YB37 SENSATION! Das geheime Tagebuch des Rafik v. Taladur!
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Erschienen in den Meldungen des Hauses Yaquirblick Nô 37
Travia 1034 BF (6 Hal II.)
SENSATION!!! Das geheime Tagebuch des Rafik v. Taladur!

PUNIN. Der Yaquirblick ist stolz, seiner geneigten Leserschaft die vielleicht größte journalistische Sensation der vergangenen Götterläufe präsentieren zu dürfen: Das geheime Tagebuch des Rafik Listhelm Maldonado von Taladur ä. H.! Lange hat die Redaktion gewissenhaft geprüft, ob ein so heikles Dokument der Zeitgeschichte verlegt werden darf. Doch obwohl es der Redaktion auf dubiosestem Wege zugespielt wurde (es lag in einem blutenden Stiermagen vor unseren Türen …), dürfen wir unsere oberste Tugend, auch in diesen besonderen Zeiten fundiert zu informieren, nicht vernachlässigen.
Nach eingängiger Prüfung und Bezeugung der zweifelsfreien Echtheit der in Schönschrift auf büttenem Papier niedergelegten Schrift, bereitet die Redaktion des Yaquirblick derzeit die editierte Gesamt-Veröffentlichung des Tagebuchs Seiner Exzellenz vor. Doch leset bereits in dieser Ausgabe Auszüge der hochbrisanten Innenansichten des seines Amtes enthobenen Reichserzkanzlers, welcher momentan im Staatskerker zu Al’Muktur der Erfüllung seines Schicksals harrt!
Notiz vom 14. Praios 1029 BF[1]
-Geheimes Tagebuch des Kanzlers Rafik von Taladur ä. H.
Notiz vom 16. Praios 1029 BF

Lange geplant, mühsam beschaffter Luxus, doch wahrlich, was für ein Fest! Eines Kaisers würdig, prächtig, voller Glanz und Majestät! Musik und Tanz nach bestem Pläsier. Allein die erlesene Zubereitung und geschmackvolle Präsentation des zwölfgängigen Krönungsbanketts gewährte den Göttern Blick auf ihren neuen Statthalter auf dem Dere-Rund. Die Fontainen: gefüllt mit Rosenwasser und Lotusblüten, die Spiegelgemächer: schummrig und geheim.
Auch der Kaiser lächelte an diesem Tag. Doch leider, tanzen kann er nicht, mag nicht, zog sich früh zurück – aber auch dann geschah … nichts. Der verhüllte Blick hinein in das Königsgemach vom Kuppelgewölbe aus mochte in vergangenen Tagen dem Hofstaate ein neckisches Entzücken gewesen sein. Doch Findalion fand es fad – und wirklich, nichts geschieht dort dieser Tage, das hier Erwähnung finden müsste.
Ich vertrat den Thron mit Entzücken und vergnügte mich prächtig. Reizvoll wusste die geschmeidige Gesandte Fasars zu amüsieren – man stelle sich vor, gleich zwei Zungen trägt sie im Munde! So etwas erlebt man nicht aller Tage – und ein gewöhnlicher Tag war dies heute wahrlich nicht.[2]-Geheimes Tagebuch des Kanzlers Rafik von Taladur ä. H.
Notiz vom 20. Rondra 1030 BF
Es schmerzt. Der Kaiser ficht zwar nicht schlecht, doch ohne Eleganz, grob und mit brutaler Gewalt.
Rasch und kraftvoll stößt er zu mit dem alt-königlichen Reitersäbel, als wolle er den Kampf schnell hinter sich bringen. Schnell Blut sehen. Blut schmecken. Mit der Zunge kostete er wie hungrig meinen roten Lebenssaft vom Kalten Stahl seiner Klinge, nachdem er meinen Arm ritzte, die Augen wie irr aufgerissen. Rafik, du wirst alt, wenn dich jetzt schon ein verzogenes Kind besiegt …-Geheimes Tagebuch des Kanzlers Rafik von Taladur ä. H.
Notiz vom 23. Boron 1031 BF

Unterredungen mit S.E., dem Raben von Punin, waren nie besonders ausschweifend.
Nach der Privat-Audienz des Kaisers fasste mich der Altehrwürdige mit bemerkenswert starkem Griff an die Schulter. Seitdem gehen mir seine wenigen Worte, die er mir im Vertrauen und vor den Ohren des Kaisers verhüllt zuflüsterte, nicht aus dem Sinn.
Kann er das, was er sagte, womöglich wörtlich gemeint haben? Oder ist es eines seiner vielen Mysterien? Eine verschlüsselte Botschaft? Oder Klartext?
Ich werde seine Worte in mir tragen. Niemandem werde ich sie anvertrauen, selbst Findalion nicht. Ein Elf würde sie ohnehin nicht verstehen.
Doch wissen wir nicht alle, dass uns der Gnadenvolle Gott eines Tages Einzug in die Göttlichen Paradiese gewähren wird? Und Sünder durch das Tor der Niederhöllen gestoßen werden? Daher begreife ich nicht, was der Rabe mir – warum mir? – heute anvertraute:
„Ich – werde – nicht – sterben!“''-Geheimes Tagebuch des Kanzlers Rafik von Taladur ä. H.
Notiz vom 29. Ingerimm 1032 BF[3]
Die Anspannungen der vergangenen Tage bereiten mir Blähungen im Darmbereich, und Findalion meinte, ich habe Mundgeruch. Windhager Essigfisch und malziges Rotbier – mehr muss ich wohl nicht sagen …
Der Apothecarius Garilla hat eine übel riechende, grünlich dampfende Tinktur gemischt – sündhaft teuer, aber natürlich nur zum Wohle unseres Reiches. Denn jetzt wird es bald dunkel werden, dunkler noch als ohnehin das Gemüt unseres wandelbaren Kaisers. Schwäche zu zeigen, kann ich mir jetzt nicht leisten. Niemals!
Das ist es, was mich Alara lehrte[4] Alara … Warum verliere ich noch Worte über diese eigensinnige, sture und verkrampfte Schabracke? Ja doch, sie hatte für kurze Zeit ihren Reiz. Doch auch der schönste Pfirsich ist, vielfach angebissen und achtlos verklappt, bald von Maden zerfressen - schlicht: unappetitlich.''-Geheimes Tagebuch des Kanzlers Rafik von Taladur ä. H.
Notiz vom 1. Efferd 1033 BF
Tulameth will nicht schwanger werden. Auf den Bauch binden könne man Ihr den Kaiser, und nichts würde passieren. Wie gut, dass dieser, anders als ich, kein Thulamidya versteht, ansonsten hätte er ihr im Zorne ihr schönes Gesicht zerbissen.
Doch der Thron braucht einen Nachfolger, das sehe ich jetzt immer klarer. Je früher, desto besser! Der Kaiser glaubt, er hätte Charme. Davon aber versteht er nichts. Wie von so Vielem.
Ein Opfer muss her, um den Thron, Almada, mein Lebenswerk zu sichern! Soviel ist mir nun bewusst.''-Geheimes Tagebuch des Kanzlers Rafik von Taladur ä. H.
Notiz vom 17. Firun 1033 BF
Tulameth ist schwanger! Wahrlich, ein großer Tag für das Reich, ein ergreifender Tag für mich …
Es war nicht einfach, dies zu erreichen. Der Kaiser darf nie erfahren, wie es möglich wurde. Ich werde mich hüten, selbst hier, in diesem verborgenen Buch, die prickelnden Details zu jenem historischen Ereignis niederzulegen. Freude, soviel sei gesagt, hat es keinem der Beteiligten bereitet.
Aber was zählt, ist das Resultat! Ich werde ein rauschendes Fest vorbereiten lassen. Je größer die Feste, desto größer der Respekt beim Volk, desto geringer die Fragen. Ja, ein großes Fest, davon kriegt Punin nie genug. Uns allen wird es helfen, denn wer schließlich wollte bei so viel Glanz nach dem suchen, was im Schatten liegt? Wahrscheinlich nur der Yaquirblick, vor dem man sich hüten muss!''-Geheimes Tagebuch des Kanzlers Rafik von Taladur ä. H.
Notiz vom 9. Peraine 1033 BF

(Copyright Tristan Denecke 2009)
Wohin gehst du, Almada?
Der Tod ist allgegenwärtig. Seitdem der Kaiser aus dem Raschtulswall mit einer Horde ungesitteter Ferkinas zurückkam, verweile ich so viel als möglich in der Reichskanzlei zu Füßen des Goldackers. Die einst so lebenspralle Eslamidische Residenz ist dieser Tage still, als wäre sie von einem Leichentuch verhüllt.
Dies gilt auch für die Stadt. Das Fehderecht wurde gelockert, Duelle auf das Dritte Blut sind an der Tagesordnung.
Ich kann das nicht gutheißen! Aber ich verliere zunehmend das Gehör des Kaisers. Seit den Tagen der Raschtulswall-Exkursion empfing er mich nur ein einziges Mal. Morbide war unser Kaiser anzuschauen, ganz in Schwarz gewandet, die Augen von schlaflosen Nächten blutunterlaufen.
Ist das noch unser Kaiser? Mein Kaiser? Er verlangte von mir, mich künftig mehr außerhalb von Punin aufzuhalten und mich den äußeren Geschäfte des Reiches zu widmen.
Genau das sollte ich tun …''-Geheimes Tagebuch des Kanzlers Rafik von Taladur ä. H.
Notiz vom 11. Rahja 1033 BF
Zorn überkommt mich, wenn ich an das Massaker von Forte Molnor zurück denke. Das war eine Katastrophe, die uns noch Jahrelang angehängt werden wird.
Ich treffe den Gesandten des Horas nun öfter, doch seine Forderungen für einen erkauften Frieden sind nicht ohne Ehrverlust für Almada möglich.
Almada. Ja, Almada. Denn die Tage unseres Kaiserreiches sind gezählt. Es war ein Fehler. Alles.
Nun werde ich retten, was zu retten mir möglich sein mag. Es ist nun an der Zeit, meine langfristig etablierte Beziehung zu Rondrigan Paligan von Perricum ins Spiel zu bringen.''-Geheimes Tagebuch des Kanzlers Rafik von Taladur ä. H.
Notiz vom 13. Rondra 1034 BF
Es ist ein Knabe. Wahrlich!
Raul-Eslam wollen wir ihn nennen. Er kommt ganz nach der Mutter, mit seinen dunklen Augen und dem traurigen Blick.
Bislang wollte er nicht schreien, als wenn Boron ihm ein eisernes Schweigegelübte auferlegt hätte. Der Unergründliche weiß, was niemals zu Tage kommen darf …
Selten schlug mein Herz für diese Welt höher, als in diesen Tagen. Almada, freu dich mit deinem Erben!''-Geheimes Tagebuch des Kanzlers Rafik von Taladur ä. H.
Notiz vom 3. Efferd 1034 BF
Das Leben hält noch immer Wunder bereit: Heute früh schien uns das Praiosrund blutrot auf die Bettstatt.
So schön sich der Morgen über dem Yaquir erhob, so eindeutig war diese Zeichen des Götterfürsten: Blut wird fließen, gerecht und göttergefällig.
Nachtrag: Auch der Kaiser deutete das Zeichen. Der hinkende Kammerdiener Almando berichtete mir von einem Ritual, das der Kaiser im Schein der bronzeroten Morgensonne im Spiegelsaal durchführen ließ. Das Blut von vierzehn Stieren soll das Parkett getränkt haben. Schreiend hatte Almando die Eslamidische Residenz verlassen, nie wieder wolle er zurückkehren.''-Geheimes Tagebuch des Kanzlers Rafik von Taladur ä. H.
Notiz vom 4. Efferd 1034 BF

Der Kaiser lud mich überraschend zum Bankett.
Wieder einmal zu rohes Fleisch.
Zugegen war neben uns nur der grobschlächtige Vesijo de Fuente y Beiras, der jüngst in der Residenz ein- und ausgeht, wie ich dies vormals tat.
Die Atmosphäre war finster, gesprochen wurde kaum. Genüsslich wischte sich der Kaiser nach dem Mahl den Mund und sprach langsam und fast vergnügt: „Wir mochten Almando – und Ihr, Kanzler?“
Noch auf dem Weg den Goldacker hinab musste ich in der Kutsche mehrfach erbrechen.
Es wird Zeit, dass dieser Kaiser gestürzt wird!''-Geheimes Tagebuch des Kanzlers Rafik von Taladur ä. H.
Notiz vom 7. Efferd 1034 BF
Ich habe Tulameth empfohlen, mit dem Knaben die Stadt zu verlassen. „Zieht Euch nach Cumrath zurück, oder Omlad – flieht diesen Wahnsinn“.
Doch sie will nicht hören. Der Kalif habe sie an die Seite des Kaisers gestellt, hier könnte sie ihrem Vater am besten dienen. Liebe hab sie nie verspürt für Selindian, daher verspüre sie nun auch weder Zorn noch Furcht.
Tapfer ist sie, die Tochter des Kalifen, und sie hat meinen Respekt seit langem verdient!''-Geheimes Tagebuch des Kanzlers Rafik von Taladur ä. H.
Notiz vom 13. Efferd 1034 BF
Findalion, oh Elfenstern. Genommen hat man dich mir, ermordet, weil du Begabungen hast, welche die Menschen nicht kennen. Profitiert habe ich oft davon, und groß ist nun mein Schmerz.
Zerschmettert hat man deinen Schädel. Deine Glieder zerrissen auf offener Straße. Der aufgewiegelte Mob hat dich in Stücke gezerrt und dich zurück ins Licht vertrieben.
Ich weine um dich – und um all die Vielen, die einst von Almada träumten und nun in diesem Albtraum gefallen oder gefangen sind.
Doch Helden sind unterwegs, den Kaiser und sein tiefschwarzes Mysterium aus Almada zu verbannen. Trotz meiner Trauer halte ich die Fäden doch wieder in den Händen – wenn auch nicht für den Kaiser, so doch für Almada.
Selindian, deine Tage sind gezählt!
Ich HASSE DICH!!!''-Geheimes Tagebuch des Kanzlers Rafik von Taladur ä. H.

Hier enden die Aufzeichnungen des Rafik Listhelm Maldonado von Taladur ä. H. Kurz nach Niederschrift des Eintrags vom 13. Efferd 1034 BF wurde der Reichserzkanzler arretiert und nach Al'Muktur verschafft.
Der Yaquirblick lässt das Abgedruckte bewusst unkommentiert. Ziehen wir alle die richtigen Lehren aus den Aufzeichnungen eines einstmals Großen unseres stolzen Almadas.
- ↑ Anm. d. Red.: Tag vor der Kaiserkrönung Selindian Hals.
- ↑ Anm. d. Redaktion: Hintergründe werden recherchiert; möglicherweise Material für eine Enthüllungsgeschichte.
- ↑ Anm. d. Red.: Nach Rückkehr vom Reichskongress auf dem Weißenstein im Windhag, auf dem das Ultimatum Rohajas an unseren Kaiser ausgesprochen wurde
- ↑ Anm. d. Red.: gemeint ist möglicherweise I.K.M. Alara Paligan, obwohl wir aufgrund des Folgenden von dieser Vermutung gerne wieder Abstand nehmen möchten.
