Chronik.Ereignis1033 Feldzug Schrotenstein 11: Unterschied zwischen den Versionen

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Jelissa nickte und trat zurück. Sie musste sich abwenden, denn zum ersten Mal seit über fünfzehn oder zwanzig Jahren spürte sie, dass ihr Tränen in die Augen stiegen. Sie wischte sich beschämt mit dem Ärmel ihres Waffenrocks darüber und begann wie eine unruhige Löwin im Raum auf und ab zu schreiten.
Jelissa nickte und trat zurück. Sie musste sich abwenden, denn zum ersten Mal seit über fünfzehn oder zwanzig Jahren spürte sie, dass ihr Tränen in die Augen stiegen. Sie wischte sich beschämt mit dem Ärmel ihres Waffenrocks darüber und begann wie eine unruhige Löwin im Raum auf und ab zu schreiten.
   
   
=====4. Rondra 1033 BF, mittags=====
'''Autor:''' [[Benutzer:Von Scheffelstein|von Scheffelstein]]


Gekleidet in vornehmes Schwarz, wie es dem Anlass und auch ihrer Stimmung angemessen war, mühte sich Belisetha da Vanya die Treppen hinauf zu den Gästegemächern, in denen sie die Grafentochter hatte unterbringen lassen. Keuchend verweilte sie einen Moment auf dem Absatz, und wurde von einem jungen Mann eingeholt, der mit freundlichem Nicken geradewegs an ihr vorbei auf den Salon der Comtessa zuhielt. Er trug die Farben der gräflichen Familie und klopfte an der Tür.
"Herein!", hörte Belisetha es von drinnen, doch der junge Mann – sie hatte bedauerlicherweise seinen Namen vergessen, nur dass er der Leutnant der gräflichen Garde war, das wusste sie noch – öffnete sie nicht gleich, sondern sah stattdessen zu Belisetha.
"Wollt Ihr zu Domnatella Romina Alba?", fragte er.
"In der Tat", sagte die Junkerin. "Ich hoffe, ich komme nicht ungelegen." Kurz fragte sie sich, ob der Mann aus rein pflichttreuen oder aber aus privaten Gründen hier war. Doch falls sie seinen Absichten im Wege war, ließ er sich nichts anmerken.
"Gewiss nicht! Bitte, Domna Belisetha, nach Euch!" Er öffnete die Tür und hielt sie ihr auf, während sie hineinging.
"Eure Hochgeboren!" Die Junkerin neigte kurz respektvoll das Haupt, während der Leutnant die Tür schloss und abwartend stehen blieb. Belisetha sah von der Comtessa zu ihrem Offizier und wieder zurück. "Ich hoffe, ich suche Euch nicht zu unpassender Zeit auf, Domnatella Romina. – Bitte verzeiht meine Abwesenheit an diesem Morgen. Mir war nicht wohl, das Alter." Sie lächelte entschuldigend. "War alles zu Eurer Zufriedenheit? Wenn Ihr etwas benötigt oder meine Diener etwas für Euch tun können, lasst es mich bitte wissen."   
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'''Autor:''' [[Benutzer:Romina Alba|Romina Alba]]
Als [[Ardan von Kündoch]] auf ihr energisches "Herein!" nach einiger Zeit immer noch nicht eingetreten war, drehte sich Romina vom Fenster weg und sah irritiert zur Tür. Noch bevor sie, von dem Gedanken beseelt, der Leutnant wäre neuerdings schwerhörig, ihre Aufforderung lauter wiederholen konnte, öffnete sich die Tür und ihre Gastgeberin trat ein, gefolgt von dem Ritter ihres Vaters. Romina unterdrückte jedwede Überraschung, verbeugte sich brav und passte auch ihr Lächeln der Situation an. Sie war wahrlich die Tochter ihres Vaters.
"Es ist alles vorzüglich, habt Dank für Eure Mühen, Domna da Vanya." Ihr Lächeln erstarb. "Mögen die Götter Euch segnen, auf dass es Euch bald besser geht." Ihr kühler Ton brachte spürbar Distanz zwischen die beiden Frauen. "Ich werde bald abreisen, man erwartet mich in Punin."
Sie war dünn geworden, die kindlich vollen Wangen waren jetzt hohl und die einst maßgeschneiderte Kleidung, die man ihr mitgebracht hatte, schlotterte an ihr. Trotzdem war sie ganz Grafentochter, stolz, ruhig und aufrecht stand sie da und verdeckte ihre innere Zerrissenheit fast gänzlich.
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'''Autor:''' [[Benutzer:von Scheffelstein|von Scheffelstein]]
Belisetha lächelte freundlich, obwohl ihr nicht im Mindesten nach Lächeln zumute war. Kurz sah sie zum Fenster, dann suchte ihr Blick die eisblauen Augen der jungen Frau. "Gewiss werdet Ihr zur Hochzeit Seiner Kaiserlichen Majestät reisen", sagte sie. "Ihr solltet nach Westen und über Ragath reisen. Auch wenn es der längere Weg scheint, ist er schneller und sicherer. Die Straße nach Schlangentodt ist in weit schlechterem Zustand als die Reichsstraße. Und wer weiß, wie weit nach Süden die Wilden vorgedrungen sind?"
Sie wusste nicht, wie sie ihr Anliegen vorbringen sollte. Denn was konnte die Comtessa schon für sie tun? Aber in ihrer Verzweiflung würde sie jeden Strohhalm ergreifen, der sich ihr bot und der verhindern mochte, dass ihre Familia in Blut ertrank.
"Domnatella Romina", sagte sie vorsichtig, "dürfte ich Euch ersuchen, Eurem Hohen Vater getreulichen Bericht über die Lage im Bosquirtal zu erstatten?" Was würde sie sagen, wenn sie ehrlich war? An dem ganzen Schlamassel, in dem sie sich nun befanden, war ja nun nicht zuletzt auch Rifada mit ihrer Halsstarrigkeit schuld. Ach hätte sie nur ...
Die Junkerin zwang ihre Gedanken zurück ins Hier und Jetzt. "Mehr als alles andere benötigen wir nun die militärische Unterstützung durch das kaiserliche Heer, um die Wilden endgültig aus den Grenzlanden am Raschtulswall zu vertreiben und sie dorthin zurückzudrängen, wo sie hergekommen sind – oder besser noch: um uns dieser Plage ein für alle Male zu entledigen."
'Und wenn die Soldaten erst hier sind, dann ist es auch vorbei mit dem elenden Gezänk zwischen den da Vanyas und der Reichvogtin', dachte sie. 'Dann wird kein Blut mehr fließen für eine unsinnige Sache, für nutzlosen Stolz.' Ach, Leonida, ihre Schwester, hätte sie gewiss getadelt für ihre Schwäche und Nachgiebigkeit, eben für den mangelnden Stolz, den sie zeigte. Doch was sollte sie tun? Sie besaß nicht die Autorität ihres Bruders und nicht die unerbittliche Härte und Kampfeskraft, die ihrer Schwester zu eigen gewesen war. Aber sie würde nicht tatenlos zusehen, wie ihre Familia zugrunde ginge! Und wenn es der verfluchte Harmamund mit seinen Mannen war, der den Tod ihrer Angehörigen verhinderte, dann würde sie diese bittere Pille schlucken.
"Wenn es Euch gelänge, Domnatella Romina, Euren Hohen Vater davon zu überzeugen, wie wichtig ein ''eiliges'' Eingreifen im Bosquirtal ist, und wenn dieser Kraft seiner Autorität als ... Graf Ragaths den Kaiser zu einer vorzeitigen Intervention zu bewegen vermöchte, so wäre ich Euch zu tiefstem Dank verpflichtet."
Sie konnte sich vorstellen, welcher Art die Dankbarkeit ihrer Nichte wäre und was diese zu Belisethas Bitte zu sagen hätte. Aber, bei der gütigen Travia: ''Sie'', Belisetha, war noch immer die stellvertretende Soberana der da Vanyas, und Amando, da war sie gewiss, hätte volles Verständnis für ihr Vorgehen. Amando hatte diese Fehden nie gut geheißen, stets betont, dass vergangenes Unrecht nichtsdestotrotz vergangen war und Gerechtigkeit nur dem widerführe, der sie sich in der Gegenwart verdiene.
Trotzdem war Belisetha unwohl zumute. All dies hier war nur ein Zeichen ihrer Hilflosigkeit. Was bat sie dieses junge Kind um Beistand, das doch selbst – das sah man nur zu deutlich – eine so schwere Bürde zu tragen hatte? Mitleid stahl sich in Belisethas Blick. Und Trauer. Es gab kein leichtes Leben. Für niemanden.
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'''Autor:''' [[Benutzer:Romina Alba|Romina Alba]]
Erst trat Überraschung, dann eine tiefe Wärme in die Augen der jungen Comtessa. Sie sah deutlich das Leid und die Erschöpfung in den Augen der älteren Frau.
"Wollen wir uns nicht erst einmal setzen, Euer Hochgeboren?" Sie schaute kurz zu von Kündoch, der verstand, der alten Dame und seiner Comtessa die Stühle zurechtrückte und sich wieder in seine ruhige Ecke verzog.
"Einer der Gründe, warum ich direkt nach Punin will, ist der Versuch, unseren Kaiser davon zu überzeugen, so schnell es nur geht Entsatz zu schicken. Ich werde meinem gräflichen Vater und meinem hohen Großvater getreulich Bericht erstatten. Sowohl über die unglaubliche Anzahl an Ferkinas und ihre Bösartigkeit, als auch über diese zu so einer Zeit unermesslich schädliche Fehde zwischen der Reichsvogtin und den da Vanyas."
Ihr Blick wurde wieder kühl. "Ihr erstaunt mich, Domna Belisetha. Keiner Eurer Familia ist mir mit annähernd soviel Anstand begegnet."
Sie verzog in einem Anflug eines Schmunzelns das Gesicht. "Nun ja, fast keiner. Euer junger Großneffe, Dom Moritatio, reichte mir seinen Umhang, als ich in den Bergen spärlich bekleidet fror."
Kurz fingen ihre Augen die Erinnerung auf, um sich dann schnell wieder der Gegenwart und der Junkerin zuzuwenden.
"Es ist viel dort draußen passiert." Sie wischte durch die Luft, als wolle sie die Gedanken vertreiben. Ihr Onkel war dorthin zurückgekehrt, auch wegen einer da Vanya. Männer wollten immer haben, was sie nicht bekamen. ''Das'' musste sie sich merken.
"Eure Bitte wäre nicht nötig gewesen, doch sie ehrt und freut mich. Ich helfe gerne. Die Magierin, die Dom von Kündoch", kurz nickte sie in dessen Richtung, "für mich mitgebracht hatte, hilft draußen auf dem Hof den verletzten Männern und Frauen. Auch wenn die stolze Amazone da Vanya die Hilfe für sich deutlich ablehnte. Ich hätte es wahrlich besser wissen müssen." Sie seufzte kurz. Erstens war es Magie und zweitens kam die Hilfe von der Tochter des Thronräubers. Gerade Rifada da Vanya hatte sich mit solchen Bemerkungen nicht zurückgehalten. Wenn sie es sich recht überlegte, wunderte sie sich im Nachhinein, dass sie neben dieser Frau lebend aus den Bergen herausgekommen war.
"Ich werde mich auch darum kümmern, dass der junge Praiodor zu seinen Verwandten zurückfindet." Kurz wanderten ihre Gedanken zu Domna Richeza. Sie mochte sie nicht sonderlich, doch sie hoffte für den Knaben und für ihren Onkel, dass sie überlebte.
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'''Autor:''' [[Benutzer:Von Scheffelstein|von Scheffelstein]]
Belisetha betrachtete die junge Frau nachdenklich. ''Euer Hochgeboren'', hatte die sie genannt. Offenbar hielt sie sie für die Herrin von Schrotenstein. Nun, vor langer Zeit war sie das einmal gewesen. Vor noch längerer Zeit war sie genau das gewesen, was das Mädchen, das vor ihr saß, heute war: Die jüngste Tochter der Gräfin von Ragath. Und mehr noch: Kind der Fürstin Almadas. Ein ganzes Leben lag dazwischen, denn mit ihrer, Belisethas, Geburt und dem Tod ihrer Mutter hatte der Niedergang ihres Hauses begonnen. Aber nicht sie selbst, das hatte Leonida oft genug betont, war schuld am Tod ihrer Mutter, nein es war ihr eigener Onkel gewesen, der schändliche [[Balbiano Calas von Harmamund]], der die Fürstin hatte töten lassen und ihrer Schwester den Thron geraubt hatte.
"Almada ist ein traditionsverbundenes Land", begann sie langsam. "Die Erinnerung stirbt nicht mit den Menschen, und oftmals zählt Vergangenes in den Köpfen der Magnaten mehr als Gegenwärtiges, Stolz mehr als Vernunft, Ehre mehr als Vergebung. Ihr müsst es meiner Nichte nachsehen, wenn sie Euch nicht mit der gebotenen Höflichkeit begegnet ist. Meine Schwester hat sie nicht zum Dienen erzogen, sondern zum Herrschen. Und zum Kämpfen. Und weiterhin in dem Bewusstsein, wessen Blutes sie ist und wessen Schuld es ist, dass sie um ihr Erbe betrogen wurde. – Nicht die Eure", fügte sie rasch hinzu.
Ihr Blick wanderte wieder zum Fenster, zu den schnell dahinziehenden grauen Wolken. Es würde noch regnen an diesem Tag, wahrscheinlich stand eines der berüchtigten bosquirischen Unwetter bevor, Belisetha spürte es in ihren Knochen. Sie dachte an das bleiche, leblose Gesicht Rifadas, die furchtbaren Wunden, und ihr Herz krampfte sich zusammen.
Äußerlich blieb sie gefasst. "Ihr müsst verstehen, dass es mehrere Gründe dafür gibt, dass Domna Rifada die Selaquer Vogtin nicht besonders schätzt, nicht allein den, dass meine Nichte sich noch immer als ... Erbin ihrer Großmutter sieht. Meine Nichte ist eine Frau Rondras. Der Schutz der ihr Anempfohlenen, egal von welchem Stande sie sind, ist für sie Ehrensache. Sie ist davon überzeugt, dass es den Selaquern unter ihrer Herrschaft besser ginge als unter der Domna Praiosmins, in deren Vorstellung es die von Praios auserwählten Herrschenden gibt und die Dienenden – und wenig dazwischen."
Sie seufzte leise. "Ich möchte Rifada ... meine Nichte nicht einfach nur in Schutz nehmen. Ihr habt recht: Diese Fehde kommt zur Unzeit, die äußeren Gefahren erfordern unsere volle Aufmerksamkeit." Belisetha schwieg einen Moment. "Niemand soll verurteilt werden, der nicht schuldig ist. Aber um eine weitere Sache will ich Euch bitten: Dass jene Akten aus dem Jahr 1020 noch einmal hervorgeholt werden, die den Fall der vermeintlichen Affäre Domna Praiosmins mit dem damaligen Baron von Schrotenstein zum Inhalt haben. Und dass man die Angelegenheit noch einmal genau prüfe."
Belisetha sah die junge Frau eindringlich ein. "Diese Burg birgt noch immer ein düsteres Erbe. Die Suprema, die Inquisition, hat vieles von des Schwarzen Rakolus' Vermächtnis vernichtet, seine Gemächer in dieser Burg versiegeln lassen. Ihr wisst gewiss, dass man Domna Praiosmin damals freigesprochen hat und Dom [[Danilo Caerdonnati von Cres|Danilo von Cres]] für die Schmach, die sie in [[Al'Muktur]] erleiden musste, zur Rechenschaft zog. Letztlich war es der Sprecher der Landstände, Dom [[Alrik de Braast]], der an des Elfen statt einsaß, um der Reichsvogtin Satisfaktion zu verschaffen. Damit schien die Angelegenheit beendet."
Die Junkerin zog ihr Taschentuch hervor und tupfte sich die Stirn ab. Es wurde allmählich warm, und die Luft war drückend. "Doch meine Großnichte, heißt es, habe vor einigen Jahren Domna Praiosmin aus den Händen der Wilden befreit. Sie und einen Knaben, der offenbar ihr Sohn war und der – so heißt es weiter – eine nicht zu leugnende Ähnlichkeit mit dem einstigen Baron von Schrotenstein gehabt haben soll. Wenn dies wahr sein sollte, so hat Dom Danilo die Wahrheit gesprochen, Dom Alrik zu Unrecht die Kerkerhaft verbüßt – und Domna Praiosmin ihr Leben lang gelogen."
Belisethas Kopf pochte noch immer. "Seid so gut", wandte sie sich an Ardan von Kündoch, "gebt mir etwas von dem Wein dort." Sie wies auf eine Karaffe auf einer Anrichte, und der Leutnant goss der Comtessa und ihr von dem [[Thangolgold]] ein, dem halbtrockenen Weißen, der aus dem Lehen der verstorbenen Großmutter der Comtessa im Yaquirischen stammte und den der Haushofmeister aus dem Weinkeller hatte heraufbringen lassen.
Belisetha nahm einen Schluck und spürte der spritzigen, herben Süße nach, ehe sie den Becher abstellte und die Comtessa wieder direkt ansah. "Fischer haben meine Nichte heute Morgen am Seeufer gefunden", sagte sie. "Sie ist schwer verwundet. Wahrscheinlich ... wird sie sterben", fügte sie leiser hinzu, und wieder griffen die kalten, harten Finger nach ihrem Herzen und rissen in ihrer Brust. "Eine Dienerin der Herrin Peraine kümmert sich derzeit um sie, aber es ist nicht sicher, ob sie ihr helfen kann. Die Wunden, so sagt sie, wurden Domna Rifada von einem Dämon beigebracht."
Sie beobachtete die Reaktion der Comtessa genau. "Auch wenn es meiner Nichte vielleicht nicht mehr hilft, so will ich doch, dass dieser Vorfall bis ins Letzte aufgeklärt wird und sollte nicht ein bedauerlicher Zufall an diesem Unglück Schuld sein, sondern ein Mensch, ein Elf, ein Zwerg oder irgendein anderes Wesen, das sich vor Praios, Tsa und Rondra für diese Unaussprechlichkeit zu verantworten hat, so soll dieser dafür zur Rechenschaft gezogen werden mit aller gebührlichen Härte und Konsequenz. Und dies nicht nur, weil das Leben meiner Familia in Gefahr ist, sondern weil ein Dämon Leben und Seelenheil aller Menschen bedroht, die ihm vielleicht noch begegnen. Die Götter seien davor!"
Sie schwieg, umfasste den Weinbecher mit beiden Händen und betrachtete den klaren Tropfen, der an dem Gefäß herab auf ihre Finger rann.
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'''Autor:''' [[Benutzer:Romina Alba|Romina Alba]]
Die Comtessa hatte den Ausführungen der älteren Domna ruhig und nachdenklich zugehört. Sie wusste wahrlich zu wenig über die diversen Machtwechsel in Almada, sie hatte das Ganze schon immer als heilloses Durcheinander empfunden, dem Götterfürsten weder gefällig noch würdig. Aber es gab ja nicht nur den Fürsten, sondern noch elf andere, und Rahja war so ein Tohuwabohu schon zuzutrauen.
Als die Sprache zu dem vorgeblichen Sohn Rakolus' des Schwarzen und der praiosgläubigen Vogtin kam, stutzte Romina. Meinte die Frau Ramin – Richeza hatte ihn Aureolus genannt – das unheilige Kind des Schwarzen mit der Elenterin? Sie war damals, [[Media:Yaquirblick_22.1.pdf|als der bösartige Magier die Landstände in Angst und Schrecken versetzt hatte]], eine junge Knappin und weit ab vom Schuss gewesen, doch selbst in der Südpforte hatte man davon gehört. Sie hatte es gänzlich vergessen. Damals war Praiosmin von Elenta entführt worden. Eines war sicher: Der Mutter sah Ramin nicht ähnlich. Sie musste von irgendwoher ein Bild dieses Rakolus bekommen.
Sie sah auf, als Leutnant Ardan ihr Wein einschenkte, nickte dankend und nahm einen großen Schluck. Das hier war also des Schwarzen Rakolus' Baronie gewesen. Sie dachte an goldene Augen und den Traum, den sie vor Kurzem gehabt hatte, als die Domna auch schon wieder weitersprach.
Sie erzählte von Domna Rifada und einem Dämon, der selbige lebensgefährlich verletzt habe. Romina wurde eiskalt, die Hand mit dem Kelch zitterte, sie stellte ihn ab. Der junge Magier war hier! Bestimmt war er hier, wie er auch auf Castillo Albacim gewesen war. Sie musste sich zusammenreißen. Vielleicht waren es nur ihre Nerven. Deutlich spürte sie den forschenden Blick der Baronin auf sich ruhen.
"Domna Rifada ist hier und wurde auch hier in der Grafschaft von einem Dämon angegriffen?" Sie wusste gar nicht, wo sie beginnen sollte. Dunkle Dinge wurden über Rakolus und seine Machenschaften erzählt. Die Domna sagte etwas von Nachforschungen, schnell nickte die junge Frau.
"Man muss herausfinden, wer solch ein Gräuel begangen hat und ihn festsetzen." Sie wusste nicht viel über Magie, doch es schien ihr unwahrscheinlich, dass so ein junger Mann Dämonen beschwören könnte. Außer –  sie wollte es nicht einmal denken – außer er hätte sich den Niederhöllen verschrieben. Wie er sie angesehen hatte, als sie seine Hilfe ablehnte! Romina begann zu zittern.
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'''Autor:''' [[Benutzer:von Scheffelstein|von Scheffelstein]]
Es verging eine Weile, bis Belisetha da Vanya wieder aufsah, doch das Unbehagen der jungen Frau blieb ihr nicht verborgen.
"Seid versichert, Domnatella Romina", sagte sie, "dass ich alles tun werde, um nicht nur meine Familia, sondern auch meine Gäste vor jedwedem Unheil zu bewahren. Nachdem der Schwarze Schrotensteiner vertrieben und die Burg zurück in den Besitz unserer Familia gegangen war, hat mein Bruder, Seine Eminenz [[Amando Laconda da Vanya]], einen Schrein des Herrn Praios in einem der Türme einrichten lassen. Im Fall aller Fälle sind wir dort hoffentlich sicher vor unheiligen Übergriffen. Zudem sind mit meiner Großnichte und ... ihrer Mentorin ... zwei Geweihte der Herrin Rondra anwesend, und derzeit weilt noch die junge Peraine-Priesterin auf der Burg. Seid unbesorgt: Euch wird nichts geschehen, solange Ihr hier seid. Doch wenn Ihr abreisen müsst, so kann ich Euch nur neuerlich raten, so rasch wie möglich gen Ragath aufzubrechen und nicht den Weg nach Süden zu nehmen. Meine Nichte war auf dem Weg nach Wildenfest – wo ich meinen Wohnsitz habe. Und eben auf dem Weg dorthin, wenn auch noch hier am Schwarzen See, scheint es, wurde sie angegriffen. Seid also vorsichtig!"
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'''Autor:''' [[Benutzer:Romina Alba|Romina Alba]]
Romina schloss die Augen und riss sich zusammen. Verdammt, sie durfte vor anderen nicht so schwach sein, sie war eine Ehrenstein und Streitzig. Sie hatte bei den Ferkinas weitaus Schlimmeres erlebt! Was machte sie sich da vor? Hatte sie nicht! Es gab nichts Schlimmeres als einen Dämon! 'Dämonen fressen die Seele, Ferkinas können nur dem Körper schaden. '
Wildenfels – dort wollte sie ursprünglich auch hin. Sie öffnete die Augen und begegnete dem besorgten Blick Ardan von Kündochs. Kurz hielt sie den Blick, hangelte sich daran hoch und schaute wieder bedeutend ruhiger zu der da Vanya. Denn das war sie, eine da Vanya, auch wenn diese hier freundlicher schien.
"Wie geht es Eurer Nichte? Wird sie ... wird ihre Seele zu Rondra finden? Wir haben uns nicht gut gekannt, und sie ist wahrlich niemand, den man kennenlernen will, nicht einmal wenn man zu Eurer Familia gehört." Domna Rifada hatte Richeza und besonders den jungen Moritatio kaum besser behandelt. "Aber sie hat uns im Gebirge gefunden und mit herausgeführt." Nun ja, mehr oder weniger. "Sie ist mutig wie eine Löwin, sie hat es verdient, an Rondras Tafel zu speisen. Ich werde für sie beten."
Kurz schlug sie die Augen gen Alveran und tastete nach dem Banner, dass sie immer noch am Körper trug. Das Banner, vielleicht konnte es helfen. Sie zog es heraus.
"Ich habe das [[Rossbanner-Orden|Rossbanner]] bei mir, ich trage es seit der Flucht aus dem Lager der Ferkinas. Es ist doch ein Artefakt, sagt man. Vielleicht kann es der Seele Eurer Nichte helfen?" Plötzlich kam sie sich kindisch vor, das Stück dreckiger Stoff hatte niemandem geholfen, damals in der Todesschlucht. Zumindest keinem Rondrianer. Verschämt senkte sie den Blick.
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'''Autor:''' [[Benutzer:von Scheffelstein|von Scheffelstein]]
Belisetha da Vanya bedachte die Kritik an ihrer Nichte nur mit einer leicht gehobenen Augenbraue. Als die Comtessa das Banner hervorholte, streckte sie die Hand aus und berührte das zerschlissene, schmutzige Tuch. Einen Augenblick lang sah es so aus, als wolle sie danach greifen, doch dann ruhten die altersfleckigen Finger sacht auf dem Stoff, und schließlich zog sie die Hand zurück.
"Man ruft die Heilige an zum Schutz wider die Heiden. Ich fürchte, gegen einen Dämon oder die Wunden, die er schlug, wird das Banner kaum helfen." Sie seufzte. "Nehmt es mit und übergebt es Eurem Vater als Komtur des Ordens. Oder lasst es hier, und Gujadanya und Jelissa von Blutfels werden es nach [[Mas d'Hadjinsunni]] zurückbringen, sobald die Zeiten sicherer sind."
Sie trank den Wein aus und stellte den Becher sorgsam zurück auf das Tischchen neben sich. Einen Moment lang herrschte Schweigen. Durch das offene Fenster drangen die Stimmen der Soldaten im Hof herauf. Irgendwo heulte ein Hund.
"Ihr sagtet, Ihr müsstet bald aufbrechen. Bis Ragath sind es etwa dreißig Meilen. Bei einem schnellen Ritt könntet Ihr noch bis zum späteren Abend dort sein. Von da sind es zwei Tagesritte bis Punin, und mit der Kutsche geht es ein wenig schneller. Wenn Ihr Glück habt, schafft Ihr es noch beizeiten zur Hochzeit des Kaisers. Wenn Ihr noch etwas benötigt, zögert nicht, es auszusprechen, Domnatella Romina."
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'''Autor:''' [[Benutzer:Romina Alba|Romina Alba]]
Die junge Frau nickte fast schüchtern und steckte das Tuch wieder weg. Sie würde es dem Vater mitbringen, die Amazonen hatten nichts mit dem Orden zu tun, außerdem waren sie alles andere als freundlich gewesen. Sie wusste recht gut, dass Amazonen niemals freundlich zu Außenstehenden waren, doch ein wenig Stolz würde sie sich bewahren.
"Es drängt mich nicht allzusehr, es noch zu dieser", sie machte eine kleine Pause, "Hochzeit zu schaffen." Sie räusperte sich und sah Belisetha wieder direkt an. "Mein hoher Vater ist Euer Graf, Domna, auch wenn es vielleicht ungerecht scheint. Wenn Ihr wollt, bringe ich ihm einen Brief von Euch mit. Solange wäre noch Zeit." Sie schaute zu ihrem Leutnant. "Ich werde aufbrechen, sobald Ihr Eure Zeilen beendet habt." Ardan von Kündoch nickte, nahm kurz zackig Haltung an und entfernte sich. Er würde alles für den Aufbruch vorbereiten. Draußen vor der Tür atmete er kurz erleichtert durch und beeilte sich dann, seine Leute zusammenzuholen.
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'''Autor:''' [[Benutzer:von Scheffelstein|von Scheffelstein]]
Belisetha da Vanya nickte und erhob sich. "Ich danke Euch, Eure Hochgeboren. Mögen die Zwölfe Euch sicher nach Hause geleiten", sagte sie und verließ den Salon.
Eine halbe Stunde später brachte ein Diener der Comtessa ein gesiegeltes Schreiben an den Grafen.
* ''Die Geschichte um Domnatella Romina wird hier fortgesetzt: [[Chronik.Ereignis1033 Feldzug Ragath 07|Schauplatz: Ragath, Teil 07]].''