Chronik.Ereignis1045 Puniner Geschichten 03: Unterschied zwischen den Versionen
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===Nahe der Stadtmauer in [[Yaquirhafen]]=== | ===Nahe der Stadtmauer in [[Yaquirhafen]]=== | ||
Kurz darauf standen die beiden im schwachen Dämmerlicht der nahenden Tages vor dem alten Prachtbau des Palacio Abadessa. Er musste schon seit etlichen Jahrzehnten unbewohnt sein, denn die Fenster des Erdgeschosses waren mit Latten vernagelt, das Eingangstor mit Ketten gesichert. Die reich verzierte Fassade zeigte Zeichen beginnenden Verfalls, und wuchernde Pflanzen hatten bereits angefangen, von dem Gemäuer Besitz zu ergreifen | Kurz darauf standen die beiden im schwachen Dämmerlicht der nahenden Tages vor dem alten Prachtbau des Palacio Abadessa. Er musste schon seit etlichen Jahrzehnten unbewohnt sein, denn die Fenster des Erdgeschosses waren mit Latten vernagelt, das Eingangstor mit Ketten gesichert. Die reich verzierte Fassade zeigte Zeichen beginnenden Verfalls, und wuchernde Pflanzen hatten bereits angefangen, von dem Gemäuer Besitz zu ergreifen | ||
Der junge di Rueda wies der Domna einen überwachsenen Balkon auf der südlichen Gebäudeseite. "Hier könnten wir hochklettern, ich habe auch ein Seil mit." | Der junge di Rueda wies der Domna einen überwachsenen Balkon auf der südlichen Gebäudeseite. "Hier könnten wir hochklettern, ich habe auch ein Seil mit." | ||
Nach einer durchzechten Nacht war das von seiner Begleitung viel verlangt, das war Emilio klar, daher setzte er helfend hinzu: "Ihr habt erwähnt, dass | Nach einer durchzechten Nacht war das von seiner Begleitung viel verlangt, das war Emilio klar, daher setzte er helfend hinzu: "Ihr habt erwähnt, dass Ihr Bergziegen in der Ahnenreihe habt. Bei mir gibt es dafür Auelfen, und das führt immer wieder zu ...naja, Schwierigkeiten bei Trinkgelagen" Er lächelte etwas verlegen. "Daher kann ich Euch gerne etwas Gulmond anbieten." | ||
Er spähte an der Fassade entlang "Andernfalls können wir aber auch versuchen, auf der anderen Seite einige Latten wegzustemmen?" Er sah Jandara fragend an. | Er spähte an der Fassade entlang "Andernfalls können wir aber auch versuchen, auf der anderen Seite einige Latten wegzustemmen?" Er sah Jandara fragend an. | ||
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===Im Palacio Abadessa - Das Gemälde=== | ===Im Palacio Abadessa - Das Gemälde=== | ||
Dunkles, welkes Laub und kleine Zweigen überzogen den Boden der Loggia und knacksten leise unter den Schritten. Die Türe ins Gebäude stand bereits einen Spalt offen, und Jandara konnte sie aufschieben. Emilio löste mit geübter Bewegung das Seil vom Geländ, und blieb dann knapp hinter ihr. Erst durchschritten sie einen grünen Salon, dessen Wände mit ausgebleichten Fresken von Palmen und fruchttragenden Bäumen überzogen waren, dazwischen gemalte Äffchen und dekorative Vögel. | Dunkles, welkes Laub und kleine Zweigen überzogen den Boden der Loggia und knacksten leise unter den Schritten. Die Türe ins Gebäude stand bereits einen Spalt offen, und Jandara konnte sie aufschieben. Emilio löste mit geübter Bewegung das Seil vom Geländ, und blieb dann knapp hinter ihr. Erst durchschritten sie einen grünen Salon, dessen Wände mit ausgebleichten Fresken von Palmen und fruchttragenden Bäumen überzogen waren, dazwischen gemalte Äffchen und dekorative Vögel. | ||
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Jandara ließ den Blick die Stufen hinauf und hinab gleiten, und das schwache Licht der Glasfenster spiegelte sich in ihren dunklen Augen. Einen Moment stand sie still, die Hände hinter dem Rücken verschränkt, als würde sie eine Bühne betreten, auf der sie gleich die erste Szene bestimmen durfte. | Jandara ließ den Blick die Stufen hinauf und hinab gleiten, und das schwache Licht der Glasfenster spiegelte sich in ihren dunklen Augen. Einen Moment stand sie still, die Hände hinter dem Rücken verschränkt, als würde sie eine Bühne betreten, auf der sie gleich die erste Szene bestimmen durfte. | ||
„Ein | „Ein Palazzo“, sagte sie schließlich, fast ehrfürchtig, doch mit einem Unterton, der bereits wieder ins Spöttische glitt. „Verfallen, verwildert, aber immer noch stolz. Wie so viele adlige Häuser, die ich kenne.“ Sie setzte den Fuß auf die erste Stufe der Prunktreppe, so leicht, als lausche sie, ob die alte Substanz ihr Geheimnisse zuflüstern würde. | ||
Dann wandte sie sich halb um, und ein schelmisches Lächeln umspielte ihren Mund. „Ich hätte nicht gedacht, dass wir ein solches Bühnenbild zur Verfügung haben würden | Dann wandte sie sich halb um, und ein schelmisches Lächeln umspielte ihren Mund. „Ich hätte nicht gedacht, dass wir ein solches Bühnenbild zur Verfügung haben würden.“ | ||
Ein trockenes Blatt, das der Wind durch ein zerbrochenes Fenster hereingeweht hatte, flatterte über den Boden, und Jandara hob es auf, drehte es zwischen Daumen und Zeigefinger. „Schaut, selbst die Bäume wollen hier drin noch eine Rolle spielen.“ Sie ließ es achtlos fallen, als wäre es eine Requisite, die ihren Dienst getan hatte, und stieg einige Stufen empor. | Ein trockenes Blatt, das der Wind durch ein zerbrochenes Fenster hereingeweht hatte, flatterte über den Boden, und Jandara hob es auf, drehte es zwischen Daumen und Zeigefinger. „Schaut, selbst die Bäume wollen hier drin noch eine Rolle spielen.“ Sie ließ es achtlos fallen, als wäre es eine Requisite, die ihren Dienst getan hatte, und stieg einige Stufen empor. | ||
Mit jeder Stufe, die sie höher kam, wurde ihre Stimme leiser, fast ernster: „Es gefällt mir. Es hat etwas von einem Ort, an dem man Geschichten hinterlässt. Manche in Büchern… andere auf Leinwand.“ | Mit jeder Stufe, die sie höher kam, wurde ihre Stimme leiser, fast ernster: „Es gefällt mir. Es hat etwas von einem Ort, an dem man Geschichten hinterlässt. Manche in Büchern… andere auf Leinwand.“ | ||
Sie drehte sich erneut zu Emilio, ihre Hand leicht auf dem Geländer, das kalt und feucht unter der Patina war. „Also, mein Herr Maler,“ fragte sie, die Augen funkelnd, „wollt | Sie drehte sich erneut zu Emilio, ihre Hand leicht auf dem Geländer, das kalt und feucht unter der Patina war. „Also, mein Herr Maler,“ fragte sie, die Augen funkelnd, „wollt Ihr mich oben in einem goldenen Saal malen? Oder unten, zwischen Schatten und Moder? Beides passt zu mir – je nachdem, welche Seite Ihr festhalten wollt.“ | ||
"Was ich an Orten wie diesem mag, | "Was ich an Orten wie diesem mag", meinte Emilio, während er neben ihr die Treppe hochstieg, "hier gibt es schwarzmodrige Flecken im Gold der Prunksäle, und in den zersetzten und zerfallenen dunklen Schatten findet man immer noch eingestreutes Gold." | ||
Nach dem Aufstieg traten sie durch eine prachtvolle doppelseitige Flügeltüre in einen kleinen Ballsaal mit hoher, bemalter Kassettendecke. Einzelne kunstvoll gefertigte Möbel standen noch im Raum. Geschnitzte Stühle, ein goldener Paravent. Über Kopf hing ein reichverzierter Luster aus hunderten, halb staubblinden Kristalltropfen. Eine Reihe hoher Glasfenster öffneten ostseitig den Blick zum Fluss hin, mittig lag hinter gläsernen Flügeltüren ein weiterer Balkon. | Nach dem Aufstieg traten sie durch eine prachtvolle doppelseitige Flügeltüre in einen kleinen Ballsaal mit hoher, bemalter Kassettendecke. Einzelne kunstvoll gefertigte Möbel standen noch im Raum. Geschnitzte Stühle, ein goldener Paravent. Über Kopf hing ein reichverzierter Luster aus hunderten, halb staubblinden Kristalltropfen. Eine Reihe hoher Glasfenster öffneten ostseitig den Blick zum Fluss hin, mittig lag hinter gläsernen Flügeltüren ein weiterer Balkon. | ||
Der Boden aus Parkettornament war großteils noch intakt, an manchen Stellen lagen herabgefallene Bleikristalle oder hereingewehtes Laub, und zu einer Seite hin wuchs Moos zwischen den aufquellenden Ritzen des Holzbodens. Diese Stirnseite des Ballsaals zierte ein großer Spiegel, dessen antikes Silber vom Alter und der aufsteigenden Feuchte des Flusses stockfleckig und stellenweise schwarz war. Immergrüner Efeu rankte daneben und hatte schon die halbe Wand überwuchert. | Der Boden aus Parkettornament war großteils noch intakt, an manchen Stellen lagen herabgefallene Bleikristalle oder hereingewehtes Laub, und zu einer Seite hin wuchs Moos zwischen den aufquellenden Ritzen des Holzbodens. Diese Stirnseite des Ballsaals zierte ein großer Spiegel, dessen antikes Silber vom Alter und der aufsteigenden Feuchte des Flusses stockfleckig und stellenweise schwarz war. Immergrüner Efeu rankte daneben und hatte schon die halbe Wand überwuchert. | ||
"Das ist der Ort" sagte Emilio, unwillkürlich leise in der Umgebung, obwohl sie ja alleine waren. "Hier würde ich dich gerne malen." | "Das ist der Ort", sagte Emilio, unwillkürlich leise in der Umgebung, obwohl sie ja alleine waren. "Hier würde ich dich gerne malen." | ||
Der junge Mann holte aus einer Nische einige Längen schillernden roten Brokatstoffs. Er war offenbar vorbereitet. Mit der bestickten Seide im Arm trat er vor die Domna von Hellenwald. "Wenn es für Euch in Ordnung ist, würde ich Euch ersuchen, die Schultern frei zu machen. Und ich würde diesen Stoff an Euch drapieren?" | Der junge Mann holte aus einer Nische einige Längen schillernden roten Brokatstoffs. Er war offenbar vorbereitet. Mit der bestickten Seide im Arm trat er vor die Domna von Hellenwald. "Wenn es für Euch in Ordnung ist, würde ich Euch ersuchen, die Schultern frei zu machen. Und ich würde diesen Stoff an Euch drapieren?" | ||
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Emilio richtete nun mit wenigen, geübten Griffen seine Malutensilien, und begann, Jandara zu zeichnen. | Emilio richtete nun mit wenigen, geübten Griffen seine Malutensilien, und begann, Jandara zu zeichnen. | ||
"Ich bin froh, dass Ihr mitgekommen seid | "Ich bin froh, dass Ihr mitgekommen seid", sagte er mit Blick auf sein Papier aber in ihre Richtung, während sein Stift die ersten Umrisse schraffierte. "Wirklich keine Selbstverständlichkeit..." Er sprach leise, während er konzentriert eine geschwungene Linie über das Papier zog "...so jemanden zu finden wie Euch." | ||
Sie sagte nichts, aber ein Lächeln, an der Grenze zur Selbstgefälligkeit, schlich sich auf ihre Lippen. | Sie sagte nichts, aber ein Lächeln, an der Grenze zur Selbstgefälligkeit, schlich sich auf ihre Lippen. | ||
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Emilio hob den Blick und betrachtete sie einige Momente nur...die leuchtende Glut, die nun über das schwarze Haar und das ausdrucksvolle Antlitz der jungen Frau fiel. Auf ihre hellen Schultern, die die Zeichen von manchem Duell trugen. Der rotgoldene Stoff fing das Morgenlicht ein und schien förmlich aufzulodern unter ihr. Ihr Betrachter musste sich sichtlich zusammennehmen, um weiterzumalen. Im Raum herrschte nun eine fast meditative Stimmung, Jandara ruhig im warmen Licht stehend, Emilio versunken in die Arbeit. | Emilio hob den Blick und betrachtete sie einige Momente nur...die leuchtende Glut, die nun über das schwarze Haar und das ausdrucksvolle Antlitz der jungen Frau fiel. Auf ihre hellen Schultern, die die Zeichen von manchem Duell trugen. Der rotgoldene Stoff fing das Morgenlicht ein und schien förmlich aufzulodern unter ihr. Ihr Betrachter musste sich sichtlich zusammennehmen, um weiterzumalen. Im Raum herrschte nun eine fast meditative Stimmung, Jandara ruhig im warmen Licht stehend, Emilio versunken in die Arbeit. | ||
"So, für heute fertig" sagte er einige Zeit später zu ihr. "Wollt Ihr einmal schauen?" | "So, für heute fertig", sagte er einige Zeit später zu ihr. "Wollt Ihr einmal schauen?" | ||
Die junge Domna legte den Brokat ab und war auf halbem Weg, da drang plötzlich ein krachendes Scheppern aus dem untenliegenden Stockwerk. Jemand war im Gebäude mit ihnen. | Die junge Domna legte den Brokat ab und war auf halbem Weg, da drang plötzlich ein krachendes Scheppern aus dem untenliegenden Stockwerk. Jemand war im Gebäude mit ihnen. | ||
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Sie bedeutete Emilio mit einem Finger vor den Lippen zu schweigen, und schlich mit katzenhafter Vorsicht die Marmorstufen hinunter. Jeder ihrer Schritte war bedacht, die Muskeln angespannt, der Blick fokussiert. | Sie bedeutete Emilio mit einem Finger vor den Lippen zu schweigen, und schlich mit katzenhafter Vorsicht die Marmorstufen hinunter. Jeder ihrer Schritte war bedacht, die Muskeln angespannt, der Blick fokussiert. | ||
Im Zwielicht des unteren Korridors konnte sie schließlich Gestalten ausmachen: Zwei kräftige Kerle, deren Kleider keine Zweifel ließen – | Im Zwielicht des unteren Korridors konnte sie schließlich Gestalten ausmachen: Zwei kräftige Kerle, deren Kleider keine Zweifel ließen – ‘[[Grünröcke]]’, die Gardisten der Stadt Punin. Zwischen ihnen standen zwei ältere Anwohner, ein Mann und eine Frau, deren Gesichter von Sorge gezeichnet waren. Der Mann sprach mit den Schlägern, deutete in Richtung Treppe, die zum oberen Stockwerk führte. Offenbar waren sie es, die die Wächter gerufen hatten. | ||
Jandaras Griff um die Rapierhefte wurde fester. Einen Augenblick blieb sie verborgen, ließ den Blick über die Szene gleiten, und dann zog sie sich ebenso lautlos wieder nach oben zurück. | Jandaras Griff um die Rapierhefte wurde fester. Einen Augenblick blieb sie verborgen, ließ den Blick über die Szene gleiten, und dann zog sie sich ebenso lautlos wieder nach oben zurück. | ||
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Am Gang waren nun Schritte zu hören. Der Dom di Rueda zog seine Waffe samt Parierdolch und ging in Position. | Am Gang waren nun Schritte zu hören. Der Dom di Rueda zog seine Waffe samt Parierdolch und ging in Position. | ||
Jandara war bereit und empfing die Gardisten mit einem genussvollen: “Jetzt setzt es was ihr räudigen Hunde, verpisst euch zu euren, diesen schwanzlosen Dorftrottel und arroganten Vetteln von Ratsherren und Ratsherrinen!” Dann stürzte sie sich auch direkt auf den ersten der beiden. | Jandara war bereit und empfing die Gardisten mit einem genussvollen: “Jetzt setzt es was, ihr räudigen Hunde, verpisst euch zu euren, diesen schwanzlosen Dorftrottel und arroganten Vetteln von Ratsherren und Ratsherrinen!” Dann stürzte sie sich auch direkt auf den ersten der beiden. | ||
Der andere eintretende Bewaffnete fackelte nicht lange und hastete mit gezogenem Rapier in Richtung des Vermummten. Mit hell klingendem Tönen trafen die Waffen aufeinander, gleitend und schlagend. Mehr noch als mit dem Gegner kämpfte Dom di Rueda aber gerade mit der Situation selbst. | Der andere eintretende Bewaffnete fackelte nicht lange und hastete mit gezogenem Rapier in Richtung des Vermummten. Mit hell klingendem Tönen trafen die Waffen aufeinander, gleitend und schlagend. Mehr noch als mit dem Gegner kämpfte Dom di Rueda aber gerade mit der Situation selbst. | ||
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Selbst mit beidhändigem Kampf war es schwer, die Angriffe abzuwehren. Emilio focht verbissen und konzentriert - Ausfallsschritt, Zurückweichen, Waffen hoch zum Block - Gegnerklinge seitlich wegschlagen, Ausfallschritt und Stich, zurück...Dann machte er einen kleinen Fehler, wich nicht weit genug aus, und die Klingenspitze des Gardisten durchbohrte seine Seite. Der Schmerz dieses ernsthaften Treffers brandete weißglühend auf, und Emilio ging in der verletzten Seite unwillkürlich ins Knie. Sofort holte der Gegner aus, einen zweiten Treffer nachzusetzen. | Selbst mit beidhändigem Kampf war es schwer, die Angriffe abzuwehren. Emilio focht verbissen und konzentriert - Ausfallsschritt, Zurückweichen, Waffen hoch zum Block - Gegnerklinge seitlich wegschlagen, Ausfallschritt und Stich, zurück...Dann machte er einen kleinen Fehler, wich nicht weit genug aus, und die Klingenspitze des Gardisten durchbohrte seine Seite. Der Schmerz dieses ernsthaften Treffers brandete weißglühend auf, und Emilio ging in der verletzten Seite unwillkürlich ins Knie. Sofort holte der Gegner aus, einen zweiten Treffer nachzusetzen. | ||
Jandara sah den Stich, sah Emilios kurzes Einknicken – und in einem Reflex war sie schon da. Ihre linke Klinge riss die gegnerische Waffe beiseite, die rechte fuhr dazwischen wie der Schnabel eines Raubvogels, zwang den Gardisten zurück. „Nicht sterben, | Jandara sah den Stich, sah Emilios kurzes Einknicken – und in einem Reflex war sie schon da. Ihre linke Klinge riss die gegnerische Waffe beiseite, die rechte fuhr dazwischen wie der Schnabel eines Raubvogels, zwang den Gardisten zurück. „Nicht sterben, Maler“, knurrte sie, ohne ihn anzusehen, „dafür ist der Abend zu jung.“ | ||
Doch während sie ihn deckte, spürte sie selbst, wie das Blut warm ihren Arm hinabrann. Noch ein Gegner mehr, und sie würden hier im Ballsaal untergehen. Ihr Blick flog zu den hohen Fenstern, zu den Balkonen, zu den zerbrochenen Giebeln – ein Ausweg, wenn auch riskant. | Doch während sie ihn deckte, spürte sie selbst, wie das Blut warm ihren Arm hinabrann. Noch ein Gegner mehr, und sie würden hier im Ballsaal untergehen. Ihr Blick flog zu den hohen Fenstern, zu den Balkonen, zu den zerbrochenen Giebeln – ein Ausweg, wenn auch riskant. | ||
„Rückzug!“ zischte sie, laut und scharf genug, dass Emilio sie verstand. „Nach oben!“ Schon stieß sie den taumelnden Gardisten mit einem Fußtritt zurück und drängte den zweiten mit einem wütenden Schlag gegen die Klinge zur Seite. Ein Rückzugsgefecht – sie deckte Emilios Bewegung, während sie sich gemeinsam Schritt für Schritt in Richtung der großen Flügeltür bewegten, die hinaus zum Balkon führte. | „Rückzug!“, zischte sie, laut und scharf genug, dass Emilio sie verstand. „Nach oben!“ Schon stieß sie den taumelnden Gardisten mit einem Fußtritt zurück und drängte den zweiten mit einem wütenden Schlag gegen die Klinge zur Seite. Ein Rückzugsgefecht – sie deckte Emilios Bewegung, während sie sich gemeinsam Schritt für Schritt in Richtung der großen Flügeltür bewegten, die hinaus zum Balkon führte. | ||
Die Gegner drängten nach, wild und entschlossen. Klingen kreischten, Funken stoben, Jandara spürte die Müdigkeit in den Muskeln, aber ihre Technik blieb präzise: Mit dem rechten Rapier stieß sie, mit dem linken parierte sie – unablässig, wie eine Tänzerin, die das Taktmaß vorgibt. | Die Gegner drängten nach, wild und entschlossen. Klingen kreischten, Funken stoben, Jandara spürte die Müdigkeit in den Muskeln, aber ihre Technik blieb präzise: Mit dem rechten Rapier stieß sie, mit dem linken parierte sie – unablässig, wie eine Tänzerin, die das Taktmaß vorgibt. | ||
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Vor ihnen lag nur das Geländer, darüber das Dach des Palazzos – schneebedeckt, steil, aber erreichbar. | Vor ihnen lag nur das Geländer, darüber das Dach des Palazzos – schneebedeckt, steil, aber erreichbar. | ||
„Da | „Da rauf“, keuchte Jandara, packte Emilio grob am Ärmel, zog ihn mit. Ohne weiter zu zögern setzte sie den Stiefel auf die bröckelnde Balustrade, zog sich hinauf und streckte ihm eine Hand entgegen. Gemeinsam erreichten sie das Dach, glitschig unter Schnee, doch oben hatten sie wenigstens für den Moment Luft. Hinter ihnen hörte man schon die Gegner, wie sie durch die Türen brachen. | ||
Jandaras Blick glitt über den Abstand zum nächsten Haus – keine zwei Schritt entfernt, aber tief unten gähnte die Leere. „Also, Maler, Zeit zu springen. Wenn du fällst, male ich dir Flügel auf den Grabstein.“ | Jandaras Blick glitt über den Abstand zum nächsten Haus – keine zwei Schritt entfernt, aber tief unten gähnte die Leere. „Also, Maler, Zeit zu springen. Wenn du fällst, male ich dir Flügel auf den Grabstein.“ | ||
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Von den Hausbooten stieg kein Rauch auf und es waren auch sonst keine Lebenszeichen zu sehen. Emilio trat vom Dock auf die sachte schwankende Reling eines Bootes, und drehte sich dann zu Jandara, um ihr einen Arm zu reichen - reine Formsache, wie ihm bewusst war nach deren halsbrecherischem Sprung über die Häuserschlucht gerade eben. Sie ergriff seine Hand, nicht ohne einen ironischen Hofknicks anzudeuten, und sprang hinüber auf das Boot. | Von den Hausbooten stieg kein Rauch auf und es waren auch sonst keine Lebenszeichen zu sehen. Emilio trat vom Dock auf die sachte schwankende Reling eines Bootes, und drehte sich dann zu Jandara, um ihr einen Arm zu reichen - reine Formsache, wie ihm bewusst war nach deren halsbrecherischem Sprung über die Häuserschlucht gerade eben. Sie ergriff seine Hand, nicht ohne einen ironischen Hofknicks anzudeuten, und sprang hinüber auf das Boot. | ||
Das Schloss an der Türe war einfachster Machart, er kauerte sich also davor und hatte es rasch geöffnet. Mit entschuldigendem Blick sah er danach zur Domna von Hellenwald hoch und meinte "Ich war mal längere Zeit wo eingesperrt. Danach war mir einfach wichtig, diese Sache zu lernen." Jandara zuckte mit den Achseln. “Mein ganzes Leben ist ein einziger Ausbruchsversuch, ich wäre die Letzte, die Euch dafür verurteilen würde.” | Das Schloss an der Türe war einfachster Machart, er kauerte sich also davor und hatte es rasch geöffnet. Mit entschuldigendem Blick sah er danach zur Domna von Hellenwald hoch und meinte: "Ich war mal längere Zeit wo eingesperrt. Danach war mir einfach wichtig, diese Sache zu lernen." Jandara zuckte mit den Achseln. “Mein ganzes Leben ist ein einziger Ausbruchsversuch, ich wäre die Letzte, die Euch dafür verurteilen würde.” | ||
Sie traten nun in das Innere des kleinen Häuschens. Der Raum lag in Zwielicht, war aber durchaus gemütlich und ließ mit seinen sonnengelben Vorhängen und den beschnitzten und bunt bemalten Holzwänden an einen Zahoriwagen denken. Man hörte das ruhige Schwappen des Flusswassers gegen die Außenwand, sonst war alles still. | Sie traten nun in das Innere des kleinen Häuschens. Der Raum lag in Zwielicht, war aber durchaus gemütlich und ließ mit seinen sonnengelben Vorhängen und den beschnitzten und bunt bemalten Holzwänden an einen Zahoriwagen denken. Man hörte das ruhige Schwappen des Flusswassers gegen die Außenwand, sonst war alles still. | ||
Emilio ließ sich mit einem erleichterten Ausatmen auf der Pritsche nieder und sah Jandara an. "Du bist von allen guten Geistern verlassen | Emilio ließ sich mit einem erleichterten Ausatmen auf der Pritsche nieder und sah Jandara an. "Du bist von allen guten Geistern verlassen", sagte er ihr dann im Tonfall einer freundlichen Feststellung. Jandara nickte zustimmend, während sie ihre Wunden begutachtete. “Ja, das höre ich immer wieder, also muss es wohl stimmen.” Sie zwinkerte Emilio zu. “Ein glorreicher Abschluss für diesen Abend, will ich meinen!” Er nickte. “Jedenfalls danke, dass du mir geholfen hast, dort lebend rauszukommen”, setzte Emilio warm nach. | ||
Er öffnete jetzt probeweise ein oder zwei in die Wand eingelassene Schränkchen und fand rasch, worauf er gehofft hatte: Frisch gewaschene Leintücher, und sogar Hemden. Sehr gut, das hieß sie mussten nach der ersten Wundversorgung nicht wieder zurück in blutgetränkte Kleidung. Der junge Mann beschloss für sich, den unwissenden Gastgebern eine ausreichende Menge Silbermünzen zurückzulassen. Nachdem er vom Leinenstoff einige lange Streifen abgetrennt hatte, wandte er sich im Sinne der Höflichkeit von seiner Begleiterin ab, bevor er die Oberbekleidung ablegte und begann, seine Taille zu bandagieren, denn den Oberarm. Am oberen Rücken hatte er Tätowierungen: Ein grün-silberner Nachtfalter unter achtstrahligem Stern, links und rechts daneben auf den Schulterblättern den Traum- und den Totenraben. | Er öffnete jetzt probeweise ein oder zwei in die Wand eingelassene Schränkchen und fand rasch, worauf er gehofft hatte: Frisch gewaschene Leintücher, und sogar Hemden. Sehr gut, das hieß sie mussten nach der ersten Wundversorgung nicht wieder zurück in blutgetränkte Kleidung. Der junge Mann beschloss für sich, den unwissenden Gastgebern eine ausreichende Menge Silbermünzen zurückzulassen. Nachdem er vom Leinenstoff einige lange Streifen abgetrennt hatte, wandte er sich im Sinne der Höflichkeit von seiner Begleiterin ab, bevor er die Oberbekleidung ablegte und begann, seine Taille zu bandagieren, denn den Oberarm. Am oberen Rücken hatte er Tätowierungen: Ein grün-silberner Nachtfalter unter achtstrahligem Stern, links und rechts daneben auf den Schulterblättern den Traum- und den Totenraben. | ||
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Zoll für Zoll legte Emilio Verbandsstreifen um den Arm der Domna, mit geübtem Druck, während er über ihre Frage nachdachte. | Zoll für Zoll legte Emilio Verbandsstreifen um den Arm der Domna, mit geübtem Druck, während er über ihre Frage nachdachte. | ||
„Mir ist an dem Bild gelegen. Ich werde es wohl in meiner Nähe behalten | „Mir ist an dem Bild gelegen. Ich werde es wohl in meiner Nähe behalten wollen“, sagte er schlicht. Er sah hoch und sein Blick traf den der Adeligen aus der Waldwacht. Die anfängliche Ernsthaftigkeit wich dann einem amüsierten Lächeln. | ||
„Es wäre eine gute Illustration für ein Buch. Der erste ''Roman für junge Leser'', der es schafft, direkt | „Es wäre eine gute Illustration für ein Buch. Der erste ''Roman für junge Leser'', der es schafft, direkt auf dem [[avwik:Wehrheimer Index|Wehrheimer Index]] zu landen.“ Er verknotete den letzten Verband und versicherte sich kurz seiner Festigkeit, bevor er sich beruhigt zurücklehnte. | ||
Jandara hatte inzwischen eine Flasche gefunden, die vermutlich Alkohol enthielt, prüfte, ob noch ein Rest darin gluckerte, und nahm einen kleinen, vorsichtigen Schluck, ehe sie sie ihm reichte. „Auf Dächer, waghalsige Fluchten und gute Zusammenarbeit.“ Ihr Mundwinkel hob sich zu einem spöttischen Lächeln. | Jandara hatte inzwischen eine Flasche gefunden, die vermutlich Alkohol enthielt, prüfte, ob noch ein Rest darin gluckerte, und nahm einen kleinen, vorsichtigen Schluck, ehe sie sie ihm reichte. „Auf Dächer, waghalsige Fluchten und gute Zusammenarbeit.“ Ihr Mundwinkel hob sich zu einem spöttischen Lächeln. | ||
Der Dom di Rueda nahm die Flasche entgegen und hob sie in Erwiderung des Trinkspruches Richtung Himmel, bevor er davon trank. Es war Weinbrand, und er zog eine wärmende Spur in seinem Körper, die sich angenehm ausbreitete. Mit der Hitze kam auch ein Gefühl von Erschöpfung, während seine Anspannung nachließ. Er schob sich auf der Bettstatt zurück und sank etwas tiefer. “Wenn das in | Der Dom di Rueda nahm die Flasche entgegen und hob sie in Erwiderung des Trinkspruches Richtung Himmel, bevor er davon trank. Es war Weinbrand, und er zog eine wärmende Spur in seinem Körper, die sich angenehm ausbreitete. Mit der Hitze kam auch ein Gefühl von Erschöpfung, während seine Anspannung nachließ. Er schob sich auf der Bettstatt zurück und sank etwas tiefer. “Wenn das in Ordnung ist, würde ich dann etwas ausruhen", meinte Emilio. "...''oder ist der Abend noch zu jung?''" | ||
Damit zitierte er Jandaras Aussage im Kampfgeschehen, und in sein schon schlaftrunkenes Gesicht stahl sich ein foppendes Grinsen. | Damit zitierte er Jandaras Aussage im Kampfgeschehen, und in sein schon schlaftrunkenes Gesicht stahl sich ein foppendes Grinsen. | ||
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„Der Abend ist stets so jung, wie wir es wünschen“, stellte sie fest, jede Silbe eine Herausforderung – dann tippte sie mit dem Finger auf seine Brust. „Zeig mal, wieviel Kraft noch in diesem waidwunden Abenteurer steckt.“ | „Der Abend ist stets so jung, wie wir es wünschen“, stellte sie fest, jede Silbe eine Herausforderung – dann tippte sie mit dem Finger auf seine Brust. „Zeig mal, wieviel Kraft noch in diesem waidwunden Abenteurer steckt.“ | ||
Der | Der Fluss, der Raum, selbst der pochende Schmerz seiner Stichverletzung sanken in den Hintergrund, während Jandara über ihm ganz sein Bewusstsein ausfüllte. Ein Gefühl wie goldenes Rauschen. Emilio atmete schwer und betrachtete sie, während die Bernsteinfarbe seiner Augen im Schatten zu glimmen schien. Dann legte er seine Hand warm an ihre Wange und Schläfe und begann sachte, die junge Frau zu küssen. Seine Finger strichen über ihr Haar, nach hinten und an die Ansatzstelle ihres Nackens, den er nun in einer beschützenden Geste umfasste, während sein anderer Arm sie umschlang und näher zog. Er küsste Jandara weiter, jetzt inniger. | ||
Unter der nun wärmer scheinenden Sonne des Wintermorgens stieg von der | Unter der nun wärmer scheinenden Sonne des Wintermorgens stieg von der Flusslandschaft silbriger Nebel auf. Es versprach, ein schöner Tag zu werden. | ||