Dann nippte auch er am Getränk und sah wieder auf. Kurz wirkte es, als würde sein Blick dabei von einem starr-wütenden zu einem kalt-berechnenden wechseln. “Habt Dank.”, dann lauerte der Blick, “Aber Ihr habt meine Frage noch gar nicht beantwortet. Oder lebt es sich so gut von der Kunst allein?”<br> | “Danke, Maestro. Den Wein nehme ich gern.” Er nahm den Becher entgegen. Einer alten, paranoiden Angewohnheit folgend roch er kurz daran und wartete, bis Emilio einen Schluck genommen hatte. Dann nippte auch er am Getränk und sah wieder auf. Kurz wirkte es, als würde sein Blick dabei von einem starr-wütenden zu einem kalt-berechnenden wechseln. “Habt Dank.”, dann lauerte der Blick, “Aber Ihr habt meine Frage noch gar nicht beantwortet. Oder lebt es sich so gut von der Kunst allein?”<br> | ||
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''Wenn er etwas ahnt, dann verrät er sich so vielleicht.'' | ''Wenn er etwas ahnt, dann verrät er sich so vielleicht.'' | ||
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Nachdenklich betrachtete Emilio den Mann vor sich und stellte sich das Gemälde vor. Die Bindung an die “Schwester” war spürbar in den Worten seines Gegenübers. “Ja, das könnte ein gutes Bild werden.” Zu seiner eigenen Überraschung meinte Emilio es ehrlich. | Nachdenklich betrachtete Emilio den Mann vor sich und stellte sich das Gemälde vor. Die Bindung an die “Schwester” war spürbar in den Worten seines Gegenübers. “Ja, das könnte ein gutes Bild werden.” Zu seiner eigenen Überraschung meinte Emilio es ehrlich.<br> | ||
“Aber wo wir doch gerade über die Familia parlieren, wie steht es denn um Eure? Steht Ihr ihnen nah?” setzte Dulcineo nach. Emilio wirkte gedankenversunken: "Meinem Herzen am nächsten steht [[Avessandro Lampérez di Rueda|mein Bruder]]. Da haben wir also etwas gemeinsam.” Er hob leicht das Glas, wie in einem Salut. | “Aber wo wir doch gerade über die Familia parlieren, wie steht es denn um Eure? Steht Ihr ihnen nah?” setzte Dulcineo nach. Emilio wirkte gedankenversunken: "Meinem Herzen am nächsten steht [[Avessandro Lampérez di Rueda|mein Bruder]]. Da haben wir also etwas gemeinsam.” Er hob leicht das Glas, wie in einem Salut. | ||
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“Aber natürlich.” Dulcineo alias Dulcinea alias Dom Nessario erhob sich, stellte dabei seinen Becher absichtlich sehr nah an die Kante des Tischchens, an dem sie gesessen hatten. Im Schritt nach vorn strich er - wie aus Versehen - mit dem kurzen Umhang über das Glas, so dass er es hinunterriss und der Wein einen tiefroten Fleck auf dem Teppich darunter hinterließ. ''Dulcinea…!'', fluchte Dulcineo innerlich, suchte dann aber entschuldigende Worte. | “Aber natürlich.” Dulcineo alias Dulcinea alias Dom Nessario erhob sich, stellte dabei seinen Becher absichtlich sehr nah an die Kante des Tischchens, an dem sie gesessen hatten. Im Schritt nach vorn strich er - wie aus Versehen - mit dem kurzen Umhang über das Glas, so dass er es hinunterriss und der Wein einen tiefroten Fleck auf dem Teppich darunter hinterließ. ''Dulcinea…!'', fluchte Dulcineo innerlich, suchte dann aber entschuldigende Worte. | ||
“Wie ungeschickt von mir, Maestro, der gute Tropfen und der Teppich, jetzt sieht es hier aus wie nach einem Criminalfall, verzeiht mir meine Ungeschicktheit. Fügt es dann doch später | “Wie ungeschickt von mir, Maestro, der gute Tropfen und der Teppich, jetzt sieht es hier aus wie nach einem Criminalfall, verzeiht mir meine Ungeschicktheit. Fügt es dann doch später Eurem Salär hinzu.” | ||
Emilio war bei dem Geräusch hinter sich leicht zusammengefahren und nickte nur. | |||
Dulcineo ließ den Becher liegen und ging auf die Tür zu, hinter der Alonzo stand. “Alles weitere klären wir schriftlich, ich habe genug gesehen. Habt Dank für Euren Empfang.” Dann verließ er den Kaminsaal. | |||
Nachdem der Gast den Vorraum zur Haupttür durchquert und ins Freie getreten war, fragte Alonzo leise: “Hat er sich überhaupt eines Eurer Werke zeigen lassen, Dom?” - “Nein, nicht eines…”, war Emilios Antwort… | Nachdem der Gast den Vorraum zur Haupttür durchquert und ins Freie getreten war, fragte Alonzo leise: “Hat er sich überhaupt eines Eurer Werke zeigen lassen, Dom?” - “Nein, nicht eines…”, war Emilios Antwort… | ||
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