Chronik.Ereignis1033 Feldzug Schrotenstein 11: Unterschied zwischen den Versionen
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'''Autor:''' [[Benutzer:Romina Alba|Romina Alba]] | '''Autor:''' [[Benutzer:Romina Alba|Romina Alba]] | ||
Als es klopfte, sprang Romina flugs vom Bett, es gehörte sich nicht, sich tagsüber hinzulegen, schließlich war | Als es klopfte, sprang Romina flugs vom Bett, es gehörte sich nicht, sich tagsüber hinzulegen, schließlich war sie nicht verletzt. | ||
Als der Castellan im Vorzimmer stand, kam sie gerade aus dem Schlafzimmer. Sie hatte ihn rufen lassen? Sie ging in Gedanken noch einmal das Gespräch mit Dom Ardan durch. Nun ja, so könnte man es auch interpretieren. Sie räusperte sich, bemüht, die Unsicherheit zu verbergen. | Als der Castellan im Vorzimmer stand, kam sie gerade aus dem Schlafzimmer. Sie hatte ihn rufen lassen? Sie ging in Gedanken noch einmal das Gespräch mit Dom Ardan durch. Nun ja, so könnte man es auch interpretieren. Sie räusperte sich, bemüht, die Unsicherheit zu verbergen. | ||
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„Wie Ihr wünscht, Comtessa“, murmelte er, und schritt dann von dannen, den Leutnant Ardan herauf zu senden. Ein kleines Weilchen mochte gewiss vergangen sein, bis Romina von Ehrenstein-Streitzig erneut die schweren Schritte eines Kriegers vor ihrer Türe vernahm. Eine kurze Pause, dann klopfte es erneut gegen deren Holz. | „Wie Ihr wünscht, Comtessa“, murmelte er, und schritt dann von dannen, den Leutnant Ardan herauf zu senden. Ein kleines Weilchen mochte gewiss vergangen sein, bis Romina von Ehrenstein-Streitzig erneut die schweren Schritte eines Kriegers vor ihrer Türe vernahm. Eine kurze Pause, dann klopfte es erneut gegen deren Holz. | ||
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'''Autor:''' [[Benutzer:von Scheffelstein|von Scheffelstein]] | |||
[[Belisetha da Vanya]] starrte auf den grausam zugerichteten Leib ihrer Nichte und blinzelte die Tränen fort, die sich hinter ihren Lidern sammelten. Sie hatte die Fischer fortgeschickt, nachdem diese berichtet hatten, wann, wo und wie sie Rifada gefunden hatten. | |||
Die tröstende Hand des alten Castellans auf ihrer Schulter war verschwunden. Er hatte sich entschuldigt, die junge Comtessa hatte nach ihm verlangt. Außer der Geweihten und ihr war niemand mehr in dem kleinen Rittersaal. | |||
Belisetha fühlte sich elend. Am liebsten hätte sie geweint. Der Anblick ihrer Nichte, die sie in mancher Hinsicht so sehr an ihre eigene Schwester Leonida erinnerte, erfüllte sie mit Kummer und Entsetzen. Kein Mensch sollte so etwas erleiden müssen, und doch erst recht kein Mitglied ihrer Familia! War es die Rührseligkeit des Alters, die sie ausgerechnet jetzt in der gefallenen Kriegerin das kleine Mädchen erkennen ließ, das ungestüm und stolz auf dem Steckenpferd über den Hof des Castillos da Vanya galoppiert war? Das manches Mal Belisethas Herz fast hatte stehen bleiben lassen, wenn es – so jung und unbekümmert – auf Fenstersimse und Dächer geklettert war, auf Bäume und Brückenpfeiler, um Vogelnester auszunehmen oder um seinem kleinen Schwesterlein bunte Federn und glitzernde Steine aus den höchsten Höhen der Bäume und der reißendsten Strömung der Bäche zu bergen? | |||
'Ach, ihr Götter', dachte sie, 'lasst doch das arme Kind nicht einen so scheußlichen Tod sterben!' | |||
"Mein liebes Mädchen", murmelte Belisetha, tätschelte die Hand der Kriegerin, die auf dem Tisch lag, kalt und grau, zog ein Taschentuch aus ihrem Morgenmantel und tupfte sich damit über Augen und Wangen. | |||
Es half nichts: Sie durfte sich ihrem Kummer nicht hingeben. Sie war die Herrin von Wildenfest, die Herrin von Schrotenstein - in der Abwesenheit ihres Sohnes, die Soberana der Familia, solange ihr Bruder fort war. Amando hatte sie gewarnt im Traum, es war an ihr, sich um ihre Familia zu kümmern, niemandem war geholfen, wenn sie verzweifelte! | |||
Abermals drückte Belisetha die Hand ihrer Nichte, als könnte sie dadurch Wärme in diesen kühlen, bleichen Körper zurückbringen, als würde so die blutverkrustete Brust, die sich nur schwach – kaum merklich! – hob und senkte, mit neuem Atem gefüllt. | |||
"Was könnt Ihr für sie tun, Euer Gnaden?", fragte sie die Priesterin, die Rifada, nachdem die anderen sie alleine gelassen hatten, auf dem Tisch entkleidet hatte, um sich ihre Wunden anzusehen. | |||
"Ich werde ihre Wunden waschen und segnen, Euer Wohlgeboren, und für sie beten. Gebe die gütige Mutter Peraine, dass das Übel des Dämons, der sie verletzte, nicht zu tief in ihren Leib eingedrungen ist." | |||
Belisetha betrachtete die junge Geweihte einen Moment lang. Auch wenn diese sich um ein zuversichtliches Lächeln bemühte, war nur zu deutlich, dass sie dieserart unnatürliche Wunden noch niemals gesehen hatte. | |||
Es klopfte an der Saaltür. Die Meisterin der Ernte schlug rasch ein Tuch über die Blößen der Verwundeten. Alessio trat ein, einer der Knappen des alten Caballeros von Wetterwacht. | |||
"Eure Wohlgeboren", sagte er, als Belisetha ihn entgeistert anblickte, "wir mussten umkehren. Störe ich? Darf ich ..." | |||
Doch in diesem Moment wurde er unsanft beiseite geschoben, und eine Frau in der Rüstung der Amazonen betrat den Rittersaal: Jelissa Al'Abastra, die Geliebte ihrer Nichte. | |||
Belisetha vergaß einen Moment lang ihren Kummer und presste die Lippen zusammen. "Was ist geschehen?", fragte sie dann, und ihre Finger schlossen sich unwillkürlich fester um Rifadas Hand, gerade so, als könne die tödlich Verwundete ihr die Kraft geben, weitere unheilvolle Nachrichten gefasst entgegenzunehmen. | |||
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'''Autor:''' [[Benutzer:SteveT|SteveT]] | |||
"Unwichtig!", winkte Jelissa Al'Abastra ab, rammte Alessio grob mit dem Ellenbogen beiseite, ohne ihn überhaupt richtig zu bemerken, und stürzte zu der auf dem Tisch aufgebahrten Geliebten. | |||
"Rifada! Was ist mit dir geschehen? Welcher Hund hat dir das angetan?", schrie sie verzweifelt und warf Belisetha und der jungen Briesacher Perainegeweihten einen verzweifelten, fragenden Blick zu. | |||
Sie sog scharf die Luft ein, als sie das Tuch anhob, das Rifadas geschundenen Leib bedeckte. Sie hatte solche Wunden bereits gesehen. An der Trollpforte, bei Schwertschwestern aus Kurkum, und nicht eine von ihnen hatte diese überlebt! | |||
"Das ... das sind die Male eines Dämons!", schrie sie entsetzt. "Ist das hier geschehen? Schrotenstein ist ein verfluchter Ort! Dahinter steckt Rakolus der Schwarze! Rifada muss auf dem Weg nach Wildenfest einer seiner Höllenkreaturen begegnet sein! Oder ihm selbst?", schloss sie fragend und sah dabei Belisetha forschend in die Augen ... | |||
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'''Autoren:''' [[Benutzer:von Scheffelstein|von Scheffelstein]], [[Benutzer:SteveT|SteveT]] | |||
Die alte Junkerin schüttelte bekümmert den Kopf. "Nein, Domna Jelissa, der Schwarze Rakolus ist tot, seine alten Gemächer auf dieser Burg seit langer Zeit versiegelt. Aber auch Ihre Gnaden geht davon aus, dass das arme K... äm... Rifada einem Dämon begegnet ist. Mögen die Götter wissen, wo. Fischer haben sie heute Morgen im Schilf am südlichen Ufer des Schwarzen Sees gefunden. Sie trug unser Familienerbstück bei sich, das Signum Griphonis Solaris. Vielleicht ist sie deshalb noch ... am Leben." | |||
Belisetha da Vanya schluckte und ließ die Hand ihrer Nichte los. "Wo ist das Mädchen?", fragte sie Jelissa dann. "Wo ist Rifadas Tochter? Wieso seid Ihr hier?" | |||
"Sie ... sie ist verwundet, Herrin", flüsterte Alessio, der bleich und mit weit aufgerissenen Augen im Türrahmen stand und die entblößte Kriegerin mit ihren furchtbaren, entstellenden Verletzungen anstarrte. "Domna Delicia ist tot. Mein Herr ist schwer verletzt. Es tut mir leid, Eure Wohlgeboren! Es waren mehr als drei Dutzend Männer und Frauen der Reichsvogtin von Selaque. Sie ... wir haben sie ..." Er verstummte und warf Jelissa Al'Abastra einen furchtsamen Blick zu. | |||
"Sie hat eine tiefe Stichwunde!", gab Jelissa bezugnehmend auf Belisethas Frage nach Gujadanya zu, ohne den Blick von Rifadas abgetrennter Brust zu nehmen. "Eine Kriegerin der Harmamunds hat sie ihr zugefügt. Al'Cumrat ... äh, ich meine Eure Großnichte, kannte die Frau näher - sie hat sie ihrerseits schwer verwundet, wenn ich es auf die Entfernung richtig sehen konnte." | |||
Belisetha erstarrte. "Verwundet?", hauchte sie. "Gujadanya auch? Dom Giromo? Und Domna Delicia – tot?" Ihr schwindelte. Die Kopfschmerzen, die sie während der letzten halben Stunde fast vergessen hatte, waren mit einem Mal wieder präsent. Ihr Blut rauschte in ihren Ohren. | |||
Die Geweihte, die Verbände und Wundsalben aus ihrer Tasche ausgepackt und auf einem Seitentisch ausgebreitet hatte, eilte herbei und griff ihr unter die Arme, gerade, als Belisetha zu taumeln drohte. "Rasch!", sagte die Frau, "Einen Stuhl!" | |||
Alessio sprang hinzu und schob ihr einen Stuhl unter. Belisetha ließ sich schwer darauf nieder. Für einen Moment drehte sich alles. | |||
"Wasser!", sagte die Geweihte, "Hol' Wasser! Mindestens zwei Krüge, einer kalt und einer heiß. Und einen Becher und eine Schüssel." | |||
Alessio stürzte aus dem Saal, offenkundig froh, sich nützlich machen zu können. | |||
Belisetha blickte die Amazone an, fast als hoffe sie, diese würde ihr nun sagen, was zu tun war. Aber ''sie'' musste entscheiden, sie selbst. Belisetha wischte sich über das Gesicht. "Geht es Gujadanya gut? Gut genug? Ich meine: Steht es schlimm um sie?", fragte sie bang, fuhr aber sogleich, an sich selbst gewandt, fort. "Yusufina soll nach ihr sehen und nach dem armen Dom Giromo. Sie ist bewandert genug in der Heilkunst, solange die Wunden nicht zu schwer sind. – Eure Gnaden, Ihr sorgt bitte für meine Nichte, tut für sie, was immer Ihr tun könnt, und wenn Ihr etwas benötigt, lasst es mich wissen, Ihr sollt es bekommen, koste es, was es wolle." | |||
Die politischen Entscheidungen mussten warten, hier ging es um das nackte Überleben ihrer Anverwandten – vielleicht gar ihrer Familia! ''Lisi, Schwester, sieh dich vor! Unsere Familia ist in Gefahr!'' Angst ergriff Belisetha: Rifada und nun auch Gujadanya. Wer war als nächstes an der Reihe? Was waren das für Gerüchte, Amando sei verschwunden? Wo nur trieb sich Lucrann herum, warum hatte sie seit Monden keine Nachricht von ihm erhalten? Und was war mit dem kleinen Moritatio und mit Leonidas anderer Enkeltochter, Richeza? Und dann war da noch dieser ominöse Brief, in dem ein Unbekannter, so sie ihn richtig deutete, mit dem Tode von Rifadas Gemahl Berengar von Schlehen drohte. Auf ihr Schreiben an die Reichsvogtin hatte Belisetha noch keine Antwort erhalten. | |||
Alessio kehrte mit dem Gewünschten zurück, reichte ihr einen Becher, stellte der Geweihten eine Schüssel hin und goss auf deren Geheiß heißes und ein wenig kaltes Wasser hinein. | |||
"Geh und sorge dafür, dass Dom Giromo gut versorgt wird, Alessio!", befahl Belisetha und erhob sich schwerfällig. | |||
"Entschuldigt mich, Domna Jelissa!", sagte sie, ungewohnt freundlich – doch war es nicht besser, Rifada hatte überhaupt jemanden um sich, jemanden, der ihr zugetan war, selbst wenn es nicht ihr Gemahl war oder eines ihrer Kinder, als niemanden? | |||
Sie musste sich ankleiden, und dann wollte sie nun doch ein Wort mit der jungen Comtessa wechseln. Zu dumm, dass Selaque dem Kaiser selbst unterstand und nicht dem Grafen. Und der Kaiser hatte derzeit andere Interessen als eine elende Fehde oder ein paar marodierende Ferkinas – in zwei Tagen war seine Hochzeit. Aber vielleicht hatte der Graf Möglichkeiten, die Angelegenheit zu forcieren, ihre Dringlichkeit zu betonen. | |||
Noch während Belisetha leise die Tür hinter sich schloss, wusste sie, dass sie sich wenig Hoffnung machen durfte. Aber sie wusste nicht, was sie sonst tun konnte. Die Zeit war ihr Feind, denn die Zeit bedrohte das Leben ihrer Liebsten! | |||
Als Belisetha hinausging rief Jelissa - wie um der Burgherrin wenigstens etwas Tröstliches zu verkünden - ihr hinterher: "Macht Euch wegen Gujadanya keine allzu große Sorgen. Sie ist zäh wie Ferkinaleder und hat schon ganz andere Verwundungen auskuriert." | |||
'Dasselbe würde ich normalerweise auch von dir glauben!', fügte sie in Gedanken still hinzu und streichelte zärtlich über Rifadas Wange. Als die alte Burgherrin den Saal verlassen und die Tür hinter sich geschlossen hatte, packte Jelissa die junge Perainegeweihte, die Rifadas Wunden wusch, energisch am Ärmel ihres grünen Gewandes. | |||
"Ich habe selbst die Weihen der Herrin Rondra empfangen, Schwester - Ihr könnt also zu mir getrost ganz offen unter Klerikern sprechen: Ich kenne diese zunächst purpur-schwärenden und danach bald schwarzfaulenden Wunden gut, denn ich sah nach der Dritten Dämonenschlacht über drei Dutzend meiner Schwertschwestern daran binnen weniger Tage elend zugrunde gehen." Sie blickte noch einmal schluckend in Rifadas blasses, zerzaustes Antlitz und flüsterte dann der Geweihten neben ihr ins Ohr: "Sie sind tödlich nicht wahr? Nur ein Dämon selbst oder vielleicht noch ein außerordentlich mächtiger Zauberer könnte ihr Leben mit diesen Wunden retten?" | |||
Die junge Perainegeweihte nickte. "Da Ihr bereits das bedauerliche Schicksal Eurer Kampfgefährtinnen erfahren habt, muss ich Euch nichts weiter dazu sagen. Das einfache Volk glaubt, dass solche Menschen mit Dämonenmalen verflucht sind. Ich glaube eher, dass es sehr, sehr mutige Menschen sind, denn es gehört viel dazu, sich einem der Unaussprechlichen in den Weg zu stellen. Hoffnung gibt es immer, solange wir auf die Gütige Herrin und ihre elf Geschwister vertrauen. Ihr solltet für sie beten, wie ich es auch tun werde. Das ist das Beste, was wir für Eure Gefährtin tun können." | |||
Jelissa nickte und trat zurück. Sie musste sich abwenden, denn zum ersten Mal seit über fünfzehn oder zwanzig Jahren spürte sie, dass ihr Tränen in die Augen stiegen. Sie wischte sich beschämt mit dem Ärmel ihres Waffenrocks darüber und begann wie eine unruhige Löwin im Raum auf und ab zu schreiten. | |||
=====4. Rondra 1033 BF, mittags===== | |||
'''Autor:''' [[Benutzer:Von Scheffelstein|von Scheffelstein]] | |||
Gekleidet in vornehmes Schwarz, wie es dem Anlass und auch ihrer Stimmung angemessen war, mühte sich Belisetha da Vanya die Treppen hinauf zu den Gästegemächern, in denen sie die Grafentochter hatte unterbringen lassen. Keuchend verweilte sie einen Moment auf dem Absatz, und wurde von einem jungen Mann eingeholt, der mit freundlichem Nicken geradewegs an ihr vorbei auf den Salon der Comtessa zuhielt. Er trug die Farben der gräflichen Familie und klopfte an der Tür. | |||
"Herein!", hörte Belisetha es von drinnen, doch der junge Mann – sie hatte bedauerlicherweise seinen Namen vergessen, nur dass er der Leutnant der gräflichen Garde war, das wusste sie noch – öffnete sie nicht gleich, sondern sah stattdessen zu Belisetha. | |||
"Wollt Ihr zu Domnatella Romina Alba?", fragte er. | |||
"In der Tat", sagte die Junkerin. "Ich hoffe, ich komme nicht ungelegen." Kurz fragte sie sich, ob der Mann aus rein pflichttreuen oder aber aus privaten Gründen hier war. Doch falls sie seinen Absichten im Wege war, ließ er sich nichts anmerken. | |||
"Gewiss nicht! Bitte, Domna Belisetha, nach Euch!" Er öffnete die Tür und hielt sie ihr auf, während sie hineinging. | |||
"Eure Hochgeboren!" Die Junkerin neigte kurz respektvoll das Haupt, während der Leutnant die Tür schloss und abwartend stehen blieb. Belisetha sah von der Comtessa zu ihrem Offizier und wieder zurück. "Ich hoffe, ich suche Euch nicht zu unpassender Zeit auf, Domnatella Romina. – Bitte verzeiht meine Abwesenheit an diesem Morgen. Mir war nicht wohl, das Alter." Sie lächelte entschuldigend. "War alles zu Eurer Zufriedenheit? Wenn Ihr etwas benötigt oder meine Diener etwas für Euch tun können, lasst es mich bitte wissen." | |||
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'''Autor:''' [[Benutzer:Romina Alba|Romina Alba]] | |||
Als [[Ardan von Kündoch]] auf ihr energisches "Herein!" nach einiger Zeit immer noch nicht eingetreten war, drehte sich Romina vom Fenster weg und sah irritiert zur Tür. Noch bevor sie, von dem Gedanken beseelt, der Leutnant wäre neuerdings schwerhörig, ihre Aufforderung lauter wiederholen konnte, öffnete sich die Tür und ihre Gastgeberin trat ein, gefolgt von dem Ritter ihres Vaters. Romina unterdrückte jedwede Überraschung, verbeugte sich brav und passte auch ihr Lächeln der Situation an. Sie war wahrlich die Tochter ihres Vaters. | |||
"Es ist alles vorzüglich, habt Dank für Eure Mühen, Domna da Vanya." Ihr Lächeln erstarb. "Mögen die Götter Euch segnen, auf dass es Euch bald besser geht." Ihr kühler Ton brachte spürbar Distanz zwischen die beiden Frauen. "Ich werde bald abreisen, man erwartet mich in Punin." | |||
Sie war dünn geworden, die kindlich vollen Wangen waren jetzt hohl und die einst maßgeschneiderte Kleidung, die man ihr mitgebracht hatte, schlotterte an ihr. Trotzdem war sie ganz Grafentochter, stolz, ruhig und aufrecht stand sie da und verdeckte ihre innere Zerrissenheit fast gänzlich. | |||
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'''Autor:''' [[Benutzer:von Scheffelstein|von Scheffelstein]] | |||
Belisetha lächelte freundlich, obwohl ihr nicht im Mindesten nach Lächeln zumute war. Kurz sah sie zum Fenster, dann suchte ihr Blick die eisblauen Augen der jungen Frau. "Gewiss werdet Ihr zur Hochzeit Seiner Kaiserlichen Majestät reisen", sagte sie. "Ihr solltet nach Westen und über Ragath reisen. Auch wenn es der längere Weg scheint, ist er schneller und sicherer. Die Straße nach Schlangentodt ist in weit schlechterem Zustand als die Reichsstraße. Und wer weiß, wie weit nach Süden die Wilden vorgedrungen sind?" | |||
Sie wusste nicht, wie sie ihr Anliegen vorbringen sollte. Denn was konnte die Comtessa schon für sie tun? Aber in ihrer Verzweiflung würde sie jeden Strohhalm ergreifen, der sich ihr bot und der verhindern mochte, dass ihre Familia in Blut ertrank. | |||
"Domnatella Romina", sagte sie vorsichtig, "dürfte ich Euch ersuchen, Eurem Hohen Vater getreulichen Bericht über die Lage im Bosquirtal zu erstatten?" Was würde sie sagen, wenn sie ehrlich war? An dem ganzen Schlamassel, in dem sie sich nun befanden, war ja nun nicht zuletzt auch Rifada mit ihrer Halsstarrigkeit schuld. Ach hätte sie nur ... | |||
Die Junkerin zwang ihre Gedanken zurück ins Hier und Jetzt. "Mehr als alles andere benötigen wir nun die militärische Unterstützung durch das kaiserliche Heer, um die Wilden endgültig aus den Grenzlanden am Raschtulswall zu vertreiben und sie dorthin zurückzudrängen, wo sie hergekommen sind – oder besser noch: um uns dieser Plage ein für alle Male zu entledigen." | |||
'Und wenn die Soldaten erst hier sind, dann ist es auch vorbei mit dem elenden Gezänk zwischen den da Vanyas und der Reichvogtin', dachte sie. 'Dann wird kein Blut mehr fließen für eine unsinnige Sache, für nutzlosen Stolz.' Ach, Leonida, ihre Schwester, hätte sie gewiss getadelt für ihre Schwäche und Nachgiebigkeit, eben für den mangelnden Stolz, den sie zeigte. Doch was sollte sie tun? Sie besaß nicht die Autorität ihres Bruders und nicht die unerbittliche Härte und Kampfeskraft, die ihrer Schwester zu eigen gewesen war. Aber sie würde nicht tatenlos zusehen, wie ihre Familia zugrunde ginge! Und wenn es der verfluchte Harmamund mit seinen Mannen war, der den Tod ihrer Angehörigen verhinderte, dann würde sie diese bittere Pille schlucken. | |||
"Wenn es Euch gelänge, Domnatella Romina, Euren Hohen Vater davon zu überzeugen, wie wichtig ein ''eiliges'' Eingreifen im Bosquirtal ist, und wenn dieser Kraft seiner Autorität als ... Graf Ragaths den Kaiser zu einer vorzeitigen Intervention zu bewegen vermöchte, so wäre ich Euch zu tiefstem Dank verpflichtet." | |||
Sie konnte sich vorstellen, welcher Art die Dankbarkeit ihrer Nichte wäre und was diese zu Belisethas Bitte zu sagen hätte. Aber, bei der gütigen Travia: ''Sie'', Belisetha, war noch immer die stellvertretende Soberana der da Vanyas, und Amando, da war sie gewiss, hätte volles Verständnis für ihr Vorgehen. Amando hatte diese Fehden nie gut geheißen, stets betont, dass vergangenes Unrecht nichtsdestotrotz vergangen war und Gerechtigkeit nur dem widerführe, der sie sich in der Gegenwart verdiene. | |||
Trotzdem war Belisetha unwohl zumute. All dies hier war nur ein Zeichen ihrer Hilflosigkeit. Was bat sie dieses junge Kind um Beistand, das doch selbst – das sah man nur zu deutlich – eine so schwere Bürde zu tragen hatte? Mitleid stahl sich in Belisethas Blick. Und Trauer. Es gab kein leichtes Leben. Für niemanden. | |||
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'''Autor:''' [[Benutzer:Romina Alba|Romina Alba]] | |||
Erst trat Überraschung, dann eine tiefe Wärme in die Augen der jungen Comtessa. Sie sah deutlich das Leid und die Erschöpfung in den Augen der älteren Frau. | |||
"Wollen wir uns nicht erst einmal setzen, Euer Hochgeboren?" Sie schaute kurz zu von Kündoch, der verstand, der alten Dame und seiner Comtessa die Stühle zurechtrückte und sich wieder in seine ruhige Ecke verzog. | |||
"Einer der Gründe, warum ich direkt nach Punin will, ist der Versuch, unseren Kaiser davon zu überzeugen, so schnell es nur geht Entsatz zu schicken. Ich werde meinem gräflichen Vater und meinem hohen Großvater getreulich Bericht erstatten. Sowohl über die unglaubliche Anzahl an Ferkinas und ihre Bösartigkeit, als auch über diese zu so einer Zeit unermesslich schädliche Fehde zwischen der Reichsvogtin und den da Vanyas." | |||
Ihr Blick wurde wieder kühl. "Ihr erstaunt mich, Domna Belisetha. Keiner Eurer Familia ist mir mit annähernd soviel Anstand begegnet." | |||
Sie verzog in einem Anflug eines Schmunzelns das Gesicht. "Nun ja, fast keiner. Euer junger Großneffe, Dom Moritatio, reichte mir seinen Umhang, als ich in den Bergen spärlich bekleidet fror." | |||
Kurz fingen ihre Augen die Erinnerung auf, um sich dann schnell wieder der Gegenwart und der Junkerin zuzuwenden. | |||
"Es ist viel dort draußen passiert." Sie wischte durch die Luft, als wolle sie die Gedanken vertreiben. Ihr Onkel war dorthin zurückgekehrt, auch wegen einer da Vanya. Männer wollten immer haben, was sie nicht bekamen. ''Das'' musste sie sich merken. | |||
"Eure Bitte wäre nicht nötig gewesen, doch sie ehrt und freut mich. Ich helfe gerne. Die Magierin, die Dom von Kündoch", kurz nickte sie in dessen Richtung, "für mich mitgebracht hatte, hilft draußen auf dem Hof den verletzten Männern und Frauen. Auch wenn die stolze Amazone da Vanya die Hilfe für sich deutlich ablehnte. Ich hätte es wahrlich besser wissen müssen." Sie seufzte kurz. Erstens war es Magie und zweitens kam die Hilfe von der Tochter des Thronräubers. Gerade Rifada da Vanya hatte sich mit solchen Bemerkungen nicht zurückgehalten. Wenn sie es sich recht überlegte, wunderte sie sich im Nachhinein, dass sie neben dieser Frau lebend aus den Bergen herausgekommen war. | |||
"Ich werde mich auch darum kümmern, dass der junge Praiodor zu seinen Verwandten zurückfindet." Kurz wanderten ihre Gedanken zu Domna Richeza. Sie mochte sie nicht sonderlich, doch sie hoffte für den Knaben und für ihren Onkel, dass sie überlebte. | |||
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'''Autor:''' [[Benutzer:Von Scheffelstein|von Scheffelstein]] | |||
Belisetha betrachtete die junge Frau nachdenklich. ''Euer Hochgeboren'', hatte die sie genannt. Offenbar hielt sie sie für die Herrin von Schrotenstein. Nun, vor langer Zeit war sie das einmal gewesen. Vor noch längerer Zeit war sie genau das gewesen, was das Mädchen, das vor ihr saß, heute war: Die jüngste Tochter der Gräfin von Ragath. Und mehr noch: Kind der Fürstin Almadas. Ein ganzes Leben lag dazwischen, denn mit ihrer, Belisethas, Geburt und dem Tod ihrer Mutter hatte der Niedergang ihres Hauses begonnen. Aber nicht sie selbst, das hatte Leonida oft genug betont, war schuld am Tod ihrer Mutter, nein es war ihr eigener Onkel gewesen, der schändliche [[Balbiano Calas von Harmamund]], der die Fürstin hatte töten lassen und ihrer Schwester den Thron geraubt hatte. | |||
"Almada ist ein traditionsverbundenes Land", begann sie langsam. "Die Erinnerung stirbt nicht mit den Menschen, und oftmals zählt Vergangenes in den Köpfen der Magnaten mehr als Gegenwärtiges, Stolz mehr als Vernunft, Ehre mehr als Vergebung. Ihr müsst es meiner Nichte nachsehen, wenn sie Euch nicht mit der gebotenen Höflichkeit begegnet ist. Meine Schwester hat sie nicht zum Dienen erzogen, sondern zum Herrschen. Und zum Kämpfen. Und weiterhin in dem Bewusstsein, wessen Blutes sie ist und wessen Schuld es ist, dass sie um ihr Erbe betrogen wurde. – Nicht die Eure", fügte sie rasch hinzu. | |||
Ihr Blick wanderte wieder zum Fenster, zu den schnell dahinziehenden grauen Wolken. Es würde noch regnen an diesem Tag, wahrscheinlich stand eines der berüchtigten bosquirischen Unwetter bevor, Belisetha spürte es in ihren Knochen. Sie dachte an das bleiche, leblose Gesicht Rifadas, die furchtbaren Wunden, und ihr Herz krampfte sich zusammen. | |||
Äußerlich blieb sie gefasst. "Ihr müsst verstehen, dass es mehrere Gründe dafür gibt, dass Domna Rifada die Selaquer Vogtin nicht besonders schätzt, nicht allein den, dass meine Nichte sich noch immer als ... Erbin ihrer Großmutter sieht. Meine Nichte ist eine Frau Rondras. Der Schutz der ihr Anempfohlenen, egal von welchem Stande sie sind, ist für sie Ehrensache. Sie ist davon überzeugt, dass es den Selaquern unter ihrer Herrschaft besser ginge als unter der Domna Praiosmins, in deren Vorstellung es die von Praios auserwählten Herrschenden gibt und die Dienenden – und wenig dazwischen." | |||
Sie seufzte leise. "Ich möchte Rifada ... meine Nichte nicht einfach nur in Schutz nehmen. Ihr habt recht: Diese Fehde kommt zur Unzeit, die äußeren Gefahren erfordern unsere volle Aufmerksamkeit." Belisetha schwieg einen Moment. "Niemand soll verurteilt werden, der nicht schuldig ist. Aber um eine weitere Sache will ich Euch bitten: Dass jene Akten aus dem Jahr 1020 noch einmal hervorgeholt werden, die den Fall der vermeintlichen Affäre Domna Praiosmins mit dem damaligen Baron von Schrotenstein zum Inhalt haben. Und dass man die Angelegenheit noch einmal genau prüfe." | |||
Belisetha sah die junge Frau eindringlich ein. "Diese Burg birgt noch immer ein düsteres Erbe. Die Suprema, die Inquisition, hat vieles von des Schwarzen Rakolus' Vermächtnis vernichtet, seine Gemächer in dieser Burg versiegeln lassen. Ihr wisst gewiss, dass man Domna Praiosmin damals freigesprochen hat und Dom [[Danilo Caerdonnati von Cres|Danilo von Cres]] für die Schmach, die sie in [[Al'Muktur]] erleiden musste, zur Rechenschaft zog. Letztlich war es der Sprecher der Landstände, Dom [[Alrik de Braast]], der an des Elfen statt einsaß, um der Reichsvogtin Satisfaktion zu verschaffen. Damit schien die Angelegenheit beendet." | |||
Die Junkerin zog ihr Taschentuch hervor und tupfte sich die Stirn ab. Es wurde allmählich warm, und die Luft war drückend. "Doch meine Großnichte, heißt es, habe vor einigen Jahren Domna Praiosmin aus den Händen der Wilden befreit. Sie und einen Knaben, der offenbar ihr Sohn war und der – so heißt es weiter – eine nicht zu leugnende Ähnlichkeit mit dem einstigen Baron von Schrotenstein gehabt haben soll. Wenn dies wahr sein sollte, so hat Dom Danilo die Wahrheit gesprochen, Dom Alrik zu Unrecht die Kerkerhaft verbüßt – und Domna Praiosmin ihr Leben lang gelogen." | |||
Belisethas Kopf pochte noch immer. "Seid so gut", wandte sie sich an Ardan von Kündoch, "gebt mir etwas von dem Wein dort." Sie wies auf eine Karaffe auf einer Anrichte, und der Leutnant goss der Comtessa und ihr von dem [[Thangolgold]] ein, dem halbtrockenen Weißen, der aus dem Lehen der verstorbenen Großmutter der Comtessa im Yaquirischen stammte und den der Haushofmeister aus dem Weinkeller hatte heraufbringen lassen. | |||
Belisetha nahm einen Schluck und spürte der spritzigen, herben Süße nach, ehe sie den Becher abstellte und die Comtessa wieder direkt ansah. "Fischer haben meine Nichte heute Morgen am Seeufer gefunden", sagte sie. "Sie ist schwer verwundet. Wahrscheinlich ... wird sie sterben", fügte sie leiser hinzu, und wieder griffen die kalten, harten Finger nach ihrem Herzen und rissen in ihrer Brust. "Eine Dienerin der Herrin Peraine kümmert sich derzeit um sie, aber es ist nicht sicher, ob sie ihr helfen kann. Die Wunden, so sagt sie, wurden Domna Rifada von einem Dämon beigebracht." | |||
Sie beobachtete die Reaktion der Comtessa genau. "Auch wenn es meiner Nichte vielleicht nicht mehr hilft, so will ich doch, dass dieser Vorfall bis ins Letzte aufgeklärt wird und sollte nicht ein bedauerlicher Zufall an diesem Unglück Schuld sein, sondern ein Mensch, ein Elf, ein Zwerg oder irgendein anderes Wesen, das sich vor Praios, Tsa und Rondra für diese Unaussprechlichkeit zu verantworten hat, so soll dieser dafür zur Rechenschaft gezogen werden mit aller gebührlichen Härte und Konsequenz. Und dies nicht nur, weil das Leben meiner Familia in Gefahr ist, sondern weil ein Dämon Leben und Seelenheil aller Menschen bedroht, die ihm vielleicht noch begegnen. Die Götter seien davor!" | |||
Sie schwieg, umfasste den Weinbecher mit beiden Händen und betrachtete den klaren Tropfen, der an dem Gefäß herab auf ihre Finger rann. | |||
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'''Autor:''' [[Benutzer:Romina Alba|Romina Alba]] | |||
Die Comtessa hatte den Ausführungen der älteren Domna ruhig und nachdenklich zugehört. Sie wusste wahrlich zu wenig über die diversen Machtwechsel in Almada, sie hatte das Ganze schon immer als heilloses Durcheinander empfunden, dem Götterfürsten weder gefällig noch würdig. Aber es gab ja nicht nur den Fürsten, sondern noch elf andere, und Rahja war so ein Tohuwabohu schon zuzutrauen. | |||
Als die Sprache zu dem vorgeblichen Sohn Rakolus' des Schwarzen und der praiosgläubigen Vogtin kam, stutzte Romina. Meinte die Frau Ramin – Richeza hatte ihn Aureolus genannt – das unheilige Kind des Schwarzen mit der Elenterin? Sie war damals, [[Media:Yaquirblick_22.1.pdf|als der bösartige Magier die Landstände in Angst und Schrecken versetzt hatte]], eine junge Knappin und weit ab vom Schuss gewesen, doch selbst in der Südpforte hatte man davon gehört. Sie hatte es gänzlich vergessen. Damals war Praiosmin von Elenta entführt worden. Eines war sicher: Der Mutter sah Ramin nicht ähnlich. Sie musste von irgendwoher ein Bild dieses Rakolus bekommen. | |||
Sie sah auf, als Leutnant Ardan ihr Wein einschenkte, nickte dankend und nahm einen großen Schluck. Das hier war also des Schwarzen Rakolus' Baronie gewesen. Sie dachte an goldene Augen und den Traum, den sie vor Kurzem gehabt hatte, als die Domna auch schon wieder weitersprach. | |||
Sie erzählte von Domna Rifada und einem Dämon, der selbige lebensgefährlich verletzt habe. Romina wurde eiskalt, die Hand mit dem Kelch zitterte, sie stellte ihn ab. Der junge Magier war hier! Bestimmt war er hier, wie er auch auf Castillo Albacim gewesen war. Sie musste sich zusammenreißen. Vielleicht waren es nur ihre Nerven. Deutlich spürte sie den forschenden Blick der Baronin auf sich ruhen. | |||
"Domna Rifada ist hier und wurde auch hier in der Grafschaft von einem Dämon angegriffen?" Sie wusste gar nicht, wo sie beginnen sollte. Dunkle Dinge wurden über Rakolus und seine Machenschaften erzählt. Die Domna sagte etwas von Nachforschungen, schnell nickte die junge Frau. | |||
"Man muss herausfinden, wer solch ein Gräuel begangen hat und ihn festsetzen." Sie wusste nicht viel über Magie, doch es schien ihr unwahrscheinlich, dass so ein junger Mann Dämonen beschwören könnte. Außer – sie wollte es nicht einmal denken – außer er hätte sich den Niederhöllen verschrieben. Wie er sie angesehen hatte, als sie seine Hilfe ablehnte! Romina begann zu zittern. | |||
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'''Autor:''' [[Benutzer:von Scheffelstein|von Scheffelstein]] | |||
Es verging eine Weile, bis Belisetha da Vanya wieder aufsah, doch das Unbehagen der jungen Frau blieb ihr nicht verborgen. | |||
"Seid versichert, Domnatella Romina", sagte sie, "dass ich alles tun werde, um nicht nur meine Familia, sondern auch meine Gäste vor jedwedem Unheil zu bewahren. Nachdem der Schwarze Schrotensteiner vertrieben und die Burg zurück in den Besitz unserer Familia gegangen war, hat mein Bruder, Seine Eminenz [[Amando Laconda da Vanya]], einen Schrein des Herrn Praios in einem der Türme einrichten lassen. Im Fall aller Fälle sind wir dort hoffentlich sicher vor unheiligen Übergriffen. Zudem sind mit meiner Großnichte und ... ihrer Mentorin ... zwei Geweihte der Herrin Rondra anwesend, und derzeit weilt noch die junge Peraine-Priesterin auf der Burg. Seid unbesorgt: Euch wird nichts geschehen, solange Ihr hier seid. Doch wenn Ihr abreisen müsst, so kann ich Euch nur neuerlich raten, so rasch wie möglich gen Ragath aufzubrechen und nicht den Weg nach Süden zu nehmen. Meine Nichte war auf dem Weg nach Wildenfest – wo ich meinen Wohnsitz habe. Und eben auf dem Weg dorthin, wenn auch noch hier am Schwarzen See, scheint es, wurde sie angegriffen. Seid also vorsichtig!" | |||
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'''Autor:''' [[Benutzer:Romina Alba|Romina Alba]] | |||
Romina schloss die Augen und riss sich zusammen. Verdammt, sie durfte vor anderen nicht so schwach sein, sie war eine Ehrenstein und Streitzig. Sie hatte bei den Ferkinas weitaus Schlimmeres erlebt! Was machte sie sich da vor? Hatte sie nicht! Es gab nichts Schlimmeres als einen Dämon! 'Dämonen fressen die Seele, Ferkinas können nur dem Körper schaden. ' | |||
Wildenfels – dort wollte sie ursprünglich auch hin. Sie öffnete die Augen und begegnete dem besorgten Blick Ardan von Kündochs. Kurz hielt sie den Blick, hangelte sich daran hoch und schaute wieder bedeutend ruhiger zu der da Vanya. Denn das war sie, eine da Vanya, auch wenn diese hier freundlicher schien. | |||
"Wie geht es Eurer Nichte? Wird sie ... wird ihre Seele zu Rondra finden? Wir haben uns nicht gut gekannt, und sie ist wahrlich niemand, den man kennenlernen will, nicht einmal wenn man zu Eurer Familia gehört." Domna Rifada hatte Richeza und besonders den jungen Moritatio kaum besser behandelt. "Aber sie hat uns im Gebirge gefunden und mit herausgeführt." Nun ja, mehr oder weniger. "Sie ist mutig wie eine Löwin, sie hat es verdient, an Rondras Tafel zu speisen. Ich werde für sie beten." | |||
Kurz schlug sie die Augen gen Alveran und tastete nach dem Banner, dass sie immer noch am Körper trug. Das Banner, vielleicht konnte es helfen. Sie zog es heraus. | |||
"Ich habe das [[Rossbanner-Orden|Rossbanner]] bei mir, ich trage es seit der Flucht aus dem Lager der Ferkinas. Es ist doch ein Artefakt, sagt man. Vielleicht kann es der Seele Eurer Nichte helfen?" Plötzlich kam sie sich kindisch vor, das Stück dreckiger Stoff hatte niemandem geholfen, damals in der Todesschlucht. Zumindest keinem Rondrianer. Verschämt senkte sie den Blick. | |||
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Belisetha da Vanya bedachte die Kritik an ihrer Nichte nur mit einer leicht gehobenen Augenbraue. Als die Comtessa das Banner hervorholte, streckte sie die Hand aus und berührte das zerschlissene, schmutzige Tuch. Einen Augenblick lang sah es so aus, als wolle sie danach greifen, doch dann ruhten die altersfleckigen Finger sacht auf dem Stoff, und schließlich zog sie die Hand zurück. | |||
"Man ruft die Heilige an zum Schutz wider die Heiden. Ich fürchte, gegen einen Dämon oder die Wunden, die er schlug, wird das Banner kaum helfen." Sie seufzte. "Nehmt es mit und übergebt es Eurem Vater als Komtur des Ordens. Oder lasst es hier, und Gujadanya und Jelissa von Blutfels werden es nach [[Mas d'Hadjinsunni]] zurückbringen, sobald die Zeiten sicherer sind." | |||
Sie trank den Wein aus und stellte den Becher sorgsam zurück auf das Tischchen neben sich. Einen Moment lang herrschte Schweigen. Durch das offene Fenster drangen die Stimmen der Soldaten im Hof herauf. Irgendwo heulte ein Hund. | |||
"Ihr sagtet, Ihr müsstet bald aufbrechen. Bis Ragath sind es etwa dreißig Meilen. Bei einem schnellen Ritt könntet Ihr noch bis zum späteren Abend dort sein. Von da sind es zwei Tagesritte bis Punin, und mit der Kutsche geht es ein wenig schneller. Wenn Ihr Glück habt, schafft Ihr es noch beizeiten zur Hochzeit des Kaisers. Wenn Ihr noch etwas benötigt, zögert nicht, es auszusprechen, Domnatella Romina." | |||
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Die junge Frau nickte fast schüchtern und steckte das Tuch wieder weg. Sie würde es dem Vater mitbringen, die Amazonen hatten nichts mit dem Orden zu tun, außerdem waren sie alles andere als freundlich gewesen. Sie wusste recht gut, dass Amazonen niemals freundlich zu Außenstehenden waren, doch ein wenig Stolz würde sie sich bewahren. | |||
"Es drängt mich nicht allzusehr, es noch zu dieser", sie machte eine kleine Pause, "Hochzeit zu schaffen." Sie räusperte sich und sah Belisetha wieder direkt an. "Mein hoher Vater ist Euer Graf, Domna, auch wenn es vielleicht ungerecht scheint. Wenn Ihr wollt, bringe ich ihm einen Brief von Euch mit. Solange wäre noch Zeit." Sie schaute zu ihrem Leutnant. "Ich werde aufbrechen, sobald Ihr Eure Zeilen beendet habt." Ardan von Kündoch nickte, nahm kurz zackig Haltung an und entfernte sich. Er würde alles für den Aufbruch vorbereiten. Draußen vor der Tür atmete er kurz erleichtert durch und beeilte sich dann, seine Leute zusammenzuholen. | |||
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Belisetha da Vanya nickte und erhob sich. "Ich danke Euch, Eure Hochgeboren. Mögen die Zwölfe Euch sicher nach Hause geleiten", sagte sie und verließ den Salon. | |||
Eine halbe Stunde später brachte ein Diener der Comtessa ein gesiegeltes Schreiben an den Grafen. | |||
* ''Die Geschichte um Domnatella Romina wird hier fortgesetzt: [[Chronik.Ereignis1033 Feldzug Ragath 07|Schauplatz: Ragath, Teil 07]].'' | |||