Chronik.Ereignis1033 Feldzug Raschtulswall 20: Unterschied zwischen den Versionen
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'''Autor:''' [[Benutzer:Romina Alba|Romina Alba]] | '''Autor:''' [[Benutzer:Romina Alba|Romina Alba]] | ||
Romina war schlagartig wach. Stimmen draussen vor der Höhle. Golshan, die hinter ihr geschlafen hatte, war schon wieder irgendwo unterwegs, die kleine Zaida schlief noch, ebenso wie Onkel Gendahar. Romina kletterte über das schlafende Mädchen und berührte den Onkel an der Schulter. | Romina war schlagartig wach. Stimmen draussen vor der Höhle. Golshan, die hinter ihr geschlafen hatte, war schon wieder irgendwo unterwegs, die kleine Zaida schlief noch, ebenso wie Onkel Gendahar. Romina kletterte über das schlafende Mädchen und berührte den Onkel an der Schulter. | ||
"Onkel Gendahar, wach auf, ich glaube, Domna da Vanya ist zurück! Wir sollten so schnell es geht aufbrechen." Sie schaute sich um. Am glimmenden Feuer lag Praiodor und schlief ebenfalls noch. Vom Richeza und Tsacharias war nichts zu sehen. Sie wandte sich um und schüttelte Zaida. | "Onkel Gendahar, wach auf, ich glaube, Domna da Vanya ist zurück! Wir sollten so schnell es geht aufbrechen." Sie schaute sich um. Am glimmenden Feuer lag Praiodor und schlief ebenfalls noch. Vom Richeza und Tsacharias war nichts zu sehen. Sie wandte sich um und schüttelte Zaida. | ||
"Kleine Waldwachterin, wach auf, es wird bald Tag." Sie musste schmunzeln, als sich aus dem Wuschelhaar ein verschlafenes Gesicht schälte. | |||
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'''Autor:''' [[Benutzer:Ancuiras|Ancuiras]] | |||
"Was ist los?" Der Thangolforster schrak hoch, der Griff ging zum Degen. Erst langsam wurde sein Blick klar. In der Tat, es dämmerte bereits. Da Vanya? Domna Rifada war zurück? Gendahar stand mit steifen Gliedern auf und ging gemächlichen Schrittes zum Ausgang der Höhle. Die Rückkehr der Junkerin war ein gutes Zeichen - hoffte er. | |||
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'''Autor:''' [[Benutzer:SteveT|SteveT]] | |||
Rifada führte den kräftigen Hengst von Raul de Vargas am Zügel vor die Höhle, vor der sie die Gruppe gestern verlassen hatte. Landolo, Zicardo und Gilano folgten ihr mit einer provisorisch aus einer Decke und zwei Stangen gezimmerten Tragbahre mit wenigen Schritten Abstand. | |||
Gujadanya kam ihr aus der Höhle entgegen und grüßte ihre Mutter ganz formell mit dem Schwertgruß, dann aber begann sie doch zu grinsen und drückte Rifada kurz an sich: "Unkraut vergeht nicht, wie Ihr immer sagt, Mutter. Ich war mir gewiß, daß Euch die Elentinerin nicht kleinkriegen würde!" | |||
"Ich fürchte, darüber haben die Götter noch nicht entschieden, Kind!", antwortete ihr Rifada nachdenklich mit gerunzelter Stirne. "Ich hätte mir gewünscht, mehr Schwestern vorzufinden als bloß Jelissa und dich." Sie zuckte mit den Achseln. "Aber sei's drum! Du wirst nach Schrotenstein reiten und dort alle Gefolgschaft sammeln, die Lucrann auftreiben kann. Ist er nicht da, so nimmst du das selbst in die Hand!" | |||
Jetzt erst bemerkte sie auch Richeza, die offenbar gleich nach ihrer Tochter aus der Höhle getreten war. Über ihren hässlichen Lumpen trug sie nun immerhin einen roten Kapuzenumhang, wie ihn normalerweise die Achmad'sunni bei schlechter Witterung trugen - offenbar stammte er von Gujadanya, denn er reichte bei Richezas geringer Körpergröße fast bis auf den Boden. "Alveran sei dank! Du siehst wieder wie ein götterfürchtiger Mensch aus!", schmunzelte Rifada und wank Richeza,, vor der sie - wie Gujadanya sofort auffiel - offenbar keine Geheimnisse hegte, zu ihrer Unterhaltung hinzu. "Wie du siehst, haben meine Knechte die versprochene Trage für den Jungen dabei, um ihn zunächst einmal nach Grezzano zu schaffen. Du musst ihn und die anderen aus Selaque herausbringen - am besten erst einmal nach Kornhammer zum alten Hesindian! Ich kann euch nicht begleiten, weil drunten in Grezzano ein Haufen Kriegsknechte des falschen Grafen liegt, der Aranjuezer ist ebenfalls dort! Sie werden angeführt von einem Strohkopf namens Rondrigo vom Eisenwalde - ein verbitterter, alter Verräterhund, der zu Lebzeiten deiner Großmutter gegen uns und für die Harmamunds kämpfte. Deshalb - mach dich nicht mit ihm und seinesgleichen gemein und ziehe ihn niemals ins Vetrauen!" | |||
"Statt rachsüchtig alte Feindschaften zu pflegen, sollte dein Fokus lieber auf den gegenwärtigen liegen!", korrigierte sie Jelissa Al'Abastra und legte Rifada vertraut die Hand auf den Rücken. "Deine Nichte ist eine erwachsene Frau und weiß lange selbst, was sie zu tun und zu lassen hat." | |||
Rifada nickte mißmutig. "Ja, Jelissa hat recht! Bring' also den Jungen in Sicherheit, dorthin wo es dir am klügsten erscheint, und reite dann auf dem Rückweg nach Quazzano in der Ragathsqueller Mark, wenn du unserer Sache weiter dienen willst. Sag' Amando, dass sie ihm seine güldene Monstranz gestohlen hat - ja, seine Musterschülerin höchstpersönlich - und dass sie dir, mir und Moritatio nach dem Leben trachtete. Wenn er Praiosmin dann noch immer schützen will - dann... dann zum Namenlosen mit ihm!" | |||
"Mutter!", rief Gujadanya entsetzt und blickte zum Himmel. | |||
"Ist doch wahr!", fauchte Rifada und wandte sich dann der Höhle zu. "Moritatio war schon immer ein Langschläfer. Aber wo steckt das restliche Gesindel überhaupt? Wegen seinem flachsköpfigen Töchterlein hat der Tobrier eine halbe Heerschar auf unseren Grund und Boden entsandt, was mir gar nicht schmeckt! Zeit, dass sie mit ihr wieder von hier verschwinden - wenn ich sie auch nur zu gerne geradewegs zu den Ferkinas geschickt hätte, damit sie dort nach ihr suchen ...." | |||
Die Frauen grinsten und lachten verschwörerisch, hörten aber augenblicklich damit auf, als die zerzausten Köpfe der besagten Comtessa und der unvermeidlichen kleinen Waldwachterin Zaida am Höhleneingang auftauchten. | |||
"Da ist sie ja! Frisch auf, mein Kind - Ihr werdet erwartet!", lächelte Rifada falsch und deutete den Weg in Richtung Grezzano hinab. "Euer treusorgender Herr Papa hat reichlich schlechte Gesellschaft zu Eurer Errettung entsandt!" | |||
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'''Autor:''' [[Benutzer:Romina Alba|Romina Alba]] | |||
Das 'Kind' drückte den Rücken durch und zog die Augenbrauen zusammen. | |||
"Habt Dank, Domna da Vanya und seid Euch gewiss, dass ich dafür Sorge trage, dass die schlechte Gesellschaft, so schnell es nur geht, Eure praiotisch beschaulichen Ländereien verlässt." Sie lächelte böse. "Nicht, dass irgend jemand in Almada noch denkt, Ihr hättet die Hilfe von Eurem Grafen in Anspruch genommen, und natürlich bitte ich nachträglich um Verzeihung, dass der Rossbannerorden in Eurer Provinz niedergemacht und ich entführt wurde." Sie machte eine höfische Verbeugung. "Es wird gewisslich nicht wieder vorkommen." | |||
Sie verzog bitter den Mund und drehte sich Gendahar zu, der sie überrascht anschaute. Ihre Hand tastete zu dem Banner, das immer noch in ihrem Brusttuch ruhte. Mit einigen leisen Worten schickte sie Zaida, die wenigen Sachen zu packen, und machte sich auf, nach Golshan und dem alten Heiler zu sehen. Sie fand Tsacharias und ließ sich von ihm nochmal den Weg nach Grezzano erklären. | |||
Golshan kam wenig später zurück, leider nur mit einem kleinen Löffler und einigen Wurzeln und Beeren als Beute. Sie schnatterte etwas, was sich wie einen Entschuldigung anhörte. Romina legte ihr die Hand auf die Schulter und packte alles ein. Sie hatte großen Hunger, doch es drängte sie, von hier weg und zu den Truppen ihres Vaters, wo es richtiges Essen, Kleidung und vielleicht ein Bad gab. Kurz suchte ihr Blick Moritatio, und ihre Hand strich über den schon recht geschundene Umhang, wenigstens einer in dieser komischen Familia, der ein Herz hatte. Als er herübersah, nickte sie höflich und schenkte ihm ein offenes Lächeln. | |||
Dann nahm sie das alte Kurzschwert und den Umhang auf, wünschte allgemein bei Rondra alles Gute und wandte sich dem Weg nach Grezzano zu. | |||
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'''Autor:''' [[Benutzer:Von Scheffelstein|von Scheffelstein]] | |||
Richezas Augen wanderten von ihrer Tante zu der Comtessa und dann zu der älteren Amazone, die so unerwartet mit der Stimme der Vernunft gesprochen hatte. Neugierig musterte sie die kampfgestählte Frau - die Geliebte ihrer Tante!, die doch so anders schien als diese. Als Jelissa Al'Abastra ihrem Blick begegnete, lächelte sie, dann wandte sie sich Rifada da Vanya zu, nachdenklich, ernst. | |||
"Kornhammer ist nicht sicher. Ich werde den Jungen nicht dorthin bringen, denn derzeit kann ich nicht für seine Sicherheit einstehen, und ich möchte ihn nicht in Gefahr bringen. Ich werde nach Ragath gehen und den Jungen und den Alten dorthin mitnehmen, denn der hat versprochen, Praiodor zu helfen." Sie sah zu [[Tsacharias Krähenfreund]] hinüber, der sich soeben von der Comtessa verabschiedete. | |||
Richeza seufzte leise und wandte sich wieder ihrer Tante zu. "Ich werde ... äh ... Euren Oheim von den Vorfällen in Selaque in Kenntnis setzen. Ich werde auch meinem Großvater Nachricht senden müssen, gewiss ist er in Sorge, und ich weiß nicht, wie es um Kornhammer dieser Tage steht." Ihre Pflicht, das wusste sie, wäre es, umgehend nach Kornhammer zurückzukehren, den Jungen gar in die Obhut anderer zu geben, die ihn nach Ragath geleiten würden. Doch nach allem, was gehschen war, wollte sie sich selbst überzeugen, dass er in Sicherheit war, ehe sie ihn verließ. Und nicht zuletzt stand sie in der Schuld Domna Rifadas. | |||
"Was werdet Ihr nun tun, Tante?", fragte sie deshalb. "Wohin werdet Ihr Euch wenden? Und was werdet Ihr tun? Mit Söldnern und Eurer Garde Euer Castillo zurückerobern? Domna Praiosmin auf Albacim heimsuchen?" Beides erschien ihr wenig erfolgversprechend, denn das eine Castillo war so wehrhaft und uneinnehmbar wie das andere. "Vielleicht solltet Ihr warten, bis Dom Hernán die Briefe in Punin abgegeben hat und man die alte Vettel für ihren Verrat büßen lässt." Doch im selben Moment, da sie es ausgesprochen hatte, wusste sie, dass ihre Tante sich niemals auf diesen Vorschlag einlassen würde. Warten, bis die zähen Mühlen höfischer Ämter sich in Gang setzten, um ihrer Familia Gerechtigkeit widerfahren zu lassen? Das konnte Jahre dauern! Und sie hatte Rifada da Vanya nicht eben als geduldige Frau kennengelernt. Nein, zweifellos würde ihre Tante die Sache selbst in die Hand nehmen. Richeza ertappte sich dabei, dass sie Domna Jelissa einen besorgten Blick zuwarf. | |||
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'''Autor:''' [[Benutzer:SteveT|SteveT]] | |||
Wie es Richeza kommen gesehen hatte, schnaufte ihre Tante nur kurz verächtlich und verzog das Gesicht: "Wozu die Fragen? Du gibst dir die Antworten ja bereits selbst! Ich werde selbstverständlich tun, was eine Da Vanya in einem solchen Falle zu tun hat und | |||
was auch deine Großmutter oder unsere Altvorderen getan hätten - nämlich beides! Erst sammele ich unsere Vasallen, Verbündeten und Clientes und erober' unser Castillo zurück und dann besuche ich - oder vielleicht sollte ich sagen: besuchen wir beide - Praiosmin zu Hause auf Burg Albacim und holen uns unsere Schätze zurück! Vergiss nicht, daß sie auch alle Erbstücke und Besitztümer deiner Mutter fortgeschafft hat! Dazu sogar die große güldene Monstranz von Amando - der Himmelsfürst selbst wird also auf unserer Seite sein, wenn wir die Dämonenbuhle heimsuchen ... auch wenn ich dabei ehrlich gesagt eher an ein Commando unter dem Schutz Phexens dachte!" | |||
Sie bemerkte den entsetzten Blick Richezas und auch Jelissas und Gujadanyas angespannte Mienen und so wechselte sie abrupt das Thema, als die Tochter des Tobriers, die kleine Waldwachterin und die Wilde noch einmal in Richtung der Höhle gingen, um ein Bündel zu holen, dass sie vergessen hatten: "...ja, ja ... wie gesagt, kann ich euch leider nicht begleiten", fuhr sie gespielt und noch lauter als sonst fort, "denn ich muss wichtige Dinge in Wildenfest regeln - Gujadanya und Jelissa werden nach Schrotenstein reiten, dir selbst werde ich Nachricht nach Quazzano schicken, was nicht weit von Ragath entfernt liegt. Sieh' zunächst zu, den kranken Jungen schnellstmöglich aus Selaque herauszuschaffen, Moritatio soll euch noch bis zur Ragathsqueller Grenze begleiten und dann zusehen, dass er zurück zu seinem Regiment nach Punin kommt. Hier würde uns der Einfaltspinsel ohnehin mehr schaden als nützen und zudem würde er andernfalls unseren Namen am Kaiserhof beschmutzen. Ach ja, wenn euch unterwegs ein junger Edelmann aus dem Valencagrund namens de Vargas begegnet - sagt ihm, ich halte immer meine Versprechen. Er bekommt sein Pferd plus ein weiteres zurück!" | |||
Da sie bemerkte, dass die anderen der Gruppe, die den ersten Teil des Gespräches nicht mitbekommen hatten, irritiert aber zugleich auch ein wenig erleichtert schienen, dass sie sie nicht weiter begleiten würde, fügte sie noch - speziell an Romina-Alba und Gendahar gewandt hinzu: "Weiter unten in Grezzano lagert ein Heerbann von Dom Hernan, dem auch Kriegsknechte deines Vaters respektive Eures Schwagers angehören. Sie suchen bereits nach Euch, also nutzt die Gelegenheit und ihre halbwegs sichere Bedeckung, um Selaque schnellstmöglich zu verlassen und nach Ragath zurückzukehren, denn unsere Heimat ist für Auswärtige ein äußerst fährnisvolles Land. In den nächsten Wochen werden die Kämpfe noch viel heftiger toben - seht also zu, dass Ihr bis dahin so viele Meilen wie möglich von hier fortkommt." | |||
So ernst, wie sie es sagte, klang Rifada fast wie eine strenge, aber besorgte Mutter - nur dass sie dabei offenließ, ob es ihr wirklich um den Schutz der Adressaten oder doch eher um den Schutz des ihr anvertrauten Landes ging ... | |||
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'''Autoren:''' [[Benutzer:Von Scheffelstein|von Scheffelstein]], [[Benutzer:Ancuiras|Ancuiras]] | |||
Gendahar hatte Romina ein Lächeln zugeworfen ob der guten Nachricht, dass die Leute ihres Vaters schon in Grezzano waren. Und auch Dom Hernán hatte Wort gehalten. | |||
"Habt Dank, Wohlgeboren", richtete er sodann das Wort an Domna Rifada. "Das ist wahrlich gute Kunde! In der Tat erscheint es mir als das Beste, schnellstmöglich nach Grezzano aufzubrechen ... und dann weiter nach Ragath zu ziehen, sobald die Umstände es zulassen." Er überlegte, ob er etwas zu Rifadas Ankündigung weiterer Kämpfe sagen sollte, entschied sich aber dann dagegen. Trotzdem wollte er nicht einfach so davongehen. "Ich ... möchte Euch dafür danken, was Ihr für uns getan habt. Und das, obwohl Ihr gegenüber meinem Schwager ganz offensichtlich einen Groll hegt. Ohne Euch wären ich und Domina Romina nicht wieder heil aus den Bergen zurück gekommen ..." | |||
Richeza runzelte die Stirn. Die Entwicklungen und die Pläne ihrer Tante gefielen ihr gar nicht, aber es war müßig, mit ihr darüber zu streiten, und solange nicht der Junge in Sicherheit war, mochte sie sich nicht mit anderen Sorgen belasten. | |||
"Wartet!", rief sie der Comtessa nach, die sich mit still verhaltenem Zorn ein weiteres Mal zum Gehen gewandt hatte und diesmal nicht gewillt schien, sich von irgendwem aufhalten zu lassen. "Es ist doch unsinnig, wenn Ihr ...", setzte sie an, doch die junge Frau stapfte bereits in den Wald hinein, gefolgt von der kleinen Zaida und der Wilden. "Halt!", wandte sie sich deshalb an Dom Gendahar, der sich offensichtlich gezwungen sah, seiner Nichte zu folgen, und hielt ihn am Arm zurück. "Wartet doch einen Moment! Ich werde Euch begleiten. Es ist doch verrückt, wenn wir alle hintereinander durch den Wald und den Wilden in die Arme laufen. Auch ich gehe nach Ragath, wie Ihr gehört habt, und wenn es Euch genehm ist, so werden wir gemeinsam dorthin reisen." | |||
Gendahar wandte sich zu Romina um und bemerkte erst jetzt, dass sie sich schon auf den Weg in den Wald gemacht hatte. Als Richeza hinter ihr her rief, wollte er hinter Romina her laufen, um sie aufzuhalten, wurde aber von Richzea am Arm zurück gehalten. | |||
Er lauschte ihren Worten und antwortete: "Auch ich halte es für das Beste, wenn wir zusammen reisen, denn dann können die Leute des Grafen auch Euch und den kleinen Praiodor schützen." Und auch sonst spürte er plötzlich, dass es ihm widerstrebt hätte, die Scheffelsteinerin hier und in diesem Aufzug zurück zu lassen. "Warte, Romina, so eilig haben wir es nun auch wieder nicht!" | |||
Richeza nickte ihm zu und dann den jungen Männern aus Domna Rifadas Gefolge. "Geht, holt den Jungen aus der Höhle, aber gebt Acht, er ist verwundet. - Und Ihr", wandte sie sich an Tsacharias, "kommt bitte mit mir, auf dass Ihr dem Jungen helfen mögt. Ich werde dafür Sorge tragen, dass Euch in Ragath nichts geschieht." | |||
Der Alte bedachte sie mit einem unergründlichen Lächeln, aber Richeza drehte sich bereits ihrer Tante zu. Für all das, was sie zu sagen drängte, war nicht die Zeit und nicht der rechte Ort. Also nickte sie auch ihr nur zu und sagte: "Ich werde mir Eure Nachricht in Quazzano abholen." | |||
Die jungen Männer kamen mit der Trage und Praiodor aus der Höhle zurück. Richeza zögerte einen Moment, dann fasste sie Rifada am Arm, kurz über den Eisenschellen, die diese noch immer um ihre Handgelenke trug und blickte ihr fest in die Augen. "Danke. Für alles. Ich weiß, was ich Euch schuldig bin." | |||
Sie trat zu Domna Jelissa und Gujadanya, um sich auch von diesen mit einem Handschlag zu verabschieden. Mit einem kurzen Schulterblick vergewisserte sie sich, dass Rifada abgelenkt war, dann raunte sie Jelissa zu: "Gebt auf sie acht, ich bitte Euch, es würde mich schmerzen, sie nicht wiederzusehen, und auf Euch scheint sie immerhin zu hören!" Rasch drehte sie sich um und winkte dem alten Heiler, Moritatio und Praiodors Trägern, ihr zu folgen. | |||
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'''Autor:''' [[Benutzer:Romina Alba|Romina Alba]] | |||
Romina fühlte sich schlecht. Unzählige Stellen an ihrem Körper brannten oder juckten vor lauter Dreck, ihre Schulter pochte, und sie war wütend. Sie wollte weg von diesen Weibern, denen sie egal war, die sie gar verachteten. Sie wollte raus aus diesem von den Zwölfen verfluchten Gebirge. Sie wollte heim, etwas essen, ein Bad, ein Bett und einfach nur schlafen, drei Wochen ... schlafen, ohne Angst, sauber, weich und warm ... | |||
"Euer Hochwohlgeboren", riss die kleine Zaida sie aus den Gedanken."Euer Onkel, Dom Gendahar", sie zupfte Romina, die einfach weiterging, am Umhang. "Er hat gerufen." Die junge Waldwachterin trat der Comtessa in den Weg und wedelte aufgeregt mit den Armen. | |||
"Ich glaube, wir sollen kurz warten, ich glaube, er will Domna Richeza und den kranken Jungen mitnehmen." Zaida sah, wie sich der Mund der Ragatherin unwillig verzog, jetzt musste sie schnell sein. "Wartet hier, Herrin, ich schaue für Euch nach." | |||
Romina fluchte heftig, versuchte das Mädchen zu fassen, war aber zu langsam. Das hatte ihr noch gefehlt. Diese Zicke von Scheffelsteinerin mitnehmen, die wollte doch sonst nie Hilfe, schlug nach der Hand, die man ihr reichte und biss auch dann noch zu, wenn man sich so weit zurückzog, wie es möglich war. Sie würde die harschen Worte der Frau nie vergessen. Und sie auch niemals wieder bewundern. Doch da war noch der Knabe, der nichts dafür konnte. Mit dem sie verwandt war. Oh, ihr Götter, wenn sie mit dem verwandt war, war sie es womöglich auch mit der Scheffelsteinerin und dann auch mit diesem Mannweib. | |||
Golshan legte ihr die Hand auf den Unterarm und sah sie fragend an. Mühsam entspannte Romina ihre Miene und versuchte ein beruhigendes Lächeln. Es misslang. So nickte sie nur fahrig, nahm die Hand der Wilden und ging mit ihr zurück zum Waldrand, wo Gendahar sie sehen konnte. Dort setzte sie sich, zog Golshan neben sich und schloss müde die Augen. Sie wollte doch einfach nur heim. | |||
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'''Autor:''' [[Benutzer:SteveT|SteveT]] | |||
"Aber wie ... aber was ... aber wohin geht ihr denn?", stammelte Moritatio und stopfte sich das mittlerweile verlodderte und ungewaschene grauweiße Hemd in die Hose. Auf einem Bein vorwärts hüpfend, zog er seine Stiefel an und taumelte schläfrig hinter Landolo und Zicardo her, die wie aus dem Nichts hier mitten in der Wildnis aufgetaucht waren und den Jungen auf einer provisorischen Tragbahre aus der Höhle trugen. Hätte ihn Landolo nicht an der Schulter gerüttelt, wäre er womöglich noch schlafend hier liegen geblieben, während die anderen - allen voran die bildschöne Comtessa - schon den Weg in Richtung Grezzano einschlugen. Und Mutter? Sie war wieder da - genau wie die drei ihm wohlbekannten Knechte. Aber wieso blieb sie offenbar hier zurück? Und Gujadanya und 'Tante' Jelissa anscheinend ebenfalls? "Was ist? Gehen wir nicht mit ihnen?", rief er seiner Mutter und Schwester verwundert zu und hob fragend die Arme. | |||
"Wir nicht - du schon!", antwortete ihm Gujadanya fast ein wenig schadenfroh, während Rifada nur den Kopf schüttelte und hinter den anderen her deutete: "Du begleitest sie bis hinter San Owilmar! Sobald sie in sicheren Gefilden sind und die Landstraße nach Ragath erreicht haben, wendest du Dich nach Punin und kehrst zu deiner Einheit zurück! Ich will nicht, daß du Schande über unseren Namen am Kaiserhof bringst!" | |||
"Aber ich bin doch eh schon viel zu spät, Mutter! Colonello di Lacara wird mich vierteilen! Wenn ich ihm sage, daß wir zuerst unser von Feinden eingenommenes Castillo wieder befreien mussten, wird er vielleicht eher Verständnis haben." | |||
Rifada schüttelte den Kopf. Fast hätte sie gesagt: "Wie willst ''du'' uns dabei nützen?" Sie verkniff es sich aber. Statt ihrer antwortete ohnehin schon Gujadanya: "Los! Du hast gehört, was Mutter gesagt hat! Folge ''deiner lieben Cousine'' und der kleinen Tobrierin und beschütze sie noch ein Weilchen - das ist deine Gelegenheit ..." | |||
Ihr dreckiges Grinsen gefiel Moritatio nicht und auch nicht wie sie 'deine liebe Cousine' sagte. Unter vier Augen hätte er ihr die passende Antwort gegeben, garniert mit einer Kopfnuss, denn die letzten harten Tage im Gebirge hatten ihn einen anderen werden lassen. Aber vor Mutter und Jelissa wollte er nicht als ungehorsam und undankbar dastehen. | |||
"Gut, ich werde sie also begleiten!" Mit einem Seitenblick vergewisserte er sich, dass die anderen zumindest nicht bereits zu weit enteilt waren - Richeza und ihre drei Knechte würde er mit einem kleinen Spurt rasch wieder einholen. "Aber wie geht es hier weiter? Wie erfahre ich in Punin, wie es um Euch steht oder ob ihr meiner Hilfe bedürft?" | |||
"Wenn es so sein sollte, wissen wir schon, wo wir dich finden können, Junge!" murrte Rifada. "Dein Wohnsitz ist schließlich der bekannteste Palast des ganzen Landes. Ich muss zu deiner Großtante Belisetha nach Wildenfest. Solange unser Castillo nicht wieder unser ist, schickst du eventuelle Nachrichten dorthin zu ihren Händen!" | |||
Moritatio nickte traurig. "So sei es! Gehabt Euch wohl alle miteinander und passt auf Euch auf! Ach ... und Mutter ... falls sich die Gelegenheit bietet - verpasst der Reichsvogtin bitte auch einen Schlag von mir. Sie wollte mich töten lassen, dort im Burghof." | |||
Rifada grinste. "Das werde ich, Junge! Einen, den sie nie vergisst! Und jetzt lauf zu - mach uns keine Schande!" | |||
Moritatio nickte und rannte so schnell er konnte hinter Richeza, Gendahar und der Tragbahre mit dem Jungen her. | |||
*''Die Geschichte um Domnatella Romina, Domnita Zaida, Dom Gendahar, Domna Richeza und Dom Moritatio wird hier fortgesetzt: [[Chronik.Ereignis1033 Feldzug Selaque 12|Schauplatz: Selaque, Teil 12]].'' | |||
*''Die Geschichte um Domna Rifada wird hier fortgesetzt: [[Chronik.Ereignis1033 Feldzug Schrotenstein 03|Schauplatz: Schrotenstein, Teil 03]].'' | |||
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