Chronik.Ereignis1047 Frühling in Alina 08: Unterschied zwischen den Versionen

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Die Seite wurde neu angelegt: „==Reichsstraße von Punin nach Ragath, Ingrimm1047 BF== '''Autor:''' Amrit Der Fluss linkerhand war fast unnatürlich blau, die Wiesen hielten grün dagegen, doch die Straße dazwischen wurde langsam langweilig. Dulcineo ritt gut, selbstverständlich, wenn die Familie früher ein kleines Gestüt innehatte und weitläufige Ebenen an Landbesitz - früher. Erst hatte er den Falben zu einem G…“
 
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==Reichsstraße von [[Punin]] nach [[Ragath]], Ingrimm[[Annalen:1047|1047]] BF==
==[[Junkergut Alina]], Ingerimm[[Annalen:1047|1047]] BF==
'''Autor:''' [[Benutzer:Amrit|Amrit]]


'''Autor:''' [[Benutzer:Amrit|Amrit]]
''Entfernung von Salz aus Böden: Im späten Herbst Errichtung von Erdwällen (1 Schritt hoch) rund um ein Stück Land. Das Areal bis obenhin mit Wasser fluten und stehen lassen über den Winter. Der Druck des Wassers presst Salz von oben hinab in tiefere Erdschichten.''<br>
''Im Frühjahr ausschöpfen. Aus dem Wasser kann Salz zurückgewonnen werden.''
 
Dankbar dachte Emilio an den aranischen Perainegeweihten, der ihm die Anleitung aufgeschrieben hatte - mit fast aufgeregter Begeisterung zu dem Thema, und versehen mit kleinen Zeichnungen zum Querschnitt und Aufriss. Natürlich hatte er ihm auch regelmäßige Predigten und Segnungen ans Herz gelegt.
 
Dann hatte der Geweihte ihm den Unterschied zwischen Schwarzbrache und Grünbrache erklärt, und dem frischgebackenen Junker empfohlen, in den baumlosen Gebieten nahe [[Kaiserlich Selaque|Selaque]] Birken zu pflanzen. Emilio lenkte daher gerade sein Pferd langsam durch die Säume des [[Briesacher Moor|Briesacher Moores]]. Zum einen, weil ihn die Erkundung reizte, zum anderen hatte er ein Grüppchen seiner Eigenhörigen hierher begleitet, da das Moor offenbar verrufen war.
In seinen Augen hatte die Landschaft mit ihren hellen Bäumen und eingestreuten kleinen Blütenteppichen etwas Liebliches.
 
Die Landarbeiter stakten durch Riedgras und Binsen, gruben kleine Bäumchen aus und trugen sie in ihren Schürzen bündelweise zum bereitstehenden Wagen. Emilio ließ dem Shadif die Zügel und das Pferd strebte zu einer Grasstelle, wobei seine einsinkenden Hufe im Moose des Bodens eine Spur kleiner, dunkler Wasserstellen zogen.


Der Fluss linkerhand war fast unnatürlich blau, die Wiesen hielten grün dagegen, doch die Straße dazwischen wurde langsam langweilig.
Für die Entsalzung war es eine glückliche Fügung, dass [[Junkergut Alina|Alina]] reichlich mit Wasser gesegnet war, mit Bachläufen, Feuchtgebieten und Niederschlägen. Emilio stellte für sich fest, dass es auch etwas war, das ihm sein Lehen besonders lieb machte, und er hielt kurz inne im neuen, etwas überraschenden Gedanken, dass das [[Silberweber|Auelfische]] bei ihm womöglich irgendwie durchkam. Sein [[Ranarion di Rueda|Vater]]  war schließlich selbst ein Halbelf, auch wenn Emilio bei ihm nie eine besondere Neigung zu Wasser bemerkt hatte. Vielleicht sollte er ihn wieder hierher einladen.
[[Dulcinea di Alina|Dulcineo]] ritt gut, selbstverständlich, wenn die Familie früher ein kleines Gestüt innehatte und weitläufige Ebenen an Landbesitz - früher. Erst hatte er den Falben zu einem Galopp getrieben, der auf dem Pflaster der Reichsstraße Funken schlug und den Weg mit seinen langsam hinziehenden Händlern und Wandernden zu einem fordernden Hindernisparcours machte. Nachdem das den Reiz verloren hatte, kreuzte er seitlich und ritt neben der Straße her, über Äcker und Wiesen, jeder Bach, jede niedrige Mauer eine Einladung darüberzusetzen. Nun wurde das Pferd aber immer schwergängiger. Zeit, sich die Kehle zu befeuchten.
Unter einer Eiche fand sich ein Rastplatz, er ließ sich nieder, löste den Trinkschlauch vom Gürtel. Ein Stück entfernt, auf einem Zaunpfosten, turnte eine schwarz-weiße Elster und zerrte an einem Fundstück.


„Dom ''Saksağan''“<small><sup>1</sup>tippte der Reisende an die Krempe seines Caldabresers, der mit Federn gleicher Farben geschmückt war, war die Elster doch der Wappenvogel seiner [[Alina (Ort)|Heimat]] und Familie. ''El’Saksağan'', das war auch sein Großvater gewesen. „Unser Großvater,“ wie Dulcinea einschob. Der Gedanke an den alten [[Rigoroso di Alina|Dom Rigoroso]] war für sie kein angenehmer. Der stiernackige Alte mit den groben Händen und den noch groberen Umgangsformen war bei seinen Fellachen gefürchtet gewesen, bei seinen Tieren, aber besonders bei seiner kleinen Enkeltochter, deren Existenz  ''El’Saksağan'' von Anfang an ein Dorn im Auge gewesen war. Schmächtig, ängstlich, und - in der persönlichen Weltsicht des Alten am unverzeihlichsten: ein Mädchen, eben.  
Was Emilio selbst betraf: das Wasser gab dem Land etwas eigenartig Vertrautes. Die Geschichte der Zerstörung, die es trug, bewirkte, dass er allmählich sein Herz daran hängte.  


„Er hat dich nicht gekannt, so wie ich dich kenne.“ beruhigte ihr Zwillingsbruder, Dulcineas verlässlicher Halt und Gefährte, die Stimme im Kopf, den sie sich teilten. „Der alte Rigoroso wäre stolz auf uns. Vater auch.“
Er war aber wohl nicht grundsätzlich nur zugänglich, wenn ihn etwas vor Schwierigkeiten stellte. Bei [[Cuerno di Castari]] war Emilio immer wieder überrascht davon, wie leicht viele Dinge in seiner Gegenwart auf einmal wurden. Nähe, Offenheit, Vertrauen, solche Sachen.<br>
Dulcinea schwieg. War das wirklich wahr?
Es lag sicher an Cuernos ganz eigener Art, weder dem Leben noch Emilio selbst etwas abzuverlangen, und offen anzunehmen, was kam.
Außerdem, eines der ersten Dinge, die ihm am Caballero aufgefallen waren: Cuerno war ehrlich. Emilio war selbst jemand, der aus Überzeugung nicht log. Cuerno wurde aber nicht einmal sarkastisch, wenn er verärgert oder angegriffen war. Cuerno war in unverstellter Weise ehrlich - körperlich, in seinen Worten, in seinen Handlungen - und es war immer wieder überraschend, wieviel Gewicht das wegnahm.  


14 Götterläufe war es her, doch deutlich stand ihr das Gesicht ihres [[Ordonyo di Alina|Vaters Ordonyos]] vor Augen, als sie sich zuletzt gesehen hatten. In der hellen [[Castillo Albacim|Feste Albacim]] , wo er dieser Vettel von [[Praiosmin von Elenta|Vogtin]] die Stirn geboten hatte. Wo ihr Vater zwischen Hakenspießen und Schwertern schließlich klein beigeben musste - möge sie in ihrem eigenen Fett in der Niederhölle rösten. ''Eisen auf den Kerl! In den Kerker mit ihm!'' Und Dulcinea wurde davongejagt, in die Nacht. Ihren Vater hatte sie nie wieder gesehen.
Er vermisste ihn. Nicht, weil sie sich lange nicht gesehen hätten.<br>
Es war bisher fast wie gemeinsame Übereinstimmung gewesen: Pfade kreuzten sich, dann ging jeder wieder für viele Wochen seiner Wege. Bisher hatte ihn das nie beunruhigt. Er hatte sich einfach bewegt durch eine Welt, die leuchtender war, die mehr Sinn ergab, weil er wusste, dass irgendwo darin auch Cuerno war. Es war nicht die Zeit der Trennung gewesen, sondern ihre letzte Zusammenkunft, seine Warnung, wo das Gefühl begonnen hatte, dass der andere ihm schmerzhaft abging. Und das Gefühl war seither nicht leichter geworden. Er vermisste Cuerno und er hoffte, dass die Welt gut zu ihm war, wo immer es ihn gerade hinverweht hatte.


Sie aber waren zurückgekommen. Natürlich. Nicht unmittelbar. Nach der Flucht, in den Wochen danach, hatte eins zum anderen und ihr Weg sie nach Gareth geführt.  Aber nach der Heimkehr, da waren Dulcinea und ihr Bruder zurückgekehrt zur Burg.
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„Wir hätten nichts tun können.“ versicherte Dulcineo. Die Wache, die sie damals am Weg von der Taberna abgefangen hatten, gab eindeutige Auskunft. Eine Klinge an der Kehle konnte überraschend rasch ausnüchtern. Ordonyo, meinte der Gardist, hatte damals nicht lange überlebt im Kerker von Albacim.
„Wir hätten nichts tun können.“ wiederholte Dulcineo. Was die Wache betraf…wer volltrunken nachts einen Bergpfad entlang torkelt, der kann eben mit gebrochenem Genick in einem Graben landen.


Dulcinea betrachtete nachdenklich die Elster. „Sie gefällt mir nicht. Die Armbrust?“
==[[Omlad]], ebenfalls Ingerimm [[Annalen:1047|1047]] BF==
Pflichtschuldig und langsam griff ihr Bruder nach der Waffe. Ein Ziel dieser Größe, auf diese Distanz… immerhin eine gute Gelegenheit, seine Fähigkeiten zu schärfen. Die Elster flatterte jedoch mit heiserem Geschrei hoch und verschwand im Feldrain.
'''Autor:''' [[Benutzer:Jan|Jan]]


Enttäuscht blickte Dulcineo hinterher. „Mach dir nichts daraus", munterte Dulcinea ihn auf. „Die Sache erinnert mich…nächste Woche haben wir Geburtstag. Ich darf jetzt schon verraten: Ich habe etwas Besonderes für dich.“
Cuerno lag auf seinem Bett im Stadthaus seiner [[Familia di Castari|Familia]] am Rand von [[Omlad]] und überlegte, ob er seinem Gefühl nachgeben sollte, noch einmal Zulhibans Teehaus aufzusuchen, bevor er und sein Bruder bald aufbrechen würden. Dass er überhaupt darüber nachdachte, ob er dem nachgehen sollte, war ungewöhnlich. Normalerweise tat er es einfach. Aber derzeit rauschte so viel durch seinen Kopf -  seine [[Chronik:1047#Wildnis|Erlebnisse im Wall]], die allerdings dem allseitigen Vibrieren der Luft nachstanden. Er konnte förmlich die aufgeregte Ungewissheit spüren, die die Menschen derzeit bewegte und die aufgrund der unübersichtlichen Ereignisse noch ungreifbar in der Luft lag.  
Dulcineo lächelte leise.
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Emilio sah mit Erleichterung, dass der Geweihte sich im Hafenviertel neben ihn gesellte, passenderweise zur vereinbarten Stunde, da Phex die Stadt Punin in blaues Dunkel zu tauchen begann. Die schmale Figur, vor allem aber das freundliche Gesicht gaben dem Mann etwas fast jugendliches, trotz des schon grau durchzogenen Haarschopfes.  
Doch eigentlich galten seine ausschweifenden Gedanken einer ganz anderen Sache, die sich sicherlich auch hochschaukeln würde, denn die Zeit war eine dafür. Er hoffte, Emilio hatte seine Warnung ernst genommen und er hoffte, dass er seine Verbündeten in Tyras auf die anderen Dinge hatte lenken können...Dinge die sich gerade langsam, aber sicher Bahn brachen, über die es allerlei Gerüchte gab und über die allerorten begonnen wurde, zu spekulieren, was für eine Ende das nehmen würde. <br>
„Alles gut gegangen?" fragte der Junker.
Er öffnete ein Stück weit sein Hemd, spürte dem Narbengeflecht des Brandzeichens nach. Diese [[Kult des Dios Cornudo|Leute]] hatten ihm eine gute Zeit gegeben und sie hatten eine Zeit lang große Gemeinsamkeiten gehabt. Cuerno ahnte aber auch, wozu einige von ihnen fähig sein konnten und dass er sich am besten von Emilio fern halten musste, um ihre Aufmerksamkeit nicht noch mehr auf ihn zu lenken, oder auch auf sich selbst. Derweil hatte sein Freund seine Eindringlichkeit hoffentlich verstanden, hielt sich nicht die ganze Zeit in Alina auf und machte nichts Unüberlegtes. Im besten Fall würde bald Gras über die Sache wachsen, anderes im Fokus stehen, dann könnte er vielleicht den Kontakt wieder aufnehmen…vielleicht. <br>
„Bevor wir von Ergebnissen reden", meinte der Geweihte ernsthaft, „müssen wir erst über eine zusätzliche Gefahrenzulage sprechen. Die Person hat eine Armbrust gegen mich gezogen!“ Er schüttelte den Kopf. „Wer schießt mit der Armbrust auf Vögel…?“


Emilio blickte bestürzt: „Das tut mir leid! Ja natürlich…das ist kein Problem.“
Der Caballero setzte sich abrupt auf, schüttelte die Gedanken ab und schaute aus dem Fenster. Er suchte nach Ablenkung, indem er auf die Hügel um Omlad blickte, auf denen nicht wenige Hirten ihre Ziegen und Böcke weideten. Das [[Chronik.Ereignis1047_Wildnis_03|erinnerte]] ihn an etwas - er musste sich weiter ablenken, diesen Zustand wieder erreichen, den er in der Dunkelheit und Stille des Ferkinazelts erreicht hatte. Die Bilder, die er dort gesehen hatte, waren nur noch schwammig, aber sie schienen ihm immer mehr Bedeutung zu erlangen. Er erahnte sie nur noch, nur die Gestalt vor dem Mond war ihm noch sehr deutlich. Allerdings schien sie sich wieder abzuwenden in seinen Gedanken. Dahin musste er wieder - er würde es im Teehaus versuchen - auch wenn das andere [[Chronik.Ereignis1046_Jenseits_des_Yaquirs_03|Erinnerungen]] wach rufen würde. Wenn dies nichts half, würde er seinen Bruder überzeugen, dass sie ihr Weg nach Soroban oder noch besser nach [[Chronik.Chronik.Ereignis1047_Die_Große_Zusammenkunft_02|Weinbergen]] führen sollte. Wenn sie nicht ohnehin ganz andere Ereignisse einholen würden.  
Besorgt fragte er dann nach: „Denkt Ihr, sie hat die [https://dsa.ulisses-regelwiki.de/zeremonie.html?zeremonie=Elsterngestalt https://dsa.ulisses-regelwiki.de/zeremonie.html?zeremonie=Elsterngestalt] Tiergestalt vermutet?“
„Vielleicht…glaube nicht.“ sann sein Gegenüber. „Er hat den Ritt jedenfalls fortgesetzt und ein Ziel erreicht.“ Nachdem ein schwerer Beutel die Hand gewechselt hatte, sprach er weiter. „Sein Ritt endete etwa fünf Stunden nördlich von Punin, an einem Gutshof, wo er gut bekannt und gut gelitten scheint. [[Junkergut Tyras]].“ Der Phex-Geweihte musterte seinen Auftraggeber mit Seitenblick. „Scheint Euch etwas zu sagen?“


„Ich … habe davon schon gehört.“ erwiderte Emilio wie mechanisch.
Er schüttelte sich nochmals, stand auf und verließ das Zimmer.
[[Cuerno di Castari|Cuerno]] war oft in Tyras. Cuerno hatte Freunde dort…
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<small><sup>1</sup>tulamidisch: Elster</small><br>




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