Chronik.Ereignis1033 Feldzug Selaque 16: Unterschied zwischen den Versionen

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„Tut wie Euch beliebt“, antwortete Hernán von Aranjuez schließlich, nachdem er das Haupt kurz zur Seite gewandt hatte, um zu sehen, was da hinter ihm vor sich ging. „Euch Fesseln anzulegen wird gewiss nicht notwendig sein. Wie ich bereits sagte, Gefangene werden ihrem Rang und ihrem Betragen entsprechend behandelt.“  
„Tut wie Euch beliebt“, antwortete Hernán von Aranjuez schließlich, nachdem er das Haupt kurz zur Seite gewandt hatte, um zu sehen, was da hinter ihm vor sich ging. „Euch Fesseln anzulegen wird gewiss nicht notwendig sein. Wie ich bereits sagte, Gefangene werden ihrem Rang und ihrem Betragen entsprechend behandelt.“  
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'''Autor:''' [[Benutzer:Von Scheffelstein|von Scheffelstein]]
Haha, dachte Richeza, was für ein Possenspiel! Was war der Alte doch für ein Narr, dass er sich freiwillig fesseln ließ:
"Nein, nein", sagte er gerade, an den alten Mercenario gewandt, "bindet mir die Hände, denn so, wie Ihr mit anderen Kindern Tsas verfahrt, so sollt Ihr mit mir verfahren, vor Tsas und der Menschen Augen." Und wirklich beharrte er darauf, bis der Söldner ihm schulterzuckend einen Strick um die Handgelenke wickelte.
Nichtsdestotrotz konnte Richeza nicht umhin, seinen Mut zu bewundern. Der Aranjuez hatte zwischenzeitig so gewirkt, als wolle er den Alten erschlagen. Zu schade, dachte Richeza, falls Tsacharias Krähenfreund wirklich ein Priester war, als welchen Domnatella Romina ihn gelegentlich angeredet hatte, hätte Richeza zu gerne gesehen, wie weit der Condottiere gegangen wäre. Seine Leute jedenfalls waren schon unruhig geworden.
Kurz hatte Richeza überlegt, die Gelegenheit zu nutzen, dem Söldner neben ihr die Zügel des Pferdes zu entreißen und davonzupreschen. Allerdings war das Ross nichts als ein alter Klepper, auf dem sie trotz aller Reitkünste nicht weit käme, und es war nicht gesagt, ob man sie nicht einfach niederschoss.
Sich einfach in ihr Schicksal zu fügen allerdings, fiel ihr schwer, zumal nun ausgerechnet die Harmamund hinauf zum Tor begeben hatte, um Einlass zu verlangen. Aber für den Augenblick hatte sie kaum eine andere Wahl. So bemühte sie sich, der Hitze und ihrer schmerzenden Schulter zum Trotz, um eine aufrechte Haltung und blickte gleichmütig über die Köpfe der Söldner hinweg.


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'''Autoren:''' [[Benutzer:Der Sinnreiche Junker von Aranjuez|Der Sinnreiche Junker]], [[Benutzer:SteveT|SteveT]]
'''Autoren:''' [[Benutzer:Der Sinnreiche Junker von Aranjuez|Der Sinnreiche Junker]], [[Benutzer:SteveT|SteveT]]
   
   
Derweil hatten Morena von Harmamund und der Söldner Berengar ihr Ziel erreicht, als sie einige Schritt vor der hochgezogenen Zugbrücke innehielten. Wirklich viel war auf den Zinnen nicht zu sehen, doch zweifellos lauerte hinter mehr als einer Schießscharte der Tod, sodass zumindest Domna Morena ein wenig nervös wirkte. Dennoch klang ihre Stimme fest und entschlossen als sie rief: „Die Zwölfe zum Gruße! Ich bin Morena von Harmamund, und begehre im Namen Praiosmin von Elentas und Seiner Kaiserlichen Majestät Einlass in dieses Castillo!“  
Derweil hatten Morena von Harmamund und der Söldner Berengar ihr Ziel erreicht, als sie einige Schritt vor der hochgezogenen Zugbrücke innehielten. Wirklich viel war auf den Zinnen nicht zu sehen, doch zweifellos lauerte hinter mehr als einer Schießscharte der Tod, sodass zumindest Domna Morena ein wenig nervös wirkte. Dennoch klang ihre Stimme fest und entschlossen als sie rief: „Die Zwölfe zum Gruße! Ich bin Morena von Harmamund, und begehre im Namen Praiosmin von Elentas und Seiner [[Selindian Hal von Gareth|Kaiserlichen Majestät]] Einlass in dieses Castillo!“  


Tatsächlich tauchten direkt nach dem Ruf der Harmamund zwischen den Schießscharten der Barbakane drei behelmte Köpfe auf. Die zweier bärtiger Männer und in ihrer Mitte der einer recht attraktiven Frau - alle drei trugen frostige Firunsmienen zur Schau, Feindseligkeit lag in ihrem Blick.
Tatsächlich tauchten direkt nach dem Ruf der Harmamund zwischen den Schießscharten der Barbakane drei behelmte Köpfe auf. Die zweier bärtiger Männer und in ihrer Mitte der einer recht attraktiven Frau - alle drei trugen frostige Firunsmienen zur Schau, Feindseligkeit lag in ihrem Blick.
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"Verschwindet! Aber rapido, elendiges Söldnerpack! Hier gibt es für euch nichts zu gewinnen, außer einer harte Bestrafung! Ich bin selbst die Statthalterin Ihrer Hochgeboren Praiosmin, und sie schrieb uns nichts von einem Terzio, das in ihrem Namen reist", brüllte die braunhaarige Frau als Erwiderung herunter. "Wir lösen unsere Probleme selbst und brauchen keine Kriegsgewinnler, die allhier auf fette Beute hoffen. Also los! Verschwindet von diesem Platz, ehe ich euch Beine machen lasse!", drohte sie, worauf einer der Männer neben ihr demonstrativ einen Pfeil aus seinem Rückenköcher zog und mit dem Bogen auf Berengar und Morena zielte.
"Verschwindet! Aber rapido, elendiges Söldnerpack! Hier gibt es für euch nichts zu gewinnen, außer einer harte Bestrafung! Ich bin selbst die Statthalterin Ihrer Hochgeboren Praiosmin, und sie schrieb uns nichts von einem Terzio, das in ihrem Namen reist", brüllte die braunhaarige Frau als Erwiderung herunter. "Wir lösen unsere Probleme selbst und brauchen keine Kriegsgewinnler, die allhier auf fette Beute hoffen. Also los! Verschwindet von diesem Platz, ehe ich euch Beine machen lasse!", drohte sie, worauf einer der Männer neben ihr demonstrativ einen Pfeil aus seinem Rückenköcher zog und mit dem Bogen auf Berengar und Morena zielte.


„Gute Dame“, rief Morena von Harmamund lächelnd hinauf, auch wenn sich ihre Fingerknöchel weiß verfärbten, als sie fester die Zügel griff, sei es ob der bedrohlichen Situation, sei es ob der Wut, was dieser Schnepfe eigentlich einfiel, sie dergestalt zu behandeln. „Ihr missversteht unsere Absichten. Auch ich bin eine Verbündete Ihrer Hochgeboren, und Seine Majestät schickt uns höchstselbst, um Seinen Untertanen hier in Seinen eigenen Ländereien wider Ferkinas und andere Feinde beizustehen. Gerne will ich Euch die schriftliche Order Seiner Exzellenz, des Kaiserlichen Marschalls, zur Ansicht geben.“  
„Gute Dame“, rief Morena von Harmamund lächelnd hinauf, auch wenn sich ihre Fingerknöchel weiß verfärbten, als sie fester die Zügel griff, sei es ob der bedrohlichen Situation, sei es ob der Wut, was dieser Schnepfe eigentlich einfiel, sie dergestalt zu behandeln. „Ihr missversteht unsere Absichten. Auch ich bin eine Verbündete Ihrer Hochgeboren, und Seine Majestät schickt uns höchstselbst, um Seinen Untertanen hier in Seinen eigenen Ländereien wider Ferkinas und andere Feinde beizustehen. Gerne will ich Euch die schriftliche Order [[Gwain von Harmamund|Seiner Exzellenz]], des Kaiserlichen Marschalls, zur Ansicht geben.“  
Damit zog sie das gesiegelte Pergament hervor, welches ihr Hernán von Aranjuez wieder zurückgegeben hatte, und hielt es auffordernd in die Luft.  
Damit zog sie das gesiegelte Pergament hervor, welches ihr Hernán von Aranjuez wieder zurückgegeben hatte, und hielt es auffordernd in die Luft.  
Eine steile Falte bildete sich zwischen den Augen von [[Yegua von Elenta]], was aber höchstens die beiden Büttel hätten erkennen können, die links und rechts von ihr standen.
Eine steile Falte bildete sich zwischen den Augen von [[Yegua von Elenta]], was aber höchstens die beiden Büttel hätten erkennen können, die links und rechts von ihr standen.
   
   
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Yegua wandte sich wieder Morena und Berengar zu: "Es wird Euch gleich ein Eimer herabgelassen - dort legt Ihr Euer Schreiben hinein, damit ich es begutachten kann. Wenn ich es für echt erachte, benötige ich dennoch die Bestätigung Ihrer Hochgeboren, der Reichsvogtin, Euch in ihr Castillo hineinlassen zu dürfen, über das sie mir die Befehlsgewalt erteilte. Diese Anfrage wird per Botentaube vonstatten gehen - wenn Ihr Glück habt, erreicht mich auch heute noch ihre Antwort. Bis dahin werdet Ihr Euch so oder so gedulden müssen - wir leben in unruhigen Zeiten, und ich werde keinem mir unbekannten Kriegshaufen Tür und Tor öffnen - selbst wenn Eure Absichten edel sein mögen. Wartet also einen Augenblick, dann kommt nur Ihr ganz alleine näher und legt Euer Schreiben in den Eimer!"
Yegua wandte sich wieder Morena und Berengar zu: "Es wird Euch gleich ein Eimer herabgelassen - dort legt Ihr Euer Schreiben hinein, damit ich es begutachten kann. Wenn ich es für echt erachte, benötige ich dennoch die Bestätigung Ihrer Hochgeboren, der Reichsvogtin, Euch in ihr Castillo hineinlassen zu dürfen, über das sie mir die Befehlsgewalt erteilte. Diese Anfrage wird per Botentaube vonstatten gehen - wenn Ihr Glück habt, erreicht mich auch heute noch ihre Antwort. Bis dahin werdet Ihr Euch so oder so gedulden müssen - wir leben in unruhigen Zeiten, und ich werde keinem mir unbekannten Kriegshaufen Tür und Tor öffnen - selbst wenn Eure Absichten edel sein mögen. Wartet also einen Augenblick, dann kommt nur Ihr ganz alleine näher und legt Euer Schreiben in den Eimer!"


Berengar konnte hören, wie die Zähne seiner Herrin knirschten. Die Sache mit dem Eimer mochte ja noch angehen, aber dass sie auch dann noch, wenn diese Usurpatorin das kaiserliche Schreiben als echt erachten sollte, vor den Toren ihres eigenen Castillos schmoren sollte…? Rasch legte er ihr beruhigend die Hand auf den Unterarm, bevor sie noch etwas hinauf riefe, was sie bereuen würde. Was sie beide bereuen würden.
So schnaubte Domna Morena von Harmamund kurz, legte aber dann das Pergament in den herabgelassenen Eimer. Einen abschließenden Kommentar konnte sie sich dann aber doch nicht verkneifen: „Seine Kaiserliche Majestät wird nicht erfreut sein, über derlei Verzögerungen.“ Immerhin waren sie hier in Kaiserlich Selaque beide so etwas wie Dienstleute des Kaisers, und wo käme man denn da hin, wenn in [[Punin]] der eine Diener dem anderen die kaiserlichen Pantoffeln verweigerte, um sich zunächst irgendwo langwierig rückzuversichern. Auch darüber wäre seine Kaiserliche Majestät gewiss nicht erfreut.
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'''Autor:''' [[Benutzer:SteveT|SteveT]]
Der Selaquer Baronsbüttel zog den hölzernen Eimer vorsichtig in die Höhe, nachdem Morena von Harmamund das zuvor von ihr hochgehaltene Schreiben mit grimmigem Blick ebendort hineingelegt hatte.
Domna Yegua, die das Ganze mit zusammengepressten Lippen verfolgt hatte, ging es aber offenbar nicht schnell genug, sodass sie dem Gardisten das Seil forsch aus der Hand riss und den Eimer rasch selbst mit hektischen Zügen nach oben auf den elf Schritt hohen Wehrgang der Barbakane ziehen wollte.
Allein - es kam, wie es kommen musste: Der diagonal in die Höhe schnellende Eimer geriet sofort schwankend in Schieflage, und trudelnd fiel das kaiserliche Schreiben heraus und landete in der schlammig braunen Brühe des Wassergrabens, der rund um das Castilllo da Vanya führte. Sofort verwandelte sich das teure Büttenpapier der Depesche in dem fauligen Morast in einen aufgeweichten weißen Klumpen - unter entsetzten Ächzlauten des Selaquer Büttels oben und Domna Morenas unten. 
Die Elenterin dagegen schien ihr Missgeschick nicht sonderlich zu betrüben. "Na, so ein Unglück!", fluchte sie gekünstelt, ohne wirklich bekümmert zu wirken. "Jetzt ist Eure schöne Legitimation dahin, ohne dass ich mich überzeugen konnte, ob es sich nicht bloß um eine plumpe Fälschung handelte." Sie kratzte sich am Kinn und schüttelte den Kopf. "Na, wie soll es jetzt weiter gehen? Zu gerne würde ich Euch Glauben schenken und Euch für einige Tage Speis' und Obdach gewähren - doch wie ich bereits sagte, die Zeiten sind zu gefährlich, einem fremden Kriegshaufen Tür und Tor zu öffnen. Ich schlage deshalb vor, dass Ihr weiterzieht - etwa nach Kornhammer nördlich oder aber praioswärts gen Castillo Albacim, wo meine Base sodann höchstselbst entscheiden kann, ob sie Euch in ihrem Stammsitz Quartier zu gewähren gewillt ist oder nicht. Ich selbst kann Euch diesen Wunsch allhier ohne anderslautende Weisung leider nicht erfüllen, da meine Befehle genau gegenteilig lauten!"
Sie zuckte lapidar mit den Schultern und gab Morena und Berengar dann mit einem Wink zu verstehen, dass sie sich mit diesen Worten von ihrer Seite aus zum Namenlosen scheren konnten ...
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'''Autor:''' [[Benutzer:Der Sinnreiche Junker von Aranjuez|Der Sinnreiche Junker]]
Morena von Harmamund sog scharf die Luft ein, als sich das Schreiben vor ihren Augen auflöste. Sie hatte dem unwillkürlichen Impuls widerstanden, von ihrem Ross zu springen und auf allen Vieren nach den Überresten zu fischen. Stattdessen lenkte sie ihr Ross halb zum Gehen, hielt aber dann doch inne, und sprach, beinahe zu sich selbst, aber laut genug, dass man sie oben auf dem Wehrgang bestens verstehen konnte: „In zwei Wochen wird mein Onkel, des Kaisers Marschall, mit der almadanischen Wehr hier eintreffen, um mit den Ferkinas aufzuräumen. Gewiss wird er sich sehr dafür interessieren, welcher des Kaisers höchsteigenen Vasallen auf Seiner Majestät eigenem Land eine direkte kaiserliche Weisung nicht nur ignoriert, sondern mutwillig und in böswilliger Absicht vernichtet hat.“
Und wiederum, scheinbar an niemanden Bestimmtes gerichtet, doch mit deutlich warnendem Unterton: „Und natürlich auch, wer zum Schaden Seiner Majestät einer solchen Person gefolgt ist …“
Von oben aber kam keine Antwort mehr, sodass Morena von Harmamund davon ausgehen musste, dass die Standpunkte ausgetauscht worden waren. Doch bekanntlich sah man sich immer zweimal im Leben. Also wendete die Nichte des Kaiserlichen Marschalls endgültig ihr Ross, und machte sich, von ihrem Begleiter Berengar gefolgt, langsam auf den Weg hinab ins Dorf Vanyadâl.
Dort wiederum verdüsterte sich die Miene des Condottieres immer mehr. Dass nicht nur der Mercenario herab kam um sie zu holen, sondern stattdessen beide Reiter umgekehrt waren, sprach nicht dafür, dass man sie einlassen würde. Ein Rückschlag, keine Frage, auch wenn er so immerhin dem Dilemma entkommen war, welches die kaiserlichen Befehle ihm hinsichtlich der Suche nach seinen Leuten bereitet hatte. Vorerst zumindest.
Wenig später war die schlechte Ahnung Gewissheit, als ihm seine entfernte Verwandte von dem äußerst unerfreulichen Gespräch berichtete, welches zudem noch das Kaiserliche Schreiben gekostet hatte. Mit zusammen gekniffenen Augen sah der Baron und Junker an der Harmamunderin vorbei, hinauf zum Castillo da Vanya, wohlwissend, dass wahrscheinlich just in diesem Auge diese sture Commandanta auf ihn herab sah. „Und sie hat Euch keinen Namen genannt?“
„Nein“, schüttelte die Angesprochene das Haupt. „Sie sagte lediglich, sie sei die Statthalterin und Base Domna Praiosmins.“
„Keine Ahnung, wer das sein soll…“, brummte Hernán von Aranjuez unleidlich, straffte sich dann aber, und sah wieder Domna Morena an. „So Ihr es wünscht, gebe ich Euch eine berittene Eskorte, die Euch bis zum Einbruch der Dunkelheit nach Castillo Albacim bringt. Ich selbst werde wieder nach Grezzano zu…“
„Wie!?“, unterbrach ihn Morena von Harmamund empört. „Ihr wollt das einfach so auf sich beruhen lassen? Diese impertinente Person sitzt dort oben, und verweigert sich einem direkten Befehl unseres Herrn Kaisers! Und Ihr wollt einfach abziehen?“
„Was bleibt anderes übrig?“, verzog der Condottiere die Mundwinkel, und wies auf das trutzige Castillo. „Seht Euch die Mauern an, Domna Morena. Ich bin recht sicher, dass dort oben nicht mehr als 20 Mann sitzen, denn jedes größere Heer müsste erst an Castillo Albacim vorbei, sodass hier eine kleine Besatzung völlig ausreichend ist. Denn ein Soldat auf den Mauern ist so viel wert wie fünf darunter. Mindestens, und selbst dann würd’s noch eine trefflich blutig Angelegenheit. Weder habe ich einhundert Leute, noch bin ich bereit auch nur einen Fingerhut Blutes für dies Castillo zu vergießen. Mir gefällt es ebenso wenig wie Euch, aber uns bleibt nichts, denn uns für den Augenblick zurück zu ziehen.“
Sprachs, und richtete sich in den Steigbügeln auf um den Zug zu überblicken. „Wir marschieren zurück nach Grezzano!“, rief er laut, und wendete sein Ross, um nun am anderen Ende des Zuges die Spitze zu übernehmen, wobei er den Gefangenen keinen Blick zuwarf, als er ihre Position passierte.
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'''Autor:''' [[Benutzer:Von Scheffelstein|von Scheffelstein]]
"Wartet!", rief Tsacharias Krähenfreund den Condottiere an, als dieser sein Pferd in Bewegung setzte. "Ihr könnt den Toten nicht mitnehmen! Er stammt aus diesem Dorf, und es ist Eure Pflicht, ihm ein borongefälliges Begräbnis im Kreise seiner armen Familie zukommen zu lassen!"
"Aranjuez", rief die Edle von [[Landedlengut Eslamsstolz|Eslamsstolz]] Hernán in diesem Moment an, als er sich anschickte, ihr Pferd zu passieren. "Wollt Ihr Euch jetzt bequemen, den Mund aufzumachen und mit mir zu reden, oder wie lange wollt Ihr Euch noch benehmen wie ein Harmamunder Bauernbaron?"
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'''Autor:''' [[Benutzer:Der Sinnreiche Junker von Aranjuez|Der Sinnreiche Junker]]
Toter? Welcher Tote? Hernán von Aranjuez runzelte die Stirn. Scheinbar war der verwundete Stallknecht mittlerweile verstorben. Wie bedauerlich. Einige Schritte weiter zügelte er sein Ross, drehte sich halb im Sattel um und nickte den beiden verbliebenen Knechten zu, denen man die Hände nicht gefesselt hatte, da sie schließlich ihren Kameraden auf der Bahre tragen mussten. „Ihr da, ihr seid frei. Kümmert euch darum.“ Zufälligerweise hatte er gerade keinen Geweihten dabei, und nachdem in Ksl. Selaque gerade Dutzende Leichen unbestattet lagen, hatte der Condottiere gewiss gerade andere Sorgen. „Vielleicht wollt Ihr ja behilflich sein, sofern es Eurem Seelenfrieden dient“, sah er Tsacharias Krähenfuß an, womit scheinbar auch er in die Freiheit entlassen war. Nicht, dass man ihn vorher gefangen genommen hätte, sondern er hatte sich die Fesseln ja beinahe selbst angelegt.
Dies alles schien freilich nicht für Richeza von Scheffelstein zu gelten, die noch immer mit vor dem Leib gebundenen Händen im Sattel saß, und nun gleichfalls das Zetern begann. Sehr zum Unwillen Domna Morenas freilich, doch gebot ihr der Baron und Junker mit halb erhobener Hand Einhalt. „Harmamunder Bauernbaron?“, wandte er sich stattdessen mit gehobenen Augenbrauen an die Landedle. „Für einen Abkömmling zweier Geschlechter von besseren Bergbauern und Ziegenhirten nehmt Ihr den Mund recht voll, Domna Richeza. Doch soll es nicht heißen, der [[Cortezia]] würde nicht genüge getan, allein weil wir uns fern der Höfe befinden. Was also wünscht Ihr zu wissen?“
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'''Autor:''' [[Benutzer:Von Scheffelstein|von Scheffelstein]]
Richeza kniff die Augen zusammen und überging die Frechheiten des Condottieres. "Ihr befindet Euch hier auf dem Grund und Boden meiner Ahnen, aber Ihr behandelt mich wie eine eidbrüchige Vasallin oder eine von Euren ... Leuten. Verfahrt so mit Euren Junkern oder Soldknechten, wenn's Euch beliebt, aber nicht mit mir! Wenn Ihr der Cortezia nur im Mindesten genügen wollt, nehmt mir die Fesseln ab und lasst mich frei. Ich habe mir nichts zu Schulden kommen lassen, das dieses Euer Benehmen rechtfertigen würde! Und das wisst Ihr sehr gut. Ihr habt weder Anlass noch Recht, mich meiner Freiheit zu berauben. Also lasst mich gehen!" 
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'''Autor:''' [[Benutzer:Der Sinnreiche Junker von Aranjuez|Der Sinnreiche Junker]]
„Es wäre mir neu, dass man jedem Gefangenen ein Ross zur Verfügung stellt, und ihn gegen sein Ehrenwort ungebunden gelassen hätte“, entgegnete der Condottiere kühl. „Freilich, wenn Ihr Euch unbedingt beklagen wollt, kann ich auch befehlen, dass man Euch einen Knebel zwischen die Zähne schiebt, einen Sack übers Haupt zieht, und Euch mit auf den Rücken gefesselten Händen quer über ein Pferd wirft.“
Fragend sah er die Edle an, ob ihr eine solche Behandlung wohl lieber wäre. Bevor sie freilich auf die Idee kommen könnte, tatsächlich eine solche zu fordern – immerhin hatte man schon Pferde kotzen, und Heiler sich in Gefangenschaft nötigen sehen – um sich nachher über die äußerst ungebührliche Behandlung beklagen zu können, ließ er sein Ross seinen Weg an die Spitze des Zuges fortsetzen.
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'''Autor:''' [[Benutzer:Von Scheffelstein|von Scheffelstein]]
"Und mit welchem Recht, Aranjuez", rief Richeza ihm hinterher, "mit welchem Recht glaubt Ihr, mich gefangen halten zu dürfen?" Allmählich gewann die Wut erneut die Oberhand über die Beherrschung. "Ha! Kaum taucht eine verdammte Harmamund auf, vergesst Ihr Euer Benehmen und zeigt, wes Blutes und welcher Gesinnung Ihr in Wahrheit seid! – Finger weg!" Sie trat dem Söldner ins Gesicht, der erneut nach den Zügeln ihres Pferdes greifen wollte und setzte das Tier mit einem Stiefeltritt in Bewegung, ehe er sie aufhalten konnte. Nach kurzem Trab hatte sie den Baron eingeholt.
"Ihr könnt Eure Schindmähre gern zurückhaben, und den Sack könnt Ihr Eurer Blutsschwester über den Kopf ziehen, die ganz sicher nicht zum Frieden in diesen Landen beiträgt. Als wenn es Euch um Frieden ginge!" Sie spuckte aus, und mit einem weiteren Tritt in die Flanken des Tieres, verleitete sie es dazu, einen plötzlichen, erschrockenen Satz vorwärts zu machen, zwei, drei weitere Tritte, und das Tier preschte die staubige Straße voran, und Richeza beugte sich tief über seinen Hals, beide Hände in seiner Mähne.
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'''Autor:''' [[Benutzer:Der Sinnreiche Junker von Aranjuez|Der Sinnreiche Junker]]
Einer der Mercenarios hob die wohlweislich ob der unklaren Lage im Dorf und vor dem Castillo gespannte Armbrust und visierte den Rücken Richezas an, als sich die gepanzerte Hand des Condottieres auf seine Schulter legte. „Nicht schießen“, verkündete er für alle hörbar, um dann seinerseits seinem Ross die Sporen zu geben. Es war eine ungleiche Jagd, denn auch wenn sein eigenes Tier gewiss kein Vorzeigeexemplar almadanischer Pferdezucht war, war es doch unendlich schneller und kräftiger als die zuvor als Lasttier gebrauchte Schindmähre, welche Richeza von Scheffelstein ritt. Entsprechend dauerte es nicht lange, bis er die Flüchtige eingeholt hatte.
Die Landedle blickte immer wieder über ihre Schulter, und sah natürlich den immer näher heran Preschenden, doch ihre verzweifelten Ausweichversuche brachten ihr nur noch einige Augenblicke Gnadenfrist, ehe der Baron und Junker sie am Kragen gegriffen hatte, und aus dem Sattel riss. So gut es ging, hatte er wohl versucht sie festzuhalten, doch war der Aufprall auf dem harten Boden des Vanyatales nichtsdestotrotz schmerzhaft. Richeza riss die gefesselten Arme hoch, überschlug sich mehrfach, und blieb mit aufgeschürften Händen, Knien und Ellbogen, und einer Myriade weiterer blauer Flecken im Staub liegen.
Der Baron und Junker brauchte noch einige Schritt, bis er sein Ross gezügelt und herum gerissen hatte, dann trabte er zu der Gestürzten zurück, die sich soeben noch nicht vollends wieder Herrin ihrer Sinne aufrappeln wollte. Ein beherzter Tritt aus dem Sattel heraus warf sie abermals zu Boden, und Hernán von Aranjuez ließ sein Ross um sie herum tänzeln. Er beugte sich herab, derweil seine Leute, Morena von Harmamund an der Spitze, rasch aufschlossen. Nur für sie beide vernehmlich zischte er: „Bleibt verdammt noch mal liegen! Seht Ihr nicht, dass ich Euch gerade das zweite Mal das Leben gerettet habe? Eure Narreteien haben bereits einen Knecht das Leben gekostet, also tut endlich wie Euch geheißen, bevor noch mehr Menschen zu Schaden kommen. Ich kann gar nicht glauben, dass der [[Ramiro von Alcorta|Alcorta]] Euer Onkel gewesen sein soll…“ 
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'''Autor:''' [[Benutzer:Von Scheffelstein|von Scheffelstein]]


"Mein ... Onkel ... hätte Euch ...", stieß die Edle krächzend hervor, während sie erneut versuchte, sich aufzusetzen. Doch sobald sie den Kopf hob, begann sich alles zu drehen. Ihr wurde übel, das Gesicht des Reiters verschwamm. Sie schmeckte Blut, und der Schmerz schoss so plötzlich in ihren Hinterkopf, dass ihr schwarz vor Augen wurde. Stimmen drangen aus weiter Ferne zu ihr, verklangen in der Dunkelheit.




* ''Die Geschichte um Dom Hernáns Söldner und Domna Richeza wird hier fortgesetzt: [[Chronik.Ereignis1033 Feldzug Selaque 19|Schauplatz: Selaque, Teil 19]].''